Die Expedition gegen Paros: Das letzte Abenteuer des Miltiades


Seminararbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Gründe für den Feldzug gegen Paros
1.1. Athens Stellung in Hellas nach Marathon
1.2. Die Familienpolitik des Miltiades
1.3. Die Wirkung der Demagogie des Miltiades auf den attischen Demos
1.4. Reiche Beute: Die wirtschaftliche Prosperität Paros'

2. Gründe für das Scheitern des Miltiades
2.1. Die Legende der Timo - das Demeterheiligtum
2.2. Strategische Missgeschicke und taktische Inkompetenz
2.3. Persien im Anmarsch? Der Waldbrand auf Mykonos

Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Als die Athener im Jahr 490 v. Chr. auf der Ebene von Marathon, unweit von Athen, den Sieg über die persischen Truppen unter den Feldherren Datis und Artaphernes errangen, eröffnete sich für sie ein bisher unbekannter Handlungsspielraum in der Außenpolitik. Unter den siegreichen Athenern tat sich auch mit dieser Schlacht ein Mann hervor, der für das kommende Jahr die Geschicke der Polis leiten würde und sinnbildlich für die neue Politik Athens stehen würde: Miltiades der Jüngere, ehemaliger Tyrann der Chersones und Entwickler der attischen Kampftaktik in Marathon. Miltiades ist in den wenigen Monaten seiner, an die Tyrannis der Peisistratiden erinnernden, Allmacht, ein Spiegel der Athener selbst und Hoffnungsträger eines neuen Selbstverständnisses. Im Jahr 489 v. Chr. machte der „Sieger von Marathon“ der athenischen Volksversammlung, laut Herodot, das Angebot auf die Eroberung von Ländereien „wo sie sich mit leichter Mühe Gold in Menge verschaffen könnten“1. Obwohl das Ziel der Expedition nicht genannt wird, so gibt uns doch Herodots Nacherzählung die Intention, dass Paros das Primärziel war. Das Volk stimmte mit großer Mehrheit dem Vorhaben zu und stellte eine Flotte von 70 Schiffen unter das persönliche Kommando des Miltiades. Eine Armada dreimal größer als sie zum ionischen Aufstand einige Jahre zuvor geschickt wurde. Die Begeisterung mit der sich die Athener hinter die Weisungen eines Mannes stellten, erweckt den Eindruck, dass nicht einmal ein Jahr nach Marathon, Athen nun doch in der Gewalt eines Alleinherrschers war. Herodot lässt uns, als Hauptquelle, über die genauen Gründe für den Feldzug allerdings im Unklaren.

Logischerweise erscheint die Frage zu wichtig, um übergangen zu werden. Lag der Feldzug wirklich im Interesse der athenischen Bevölkerung, oder war er nur eine verkappte Entschädigungsaktion des Miltiades für seine verlorenen Gebiete in der Chersones? Und warum lief alles ausgerechnet auf die Eroberung der winzigen Kykladen- Insel Paros hinaus? Die vorliegende Thematik ist recht kontrovers diskutiert worden und schwierig zu entwirren. Ich werde im vorliegenden Werk versuchen, mithilfe Herodots Berichterstattung und der neuesten Forschung, die Argumente für einen Feldzug gegen Paros miteinander zu verknüpfen, und einen Zusammenhang zwischen der athenischen Gesellschaft und den Ambitionen des Miltiades herzustellen. Ebenfalls soll der plötzliche Abbruch des Feldzuges genauer analysiert werden, der letztlich zum Sturz des Miltiades führt und die Athener in eine tiefe politische Krise stürzt. Ziel der Arbeit soll es sein, den plötzlichen Beginn und Abbruch des Feldzuges in einen logischen Zusammenhang mit dem historischen Kontext zu stellen und seine Folgen zu schildern.

1. Gründe für den Feldzug gegen Paros

1.1. Athens Stellung in Hellas nach Marathon

Die Erfahrungen mit dem Feldzug des Datis und Artaphernes hatten den Athenern gezeigt, was für eine strategische Bedeutung, die Inselgruppe der Kykladen für einen Überfall auf ihre Polis besaß. Als Dareios I. 491 v. Chr. Gesandte an alle größeren Polis Griechenlands geschickt hatte um Erde und Wasser als Zeichen der Unterwerfung zu fordern, wurden diese zwar in Athen und Sparta wider das Gesandtenrecht exekutiert, doch hatten die Kykladen der persischen Forderung zugestimmt und ihre förmliche Unterwerfung kundgetan. Die Insel Naxos blieb dabei die einzige Ausnahme, wurde allerdings vom persischen Invasionsheer schnell besiegt.2 Die Kykladen stellten für die Perser eine schnelle Operationsbasis dar, von denen sie jederzeit in wenigen Tagen vor jeder beliebigen Polis in Attika, Boötien, Euböa oder gar der Peleponnes auftauchen konnten. Für die Athener war das ebenso offensichtlich wie für Miltiades. Im Falle eines erneuten persischen Kriegszuges gegen Athen musste diese Operationsbasis den Persern im Vorfeld genommen werden. Die persischen Rüstungsbestrebungen der nächsten Jahre verdeutlichten die Priorität der Eroberung dieser strategischen Inseln. Bei Herodot schreibt, dass „für den Zeitraum von drei Jahren in Asien eine fieberhafte Bewegung herrschte und alle brauchbare Mannschaften wurden zum Zuge gegen Griechenland ausgehoben“4.

Es wäre naiv zu glauben, dass derartige Rüstungsbestrebungen in Athen unbemerkt geblieben wären. Die Strategen in Athen hielten es also für angebracht den Präventivschlag gegen die Kykladen zu wählen. Nachdem Naxos 490 v. Chr. von den Persern verheert wurde, übernahm die Insel Paros die Vorrangstellung in der Inselgruppe.5 Ein Feldzug gegen die Inseln schien also nur von Erfolg gekrönt zu sein, wenn Paros an die Athener fallen würde. Über eine stärkere Seepräsenz der Athener waren sich auch die beiden großen „Parteien“ innerhalb der athenischen Politik einig. Die Gruppierung um Themistokles allerdings vertrat die Ansicht nur durch einen massiven Ausbau der Flotte Athens gegen eine persische Invasion gerüstet zu sein. Große Expansionspläne lehnten sie ab, um auf den Krieg mit Persien in der Heimat vorbereitet zu sein. Die Zahl der Kriegsschiffe Athens befand sich allerdings nie über 50 Kampfschiffe und der Bau von 200 weiteren Schiffen wie es Themistokles vorschwebte, hätte den damaligen finanziellen Rahmen Athens gesprengt.6 Der Opposition um Miltiades und Aristeides dagegen lag ein sofortiges Flottenrüstungsprogramm fern. Ihrer Ansicht zufolge musste mit den vorhandenen Schiffen und Truppen eine sofortige maritime Expansion Athens stattfinden, um aus der sich ergebenden Beute die Flottenrüstung zukünftig zu finanzieren.7 Dies leuchtete der Bevölkerung eher ein, als die Pläne des Themistokles. In dieser Zeit zeichnete sich zusätzlich ein neuer innergriechischer Konflikt ab. Seit der Verheerung Eretrias, 490 v. Chr. durch die Perser, fiel die maritime Vorherrschaft in Griechenland an die Polis Athen und Aegina, die sich zunehmend in einen Konkurrenzkampf und schließlich in einen offenen Krieg hineinsteigerte.8 Die logische Folge war, für Miltiades und seine Anhänger, eine rege Expansionspolitik Athens zu betreiben um Aegina, das sich 491 v. Chr. sogar den Persern angeschlossen hatte, einen Riegel vorzuschieben und dessen Ambitionen im Zaum zu halten. Schon in der Vergangenheit hatte Athen eine eher unkoordinierte Expansionspolitik betrieben. In vergangenen Tagen hatte Athen bereits ein Bündnis mit Plataiai geschlossen - ein Erbe aus der Zeit der Peisistratiden. Ebenfalls wurden gegen Ende des 6. Jahrhunderts Eleutherai und Oropos durch die Siege über Boioter und Chalkidier angeschlossen und Kolonisten in Chalkis angesiedelt.9 Dabei unterlagen diese Annektionen keinem klaren Plan, sondern sind eher als Folge außenpolitischer und militärischer Gelegenheiten zu sehen.10 Die Expedition gegen Paros sollte nun diese unkoordinierte Außenpolitik ablösen.

Die zielgerichtete Expansion Athens in die Ägäis hätte aber die regionale Vorherrschaft und damit einen klaren Bruch mit der traditionellen Politik bedeutet.11 Eine Präsenz zur See musste allerdings auch dem in Sachen persischer Kriegsführung erfahrenem Miltiades einleuchten und unabdingbar erschienen sein, der seinen Ruhm als „Sieger von Marathon“ ausschließlich seinem Sieg zu Land, auf offenem Feld zu verdanken hatte.12 Eine Ausweitung seiner militärischen Kompetenz auf das Meer, und das Riskieren seines gesamten Ruhmes bei einem möglichen Scheitern des Feldzuges gegen Paros, kann also nicht alleine mit seinem Patriotismus für Athen begründet werden. Nur zu genau wusste Miltiades wie schnell sich die Gunst des Volkes, bei einer Niederlage, gegen ihn wenden konnte. Die politischen Gegner um Themistokles würden außerdem die Situation nutzen, um ihn innenpolitisch zu isolieren und ihn zu stürzen, damit sie ihr Flottenprogramm durchsetzen konnten.13 Für einen Feldzug gegen die Kykladen und vor allem Paros drängt sich nun also die Frage auf, ob es noch andere Gründe gab, außer der außenpolitischen Situation Athens nach Marathon und dem damit entstandenem Machtvakuum, während die persischen Armeen mit ihren Rüstungen beschäftigt waren. Eine derartige Begründung lässt sich nur in der Person und den Ambitionen des Miltiades selbst finden, der für den Feldzug sogar alle Vollmachten vom Volk verliehen bekam, die er für eine unbegrenzte Ausweitung des Feldzuges brauchte.14

1.2. Die Familienpolitik des Miltiades

Im Athen der klassischen Zeit stritten vor allem zwei große Adelsfamilien um Ansehen und Macht: Die Alkemeoniden und die Philaiden, wobei Miltiades zu letzteren gehörte. Die Philaiden wurden von den Athenern befugt am Hellespont den Schutz der eigenen Bevölkerung auf der Chersones zu gewährleisten. Die Philaiden knüpften durch Heiraten auch engen persönlichen Kontakt ans thrakische Fürstenhaus.

Miltiades war Ende des 6. Jahrhunderts auf der Chersones zur Herrschaft als Tyrann gelangt, wo er ausgedehnte Goldminen besaß und sogar eine thrakische Prinzessin zur Frau hatte.15 Mit dem Eintreffen der Perser änderte sich die Situation für Miltiades. Zwar wurde er vom Großkönig Dareios als Tyrann anerkannt, doch war er von nun an nichts anderes als ein Vasall im Dienste der Perser. Auch musste er, wie wir von Herodot erfahren, während des persischen Syktenfeldzug auf die Brücke über den Hellespont aufpassen.16 In dieser Situation verhielt er sich zwar loyal gegenüber dem „König aller Könige“, doch kommt seine mangelnde Treue und seine Erbitterung gegenüber den Persern, denen er wohl auch Kontributionen regelmäßig abtreten musste, beim ionischen Aufstand zum tragen, als er sich mit fliegenden Fahnen auf die Seite der Aufständischen stellte.17 Doch kurze Zeit später war der Traum von erneuter Unabhängigkeit zerstört und Miltiades musste, unter Androhung eines tödlichen Prozesses, von der Chersones fliehen. Er kam mit fünf Trieren zurück nach Athen, wo seine Familie noch Macht und Ansehen besaß.18

[...]


1 Hdt. VI 132.

2 Green, Peter, The Greco-Persian Wars, Berkeley 1996, S. 29.

4 Hdt. VII 1.

5 Rubensohn, O., Art. „Paros“, in: Paulys Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft, Band 36, Stuttgart 1965, S. 1815.

6 Green, S. 44.

7 Schachermeyr, Fritz, Die Sieger der Perserkriege. Große Persönlichkeiten zwischen Beifall und Missgunst. Zur Problematik des geschichtlichen Erfolgs, Göttingen 1974, S. 35f; Enßlin., Art „Miltiades“, in: Paulys Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft, Band 30, Stuttgart 1965, S. 1688f.

8 Myres, John L., Heroduts Father of history, Oxford 1966, S. 214.

9 Welwei, Karl-Wilhelm, Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. Und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999, S. 39; Myres, S. 214.

10 Welwei, S. 39.

11 Ebd., S. 39.

12 Schachermeyr, S. 35.

13 Green, S. 44.

14 Hdt. VI 132.

15 Schachermeyr, S. 1702-1704.

16 Hdt. IV 137-138.

17 Myres, S. 213; Enßlin., S. 1687f.; Schachermeyr, Fritz, Die Sieger der Perserkriege, S. 27.

18 Myres, S. 213.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Expedition gegen Paros: Das letzte Abenteuer des Miltiades
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Die Perserkriege
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V169983
ISBN (eBook)
9783640884919
ISBN (Buch)
9783640885053
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Perserkriege, Paros, Miltiades, Trieren, Marathon, Schlacht von Marathon, Datis, Dareios I., Herodot, Griechenland, Persien, Kykladen, Mykonos, Athen, Attika
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts (B.A.) Geschichte Tim Altpeter (Autor), 2008, Die Expedition gegen Paros: Das letzte Abenteuer des Miltiades, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169983

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