Sprachbiographie arabischer Deutschlerner


Diplomarbeit, 2011

67 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die arabischen Migranten in Deutschland

3. Die Geschichte vom Maghreb und die Berber und ihre Sprache

4. Die arabische Sprache und ihre Linguistik
4.1. Klassisches Arabisc
4-2 Modernes Hocharabisch 4-3 Dialekte des Arabischen
4.4. Das Vokalsystem des Arabischen
4.5. Die Morphologie der Arabischsprache
4.6. Die Wortarten des Arabischen
ا4.6.1. Das Verb ﻞﻌﻔﻟ
ا4.6.2. Das Nomenﻢﺳﻻ
اﺮﺤﻟوف4.6.3. Die Partikeln

5.1. Über die Sprachbiographie
5.2. Darstellung der Sprachbiographie
5.3. Die Interviews und- Datenerhebungsmethode
5.4. Die Auswahl von Informanten
5.5. Persönliche Daten und Migration der Infromanten
5.6. Die Situation: Ort, Zeit, Anwesende
5.7. Rückkehrabsichten und emotionale Situation
5.8. Sprachkompetenz während der Interviews

6. Spracherwerb
6.1. Zweitspracherwerb
6.1.1. Ungesteuerter Zweitspracherwerb
6.1.2. Gesteuerter Zweitspracherwerb
6.2. Die kompetenten des Spracherwerbs
6.2.1 Der Antrieb
6.2.1.1. Soziale Integration
6.2.1.2. Das Bedürfnis nach Kommunikation
6.2.1.3. Einstellungen
6.2.1.4. Erziehung
6.2.2. Das Sprachvermögen
6.2.3. Der Zugang
6.2.4. Die Verlaufsstruktur
6.2.5. Das Tempo
6.2.6. Endzustand

7. Die Entwicklung der Sprachen
7.1. Sprachen und- Identitätskonflikt
7.2.1. Parallele Muttersprache: Arabisch/Französisch (Bilingualismus)
7.2.2. Französisch
7.2.3. Englisch
7.2.4. Motivation zum Deutschlernen
7.2.4.1 Deutscherwerb und Lernstrategien
7.2.5. Andere Sprachen

8. Identität
8.1. Sprachliche Identität
8.1.1 Ob es eine Pidgin ist? Gastarbeiterdeutsch
8.2. Kulturelle Identität
8.3. Nachwort

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

Wer sich selbst und andre kennt, wird auch hier erkennen:

Orient und Okzident

sind nicht mehr zu trennen. Sinnig zwischen beiden Welten sich zu wiegen, lass ich gelten; also zwischen Ost und Westen, sich bewegen, sei´s zum besten.

Johann Wolfgang Goethe

(„West-östlicher Divan“ 1819)

1. Einleitung

Im Rahmen dieser Arbeit soll die lernsprachliche Kompetenz meiner Informanten untersucht werden und wie sich unterschiedliche außersprachliche Faktoren auf die lernersprachliche Kompetenz der Informanten auswirken. Zu diesem Zweck wurden drei Interviews mit drei arabischstämmigen Emigranten geführt, deren lernersprachliche Kompetenz unterschiedlich war und bei denen, ich meine Informanten, bestimmte Fragen gestellt habe, die sie einen erzählgenerierenden Impuls geben und sie zum Erinnerungenschwelgen ermuntern sollten.

Die linguistischen und sozialen Daten wurden in dieser Arbeit miteinander verglichen und in Verbindung gebracht. Ich möchte ihre Geschichte und Erlebnisse schildern lassen, unter besonderer Berücksichtigung der sprachlichen Aspekten ihrer Biographien. Am Ende der Arbeit als Anhang wurden die Gespräche von mir transkribiert und analysiert, um Sprachbiographien zu erstellen, in denen sich Personen in freier narrativer Form über ihr Verhältnis zur Sprache äußern. (Vgl. Franceschini 2001. S. 113).

Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf der Untersuchung der sprachlichen Entwicklung meiner Informanten sowie auf die Verhandlungen über eine neue Identität in der deutschen Gesellschaft. Denn diese Emigranten bieten sich als eine neue, interessante Gruppe für eine linguistische Untersuchung besonders an, möchte ich In dieser Arbeit einen Abriss über die Geschichte des großen Maghrebs geben sowie auch einen Abriss über die arabische Sprache als Ausgangssprache geben. Als eine semitische Sprache unterscheidet sich das Arabische in seiner Gesamtstruktur sehr stark vom Deutschen.

2. Die arabischen Emigranten in Deutschland

Die Migrationsgeschichte begann lange vor dem 19. Jahrhundert, wo die Industrialisierung in Europa begonnen hat und die Migration war zunächst nicht freiwillig, sondern obligatorisch unter dem Druck der wirtschaftlichen Lage und Mangel an Arbeitskräfte, deshalb sollte damals in ganz Europa und Amerika Verschleppung von Sklaven machen. Dies hatte den Effekt dieser erzwungenen Migration auf die Vielfalt der modernen Sprachen in Europa. (Vgl. Wonassa 1998. S.23).

Die erfolgreiche Integration in die neue Heimat wird durch sprachliche Barrieren und kulturelle Missverständnisse oft erschwert, deshalb die Menschen, die nach Deutschland einwandern, müssen sich hier in einer neuen Kultur und einer neuen Sprache zurechtfinden. Etwa am Anfang der 90er begann der Diskussion ausführlich über das Thema Migration und das war aufgrund von rechtsradikalen und Islamisten Anschlägen. „Ob die Einbürgerung erleichtert werden sollte, um der Realität der Einwanderung, die zunehmend als Tatsache akzeptiert wurde, gerecht zu werden.“, war die Absicht damals. (Faruk 2002. S. 22).

Die meisten der Ausländer kapseln sich ab und isolieren in bestimmten großen Städten wie Berlin und Stuttgart und machen wie Ghetto der Juden und mit Laufe der Zeit machte das große Probleme für Deutschland und die Deutschen hatten und haben vor, die Ghettosierung zu bekämpfen, denn diese Lebensweise und Einwohnerschaftsstill macht den Jugendlichen und -Kindern der Ausländer und die Ausländer oft schwer, eine Identität und einen eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden, denn , wenn einer in solchem Umfeld lebt und zur Schule geht, wo man kaum gut Deutsch sprechen kann, wird es bestimmt später Schwer haben. Die Muttersprache- und Identität der Migranten und die Verbindung zur Heimat der Familie, neben den Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, spielen auch sehr große Rolle bei der erfolgreichen Migration und stehen als bedeutenden Faktoren des Erschwernisses der Migration. Im Hinblick auf eine erfolgreiche Integration in Deutschland, ohne die heimatlichen Wurzeln zu vergessen, sollte die Muttersprache neben der deutschen Sprache nicht außer Acht gelassen werden. ( Vgl. Frank 2002. S. 29)

Man muss die Zweisprachigkeit gefördert werden. Es gibt mehrere Integrationsprogramme und Kurse in Deutschland, die sich mit den Problemen von Migranten und Migrantenkindern in Deutschland beschäftigen und deren Entwicklung fördern wollen. Es wird mit diesen solchen Förderprogrammen und Kursen gezeigt, inwieweit die Zweisprachigkeit von Migranten und Migrantenkindern und solchen mit nichtdeutscher Herkunftssprache gezielt gefördert werden kann. Mit Recht kann man das 20. Jahrhundert als Migrationsjahrhundert bezeichnen, denn, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Anzahl der Menschen, die nicht in ihren Herkunftsländern lebten, sondern in westliche Nationalstaaten ein-oder auswandert oder flieht, enorm ansteigt. (Vgl. Wonassa 1992. S. 36).

Man kann ganz sicher sagen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Die starken oder höchsten Einwanderungswellen begannen direkt nach dem zweiten Weltkrieg. Zwischen 1961 und 1970 wurden 7,5 Millionen Zuzüge gezählt, von 1971 bis 1980 waren es 7,0 Millionen und von 1981 bis 1990 sogar 7,7 Millionen. (Vgl. Wenning 1994, 53). Der Migrationsbericht und die offizielle Statistiken zeigen, dass die Anzahl der arabischen Emigranten, die in Deutschland leben, nicht mehr als 300,000 Menschen ist. (Migratiionsbericht 2002).

Obwohl sie seit mehrere Jahrzehnten in Deutschland leben und haben mehrere Generationen, die sich selbst als gesellschaftlich integriert betrachtet, bestimmt ist das Leben dieser Araber nicht ohne Probleme, die sie daran verhindern, sich als positives Element mit den Verhältnissen in der Gesellschaft zu verbinden. Das begann insbesonders nach dem 11. September, das Bild der Araber zu wechseln und Zweifel begann, sich ins Bild von Arabern zu mischen. Es ging so weit, dass sie als Widerspruch und Gegenkraft zum Gedanken des gesellschaftlichen Zusammenlebens betrachtet wurden.

Wenn man die gegenwärtige Situation der arabischen Emigranten besser und näher erfahren will, dann soll man zumindest einen Blick auf die Geschichte der arabischen Migranten werfen. Die erste Verbindung und Kontakt von den Arabern mit Deutschland, abgesehen von Einzelpersonen, geht auf den Beginn des 18. Jahrhundert als sie Soldaten in der preußischen Armee waren. Das war die erste Verbindung, aber die wirkliche Verbindung mit Deutschland begann zu der Zeit der Anfang der 60er Jahre als die deutsche Regierung am Anfang der 60er Jahre dazu überging, ein Abkommen zum Anwerben von den Arbeitskräften aus Nordafrika( Marokko und Tunesien) zu schließen. Lange Zeit vorher war Deutschland kein Ziel oder war nicht das Traumland der arabischen Migranten und übte nur eine schwache Anziehungskraft auf die arabische Emigration aus, besonders für die Studenten. (Vgl. Frank 2002. S. 26).

Als frühere und ehemalige Kolonialmächte war vor allem Frankreich und England das Ziel und Traumland der arabischen Migranten bis Anfang der 60er Jahre. Einige Araber, fast ausschließlich Männer, kamen nach dem zweiten Weltkrieg als Studenten in die Bundesrepublik Deutschland, die nach dem Studium verblieben sind und kehrten nicht in ihre Heimat zurück und mit deutschen Frauen geheiratet haben. Die Araber in Deutschland sind keine homogene Gruppe. Sie stammen aus unterschiedlichen Nationen aus den arabischen Ländern, bringen sie auch unterschiedliche Kulturen mit und sprechen unterschiedliche arabische Dialekte. (Vgl. Wonassa 1992. S.27).

Dabei ist zu beachten, dass die Migranten aus dem arabischen Maghreb, vor allem aus Marokko und Algerien, auch großenteils berberische Muttersprachler sind. Die erste Generation von Emigranten aus Marokko und Tunesien kam aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland. Nach Anwerbeabkommen mit den arabischen Staaten Marokko (1963) und Tunesien (1965) war nicht daran gedacht, dass sie, die als Gastarbeiter bezeichneten Arbeitskräfte, dauerhaft in Deutschland bleiben sollten. Sie arbeiteten vorwiegend in der Eisen- und Stahlindustrie sowie in der Bauwirtschaft. Im Laufe der folgenden Jahre, nach dem Anwerbestopp 1973, zogen Frauen und Kinder nach. Die Familien wurden nach Deutschland geholt und die Kinder wurden in die deutschen Schulen geschickt. (Vgl. Beatrix 1978. S. 27).

Um die Arbeitskraftmangel schnell zu beheben, spielten die nicht vorhandene Bildung und Ausbildung bei den Angeworbenen für die deutsche Wirtschaft damals keine Rolle. Denn sie wurden für die Arbeitstätigkeit gebraucht, für die keine Vorkenntnisse notwendig waren. Diese erste Generation von Emigranten hatten ein niedriges Bildungsniveau und beherrschten die deutsche Sprache nicht, die eigentlich zur Verbindung und Verständigung mit der deutschen Gesellschaft und zur erfolgreichen Integration erforderlich gewesen wäre. Marokkaner und Tunesier waren und sind noch am meisten betroffen, weil sie nicht nur ungelernt waren oder ein niedriges Bildungsniveau hatten, sondern auch etwa 70 bis 80 Prozent aus ländlichen Gebieten stammen und nicht alphabetisiert waren. (Vgl. Beatrix 1978. S. 37).

Der höhe Bildungsgrad ist vor allem unter Irakern, Syrern, Ägyptern und Palästinensern zu finden. Mehrere 10.000 von ihnen sind als Wissenschaftler, Ärzte, Ingenieure, Kaufleute, Künstler, Schriftsteller, Journalisten sowie Dolmetscher selbständig tätig. Es gibt auch eine andere Art der Emigration außer den erwähnten Arten und es ist nämlich die Migration der Flüchtlingen und Asylsuchenden, insbesondere in den 80er und 90er Jahren. So fanden die meisten Libanesen, Palästinenser, Iraker, Syrier, Ägypter und Algerier als Flüchtlinge und Asylsuchende und auch als Studenten Aufnahme in Deutschland. Die Bürgerkriegsflüchtlinge stellen die größte Gruppe unter den Arabern. Offizielle Statistiken zeigen, dass allein zwischen 1979 und 1990 mehr als 50.000 libanesische und etwa 20.000 palästinensische Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Seit Mitte der 90er erhöhte sich auch die Zahl von Flüchtlingen aus dem Irak, von denen eine große Zahl als Ärzte und Geschäftsleute arbeitete. (Vgl. Frank 2002. S. 27).

3. Die Geschichte vom Maghreb und die Berber und ihre Sprache

Arabisch hat einen großen Einfluss auf andere Sprachen, besonders auf Wortschatz. Der Einfluss vom Arabisch ist in den Ländern in Mitte gewesen, die durch Islam oder islamische Energie beherrscht werden. Arabisch ist eine Hauptquelle des Wortschatzes für die Sprachen, die so verschieden sind ,wie Berberisch, Kurdisch, Persisch, Swahili, Urdu, Hindi.

Als Hintergrund der Darstellung der sprachlichen Biographien für die Araber Deutschlerner sind einige Daten zum Land, und seiner Geschichte erforderlich.

ﺮﻏ ġarabaب(der Westen, Okzident) abgeleitet vom Verb (gharaba) اﺮﻐﻤﻟبUnter Maghreb (weggehen), untergehen (Sonne) versteht man vor allem die drei nordafrikanischen Staaten Tunesien, Algerien und Marokko, teilweise auch noch Libyen und Mauretanien, die aufgrund ihrer Geschichte viele Gemeinsamkeiten haben. Im Arabischen versteht man unter Maghreb in der Regel Marokko, welches der westlichste arabische Staat ist und dessen Eigenbezeichnung ebenfalls al-Maghrib (Marokko) lautet. Der Gegensatz zu Maghreb ist , al-Mašriq (der Osten, Orient), abgeleitet vom Verb (aschraqa)اﺮﺸﻤﻟقMaschrek (arabisch ašraqa aufgehenأﺮﺷق (Sonne). Die Staaten Algerien, Mauretanien, Marokko , Libyen, Tunesien haben 1989 die internationale Organisation Arabische Maghreb-Union gegründet. (Vgl. Ghazy 2002. S.12).

In der Vergangenheit war Maghreb zentraler Teil der römischen nordafrikanischen Provinz Die ursprüngliche Bevölkerung sind die Berber, die ganz Nordafrika von den Kanarischen Inseln bis nach Ägypten besiedelt hatten. Die Berber sind traditionell in Stämmen gegliedert, die in der historischen Zeit in einer Reihe von wechselnden Königreichen organisiert waren. Mit der arabischen Eroberung seit dem 7. Jahrhundert wurde Bestandteil des arabischen Reichs, was vor allem seine Islamisierung bedeutete und damit die Präsenz des Arabischen als religiöse und Bildungssprache. Zumindest in den ersten Jahrhunderten war die Siedlung von Arabern im ethnischen Sinne marginal. (Vgl. Badawi 1990. S.24).

Die Eroberer zogen weiter nach Spanien (verstärkt durch islamisierte Berber, aus denen sich auch die andalusischen Dynastien rekrutierten). Die Arabisierung Maghreb ist eine Folge späterer Entwicklung, des Einfalls beduinischer Stämme seit dem 11. Jahrhundert (den Bani Hilal und Bani Sulaim), die vor allem in der westlichen Ebene siedelten - in einem sozialen Kampf mit den dort lebenden (bäuerlichen) Berbern. (Vgl. Ghazy 2002.S.17).

Das erklärt auch die sprachliche Spaltung des im Maghreb gesprochenen Arabischen, das wie überall in der arabischen Welt zwei Grundvarietäten aufweist:

− das sedentäre(städtische, arabisch madini bzw. Ḥadari),
− und das beduinische (arabisch badawi), z. B. der Plosivlaut (q), /qa:la/ : er hat gesagt
− sedentär wird [q] bewahrt, in den entsprechenden maghrebischen Varietäten also /qal/,
− beduinisch wird [q] durch (das altarabisch nicht existierende) [g] ersetzt, in den

entsprechenden maghrebischen Varietäten also /gal/ [gāl]. ( Vgl. Mohamad 1994. S. 118).

Mit der Wiedernahme von Spanien seit dem 12. Jahrhundert, dann massiv seit dem 15. Jahrhundert (christliche Eroberung von Granada 1494) kam es zur Rückwanderung der andalusischen Araber (und mit ihnen der dort lebenden Juden!), die in diesem Sinne eine sedentäre Variante sprachen, so z.B. in der städtischen Neugründung Rabat. Diese Entwicklung findet sich in z.B. (Fes und Sus und Wahran) genauso wie etwa in Kairo, wie (Aal) er hat gesagt. Diese innerarabischen Differenzierungen betrafen aber nur die dünne Schicht derer, die arabisch sprachen - im Regelfall in den städtischen Siedlungen und ihrem Umland. ( Vgl. Mohamad 1994. S. 121).

„Durchzugsregion nach Spanien, fand auch im ländlichen Raum eine relativ frühe Arabisierung statt, mit sedentären Zügen Bergleuten, arabisch Jabala), sowie bei dem beduinisch-berberberischen Amalgam in der westlichen Ebene mit dem heutigen Zentrum Casablanca. Ansonsten war (und ist) die Bevölkerung Marghreb beim Berberischen geblieben, das heute in drei großen Dialektfamilien zerfällt, zwischen denen keine wechselseitige Verständigung besteht, traditionell bezeichnet mit:

− (Tarifit) im Norden (wie der Name sagt: vor allem im Rif-Gebirge) − (Tamazight) im Zentrum (vor allem im Mittleren Atlas) − (Taschelhit ) im Süden (im Hohen Atlas und im Sous und wahran).

Die sprachlichen Verhältnisse im Maghreb waren immer schon viel dynamischer. Das gilt für die Berberstämme, die, zum Teil getrieben von Naturkatastrophen, in die Ebenen zogen (und dort siedelten: wie etwa seit dem 17. Jahrhundert in der Region von Meknès“. ( Mohamad 1994. S. 125).

Man kann sagen, dass in etwa 40% aller Familien im Maghreb (Marokko, Algerien und Tunesien) noch Berberisch gesprochen wird, aber doch in sehr ungleicher Verteilung und nur ländliche Regionen sind noch einsprachig. Man findet sich Einsprachigkeit vorwiegend noch bei der ältesten Generation; die berberisch-arabische Zweisprachigkeit ist die Regel. Selbst wo die jüngste Generation kein Berberisch mehr spricht, hat sie in solchen Familien durch den Kontakt mit der ältesten Generation noch ein gewisses Sprachverständnis. Man spricht arabisch (dariça ) Umgangssprache, steht aber die arabische Hochsprache gegenüber, die in der Schule gelehrt wird, deren Normen an klassischen Arabisch ausgerichtet sind, besonders an der Qur᾽ān Überlieferung und das macht die Sprache lebendig und darf nichts an dieser Sprache, die reine Sprache(foṣḥa) Hochsprache, geändert werden, die auch religiös verwendet wird. (Vgl. Reichert 1985. S.34-35)

Im Jahre 1912 wurden Marokko, Algerien und Tunesien französische Protektorate. Die gesellschaftlichen Umwälzungen waren sehr schnell, lösten vor allem rasch die traditionale gesellschaftliche Arbeitsteilung auf. Es kam erst seit den 1960er Jahren zur Umwälzung der traditionellen Strukturen infolge der massiven Innenwanderung und Modernisierung. Im 19. Jahrhundert brachte die koloniale Zeit eine politisch- kulturelle Gegenbewegung hervor, die sich selbst als Renaissance bezeichnete (Nahḍa), die Rückbesinnung auf die große Zeit der arabischen Welt und ihre Sprache, das Klassische Arabisch, demgegenüber die real praktizierte Sprache als Verfall betrachtet wurde. (Vgl. Reichert 1985. S.34-35)

Im Maghreb wurde auch das Berberische in diese Perspektive gestellt, das die französische Kolonialverwaltung tatsächlich aus durchsichtigen politischen Gründen zu fördern versucht hatte. Die Muttersprache der Menschen im Maghreb ist gegenüber der offiziellen Sprache, auch wenn es sich nicht um Berberisch, sondern um die arabische (dariça ) handelt, eine dominierte Sprache. Es gab einen Versuchs zur vollständigen Arabisierung der Gesellschaft in den 1960er Jahren, aber es ist eine faktische Zweigleisigkeit französisch/arabisch (dariça ) etabliert -Französisch wird in der Grundschule (neben Arabisch (foṣḥa)) unterrichtet (Unterrichtssprache ist selbstverständlich dariça). An den Universitäten unterrichtet man in der medizinischen Fakultät sowie an den naturwissenschaftlichen Fakultäten auf französisch, aber die auf Arabisch beschränkt nur auf die islamisch-arabische Fakultät. (Vgl. Reichert 1985. S. 34-35)

4. Die arabische Sprache und ihre Linguistik

Zur Untersuchung des Zweitspracherwerbs bei Erwachsenen und für eine Analyse der durchgeführten Interviews und Sprachbiographien zu erstellen, ist es unerlässlich, die Ausgangs- und Zielsprache miteinander zu vergleichen, aber, denn es ist keine kontrastive Arbeit und es ist hier keinesfalls eine vollständige Darstellung der beiden Sprachen das Ziel, sondern es handelt sich hier darum, einen Überblick über die arabische Sprache und ihre Linguistik als Ausgangssprache zu geben, denn die Gemeinsamkeiten sowie die Unterschiede zwischen Arabischen und Deutschen spielen beim Erwerb des Deutschen eine bedeutende Rolle, weil der kognitiven Wahrnehmung der arabischen Deutschlernenden das System der Muttersprache zugrunde liegt.

Als eine semitische Sprache unterscheidet sich das Arabische in seiner Gesamtstruktur sehr stark vom Deutschen als einer flektierenden Sprache mit komplizierten Silbenstrukturen und großem Formenreichtum und entsprechend flexibler Syntax.

Das Arabische, das heute als die höchst-entwickelte Sprache der semitischen Sprachfamilie gilt, ist gegenwärtig die offizielle Sprache von ca. 300 Millionen Menschen in 22 arabischen Staaten und wird außerdem von Minderheiten in Iran, Afghanistan, Zypern, der Türkei und Eritrea gesprochen. Man kann sagen, dass das Arabische auf eine mehr als 1400-jährige, eigenständige Tradition sprachwissenschaftlicher Arbeit zurückschauen kann. (Boukhris 2003. S.19).

Die Geschichte des Arabischen wurde von Fischer in drei Perioden eingeteilt, nämlich die vorklassische, die klassische und die nachklassische Periode. ( Vgl. Fischer 1992, S. 37).

Die Haupteigentümlichkeiten des Arabischen sind:

1. Die arabische Sprache ist eine flektierende Sprache.
2. Die meisten arabischen Verben und Nomen sind von Wurzeln abgeleitet, die aus drei Konsonanten bestehen, die sogenannten Radikalen, die die Wortbedeutung bestimmen; es gibt aber auch eine kleine Zahl von Radikalen sind vierradikalig.
3. Die Bedeutung der Verbalwurzel kann modifiziert werden durch Konsonanten- verdoppelung des mittleren oder letzten Radikals sowie durch Vokallängung, Präfigierung oder Infigierung oder durch eine Kombination von zwei dieser Möglichkeiten; mit dieser Weise werden die insgesamt 15 Verbstämme des Arabischen gebildet.
4. Durch Präfix- und Suffixkonjugationen sowie mit Hilfe von Partikeln werden die Temporalformen gebildet. Man benutzt die Präfixe und Suffixe zur Bezeichnung von Person, Genus und Numerus.
5. Die Bildung der (Aktiv/Passiv) erfolgt durch Wechsel von Stammvokal und Präfixvokal; Modalformen werden mit Hilfe von Partikeln gebildet.
6. Im Arabischen unterscheidet man zwischen Verbal- und Nominalsätze, und das hängt davon ab , ob der Satz mit einem Verb oder einem Nomen beginnt. Die Wortstellung ist im Nominalsatz Subjekt- Prädikat- Subjekt-Objekt; ein pronominales Akkusativobjekt wird dem Verb suffigiert.
7. Im Arabischen gibt es zwei Arten von Genus(Genera) (maskulin, feminin)im Gegensatz vom Deutschen, dass es drei Arten von Genus gibt, drei Numeri (Singular, Dual, Plural) und drei Kasus. Dativ- und Genitivobjekt wie im Deutschen gibt es nicht; sie werden durch eine Präpositionalgruppe oder ein Akkusativobjekt gebildet. Das Adjektiv bezeichnet mit seinem Bezugswort (Artikel, Genus, Numerus und Kasus). (Vgl. Tammam 1979, S. 121122) und ( Gamal El-Din 1970. S. 38).

Im vierten Jahrhundert n.Ch. war das Arabische die Sprache des nördlichen Teils der arabischen Halbinsel. Heute ist es die Muttersprache von etwa 400 Millionen Arabern von Nordafrika bis zum Vorderen Orient sowie bis tief ins Innere Afrikas als Verkehrssprache verwendet und die Muslime verwenden sie als die Sprache des Kults. Natürlich ist dieses Arabische keine einheitliche Sprache; es gibt mehrere Arten des Arabischen.

4.1 Klassisches Arabisch

Das klassische ist etwa eine anderthalbtausendjährige dokumentierte Geschichte , es ist, soweit man weiß, immer eine Sprache für außeralltägliche Gelegenheiten gewesen und nicht als normale und übliche Konversationssprache. Es war die Sprache vorislamischer Priester und Seher, die Sprache vorislamischer Dichtung und die Sprache der Offenbarung, in der der Qur᾽an herabgesandet wurde und so sollte sie vor Veränderung und Verfälschung bewahrt werden. ( Vgl. El-Ayoubi 2001. S. 23)

Im achten Jahrhundert entstanden die Grammatikschulen in Baṡra und Kufa im Gebiet des heutigen Iraks, die die Sprache und ihre Regeln zur Bewahrung und Weitergabe festhielten. Die genaue Kenntnis der Sprache blieb weiterhin wenigen Gebildeten vorbehalten, ihre Verwendung auf wenige Themenkreise beschränkt, für die es auch heute noch verwendet werden kann (z.B. Texte mit religiöser Thematik). (Vgl. El-Ayoubi 2001. S. 23).

Nach den islamischen Eroberungen und der Festigung des islamischen Reichs war es dann nicht nur das Arabische, sondern es waren auch das Persische und das Türkische, die neben dem Arabischen auch verwendeten. Eine Weiterentwicklung des klassischen Arabischen war so ausgeschlossen und auch unerwünscht. Bis heute gilt diese Sprache den meisten Arabern als unantastbar.

4.2. Modernes Hocharabisch

Das Neuhocharabische ist eine nicht gesprochene Sprache, sondern die Schriftsprache der Gegenwart; manchmal wird es deshalb auch “Monolog-arabisch genannt. Im Jahre 1798 war die Einnahme Ägyptens durch Napoleon, gilt als das Stichdatum für die Entstehung des Neuhocharabischen. Die Öffnung nach Europa brachte eine Konfrontation mit neuen Ideen und technischen Errungenschaften, mit einer anderen Zivilisation überhaupt; für die Auseinandersetzung damit fehlten der klassischen Sprache die Ausdrucksmittel. (Vgl. Badawi 1973, S. 35).

Die Bewegungen für die Übersetzungen aus den europäischen Sprachen, die Behandlung aktueller Themen im damals entstehen Presse- und Zeitschriftenwesen erzwangen neue Begriffe und Wendungen, die dem europäischen Vorbild, meist dem englischen oder französischen nachgebildet wurden. Viele Wörter wurden als Fremdwörter übernommen, z.T. arabisiert; arabische Wörter erhielten eine neue, zusätzliche Bedeutung, die mitunter die ursprüngliche Bedeutung verdrängen konnte; aber wurden viele Begriffe als Lehnübersetzung übernommen, d.h. das europäische Begriffsvorbild wurde im Arabischen nachgebildet und entwickelten sich gemäß dem europäischen Muster. Morphologie und Syntax wurden weitgehend unverändert aus dem klassischen übernommen. (Vgl. Badawi 1973, S. 34).

Der Kenntnisstand im Hocharabischen ist sehr verschieden und abhängig vom Bildungsstand des einzelnen, denn die Schriftsprache erst in der Schule erlernt werden muss und nicht im normalen Sprachgebrauch erworben wird. Sie erreicht aber jeden Araber als Folge der Einführung einer allgemeinen Schulpflicht und aufgrund der Verbreitung von Funk und Fernsehen. Die Verwendung des Hocharabischen ist gebunden an bestimmten Funktionen und Situationen; es ist die Sprache der Medien, der Presse; es wird verwendet für Predigten, feierliche Reden, Nachrichtensendungen und zum Teil im höheren Unterrichtswesen für Vorträge, wobei es in der Regel nur als abgelesener Text vorkommt. (Boukhris 2003, S. 36).

4.3. Dialekte des Arabischen

Die meisten Arbeiten beschäftigen sich mit dem klassischen Arabisch. Es herrscht in der arabischen Welt immer noch die Ansicht, dass die Dialekten und Gegenwartssprache im Vergleich zum Hocharabisch minderwertig sei und wird daher oft als „Zeitungssprache“ abqualifiziert, da deren Stil stark von europäischen Anleihen in Wortschatz und Satzbau geprägt ist. Wenn man über Hochsprache spricht, dann versteht man, dass es noch mindestens eine Niedersprache geben muss, die gewöhnlich als Dialekt bezeichnet wird. Unter dem Begriff Hochsprache versteht man die gesprochene als auch die geschriebene Sprache, die zum größten Teil im Schriftverkehr, aber auch in den offiziellen (politischen) Reden, Nachrichten, und im Unterricht gebraucht wird.

Die arabischen Dialekte entstanden nach den frühislamischen Eroberungswellen, aus dem Zusammentreffen der altarabischen Umgangsprache der Eroberer mit den Sprachen den eroberten Gebieten (z.B. Aramäisch, Koptisch, Griechisch) und unter gewissem Einfluss der Sprache der späteren Kolonialmächte. Daher resultieren auch die großen Unterschiede. ( Vgl. Badawi 1973. S. 29).

Die Arabisten verstehen unter arabischen Dialekt die in einzelnen arabischsprachigen Ländern gesprochene Standardalltagssprache. In den arabischen Dialekten werden die normalen Alltagssprache formuliert. Diese Dialekte sind aber kein bloß geringfügigen mundartlichen Abweichungen von der Hochsprache, sondern mehr oder weniger eigenständige Sprachen. Eine Wendung wie (Allah yo᾽teka Al᾽afya) (Möge Allah dir die Gesundheit geben)gilt in Syrien als gutes Segenswunsch, kann in Marokko z.B. dagegen als üble Verwünschung verstanden werden. Missverständnisse sind also nicht ausgeschlossen, eine Verständigung im Dialekt durch Angehörige verschiedener Dialektgruppen ist nur schwer möglich. (Vgl. Mohamad 1994. S. 35).

Viele zeitgenössische Linguisten, Forscher, Erzähler und Schriftsteller fordern zu der Modernisierung, Wiederbelebung und Erneuerung der arabischen Sprache ,besonders in Syntax, Morphologie und von den unlogischen und komplexen Regeln und Erscheinungen zu befreien. Man stellt immer die Frage, ob es notwendig und möglich sei, die arabische Sprache zu modernisieren. Ist ein Hocharabisch, das aus der Zeit der Niederschrift des Korans stammt, noch zeitgemäß? Muss man es nicht reformieren? Oder wäre es nicht an der Zeit, das Hocharabische durch das umgangssprachliche Arabisch und Dialekte abzulösen?

Jeder Staat von den zweiundzwanzig arabischen Ländern besitzt seine eigene Mundart und Dialekt und jeder dieses Dialekt spiegelt die Wirklichkeit jenes Landstriches wieder, von dem sie bis zu einem gewissen Grad abhängig ist. So sprechen wir heute z.B. von der algerischen, der libanesischen, der ägyptischen und der irakischen Sprache oder Mundarten. Es gibt also in Wirklichkeit nicht nur eine, sondern mehrere moderne arabische Dialekte. (Badawi 1973. S. 31).

4.4. Das Vokalsystem des Arabischen

᾽Abu-Al- ᾽Aswad Al-Du᾽aly entwickelte im Jahre 150 n.H. das arabische Vokalsystem und das war aus dem Bedürfnis heraus, eine korrekte Rezitation des Qurāns sicherzustellen, entwickelte er diese arabische Vokalisationszeichnen für die arabische Schrift. Zu dieser frühen Zeit waren in der arabischen Schrift nur Konsonanten notierbar, Schriftzeichen für die Vokale waren nicht zur Verfügung. Wichtiger Bestandteil der arabischen Flexionsendungen sind die Vokale. Die Qualität der vokalischen Endung, die man beim Lesen unvokalisierter Text einem Namen zuschreibt, über dessen syntaktische Stellung innerhalb des Satzes entscheidet. Wird beim Lesen unvokalisierter Text ein Vokalfehler gemacht, kann dieser Fehler dem gesamten Satz eine andere Bedeutung geben. (Al-Hašimi 1973. S. 26).

Das Arabische hat drei Kurzvokale, drei Langvokale und zwei Diphtongen. Das arabische Vokalsystem enthält viel weniger phonetische Einheiten als das Deutsche.

Die drei Kurzvokale:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Kurzvokalen (A, I und U) können durch drei Hilfszeichen, welche über oder unter den vorigen Buchstaben gesetzt werden (das Zeichen (-)symbolisiert einen Buchstaben), zum Ausdruck gebracht werden.

Die drei Langvokale werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

zum Ausdruck gebraucht. Man kann sagen , dass es, von der phonetischen Hinsicht, im Hocharabischen keine echten Diphthonge gibt. Langvokale und Diphthonge sind im Arabischen als phonologisch gleichwertige Verbindungen von Kurzvokal und Kurzkonsonant anzusehen, z.B.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Unterschied zwischen ihnen besteht nur im Grad der artikulatorischen Verwandtschaft zwischen vokalischen und konsonantischen Segment. (Vgl. Kästner 1981, S. 94).

4.5. Die Morphologie der Arabischsprache

Die Morpheme sind: die kleinsten sprachlichen Einheiten mit bedeutungstragender Funktion. Je nach ihrer Rolle und ihrer Stellung innerhalb der Wortform unterscheidet man drei Arten von Morphemen: ( Vgl. Sabuni 1981, S. 71-72),

1. Stamm- Morpheme
2. Wortbildungsmorpheme
3. Flexionsmorpheme (Vgl. Al-Hašimi 1973. S. 33),

Z.B: das arabische Wort (ﺔﺒﺘﻜﻣ) ´(maktabatun’) (Bibliothek) besteht aus:

-dem Stamm-Morphem (kataba) ﺐﺘﻛ Schreib ) ´at’ undة) ´ma-‚ und (م-den Wortbildungsmorphemen ( - dem Flexionsmorphem (’’) ´un’.

Wie vorher erwähnt wurde, dass die meisten Wörter des Arabischen aus einer Wurzel stammen, die drei Konsonanten(wenig vier und zwei Konsonanten) enthält.

Man nennt diese Wurzeln auch (Radikale) und sie beinhalten einen bestimmten Begriff, z.B. die Wurzel (k-t-b) ﺐﺘﻛ hat die Grundbedeutung schreiben, ﺮﻔﺳ (s-f-r) hat die Grundbedeutung fahren. Durch eine festgelegte Reihenfolge von Konsonanten und Vokalen werden die Wortarten (Verb, Nomen) gebildet. Die Wurzel (k-t-b) beispielsweise bildet “kataba’’ ﺐﺘﻛ ﺎﺘﻛ. (Vgl. Sabuni 1981, S.ب(schreiben), “maktabatun’’ (Bibliothek) ﺔﺒﺘﻜﻣ, “kitabun’’ (Buch) 71).

Man kann die anderen Formen wie (Tempus, Genus, Kasus, Numerus und Modus) durch Konsonantenverdopplung,Vokalveränderung und Präfigierung, Infigierung und Suffigierung innerhalb der Grundform bzw. des Stammes bilden:

ya-ktub-u = ( ﺐﺘﻜﯾ) (Er schreibt) Imperfekt 3. Pers. Sing. Mask., Indikativ.

ma-ktab-at-in = ( ﺔﺒﺘﻜﻣ ) (Bibliothek) Gen., sing., fem.

"

ma-ktab-āt-un = ﺎﺒﺘﻜﻣ ) (Bibliotheken) Nom., Pl., fem.ت(

ʼuktub! = )أ( ﺐﺘﻛ (Schreib!) Pmerativ, sing. mask. ( Vgl. Sabuni 1981, S. 71).

4.6. Die Wortarten des Arabischen

Es gibt drei Wortarten im Arabischen und, nämlich das Verb, das Nomen und die Partikeln. Jede Wortart umfasst Wörter mit gleichen oder ähnlichen Form- und Bedeutungsmerkmalen. Die Wörter werden nach semantischen, syntaktischen und morphologischen Kriterien klassifiziert. (Vgl. Ḥasan 1975. S. 26 ).

ا4.6.1. Das Verb ﻞﻌﻔﻟ

Die arabischen Grammatiker definieren das Verb als das Wort, das sich Zeitbezogenheit in sich selbst auf eine Bedeutung bezieht. Es drückt auch eine Handlung und eine von drei temporalen Formen (Gegenwart, Futur und Vergangenheit)aus. Nach dem Tempus gliedert sich das Verb in das Perfekt und das Imperfekt. Die Verben sind konjugierbare Wörter. Die 3. Person Singular Maskulin des Perfektes im Aktiv wird als die einfachste Form betrachtet. Die arabischen Linguisten betrachten diese Form als Grundform, da ihr praktisch keine weiteren Bildungselemente hinzugefügt sind. Sie vertritt in dieser Beziehung die Stelle des deutschen Infinitivs. Außerdem beginnt mit ihr die Konjugation des arabischen Verbs. (Vgl. Ḥasan. 1975, S. 46):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Integration des Personalpronomens durch Flexion desVerbstamms, ist eine Charakteristik des arabischen Verbs und in den meisten Fällen verwendet kein Personalpronomen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es ist nicht nötig und ungebräuchlich im Arabischen eine zusätzliche Anwendung eines Personalpronomens vor der konjugierten Verbform. Wenn aber ein besonderer Nachdruck auf dem Subjekt liegt, muss das Personalpronomen vor dem infiniten Verb gesetzt werden. (Vgl. Tammam 1979, S. 41);

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ا4.6.2. Das Nomenﻢﺳﻻ

Sie sind deklinierbar und artikelfähig (und auf diese Weise durch die Position im Satz von anderen Wortarten unterscheidbar). Zu den Nomina werden im Arabischen die Substantive, die Adjektive, die Pronomina, die Zahlwörter und die Adverbien gezählt. In der Regel gibt es Keinen morphologischen Unterschied zwischen Substantive und Adjektive. Sie konjugieren miteinander in Genus, Numerus. (Vgl. Ḥasan. 1975. S. 47):

رFür das Nomen gibt es im Arabischen drei Fälle: ﻊﻓ (rafʽun) Nominativ, ﺐﺼﻧ (naṣbun)Akkusativ undﺮﺟ (čarrun)Genitiv.

Die Kasus werden gebildet durch die Endung -un(_ ◌) für den Nominativ als Subjekt, (_′) -an für den Akkusativ und ( -) -in für den Genitiv. Die Nominalendungen (tanwin) ﻦﯾﻮﻨﺗ werden also durch folgende Hilfszeichen ausgedrückt: (Vgl. Sabuni 1981. S. 73),

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

)لDer Dativ existiert nicht im Arabischen und wird im Arabischen durch die Präposition (li ) ( :) zu ( lil ) (ﻞﻟ) verschmilzt, wie الgebildet, die mit dem Artikel (al) (

(Ich habe dem Lehrer ein Geschenkاﺪﻤﻠﻟ ﺖﯿﻄﻋرس ھ᾽aʽtaytu lil- mudarrisi hadiyyatan. ﺔﯾﺪ gegeben).

اﺮﺤﻟوف4.6.3. Die Partikeln

Die Partikeln wird im Arabischen bezeichnet als ein Wort, das nur auf eine Bedeutung in einem anderen hinweist. Sie deutet in Nomina und Verben auf eine Bedeutung hin und hat keine Grammatischen Zeichen, mit denen sie gekennzeichnet wird, wie bei Verben und ﺎﻣﻼﻋ (ʽalamat al-᾽iʽrab). (Vgl. al-Murādiت اﺮﻋﻻابSubstantiven, d.h. die Zeichen der Rektion 1992. S. 22).

Sie drückt weder eine Handlung noch eine temporale Form aus und kommt nicht allein im Satz als Ergänzung (Subjekt, Prädikat, Objekt) vor. Sie ist unflektierbar, denn sie weist keine Besonderheit im morphologischen Prozess auf. Nach syntaktischen Kriterien lassen sich die Partikeln in zwei Arten teilen. (Vgl. Ḥasan 1975. S. 66):

(al-ḥuruf al-ʽamila). Sie üben auf ein anderes Wortاﺮﺤﻟوف ا1.Rektionsfähige Partikeln ﺔﻠﻣﺎﻌﻟ (Nomen, Verb) eine Rektion auf. Das heißt, sie setzen es in Genitiv:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Partikeln, die das Nomen teilweise in Akkusativ regieren können, sind die Ausnahmeund Vokativpartikeln:

waṣala kulluhum illā ʽaliya. Alle sind außer Ali gekommen. و ﻢﮭﻠﻛ ﻞﺻاﻰﻠﻋ ﻻ

2 Rektionsunfähige Partikeln ﺔﻠﻤﮭﻤﻟ “al-ḥuruf al-muhmala. Diese Partikeln üben , naʽamھkeine Rektion auf ein anderes Wort aus, z.B. die Frage -und Antwortpartikeln (halﻞ ﻢﻌﻧ usw.). (Vgl. Al- Hašimi 1973. S. 24).

5.1. Über die Sprachbiographie

Integration ist ohne Beherrschen der Sprache des Aufnahmelandes nicht möglich. Laut Franceschini ist die Sprachbiographie:

„Die Sprachbiographie lässt sich als während einer autobiographischen Erzählung allmählich reproduzierten. Präsentation des Sprachrepertoires charakterisieren. In der biographischen Dimension wird das Sprachrepertoire als eine konstante Ablagerung von Sprachpraktiken angesehen, die während des Lebens zustande gekommen sind: etwa durch früher gesprochene und verstandene Sprachen, durch Sprachen, denen man ausgesetzt war oder die man selbst verwendet hat, durch einmal besser gesprochene, dann weniger verwendete Sprachen, durch Sprachen, die für einen bestimmten Lebensabschnitt eher im Zentrum des Interesses standen“. (Moris 2004. S. 83 nach Franceschini).

Die Sprachbiographie ist ein Instrument zur Selbsteinschätzung, das den Lernenden helfen soll, ihren Sprachstand selbst zu beurteilen, schulische, außerschulische und interkulturelle Erfahrungen sowie eigene Bedürfnisse und Ziele zu reflektieren und zu dokumentieren. Darüber hinaus bietet es eine Lernhilfe, die bei der Planung des weiteren Lernweges Unterstützung sein soll. Sprachbiografie dient in einem vorwissenschaftlichen Sinne dazu, den Sachverhalt zu bezeichnen, dass Menschen sich in ihrem Verhältnis zur Sprache bzw. zu Sprachen und Sprachvarietäten in einem Entwicklungsprozess befinden, der von sprach relevanten lebensgeschichtlichen Ereignissen beeinflusst ist. (Vgl. Tophinke 2004. S. 1).

Sprachbiographie ist ein neues Forschungsgebiet und Sprachbiographien werden von der Forschung als unverwertbar und nicht repräsentativ abgetan. Begriff Sprachbiographie ist kein linguistischer (sprachwissenschaftlicher)Begriff. ,, Auskünfte über soziale Verhältnisse und Vorgänge aus ,,unpersönlicher“ Sicht“. ( Fuchs 2000. S. 80).

Sie hat sich mit Berufskarrieren, Emigrantenbiographien, Bildungsbiographien, Mädchen und

-Frauenbiographien, Studentenbiographien, Kriegsbiographien usw. befasst. Das Thema “Sprache,, ist dabei nirgends spezifisch behandelt worden und somit bis lange keine konsistente Sammlungen von Biographien zum Thema “eigene Sprache,, d.h systematisch gesammelte Dokumente, in denen sich Personen in freier narrativer Form über ihr Verhältnis zur Sprache äußern.“ (Franceschini2001.S.112). In den sprachwissenschaftlichen Wörterbüchern und Lexika findet man überhaupt keine Erklärung oder Definition für diesen Begriff.

Spezifisch zu diesem Gebiet hat sich noch keine einschlägige Literatur gebildet. Die Sprachbiographien zeigen, in wieweit die Sprachkompetenzen und Sprachfähigkeiten jedes Menschen entwickelt und herausgebildet wurden und wie man sie mit der Zeit verliert. Sie setzen den Fokus auf das Individuum. Sie geben allgemeine Vorstellung und eine Interpretation der eigenen Motivationen, Deutungen und Erklärungen eines Lerners. Sie gibt einen Überblick über den Spracherwerbsprozess vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte. Es geht um die Veränderungen und Entwicklung der Sprachfähigkeit sowie um die Erinnerungen, die mit der Sprache was zu tun hat, Emotionen und Einstellungen. (Vgl. Moris 2004. S. 82 nach: Franceschini/Miecznikowski 2004).

Mit der Sprachbiographie von einem Migranten kann man bestimmt näher wissen, welche Faktoren der Integration waren und sind, welche wiederum auf die gesellschaftlichen Umstände verweisen. Sie gibt auch eine genaue Aufklärung und Aufschluss über die Identität des Menschen mit dem Migrationshintergrund. Die Informationen, die man von den Sprachbiographien herausfindet, können zu einem Verständnis von den Erwerbskontexten führen und damit der Spracherwerbsforschung dienen. In der Sprachbiographie stützt sich die Biographie des Informanten auf die Daten, die durch die erzählende Geschichte seines Lebens gesammelt wurden, die mithilfe von dem Interview rekonstruierbar sind. (Vgl. Moris 2004. S. 81 nach: Franceschini/Miecznikowski 2004).

Die sprach-biographische Interviews von Meng betrachtet man sie als Grundlage und die ideale Methode eines narativen Interviews, die man als Zugang zu erfolgreichen Sprachbiographischeninformationen anwenden kann. ( Meng 2001).

Ein narratives Interview ist eine offene Art der Datenerhebung, die den Interviewten dazu anregen soll, mit möglichst wenig Anleitung aus seinem Leben zu erzählen. „Fritz Schütze konzipierte das narrative Interview Ende der 70er Jahre als Interviewform, „die dem Befragten die Ausgestaltung der vereinbarten Interviewthematik weitgehend überlässt, ihm zugleich aber auch heikle Informationen zu entlocken vermag.“ (Küsters 2006. S. 21).

“ Im Rahmen des Versuchs einer Präzisierung müssen verschiedene, miteinander verbundene Konzepte von Sprachbiografie unterschieden werden. Einmal kann die gelebte Geschichte des Erwerbs von Sprache(n) und Sprachvarietäten, der Sprachpraxis und Spracheinstellungen gemeint sein, die spezifisch ihren sprachlichen und sozialen Kontext hat. Um Sprachbiografie geht es zum anderen im Falle einer rein erinnernden Rekonstruktion der sprachbiographisch relevanten Erfahrungen. Schließlich kann Sprachbiografie die sprachliche Rekonstruktion einer Sprachbiografie bezeichnen, die schriftlich oder mündlich realisiert werden kann“. ( Tophinke 2004. S. 1).

Die individuelle und soziale Aspekte in Betracht auf die alle drei Konzepte lassen sch unterscheiden. In dem Fall der gelebten Sprachbiographie besteht der individuelle Aspekt darin, dass diese Biographie an eine bestimmte Person gebunden ist. In den anderen Fällen, die rein erinnerte Sprachbiographie und die erzählende Rekonstruktion von Sprachbiographie, gibt es auch einen individuellen Aspekt, wenn es sich um die Merkmale und Eigenschaften der eigenen oder anderen Biographie handelt. Die Aspekte der sozialen und kommunikativen sozialen entstehen im Zusammenhang mit den drei Konzepte auf unterschiedliche Weise. Man sammelt immer Erfahrungen mit der Sprache, baut Erfahrungen mit sozialen Umständen sowie mit den geschehenen Prozessen der Selbstdarlegung, der Beziehungsherstellung und Beziehungsausgestaltung und das ist alles, was die gelebte Geschichte angeht oder betrifft. (Vgl. Tophinke 2004. S. 2).

Biographisch tritt die Sprache nicht einfach als eine Art oder Struktur auf, sondern in ihren sozial- kommunikativen Funktionen. Die Sprache enthält diese sprachlichen Formen und Strukturen und diese transportieren vor allem vorgefertigte, traditionelle Bedeutungen, denen soziale Bedeutungsmerkmale und Ordnungsstrukturen passen. (Vgl. Tophinke 2004. S. 2).

Was die erinnerte Sprachbiographie betrifft, wird sie nicht als soziale Kommunikativ betrachtet, sondern als rein kognitive Konstruktion, die aber von den sozialen Sinnschemata beeinflusst werden kann. Sie könne als aktuelle sprachliche Erfahrungen wie (Erfahrung des Erfolgs und -Misserfolgs) sein und diese Erfahrungen verursachen oder motivieren die Erinnerung und den Charakter der Erinnerung mitbestimmen. Die rein erinnerte Geschichte entzieht sich sehr stark Kontrolle über das Individuum und das ist im Gegensatz von der sprachlich rekonstruierten Sprachbiographie. (Vgl.Tophinke 2004. S. 2).

[...]

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Sprachbiographie arabischer Deutschlerner
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Deutsches Seminar)
Note
3
Autor
Jahr
2011
Seiten
67
Katalognummer
V170098
ISBN (eBook)
9783640887514
ISBN (Buch)
9783640887446
Dateigröße
791 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachbiographie, deutschlerner
Arbeit zitieren
Desouky Walid (Autor), 2011, Sprachbiographie arabischer Deutschlerner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170098

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sprachbiographie arabischer Deutschlerner



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden