Musik begegnet uns im täglichen Leben ständig. Ob nun durch das eingeschaltete Radio beim Autofahren, der Musik, die im Supermarkt aus den Boxen tönt oder durch das gemeinschaftliche Singen beim christlichen Gottesdienst. Und dies ist keineswegs ein neues Phänomen. Vor allem in verschiedenen Religionen spielte Musik stets eine wichtige Rolle. Um diese Bedeutung an einem historisch relevanten Beispiel aufzeigen zu können, werde ich diese Seminararbeit der religiösen Musik der afro-amerikanischen Sklaven widmen, den Negro Spirituals, deren Wert auf religiöser, kultureller, sowie soziologischer Ebene immens ist.
Negro Spirituals die im 17. Jahrhundert als Musik der Sklaven entstanden und heute noch populäre Musikrichtungen wie Gospel, Jazz oder Blues maßgeblich beeinflussten, sind in den afroamerikanischen Kirchengemeinden vom Gottesdienst nicht mehr wegzudenken. Ich werde erklären, wie es überhaupt zu der Entstehung eines „eigenen“ Liedguts der Sklaven kommen konnte und eine genaue Definition von Negro Spirituals liefern, sowie mögliche Schwierigkeiten in der Differenzierung zur Gospelmusik aus dem Weg räumen. Außerdem werden Negro Spirituals auf ihre Merkmale hin untersucht und bezüglich ihres funktionalen Charakters einer religionssoziologischen Analyse unterzogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Negro Spirituals
2.1 Der Begriff „Negro Spirituals“
2.2 Differenzierung von Spirituals und Gospels
3. Geschichte und Entstehung von Negro Spirituals
3.1 Die Bibel als Grundlage von Negro Spirituals
3.2 Arten von Entstehung der Negro Spirituals
4. Religionssoziologische Betrachtung von Negro Spirituals
4.1 Die Doppeldeutigkeit der Kommunikation am Beispiel von „Go Down Moses“
4.2 Weitere Beispiele für Doppeldeutigkeiten in den Texten der Negro Spirituals
4.3 Der funktionale Charakter der Negro Spirituals
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Negro Spirituals als zentrales religiöses und kulturelles Phänomen der afroamerikanischen Sklaven in Nordamerika und analysiert deren soziologische Bedeutung sowie Entstehungsgeschichte.
- Historische Entstehung und Einordnung der Negro Spirituals
- Begrifflichkeit und Abgrenzung gegenüber Gospelmusik
- Die Rolle der Bibel als Grundlage und Inspirationsquelle
- Religionssoziologische Funktionen, insbesondere als Identitätsstifter und Kommunikationsmedium
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Doppeldeutigkeit der Kommunikation am Beispiel von „Go Down Moses“
Schon diese Zeilen genügend, um auf die hintergründige Bedeutung des Spirituals aufmerksam machen zu können. Auf den ersten Blick mag das Lied, wie die meisten Spirituals, sich um ein „harmloses“, religiöses Volkslied handeln, ohne Doppeldeutigkeiten. Und auch, wenn mit diesem Lied durchaus der starke Glaube ausgedrückt werden sollte, wird man dem Spiritual nicht gerecht, wenn man es nur als Nacherzählung einer alttestamentlichen Begebenheit ansieht.
Worauf „Go Down Moses“ anspielt, dürfte bekannt sein. Es bezieht sich auf die Bibelstelle in der Gott zu Moses spricht und ihn auffordert, das Volk der Israeliten aus ihrer Sklavengefangenschaft in Ägypten zu befreien. Und da wird auch schon klar, warum dieses Lied für die afro-amerikanischen Sklaven von solch immenser, tiefgehender Bedeutung war. Die damaligen Sklaven waren vor allem von den Bibelstellen fasziniert, in denen es um das „Volk Gottes“ ging, das in einem fremden Land versklavt wurde, aber schließlich von einem von Gott „erweckten“ Anführer aus der Gefangenschaft geführt wurde. Dort sahen sie nämlich deutliche Parallelen zu ihrer eigenen Situation. Sie waren das „Volk Gottes“, versklavt und gefangen in „ihrem Ägypten“, den USA. Dem Spiritual „Go Down Moses“ liegt die tiefe Hoffnung zugrunde, dass die Geschichte sich wiederholt und Gott sie aus ihrer Gefangenschaft befreit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung religiöser Musik ein und umreißt die Absicht, Negro Spirituals soziologisch sowie historisch zu untersuchen.
2. Definition von Negro Spirituals: Dieses Kapitel erläutert die Etymologie des Begriffs und klärt die begriffliche Abgrenzung zu modernen Gospel-Formen.
3. Geschichte und Entstehung von Negro Spirituals: Es wird dargelegt, wie die Bibel als Grundlage diente und auf welche Weise die Lieder in Gottesdiensten oder durch wandernde Sänger entstanden.
4. Religionssoziologische Betrachtung von Negro Spirituals: Das Kapitel analysiert die Doppeldeutigkeit der Texte als verschlüsselte Kommunikation und untersucht die identitätsstiftende Funktion der Lieder.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Spirituals die zentrale Form gelebter Religion und ein wesentliches soziales Konstrukt zur Bewältigung der Sklaven-Existenz darstellten.
Schlüsselwörter
Negro Spirituals, Sklaverei, afroamerikanische Geschichte, Religionssoziologie, Bibel, Gospelmusik, Doppeldeutigkeit, Identitätsstiftung, Kommunikation, Gottesdienst, Musikgeschichte, Empowerment, Überlebensstrategie, afro-christlicher Glaube, funktionaler Charakter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung, der Entstehung und der Definition von Negro Spirituals, dem geistlichen Liedgut der versklavten Afroamerikaner in Nordamerika.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung, die religionssoziologische Funktion der Lieder sowie die Schwierigkeiten der Abgrenzung zu später entstandener Gospelmusik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den hohen Stellenwert der Negro Spirituals auf religiöser, kultureller und soziologischer Ebene aufzuzeigen, besonders als Mittel zur Identitätsstiftung und Kommunikation.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen religionssoziologischen Analyseansatz, um die Lieder im Kontext von Funktion und Bedeutung für die Gesellschaft der Sklaven zu betrachten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Begriffsdefinitionen, eine historische Einordnung der Entstehung sowie eine tiefgehende Analyse der symbolischen und funktionalen Bedeutung der Spiritual-Texte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff "Negro Spirituals" sind Begriffe wie Doppeldeutigkeit, Identitätsstiftung, Sklaverei und soziologische Funktion entscheidend.
Inwiefern dienen Spirituals als Kommunikationsmittel?
Die Texte enthalten oft eine doppelte Botschaft: Einerseits religiöse Hoffnung, andererseits verschlüsselte Informationen, etwa zur Flucht oder zur Warnung vor Gefahr, die von den Sklavenhaltern oft nicht dechiffriert wurden.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Spirituals und Gospels?
Der Autor grenzt sie durch ihre Entstehungsweise und Kommerzialisierung ab, wobei er betont, dass Gospel stärker produziert und kommerziell orientiert ist, während Spirituals improvisatorisch aus dem Sklavenalltag erwuchsen.
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- Lukas Lohmer (Author), 2010, Negro Spirituals - Religionssoziologische Bedeutung, Entstehung und Definition des geistlichen Volksliedes der afro-amerikanischen Sklaven, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169939