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Von der Anti-Atomkraft-Bewegung zur Gründung der Partei "Die Grünen". Eine Metamorphose?

Title: Von der Anti-Atomkraft-Bewegung zur Gründung der  Partei "Die Grünen". Eine Metamorphose?

Examination Thesis , 2011 , 80 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jens Goldschmidt (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Diese Arbeit soll der Frage nachgehen, inwieweit diese Bewegung als Basis für die politische Partei Die Grünen angesehen werden kann, ob die im Titel der Arbeit aufgestellte These einer Metamorphose zutreffend ist, oder ob es sich dabei lediglich um zwei unabhängig voneinander ablaufende, sich möglicherweise beeinflussende, Prozesse handelt. Nach der Definition des Biologen Portmann3 bedeutet Metamorphose Umgestaltung, Umwandlung und Verwandlung von Lebewesen. Dieser Veränderungsprozess lässt die Materie eines Lebewesens zwischen zwei Stadien jedoch unangetastet. Sie bleibt die gleiche. Die Frage, ob diese Definition auch auf den Übergang von der Anti-Atomkraft-Bewegung zur politischen Partei Die Grünen zutrifft, die Bewegung sich also eins zu eins in eine Partei verwandelt oder weiterentwickelt, wird im Laufe der Arbeit zu erarbeiten sein. [...] Diese Arbeit basiert im Wesentlichen auf Literatur der einschlägigen Bewegungs- und Parteienforscher wie Raschke, Rucht, Roth und Stöss, jedoch werden an entsprechenden Stellen auch Dokumente und/oder Literatur aus dem Archiv ‚Grünes Gedächtnis‘ der Heinrich Böll Stiftung in Berlin verwendet, welches der Autor im Zuge seiner Recherche aufsuchte. Da es in dieser Arbeit um die Frage gehen soll, ob die westdeutsche Anti-Atomkraft-Bewegung im Sinne einer Metamorphose zur grünen Partei geworden ist und nicht darum ob und wie die Bewegung in der Partei weitergelebt hat, beschränkt sich der Betrachtungszeitraum im Wesentlichen auf die Zeit von 1950 bis 1980.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politischer Protest

2.1 Begriffsklärung: Engagement, Protest, Widerstand

2.2 Öffentlichkeit und öffentliche Meinung – was ist das?

2.3 Mobilisierung als Bewegungsbasis

2.4 Akteure und Institutionen

2.4.1 Bürgerinitiativen

2.4.2 Soziale Bewegungen

2.4.2.1 Abgrenzung soziale Bewegung - politische Partei

2.4.3 Natur- und Umweltschutzverbände

2.4.4 Interessenverbände

2.5 Protestformen

3. Die Anti-Atomkraftbewegung der 1970er Jahren

3.1 Kernenergie(-politik) in der Bundesrepublik Deutschland – historisch

3.2 Frühe Bürgerinitiativen, Konfliktpunkte und -orte

3.2.1 Wyhl: Blaupause der Bewegung (ab 1974)

3.2.2 Gorleben – Widerstand aus Stadt und Land (ab 1977)

4. Die politische Partei ‚Die Grünen‘

4.1 Neue soziale Bewegungen – Fundament der Grünen?

4.2 „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt.“ – Die Gründung der Bundespartei

4.2.1 Phasen der Parteigründung

4.2.2 Die Gründungsparteitage – Eine Gründung in drei Akten

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der westdeutschen Anti-Atomkraft-Bewegung und der Gründung der Partei „Die Grünen“ im Hinblick auf die These einer Metamorphose. Dabei wird analysiert, ob die Partei als direkte Fortführung der Bewegung zu betrachten ist oder ob es sich um zwei eigenständige Prozesse handelt.

  • Theoretische Grundlagen von politischem Protest, Widerstand und Mobilisierung.
  • Politisch-geschichtliche Entwicklung der Kernenergie in der Bundesrepublik Deutschland.
  • Analyse der Proteste an den Konfliktorten Wyhl und Gorleben als Ausgangspunkte der Bewegung.
  • Untersuchung der Parteigründung der Grünen und deren personelle und inhaltliche Verwurzelung in sozialen Bewegungen.
  • Bewertung der strukturellen und inhaltlichen Metamorphose zwischen außerparlamentarischer Bewegung und Parteiensystem.

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Wyhl: Blaupause der Bewegung (ab 1974)

„Rückt […] die EWG [Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Anm. d. Autors] noch näher zusammen, was allgemein erwartet wird, wird das Rheintal zwischen Frankfurt und Basel die Wirtschaftsachse überhaupt werden. Ob dann noch Platz für Umweltschutz ist, muß bezweifelt werden. Sachverständige […] sind deshalb der Ansicht, die Ebene soll für die gewerbliche und industrielle Nutzung freigegeben werden, während die Funktionen ‚Wohnen‘, ‚Erholung‘ usw. […] in den Seitentälern des Rheins angesiedelt werden sollten […]“

Diese Mitteilung aus dem Staatsanzeiger von Baden-Württemberg zeigt sehr prägnant die Pläne seitens des Staates, wie sich die Rheinebene zu entwickeln hat. Kernkraftwerke sind dabei also nur als ein Teil eines ganzen Sortiments an Groß- und Grundstoffindustrien zu sehen, die sich entlang des Rheins ansiedeln könnten. Der Umweltschutz ist dabei offensichtlich zu vernachlässigen. Auch das Leben der Menschen spielt eine untergeordnete Rolle und wird in die Seitentäler des Rheins verlagert.

Das von der Kernkraftwerk-Süd GmbH geplante und – so viel sei bereits vorweggenommen – nie realisierte Atomkraftwerk Wyhl soll ursprünglich im rund zwanzig Kilometer entfernten Breisach errichtet werden. Nachdem dort jedoch vorwiegend die örtliche Bevölkerung, insbesondere die Winzer und Bauern erheblichen Widerstand in Form von Kundgebungen, Protestmärschen und der beachtlichen Zahl von 60.000 Einsprüchen geäußert hatten, wird das Vorhaben 1973 in das ebenfalls in Südbaden gelegene Wyhl verlegt, löst dort jedoch einen regelrechten Sturm der Entrüstung aus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um die Atomkraftnutzung ein und formuliert die Forschungsfrage, ob die Anti-Atomkraft-Bewegung als Basis für die Partei „Die Grünen“ dienen kann.

2. Politischer Protest: In diesem Kapitel werden zentrale Begriffe wie Engagement, Protest, Widerstand, Öffentlichkeit und Mobilisierung theoretisch definiert und der organisatorische Rahmen von Akteuren wie Bürgerinitiativen, sozialen Bewegungen und Verbänden erläutert.

3. Die Anti-Atomkraftbewegung der 1970er Jahren: Das Kapitel bietet einen historischen Rückblick auf die Entwicklung der Kernenergiepolitik in Deutschland und analysiert anhand der Konfliktorte Wyhl und Gorleben die Entstehung der Anti-Atomkraft-Bewegung.

4. Die politische Partei ‚Die Grünen‘: Hier wird der Gründungsprozess der Partei „Die Grünen“ untersucht, insbesondere deren Fundament in neuen sozialen Bewegungen und die verschiedenen Phasen bis zur Parteigründung.

5. Fazit: Das Fazit bewertet die zentrale Forschungsfrage und kommt zu dem Schluss, dass die Entstehung der Grünen eher als komplexer Einfluss verschiedener Bewegungen denn als einfache Metamorphose zu bezeichnen ist.

Schlüsselwörter

Anti-Atomkraft-Bewegung, Die Grünen, Politischer Protest, Widerstand, Bürgerinitiativen, Kernenergie, Umweltschutz, Soziale Bewegungen, Mobilisierung, Parteigründung, Basisdemokratie, Ökologie, Gesellschaftlicher Wandel, Ziviler Ungehorsam, Wyhl, Gorleben.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er Jahre und der Entstehung der Partei „Die Grünen“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind politischer Protest, soziale Bewegungen, die Kernenergiepolitik in Deutschland und der Gründungsprozess einer neuen Partei aus außerparlamentarischen Strukturen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Übergang von der Anti-Atomkraft-Bewegung zur Partei „Die Grünen“ im Sinne einer Metamorphose verstanden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Auswertung historischer Dokumente und der Typologisierung von sozialen Bewegungen und Parteien basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Begriffs „Politischer Protest“, eine Analyse der Atomkraftgeschichte und ihrer Konfliktorte (Wyhl, Gorleben) sowie eine detaillierte Betrachtung der Parteigründung der Grünen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Anti-Atomkraft-Bewegung, soziale Bewegungen, Bürgerinitiativen, „Die Grünen“ und politischer Wandel.

Welche Rolle spielten die Konflikte in Wyhl und Gorleben für die Grünen?

Diese Orte gelten als „Blaupause“ und Identifikationspunkte, an denen sich sowohl Argumentationsstrukturen als auch personelle Netzwerke bildeten, die später in die Partei einflossen.

Was war der ausschlaggebende „politische Innovationssog“?

Claus Offe begründet dies mit neuen politischen Problemlagen (Umwelt, Nachrüstung) und dem Integrationsversagen etablierter Volksparteien gegenüber ökologischen Fragestellungen.

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Details

Title
Von der Anti-Atomkraft-Bewegung zur Gründung der Partei "Die Grünen". Eine Metamorphose?
College
University of Siegen
Course
Politikwissenschaft
Grade
1,7
Author
Jens Goldschmidt (Author)
Publication Year
2011
Pages
80
Catalog Number
V169945
ISBN (eBook)
9783640884698
ISBN (Book)
9783640884438
Language
German
Tags
anti-atomkraft-bewegung gründung partei grünen‘ eine metamorphose die grünen geschichte die grünen akw protest 1980 Thema Atomausstieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens Goldschmidt (Author), 2011, Von der Anti-Atomkraft-Bewegung zur Gründung der Partei "Die Grünen". Eine Metamorphose?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169945
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