The Man Of Feeling

Die in diesem Roman dargestellte Männlichkeit und ihre Einordnung in den historischen Kontext


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
17 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Männlichkeitsbilder
2.1 Die männlichen Ideale der damaligen und heutigen Zeit

3. Männlichkeitsbilder in The Man Of Feeling
3.1 Der sensible Mann und das Scheitern des fühlenden Mannes in der Gesellschaft

4. Fazit

5. Quellenverweise und benutzte Literatur

1. Einleitung

Der Empfindsame Roman The Man Of Feeling[1], welcher 1771, vorerst anonym, von Henry MacKenzie (1745-1831) veröffentlich wurde, ist einer der bedeutendsten Romane seiner Zeit. Der Schottische Autor war einer der Ersten, der seine dramatis personae, aber vor allem seinen Protagonisten Harley, mit den Tugenden der Empathie und des Mitleides ausstattete.

Die Epoche der Empfindsamkeit ging davon aus, dass der Mensch von Natur aus gut sei und auch nicht die Vernunft die maßgebende Qualität des Menschen sei, sondern dass gerade die bereits erwähnte Empathie und das Mitleid diese Qualitäten ausmache.[2] Nach Auffassung der Empfindsamkeit, welche vorwiegend von 1740- 1790 ihren Ausdruck hatte, hatten Gefühle einen großen Anteil an den ethischen Entscheidungen. Das Gefühl war nicht mehr länger ein Makel des Menschen, sondern zeichnete ihn als sittlichen Mitbürger aus.

Auch Henry Mackenzie nimmt diesen Eindruck in seinem Roman auf, indem er den Protagonisten Harley, den „man of feeling“, als sehr sensiblen, wohltätigen und verletzlichen Mann darstellt. Harley wird als ein Subjekt vorgestellt, welches starkes Mitgefühl mit seinen Mitmenschen hat und dadurch oft in für ihn schwierige Situationen gerät. Es ist nicht verwunderlich, dass der Roman sofort erfolgreich war, da er die Bedürfnisse der Menschen in dieser Zeit aufgriff und ihnen einen Einblick in die neue Humanität ermöglichte. Dies tat Mackenzie jedoch nicht, indem er den Lesern eine neue Lebens- und Denkweise präsentierte, die ein besseres Leben versprach, sondern er wollte eher einen Wandel im Denken hervorrufen. Da der Protagonist in TMOF mit seiner Wesensart vielmehr droht in der Gesellschaft zu scheitern, regt Mackenzie so das Überdenken und Abwägen, das kritische Hinterfragen und das subjektive Empfinden des Lesers an und präsentiert ihm, dem Leser, keine Patentlösung des richtigen menschlichen Verhaltens in der Gesellschaft.

In der folgenden Arbeit möchte ich versuchen, das von Henry MacKenzie präsentierte Männlichkeitsbild darzustellen. Um dieses in Abgrenzung zum traditionellen Bild zu verdeutlichen, möchte ich in Punkt Zwei sowohl die herkömmliche Rolle des Mannes des 18. Jahrhunderts als auch die heutigen Rollenklischees kurz anreißen, um Parallelen und Schlüsse ziehen zu können.

2. Männlichkeitsbilder

Was macht einen Mann männlich? Ist sein Wesen biologisch bedingt, weil die Hormone sein Verhalten steuern oder bestimmt die Gesellschaft den idealen Mann? Wenn letzteres der Fall ist, wie kann der Mann sich dann im Wechsel der gesellschaftlichen Verhältnisse zurechtfinden? Und wenn doch die Hormone schuld an allem sind, kann der Mann als Individuum dann überhaupt den jeweiligen Anforderungen seiner Mitmenschen gerecht werden?

Diese Fragen beschäftigten mich, als ich mich zum ersten Mal wirklich mit dem Thema des männlichen Ideals auseinander setzen musste. Die meisten dieser Fragen werde ich nicht in dieser Arbeit, wenn überhaupt, beantworten können, mein Hauptaugenmerk soll jedoch auf dem Einfluss der Gesellschaft auf die Rolle des Mannes liegen.

Ich behaupte, dass sich das Männlichkeitsbild im Laufe der Zeit immer wieder stark verändert hat und sich dennoch verschiedene wünschenswerte (von der Gesellschaft) Charakterzüge über die Jahrhunderte hinweg fest im Denken vieler Menschen beharrlich gehalten haben. So galt der Mann schon in der Steinzeit als Jäger, der für das leibliche Wohlergehen seiner Familie verantwortlich war. Er war dazu bestimmt, seine Angehörigen zu verteidigen und musste deswegen von jeher eine große Portion an Mut und Tapferkeit mitbringen. Alle Männer, die diesem Ideal nicht entsprechen konnten, waren dazu verdammt, ein Leben ohne Aussicht auf Fortpflanzung zu führen, da sich nur die Stärkeren durchsetzten.

In der heutigen Zeit ist es um die Männer nicht mehr so dramatisch bestellt, doch können wir wirklich von einer geschlechterunabhängigen Gesellschaft sprechen, in der jedes Individuum die gleichen Chancen und Rechte auf Selbstverwirklichung hat? Schon Friedrich Schiller zeigte in seinem Gedicht Das Lied von der Glocke 1799, dass sich viele Ideen aus der Steinzeit tradiert haben:

„Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben,

muß wirken und streben und pflanzen und schaffen,

erlisten, erraffen, muß wetten und wagen,

das Glück zu erjagen.

Da strömet herbei die unendliche Gabe,

es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,

die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.

Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau,

die Mutter der Kinder, und herrschet weise

im häuslichen Kreise, und lehret die Mädchen,

und wehret den Knaben, und regt ohne Ende

und mehrt den Gewinn mit ordnendem Sinn.

. [3]

Auch Friedrich Nietzsche zeigte 100 Jahre später, dass sich das Ideal des kämpferischen Mannes immer wieder durchsetzt:

„Der Mann soll zum Kriege erzogen werden und das Weib zur Erholung des Kriegers: alles Andere ist Torheit.“[4]

Der Mann hatte stark, mutig und hart zu sein, damit er den Ansprüchen gewachsen war, die Frau und Familie zu versorgen.

In dem folgenden Unterpunkt möchte ich einen kurzen Abriss der Männlichkeitsbilder des 18. Jahrhunderts und der heutigen Zeit darstellen, damit man die Wichtigkeit der Neuerungen in TMOF in seiner Gesamtheit nachvollziehen kann.

2.1 Die männlichen Ideale der damaligen und heutigen Zeit

Jungs heulen nicht!

Wer hat diesen Satz so oder in abgewandelter Form nicht schon einmal gehört. Es hält sich auch in unserer Gesellschaft immer noch hartnäckig das Gerücht, dass ein echter Mann nicht weinen darf, jedenfalls nicht bei unangebrachten Anlässen. Doch wann darf ein Mann weinen ohne das er als ein so genannter „Softie“ gilt? Die Rolle des Mannes hat sich meiner Meinung nach nicht wirklich verbessert, da an ihn immer mehr Anforderungen gestellt werden. Es herrscht in der westlichen Kultur, auf die ich mich in dieser Arbeit beschränken möchte, in Sachen Männlichkeitsideal eine große Uneinigkeit.

Auf der einen Seite wird immer noch von den Männern erwartet, dass sie im Beruf Karriere machen und somit Statussymbole erreichen müssen. Um diesen beruflichen Erfolg zu erreichen, wird von dem Mann erwartet, dass er sich seiner Konkurrenz gegenüber behaupten kann. Er muss also wieder einmal Stärke, Hartnäckigkeit, Leistung, Disziplin und viele weitere Eigenschaften zeigen, damit er sich beweisen kann. So ist die von vielen Frauen geforderte Elternzeit des Mannes oft nur schwer durchzuführen, da der Mann so viel Zeit verliert, die er für die Durchsetzung seiner Karriereziele hätte verwenden können. Nimmt er seine Chance auf Elternzeit, trotz dieser Risiken, doch wahr, wird er von Kollegen und Freunden oft belächelt und kann die von ihm geforderten Statussymbole erst später oder überhaupt nicht mehr erreichen. Er ist also immer noch in der Rolle des Jägers und Sammlers der Steinzeit gefangen. Auf der anderen Seite wird von Männern, oftmals in Beziehungen, Einfühlsamkeit, Sensibilität und Gefühlsbetontheit erwartet; diese Gefühle widersprechen jedoch den Anforderungen des Arbeitslebens und den gesellschaftlichen Rollenklischees. Diese Beispielssituationen zeigen das Dilemma, in dem sich der heutige Mann wiederfindet.

Doch wie sah die Rolle des Mannes in der Zeit aus, in der MacKenzies Roman entstand?

Er hatte mit Sicherheit nicht das Problem, sich zwischen dem beruflichen Erfolg und dem harmonischen Familienleben gewissermaßen entscheiden zu müssen. Doch auch der Mann des 17./ 18. Jahrhunderts hatte die Schwierigkeit, eine individuelle Persönlichkeit zu entwickeln. Durch den gesellschaftlichen Druck, dass nur gewisse Gefühle eines Mannes zulässig waren, wurden die Männer sozusagen ihrer Menschlichkeit beraubt. Es schickte sich nicht, sich in der Öffentlichkeit von seinen Gefühlen leiten zu lassen und diese auszuleben. Dieses Wesen war den Frauen zugeschrieben und war den Männern höchst zuwider.

„Das Modell, nach dem die Emotion in dieser philosophischen Tradition gedacht wird, bleibt sich von der Antike bis ins 18. Jahrhundert im Wesentlichen gleich: die »Passion« oder »Leidenschaft« ist eine Bewegung der Seele durch sinnlich wahrgenommene Lust und Unlust. Sie ist das sinnliche Pendant zum Willen, der die Bewegung der Seele durch das intellektuell erkannte Gute und Übel ist. Die Seele ist dabei zunächst passiv dem auf sie einwirkenden Sinneseindruck ausgesetzt und gibt dann diese Bewegung aktiv an den Körper weiter. Passionen werden also passiv und unwillkürlich erlitten…[5]

Dieser Auszug aus dem Beitrag Catherine Newmarks macht deutlich, dass die Gefühle von der Passion gesteuert wird, auf das der Betroffene keinen Einfluss hat und etwas, das ich nicht kontrollieren kann, macht mir Angst, jedenfalls den damaligen Männern, wenn mir dieser Kommentar erlaubt ist. Doch zu der Zeit der Sentimentalen Literatur ging ein Wind der Veränderungen durch die Reihen der Männer, die etwas auf sich hielten: anstatt ihre Gefühle zu unterdrücken, war es nun dringend notwendig, möglichst viel Gefühl zu zeigen, um dazu zu gehören.

„Man wollte in den Augen seiner Mitmenschen besser erscheinen als man war; man begann in altruistischen Redensarten zu schwelgen und wurde außerordentlich verschwenderisch mit seinen Tränen.“[6]

Zwei völlig gegensätzliche Verhaltensweisen standen sich gegenüber und wir als Leser können uns vorstellen, wie schwierig es war, sich gesellschaftlich richtig zu verhalten. Doch auch dieser damalig neue Trend machte es den Männern nicht einfacher, menschlich zu sein, da, meiner Meinung nach, auch hier wieder die Klischees ein Entfalten der Persönlichkeit nicht möglich machten.

Ich denke, dass man feststellen kann, dass sich der heutige Mann mehr denn je in einer Identitätskrise befindet. Auch die Idealvorstellung vieler Personen, dass die Gesellschaft den Menschen als Individuum sieht, losgelöst von den Einschränkungen des „sex“ und des „gender“, erscheint mir zum jetzigen Zeitpunkt noch in weiter Ferne.

3. Männlichkeitsbilder in The Man Of Feeling

In Henry Mackenzies Roman The Man Of Feeling wird dargestellt, wie der Protagonist Harley versucht, in einer gefühllosen Welt mit seiner Wohltätigkeit, Güte und Empathiefähigkeit zu bestehen. Mackenzie führt dadurch einen neuen Typen des klassischen Helden ein, nämlich den des Mannes, der Gefühle zulässt und sich seinen Mitmenschen gegenüber mitfühlend verhält.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[7]

Schon beim Betrachten des Covers der Oxford World’s Classic Ausgabe wird der dort abgebildete Mann als nachdenklicher Mensch dargestellt, der seinen Gedanken nachhängt. Meiner Meinung nach ist dieses Bild sehr gut gewählt, da es bereits die Neuerungen in Bezug auf die im Roman dargestellte Männerrolle verdeutlicht.

[...]


[1] Im Verlauf der Arbeit werde ich den Titel des Romans häufig durch die Abkürzung TMOF abkürzen.

[2] http://www.leinstein.de/media/2432/erzaehlliteratur%201700-1830.pdf. Zugriff am 15.01.2011.

[3] Schiller, Friedrich: Das Lied von der Glocke. In: Werke in vier Bänden. Caesar Verlag. Wien 1980.

[4] Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. Reclam Verlag. Ditzingen 1986.

[5] Newmark, Catherine: „Weibliches Leiden – männliche Leidenschaften. Zum Geschlecht in älteren Affektenlehren“. In: Feministische Studien. Lucius und Lucius Verlag. Stuttgart 1/08. S. 9f.

[6] Schwarz, Hans: Henry MacKenzie. Züricher Inaugural-Dissertation. Winterthur 1911. S. 19.

[7] http://photo.goodreads.com/books/1173137975l/250329.jpg. Zugriff am 15.01.2011.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
The Man Of Feeling
Untertitel
Die in diesem Roman dargestellte Männlichkeit und ihre Einordnung in den historischen Kontext
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V169993
ISBN (eBook)
9783640885206
ISBN (Buch)
9783640885268
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
feeling, roman, männlichkeit, einordnung, kontext
Arbeit zitieren
Anke Rehder (Autor), 2011, The Man Of Feeling, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169993

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