Die beiden Erzählungen von Voltaire, “Le Monde comme il va” und “Le Blanc et le Noir” sollen, habe ich gewählt, um die Merkmale des von Voltaire im 18. Jahrhundert geprägten “conte philosophique” herauszuarbeiten. Das Wichtigste dieser neuen Form des “conte” war, neben der Intention der Unterhaltung des Lesers eine ganz bestimmte philosophische Botschaft zu vermitteln, die den Leser zur kritischen Auseinandersetzung mit bestimmten aktuellen Themen und Problemen anregen sollte. Das heißt, ein solcher conte hat zwei Ebenen: die Oberfläche der abenteuerlichen Geschichte und die darin verborgen Maximen Voltaires.
Der Schwerpunkt meiner Arbeit soll dabei auf “Le Monde comme il va” liegen, da dort das Schicksal und die Gesellschaft zentrale philosophische Themen sind, mit denen sich der Autor sehr oft in seinen “contes” auseinandergesetzt hat und die hier meiner Meinung nach besonders gut deutlich werden . “Le Blanc et le Noir” zeigt noch andere Themen auf sowie eine Rafinesse in der Erzähltechnik, wobei gerade in der Stilanalyse die Ähnlichkeit der Struktur der beiden Erzählungen zum Ausdruck kommen soll.
Inhaltsverzeichnis
VORBEMERKUNG
1. “LE MONDE COMME IL VA” ALS TYPISCHER “CONTE PHILOSOPHIQUE”
1.1. Inhaltsanalyse
1.2. Stilanalyse
2.”LE BLANC ET LE NOIR”
2.1. Inhaltsanalyse
2.2. Stilanalyse
SCHLUßBEMERKUNG
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Merkmale des von Voltaire geprägten „conte philosophique“ anhand der Erzählungen „Le Monde comme il va“ und „Le Blanc et le Noir“. Ziel ist es, die philosophische Botschaft hinter der unterhaltenden Fassade freizulegen und die kritische Auseinandersetzung des Autors mit zeitgenössischen gesellschaftlichen und staatlichen Zuständen zu analysieren.
- Charakteristika des „conte philosophique“ im 18. Jahrhundert
- Darstellung der menschlichen Existenz zwischen Gut und Böse
- Kritik an gesellschaftlichen Institutionen wie Staat, Kirche und Justiz
- Rolle des Schicksals und der Vorbestimmung
- Erzähltechnische Mittel zur Vermittlung philosophischer Maximen
Auszug aus dem Buch
1.1. Inhaltsanalyse
In diesem conte von Voltaire, zum ersten Mal 1748 herausgegeben, kann man als Merkmal von Voltaires “contes philosophiques” zunächst sagen, daß dieser Geschichte ein Handlungsstrang zugrunde liegt, der durch einen `Helden` geprägt ist.
Der Protagonist ist der Skyther Babouc, der von dem hohen “génie” Ituriel den Auftrag bekommt, nach Persien zu gehen, die Menschen zu beobachten ,um nachher “un compte fidèle” zu erstellen, nach diesem dann entschieden wird, ob die Stadt Persépolis reformiert oder vernichtet werden soll.
Märchenhafte Elemente bzw. die Unwahrscheinlichkeit der Handlung als weitere typische Kennzeichen werden schon durch das Auftreten des Engels Ituriel und auch durch die Tatsache ersichtlich, daß Babouc vom Himmel “le discernement” (S.95) erhält sowie die Gabe, Vertrauen bei den Personen zu erwecken, durch die er mehr über den Charakter von Persépolis erfährt.
Die Erzählung besteht deshalb aus mehreren Episoden der Begegnung Baboucs mit den verschiedensten Einwohnern der Stadt, wobei immer unterschiedliche Themen behandelt werden, hinter denen sich Voltaires philosophische Auffassungen und Kritik an vielen Dingen verbirgt, z.B. an Staat, Kirche, Gesellschaft, Moral.
Zusammenfassung der Kapitel
VORBEMERKUNG: Die Einleitung legt den Fokus auf die Untersuchung der Merkmale des „conte philosophique“ und die Relevanz der philosophischen Ebenen in Voltaires Erzählungen.
1. “LE MONDE COMME IL VA” ALS TYPISCHER “CONTE PHILOSOPHIQUE”: Dieses Kapitel analysiert das Werk hinsichtlich seiner inhaltlichen und stilistischen Elemente, die den Typus des philosophischen Märchens bei Voltaire definieren.
1.1. Inhaltsanalyse: Untersuchung des Handlungsverlaufs um Babouc und der verschiedenen Episoden, in denen gesellschaftliche und staatliche Missstände kritisiert werden.
1.2. Stilanalyse: Betrachtung der sprachlichen Mittel, insbesondere der Rolle der Naivität der Hauptfigur, der Ironie und der Verwendung von Adjektiven und Wiederholungen.
2.”LE BLANC ET LE NOIR”: Analyse der zweiten Erzählung, wobei der Fokus auf dem Kontrast zwischen Gut und Böse durch die Figuren Topaze und Ebène liegt.
2.1. Inhaltsanalyse: Erörterung der Reise des Protagonisten Rustan und der philosophischen Behandlung des Schicksals und der Vorbestimmung.
2.2. Stilanalyse: Untersuchung der erzähltechnischen Besonderheiten, wie der Herausgeberfiktion und der Verwischung von Traum- und Realitätsebenen.
SCHLUßBEMERKUNG: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Einordnung in das philosophische Gesamtwerk Voltaires.
Schlüsselwörter
Voltaire, conte philosophique, Le Monde comme il va, Le Blanc et le Noir, Gesellschaftskritik, Schicksal, Aufklärung, philosophische Erzählung, Satire, Literaturanalyse, Staatstheorie, Ironie, Erzähltechnik, Persépolis, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert zwei ausgewählte philosophische Erzählungen (contes) von Voltaire, um die charakteristischen Merkmale dieser Literaturgattung im 18. Jahrhundert herauszuarbeiten.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Voltaire durch unterhaltsame, abenteuerliche Geschichten eine tiefere philosophische Botschaft vermittelt und den Leser zur kritischen Reflexion über gesellschaftliche Zustände anregt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Kritik an Staat und Kirche, die Rolle der Moral, das Schicksal des Einzelnen, die Ambivalenz von Tugend und Laster sowie die menschliche Unzulänglichkeit.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die sowohl eine Inhaltsanalyse (Themen, Episoden) als auch eine Stilanalyse (Sprache, Ironie, Erzählstruktur) umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Abschnitte, die jeweils die Inhalts- und Stilanalyse für „Le Monde comme il va“ und „Le Blanc et le Noir“ detailliert untersuchen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind „conte philosophique“, gesellschaftliche Satire, Schicksalskette, ironische Distanz und das Verhältnis von Fiktion und Realität.
Wie dient Babouc als Werkzeug der Gesellschaftskritik?
Babouc fungiert als neutraler, aber naiver Beobachter, dessen sukzessive Erkenntnisse über die Zustände in Persépolis es dem Autor ermöglichen, gesellschaftliche Missstände wie den Ämterkauf oder religiöse Heuchelei zu kritisieren.
Warum spielt das Schicksal in „Le Blanc et le Noir“ eine zentrale Rolle?
In dieser Erzählung wird das Schicksal durch die Personifizierung als „gute“ und „böse“ Genien thematisiert, wobei Voltaire die Unausweichlichkeit des menschlichen Geschicks und die philosophische Frage nach dem Ursprung des Bösen aufwirft.
Wie wird das Ende der beiden Erzählungen bewertet?
Die Arbeit stellt fest, dass Voltaire kein einfaches Happy End bietet, sondern die Notwendigkeit betont, Widersprüche und Unzulänglichkeiten der Welt zu akzeptieren, während man gleichzeitig tugendhaft handelt – vergleichbar mit der Aufforderung, „den eigenen Garten zu bestellen“.
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- Eva Neuhaus (Author), 1997, Zwei contes philosophiques von Voltaire: "Le Monde comme il va" und "Le Blanc et le Noir", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17005