Um 1900 warf eine Reihe von Entdeckungen Fragen auf, die dringend einer Erklärung bedurften. Das ging von der Entdeckung des Elektrons über die Röntgenstrahlung bis hin zur Radioaktivität1. Die umfassende Antwort war die Quantenmechanik.Sie beschreibt das Verhalten von Materie und Licht exakt. Ein mathematischer Formalismus der als „Grundgleichung“ der Quantenmechanik fungieren kann, ist die sogenannte Schrödingergleichung. Sie wurde 1926 vom Österreicher Erwin Schrödinger entwickelt und in seiner Arbeit „Die Quantisierung als Eigenwertproblem“ veröffentlicht, für die er 1933, zusammen mit Paul Dirac, den Nobelpreis für Physik erhielt. 2 Es ist Ziel dieser Facharbeit, eine Deutung der Quantenmechanik, insbesondere eine physikalische Interpretation der Schrödingergleichung darzulegen. Außerdem wird die eindimensionale, zeitunabhängige Schrödingergleichung für grundlegende Beispiele diskutiert und berechnet.
Inhaltsverzeichnis
1. „Die größte Errungenschaft der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts“
2. Der Weg zur Schrödingergleichung
3. Die Deutung der Quantenmechanik
3.1 Die Wahrscheinlichkeitsinterpretation
3.2 Die Kopenhagener Deutung
3.3 Kritik an der Kopenhagener Deutung
3.4 Everetts viele-Welten-Interpretation
4. Aufenthaltswahrscheinlichkeiten und Energiewerte
4.1 Klassische Aufenthaltswahrscheinlichkeiten und Energiewerte
4.2 Aufenthaltswahrscheinlichkeit und Energiewerte in der Quantenmechanik
5. Der Quantenmechanische Tunneleffekt
5.1 Der α-Zerfall
5.2 Die Kernfusion
6. Das Wasserstoffatom nach Schrödinger
6.1 Entwicklung der Schrödingergleichung
6.1.1 Das Coulomb-Potential
6.1.2 Atomare Einheiten
6.2 Numerisches Lösungsverfahren
6.3 Berechnung mit MODELLUS 4.01
6.3.1 Ermittlung der Eigenenergiewerte
6.3.2 Berechnung des Bohrschen Atomradius
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Grundlagen der Quantenmechanik zu erläutern, insbesondere die physikalische Deutung der Schrödingergleichung. Dabei wird untersucht, wie die mathematische Beschreibung der Wellenfunktion mit physikalischen Realitäten wie Aufenthaltswahrscheinlichkeiten, dem Tunneleffekt und der Struktur des Wasserstoffatoms verknüpft ist.
- Herleitung und mathematische Deutung der Schrödingergleichung
- Vergleichende Analyse der Interpretationen der Quantenmechanik (Kopenhagener Deutung vs. Viele-Welten-Interpretation)
- Quantitative Analyse von Aufenthaltswahrscheinlichkeiten in Potentialtöpfen
- Erklärung quantenmechanischer Phänomene wie Tunneleffekt, Alpha-Zerfall und Kernfusion
- Numerische Modellierung des Wasserstoffatoms mittels der Software MODELLUS 4.01
Auszug aus dem Buch
3. Die Deutung der Quantenmechanik
Schon im Jahr 1926 existierten vier äquivalente mathematische Beschreibungen der Quantenmechanik. Zum einen die Matrizenform von Heisenberg, die sogenannte q-Zahl-Mechanik, auch Quantenalgebra genannt. Außerdem Borns und Wieners Rechnung mit Operatoren und zum anderen Schrödingers Wellengleichung. Sie war die einzige Form, die die Lösung von quantenmechanischen Aufgaben mit Hilfe der damals konventionellen Mathematik ermöglichte. Und trotzdem blieb ein Bezug zur Realität zunächst aus, die variable ψ besaß keine anschauliche Interpretation. In der Wellengleichung Schrödingers kommen Konstanten wie m, also die Masse, vor, die charakteristisch für Teilchen sind. Daran kann man erkennen, dass weder die Teilchenvorstellung, von atomaren Objekten, zum Beispiel Elektronen, noch die Wellenvorstellung ein vollständiges Bild liefern. Dieser Dualismus wirft Fragen zum Realitätsbezug der gesamten Quantenmechanik auf. Im Folgenden wird zuerst die Interpretation der ψ-Funktion gegeben, dann die sogenannte „Kopenhagener Deutung der Quantentheorie“, und zuletzt eine alternative Deutung von Hugh Everett dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Die größte Errungenschaft der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts“: Einleitung in die Bedeutung der Quantenmechanik als fundamentale Basis der modernen Naturwissenschaften und Einführung in das Ziel der Arbeit.
2. Der Weg zur Schrödingergleichung: Beschreibung des heuristischen Ansatzes, die Schrödingergleichung durch den Vergleich mit der Optik und den Materiewellen von De Broglie mathematisch zu begründen.
3. Die Deutung der Quantenmechanik: Überblick über die verschiedenen mathematischen Zugänge zur Quantenmechanik und Erörterung der physikalischen Interpretation der Wellenfunktion.
4. Aufenthaltswahrscheinlichkeiten und Energiewerte: Gegenüberstellung klassischer und quantenmechanischer Betrachtungsweisen von Teilchen in Potentialtöpfen unter Verwendung der Schrödingergleichung.
5. Der Quantenmechanische Tunneleffekt: Qualitative Diskussion des Phänomens des Tunneleffekts und dessen Bedeutung für kernphysikalische Prozesse wie den Alpha-Zerfall und die Kernfusion.
6. Das Wasserstoffatom nach Schrödinger: Anwendung der Schrödingergleichung auf das Wasserstoffatom unter Verwendung numerischer Lösungsverfahren und der Software MODELLUS 4.01.
7. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse und Reflexion über die Grenzen des Verständnisses quantenmechanischer Prozesse.
Schlüsselwörter
Quantenmechanik, Schrödingergleichung, Wellenfunktion, Kopenhagener Deutung, Viele-Welten-Interpretation, Aufenthaltswahrscheinlichkeit, Tunneleffekt, Alpha-Zerfall, Kernfusion, Wasserstoffatom, MODELLUS 4.01, Numerische Verfahren, Eigenenergiewerte, Bohrschen Atomradius, Quantendualismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der physikalischen Deutung der eindimensionalen, zeitunabhängigen Schrödingergleichung und deren Anwendung auf verschiedene quantenmechanische Phänomene.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder sind die mathematische Herleitung der Wellengleichung, die Interpretation der Quantenmechanik (insbesondere die Kopenhagener Deutung), der Tunneleffekt und die Berechnung von Energiezuständen im Wasserstoffatom.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die quantenmechanische Wellenfunktion zu entwickeln und zu zeigen, wie diese mathematisch berechnet und physikalisch interpretiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden theoretische physikalische Herleitungen verwendet sowie eine numerische Modellierung mittels der Software MODELLUS 4.01 zur Lösung der Schrödingergleichung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Gleichung, die Diskussion der verschiedenen quantenmechanischen Interpretationen sowie die praktische Anwendung der Gleichung auf das Wasserstoffatom und den Tunneleffekt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Schrödingergleichung, Wellenfunktion, Quantenmechanik, Kopenhagener Deutung und Tunneleffekt charakterisiert.
Warum spielt die Software MODELLUS 4.01 eine Rolle?
Die Software ermöglicht die numerische Lösung der Schrödingergleichung, da für komplexere Systeme wie das Wasserstoffatom keine einfachen geschlossenen mathematischen Lösungen existieren.
Was besagt die Kopenhagener Deutung über den Zustand der Katze im berühmten Gedankenexperiment?
Nach der Kopenhagener Deutung befindet sich die Katze vor der Messung in einem Zustand der Superposition, in dem sie gleichzeitig als tot und lebendig betrachtet wird; erst durch die Beobachtung wird der Zustand kollabiert.
Wie unterscheidet sich die "Viele-Welten-Interpretation" von der Kopenhagener Deutung?
Im Gegensatz zur Kopenhagener Deutung geht die Viele-Welten-Interpretation davon aus, dass kein Kollaps der Wellenfunktion stattfindet, sondern sich das Universum bei jeder Messung in verschiedene Realitäten aufspaltet.
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- Stefan Müller (Author), 2011, Die Berechnung der eindimensionalen zeitunabhängigen Schrödingergleichung für einfache Potentiale und ihre physikalische Bedeutung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169988