Das Mediensystem Japans

Nippons Medien in ihrer Rolle als „vierte Gewalt“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Rolle der Medien im politischen Prozess
2.1. Medienfunktionen
2.1.1 Informationsfunktion
2.1.2. Artikulationsfunktion
2.1.3. Kritik- & Kontrollfunktion
2.2. Grundmuster politischer Kommunikation

3. Das Mediensystem Japans
3.1. Presse
3.1.1. Historische Entwicklung
3.1.2. Diejapanische Presselandschaft
3.2. Rundfunk
3.2.1. Historische Entwicklung
3.2.2. Das japanische Rundfunkwesen
3.3. Das Presseclub-System & dessen Einfluss auf die Berichterstattung..
3.3.1. Das Presseclub-System
3.3.2. Einfluss auf die Berichterstattung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während man in Deutschland die relativ langen Regierungszeiten der Bundeskanzler Adenauer (14 Jahre) oder Kohl (16) als „Ära" bezeichnet und diese von Manchen bereits als mögliche Gefährdung des demokratischen Systems als solches angesehen wurden wird das moderne Japan seit mittlerweile 54 Jahren von dessen Liberaldemokratischen Partei (LDP) regiert. Anders als zu vermuten kam es trotz dieser faktischen Hegemonie einer Partei nicht zur politischen Spaltung der japanischen Öffentlichkeit, welche sich bis heute als homogene Einheit präsentiert und mit kurzer Ausnahme 1993/94 die parlamentarische Mehrheit der LDP regelmäßig bestätigt. Angesichts dieses Phänomens ist insbesondere die Frage nach der Rolle der Medien, welche in modernen Demokratien oft als „vierte Gewalt" bezeichnet werden zu stellen. Im Falle Japans ist dies v.A. ob der schieren Größe und Reichweite des Zeitungsmarktes, dem allein die fünf größten Tageszeitungen der Welt angehören von großem Interesse; darüber hinaus ist Japan bis heute vorderster Pionier im TV-Bereich, weshalb das Mediensystem des Landes rein quantitativ zunächst als sehr gut aufgestellt erscheint.

In dieser Arbeit soll geklärt werden, inwiefern die japanischen Medien ihre in einem ersten Abschnitt darzulegenden Funktionen im politischen Prozess erfüllen. An eine für das Verständnis der etablierten Strukturen obligatorische Darstellung der historischen Entwicklung dieses Systems soll dabei auch eine qualitative Untersuchung der japanischen Medienöffentlichkeit erfolgen. In einem finalen Schritt wird dabei insbesondere die Rolle der Presse-Clubs, einem konstituierenden Faktor des japanischen Medienwesens, zu examinieren sein, um den entscheidenden Einfluss, den dieser auf die politische Kultur des Landes nimmt darzustellen.

2. Die Rolle der Medien im politischen Prozess

2.1. Medienfunktionen

Nicht ganz im Einklang mit Montesquieus Theorie der Dreiteilung staatlicher Gewalt in Legislative, Exekutive und Judikative (bzw. Föderative) vernimmt man insbesondere in modernen, parlamentarischen Demokratien häufig den Ruf nach einer staatsexternen, vierten Gewalt zum Zwecke der objektiven Kontrolle und Revision allen staatlichen Handelns. Idealerweise soll diese Rolle unabhängigen Medien aus Presse und Rundfunk - jüngst auch dem Internet - zufallen. Deren primäre Wirkungsweise besteht in der Generierung von Öffentlichkeit und Öffentlicher Meinung sowie in der auf wesentliche Aspekte reduzierten Reproduktion der Realität. Hierdurch erfüllen sie mehrere Funktionen im politischen Prozess, welche im Folgenden erläutert werden1:

2.1.1 Informationsfunktion

Der Charakter einer Entscheidung als solchen besteht in den ihr zugrunde liegenden Informationen; ohne Information oder Kenntnis der Rahmenbedingungen verkommt jede Entscheidung zur reinen rationalitätsindifferenten Zufallshandlung. Im nicht­absolutistischen, demokratischen System besteht der Bedarf des wechselseitigen Informationsaustauschs zwischen Wählern und Gewählten, da diese ihre Entscheidungen (Stimmabgabe, politische Entscheidungen etc.) im Idealfall in einem der Sachlage angepassten Grad von der Position des Anderen abhängig machen. Die hierfür nötigen Informationen werden dabei von Massenmedien wie Tageszeitungen und Nachrichtensendungen übermittelt. Grundbedingung für einen reibungslosen Ablauf dieses Prozesses ist hierbei der die vollständige und verständliche Übermittlung von Sachverhalten sowie der freie und gesicherte Medienzugang.

2.1.2. Artikulationsfunktion

Neben den systemimmanenten Komponenten bürgerlicher Interessenartikulation wie Volksbegehren, Wahlen oder der Kontaktierung des Wahlkreisabgeordneten erfüllen im demokratischen Prozess allem voran breit wahrgenommene Massenmedien die Funktion der Wiedergabe gesellschaftlicher Tendenzen. Sie ermöglichen es einem Jeden das individuelle Ergebnis des zuvor auf Basis der wahrgenommenen Informationen beruhenden Willensbildungsprozesses in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Aus pragmatischen - und je nach Objektivitätsgrad auch denkbar politischen - Gründen ist von den jeweiligen Redakteuren eine inhaltliche Auswahl der artikulierten Meinungen zu treffen, was diesen die Fähigkeit verschafft mittels Agenda Setting die im Fokus von Politik und Öffentlichkeit stehenden Themen mitzubestimmen.

2.1.3. Kritik- & Kontrollfunktion

Demokratische Systeme beruhen wesentlich auf dem sogenannten System der checks and balances. Hierbei obliegt es jeder Gewalt die jeweils anderen zu kontrollieren, um einer Oligopol- oder gar Monopolisierung von Macht entgegenzuwirken. In diesem System treten Massenmedien als externer Akteur auf, um sowohl Personal- und Verfahrensfragen als auch die Handlungsergebnisse politischer Akteure kritisch zu reflektieren. Der hiermit unweigerlich verbundene Begriff des Watchdog Journalism bezieht sich dabei auf die objektive, nicht durch Lobbys oder Partikularinteressen geleitete Überprüfung politischen Handelns auf ebendiese Einflussgrößen sowie der bei Aufdeckung kritischen Informationsleistung gegenüber der Öffentlichkeit. Anders als die drei traditionellen Gewalten verfügen Medien qua ihrer Nichtstaatlichkeit über keine direkten Sanktionsmittel, leisten durch ihre journalistische Arbeit sowie der Fähigkeit des Agenda Settings aber einen entscheidenden Beitrag zur Formierung der „Öffentlichen Meinung", was ihnen im Gegenzug einen nicht zu verachtenden Einfluss auf Wahlergebnisse und damit in letzter Konsequenz auch auf die Wahrscheinlichkeit eines Machtwechsels gewährt.

Anzumerken bleibt, dass neben den drei eben vorgestellten Funktionen von Medien diese noch weitere gesellschaftliche Aufgaben erfüllen; so ist insbesondere der Bildungsauftrag öffentlich-rechtlicher Medien hervorzuheben, zu dessen Umfang auch die Vermittlung von Kompetenz im Umgang mit Informationen sowie die Kenntnis des politischen System an sich beinhaltet. Denn erst durch den Ausgang des Bürger aus dessen oft selbstverschuldeter Unmündigkeit in Bezug auf die eigenen Positionierung im politischen Systems kann es zur Bildung einer allumfassenden politischen Kultur verantwortungs­bewusster, nicht-instrumentalisierter Akteure kommen.

2.2. Grundmuster politischer Kommunikation

Nach Gellner und Glatzmeier werden die verschiedenen Ausprägungen politischer Kommunikation innerhalb eines Staates anhand der Faktoren Medien und Parteien sowie dem Parameter deren relativen Machtpositionen bestimmt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundmuster politischer Kommunikation

Quelle: Gellner, 19952

Im paternalistisch-hierarchischen System stehen im politischen Prozess äußerst einflussreiche Parteien einer entweder nur schwach entwickelten oder in ihrer Arbeitsweise (z.B. durch strikte Gesetze & Lizenzvergaben) stark staatlich beeinflussten Medienlandschaft gegenüber. Ein solches System zeichnet sich meist durch wenig bis keine basisdemokratischen Einflussnahmen sowie einer allgemeinen Undurchsichtigkeit des politischen Prozesses aus. Erst durch das Erstarken unabhängiger Berichterstatter sowie deren Manifestation in der Gesellschaft kann ein Wandel der politischen Kultur bzw. Kommunikation hin zum repräsentativ-demokratischen System erfolgen. Erst in diesem, oft in zivilisatorisch höher entwickelten Ländern anzutreffenden Gefüge können Medien v.A. ihre zuvor angesprochene Kritik- & Kontrollfunktion in vollem Umfang entfalten und somit ein Gegengewicht zu den im politischen Prozess weiterhin einflussreichen Parteien entwickeln. Zur Stabilität dieses Systems ist es unerlässlich, die Medienkompetenz aller Staatsbürger zu stärken, um diese weitestgehend unempfänglich für reinen Populismus und Manipulation zu machen. Sollte dies nicht gelingen geht damit ein nun relativer Machtgewinn der Medien gegenüber der politischen Parteien einher, die sich durch den an sich demokratischen Charakter des Systems zunehmend an der Öffentlichen Meinung zu orientieren haben, um die eigene Machtposition zu erhalten. Da in einem System unmündiger aber wahlberechtigter Bürger gerade Massenmedien enormen Einfluss auf die Öffentliche Meinung ausüben kommt es in Konsequenz zu einem relativen Machtverlust der ebenfalls am politischen Meinungsbildungsprozesses beteiligten Parteien (populistisch-mediokratisches System). Kommt es auf Basis dieses Systems nun zur Emanzipation der Bürger von der Meinungsmacht der Medien und schaffen es die Parteien nicht (beispielsweise aufgrund von Vertrauensmangel in der Bevölkerung) ihren Einfluss auf die politische Meinungsbildung wieder zu etablieren zeichnet sich das nun generierte System politischer Kommunikation durch dessen individualistisch-anarchischen Charakter aus; hierbei besteht die Gefahr, dass eine an sich pluralistisch aufgebaute Gesellschaft in zahlreiche, nicht mehr miteinander agierende und überproportional auf Partikularinteressen ausgerichtete Einzelgruppen zerfällt. Mit dem Einhergehen allgemeiner Politikverdrossenheit bietet ein solches System besonders günstige Rahmenbedingungen für das Erstarken politischen Extremismus.

Eine Sonderform stellt das etatistisch-bürokratische System dar, in welchem sowohl Parteien als auch Medien der Machtausübung einer demokratisch meist wenig bis kaum legitimierten Führungsriege ohnmächtig gegenüberstehen.

3. Das Mediensystem Japans

Im Folgenden soll das Mediensystem des japanischen Kaiserreichs examiniert und im Anschluss in die im vorherigen Abschnitt vorgestellte Systematik eingeordnet werden. Hierzu erfolgt zunächst eine Gliederung nach Presseerzeugnissen und Rundfunk, die ihrerseits jeweils anhand ihrer historischen Entwicklung sowie der heutigen Beschaffenheit dargestellt werden. Im Anschluss wird mit der Vorstellung des Presseclubsystems Einblick in eine einzigartige und das Mediensystem Japans in besondere Weise determinierende Komponente gegeben.

[...]


1 Kevenhöerster, Paul: Politikwissenschaft Band 1, Entscheidungen und Strukturen der Politik, 2. Auflage, Opladen, 2003, Seite 194-223.

2 Gellner, Winand & Glatzmeier, Armin: Macht und Gegenmacht, Nomos, Baden-Baden, 2004, S. 349.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das Mediensystem Japans
Untertitel
Nippons Medien in ihrer Rolle als „vierte Gewalt“
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Polititkwissenschaft )
Veranstaltung
HS Medienordnungen im internationalen Vergleich
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
25
Katalognummer
V169995
ISBN (eBook)
9783640885367
ISBN (Buch)
9783640885404
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Japan, Medien, Medienordnung, Zeitung, Fernsehen, Rundfunk, Asahi, Shinbun, Shinbum, Vergleich, Yomiuri, Manichi, Sankei
Arbeit zitieren
Julian Knab (Autor), 2009, Das Mediensystem Japans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169995

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