In dieser Hausarbeit wird das Idealbild der antiken römischen Ehefrau aufgearbeitet und dazu die Beschreibungen einer der bekanntesten Grabinschriften aufgegriffen und in diesem Kontext analysiert: der Laudatio Turiae.
Grabinschriften und Trauerreden aus der Antike sind selten so umfangreich überliefert, wie die sogenannte laudatio turiae, eine in Stein gemeißelte Grabinschrift, die der verstorbenen Ehefrau Turia gewidmet ist und auf der Trauerrede des Witwers basiert. Die Quelle in dieser Arbeit soll im Hinblick auf die Darstellung der Turia untersucht werden und dabei beantworten, inwiefern die Beschreibung der Ehefrau zu den weiblichen Idealvorstellungen einer Römerin in der späten Republik und frühen augusteischen Zeit passt oder sich von den Normbildern unterscheidet. Anhand der Quellenbelege werden die Eigenschaften und Beschreibungen der Turia herausgearbeitet und im Verhältnis zu Idealvorstellungen der römischen Ehefrau, der matrona, analysiert und im Kontext der antiken Grabinschrift betrachtet. Außerdem wird Bezug zum historischen Kontext der politischen und sozialen Lebenswelten der Frauen und zur Ehe- und Familiensituation in der späten Republik und der frühen Kaiserzeit hergestellt, da sich Turias Leben über diesen Abschnitt der römischen Antike erstreckte. Dafür wird sowohl ältere als auch aktuellere Forschungsliteratur herangezogen.
Die Quelle trägt ihren Namen aufgrund der Vermutung von Filippo Della Torre, dass die Verstorbene eine Frau namens Turia, die Ehefrau von Konsul Quintus Lucretius Vespillo, sei und die Grabrede von dem Konsul verfasst wurde. Dafür spricht, dass einige der Ereignisse, von denen in der Inschrift berichtet wird, mit den Erlebnissen des Konsuls und seiner Frau übereinstimmen, auch wenn sich einige Details unterscheiden. Die Historiker Dieter Flach, Wilhelm Kierdorf und weitere gehen von einer abweichenden Identität aus. In dieser Arbeit ist die Identität der Personen jedoch nicht von großer Bedeutung, es genügt, wenn man sie als Personen der römischen Oberschicht betrachtet. Dies kann man mit Gewissheit sagen, da so eine aufwendig gefertigte Inschrift einen hohen Preis gehabt haben wird, den sich nur vermögende Bürger leisten konnten. Der Einfachheit halber wird die Ehefrau in dieser Arbeit trotzdem Turia genannt.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Turia, eine typische matrona?
- 2.1 Historischer Kontext
- 2.2 Idealbilder der matrona
- 2.3 Die Laudatio Turiae als Quelle
- 2.4 Turia als Ehefrau
- 3. Fazit
- 4. Quellen- und Literaturverzeichnis
- 4.1 Quellen und kritische Editionen
- 4.2 Literaturverzeichnis
- 4.3 Lexikonartikel
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung der Turia in der sogenannten "laudatio turiae", einer antiken Grabinschrift. Das Hauptziel ist es, zu analysieren, inwiefern die Beschreibung Turias den weiblichen Idealvorstellungen einer Römerin, der matrona, in der späten Republik und frühen augusteischen Zeit entspricht oder sich von diesen Normbildern unterscheidet.
- Analyse der "laudatio turiae" als primäre Quelle
- Historischer Kontext der späten Republik und frühen Kaiserzeit
- Definition und Untersuchung der Idealbilder der römischen matrona
- Herausarbeitung und Analyse von Turias Eigenschaften und Handlungen
- Vergleich von Turias Darstellung mit den etablierten Matrona-Idealbildern
- Betrachtung der sozialen und politischen Lebenswelten von Frauen im antiken Rom
Auszug aus dem Buch
2.2 Idealbilder der matrona
Die weiblichen Tugenden wurden in der Gesellschaft des antiken Roms als äußert wertvoll angesehen und am Beispiel der Legende der Lucretia, die sich nach ihrer Vergewaltigung umbringt, lässt sich die immense Bedeutung der Keuschheit römischer Frauen feststellen27. Die ideale römische matrona sollte treu gegenüber ihrem rechtmäßigen Ehemann sein. Beim Fall des Ehebruchs war es dem pater familias erlaubt, seine eigene Tochter zu töten, sollte diese noch unter seiner Gewalt stehen28. Den Titel univira erhielten Frauen in ihrer Grabinschrift, wenn sie zu Lebzeiten nur mit einem Mann verheiratet waren und diesem treu geblieben sind29. Verstarben die Ehefrauen vor ihren Männern, was aufgrund der kürzeren Lebenserwartung keine Seltenheit war, mussten sie für diesen Titel keine großen Mühen aufwenden. Sollte der Ehemann jedoch zuerst sterben, vertraten Frauen wie beispielsweise Arria30, die Frau des A. Caecina Paetus, die Ansicht, man solle sich als Ehefrau ebenfalls das Leben nehmen31, was von Selbstlosigkeit zeugte. Die weiter verbreitete harmlosere Ansicht war, dass Frauen nach dem Tod ihres Mannes nicht wieder heiraten, sondern weiterhin dem verstorbenen Ehemann treu bleiben sollen. Witwen profitierten, besonders wenn sie Söhne geboren hatten, durch ihre Kinder und konnten indirekt Einfluss auf das politische Geschehen ausüben.
Fruchtbarkeit zählte bei einer matrona ebenfalls zu den wichtigsten Attributen, denn der Zweck einer Ehe bestand hauptsächlich darin, legitime Nachkommen zu zeugen und die Pflicht gegenüber der Gesellschaft zu erfüllen. Aufgrund der hohen Kindersterblichkeit und der eher niedrigen Lebenserwartung mussten Frauen durchschnittlich sechs Kinder zur Welt bringen, um keine Unterbevölkerung zu riskieren32. Demnach ließen die Familien des Mannes häufig die potentielle Ehefrau auf ihre Fruchtbarkeit prüfen, um eine kinderlose Ehe möglichst zu vermeiden. Mütter, die bereits ein oder mehrere Kinder erfolgreich geboren hatten, waren besonders beliebt bei unverheirateten Männern und deren Familien, da sie ihre Fertilität bereits unter Beweis gestellt hatten33.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Grabinschrift "laudatio turiae" vor, formuliert die Forschungsfrage nach Turias Passung zu Idealbildern der matrona und erläutert die methodische Herangehensweise unter Berücksichtigung des historischen Kontexts.
2. Turia, eine typische matrona?: Dieser Hauptteil untersucht anhand der Grabinschrift und historischer Quellen, inwiefern die Eigenschaften und Handlungen der Turia den gesellschaftlichen Normen einer römischen matrona in der augusteischen Zeit entsprechen oder davon abweichen.
2.1 Historischer Kontext: Beschreibt die politische und soziale Lage in der späten Republik und frühen Kaiserzeit, einschließlich der Auswirkungen augusteischer Reformen und Ehegesetze auf die Rolle der Frau und der Entwicklung der manus-freien Ehe.
2.2 Idealbilder der matrona: Skizziert die als wertvoll erachteten weiblichen Tugenden und gesellschaftlichen Erwartungen an eine römische Ehefrau, wie Keuschheit, Treue, Fruchtbarkeit, Bescheidenheit und familiäre Pflichten.
2.3 Die Laudatio Turiae als Quelle: Erläutert die Beschaffenheit und den Inhalt der "laudatio turiae" als Grabinschrift, diskutiert ihre Datierung und die Debatte um die historische Identität von Turia und ihrem Ehemann.
2.4 Turia als Ehefrau: Analysiert Turias spezifische Handlungen und Charaktereigenschaften, wie ihren Pflichtsinn, ihre Willenskraft, die Verteidigung des Hauses und die finanzielle Unterstützung ihres Mannes, und vergleicht diese mit den zuvor beschriebenen Matrona-Idealen.
3. Fazit: Fasst zusammen, dass Turia die meisten Matrona-Ideale erfüllte, mit Ausnahme der Mutterschaft, und diskutiert, wie ihre aktiven, als männlich konnotierten Handlungen ihr gesellschaftliches Ansehen beeinflussten und inwiefern Realität und Idealität in der Grabrede vermischt wurden.
Schlüsselwörter
Laudatio Turiae, Matrona, Augusteische Zeit, Römisches Reich, Frauenrolle, Idealbild, Ehe, Familie, Quellentext, Römische Geschichte, Grabinschrift, Patria Potestas, Augustus, Republik, Kaiserzeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung der Turia in der "laudatio turiae" und vergleicht sie mit den Idealbildern der römischen matrona in der augusteischen Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der Frau in der römischen Gesellschaft, die "laudatio turiae" als historische Quelle, die Idealvorstellungen der matrona, der historische Kontext der späten Republik und frühen Kaiserzeit sowie Ehe- und Familienstrukturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu beantworten, inwiefern die Beschreibung der Turia in der Grabinschrift den weiblichen Idealvorstellungen einer Römerin in der späten Republik und frühen augusteischen Zeit entspricht oder sich von diesen unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Quellenanalyse der "laudatio turiae" durchgeführt, wobei die Eigenschaften Turias im Verhältnis zu Idealvorstellungen der matrona analysiert und in den historischen Kontext eingeordnet werden, unter Heranziehung von Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Quelle, beleuchtet den historischen Kontext der späten Republik und frühen Kaiserzeit, stellt die Idealbilder der matrona dar und untersucht detailliert Turias Eigenschaften und Handlungen als Ehefrau.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Laudatio Turiae, Matrona, Augusteische Zeit, Frauenrolle, Idealbild, Ehe, Familie, Römische Geschichte und Grabinschrift.
Welche Rolle spielten die augusteischen Ehegesetze für Frauen der Oberschicht?
Die neuen Ehegesetze waren konservativer Natur und schränkten die Frauen der Oberschicht, besonders in ihrem Privatleben und im öffentlichen Sektor, in ihren Freiheiten ein, verfolgten Ehebruch streng und beeinflussten die Verwaltung und Gesetzgebung Roms.
Wie verhielt sich Turia angesichts ihrer Kinderlosigkeit?
Turia bot ihrem Ehemann selbstlos an, sich von ihr scheiden zu lassen, damit er mit einer anderen Frau rechtmäßige Nachkommen zeugen konnte, was er jedoch ablehnte.
Welche Rolle spielte Turia bei der Abwehr von Einbrechern und der Sicherung des Familienvermögens?
Turia verteidigte das Haus ihrer Familie während der Bürgerkriege und der Abwesenheit ihres Mannes vor Einbrechern. Sie verwaltete auch ihren Anteil des Erbes und setzte den letzten Willen ihres Vaters durch, indem sie das Erbe aufteilte und ihrer Schwester einen Teil zukommen ließ.
Warum wird Turias Rettung ihres Mannes als ihr größter Verdienst bezeichnet?
Turia suchte bei Marcus Lepidus, einem Vertreter Augustus, um Begnadigung für ihren geflüchteten Gatten nach und trotzte körperlichen Schmerzen und Demütigungen, wandte sich an die Öffentlichkeit und erreichte so seine Verschonung und Lebensrettung.
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- Anonym (Autor), 2023, Die Darstellung der Turia im Verhältnis zu Idealbildern der matrona in der augusteischen Zeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1699988