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Adat und Islam in Indonesien

Spezifika des indonesischen Familienrechts sowie das Beispiel der Minangkabau als regionale Variante islamischer Familienstrukturen

Titre: Adat und Islam in Indonesien

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2011 , 25 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Jannic Wöhrle (Auteur)

Orientalisme / Sinologie - Sciences de l'Islam
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Résumé Extrait Résumé des informations

Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind einige Spezifika des islamischen Familienrechts von Indonesien in der Kompilasi Hukum Islam (KHI) von 1991 sowie die ethnischen Gruppe der Minangkabau in ihrem Sozialsystem als Beispiel einer regionalen Variante islamischer Familienstrukturen. Die Minangkabau bezeichnen sich als orthodoxe Muslime und erhalten gleichzeitig ein traditionelles matrilineares Erbrecht aufrecht, welches sie zum Forschungsgegenstand zahlreicher Disziplinen hat werden lassen. Diese Arbeit nun widmet sich besonders dem Charakteristikum des indonesischen Familienrechts, ein Produkt der Beziehung und Wechselwirkung zweier sich begegnender Systeme zu sein, dem Gewohnheitsrecht der traditionellen Normen auf der einen und dem islamischen Recht auf der anderen Seite. In Anbetracht der Tatsache, dass der Islam erst relativ spät nach Indonesien fand und bei seinem Ankommen bereits von synkretistischen Elementen geprägt war, gilt es, der Frage nach dem gegenseitigen Einfluss des Gewohnheitsrechts und des islamischen Rechts in seiner Auswirkung auf Lebenspraxis und moderne Gesetzgebung im Bereich der Familie zu untersuchen.
Nach einer knappen Einführung in die Rolle des Gewohnheitsrechts aus klassisch-islamischer Sicht werden also im dritten Kapitel jene Spezifika eingeordnet und analysiert. Nach dem anschließenden Zwischenfazit soll es im darauffolgenden Kapitel um die konkrete Lebenspraxis der Minangkabau, die Darstellung und Analyse deren Ehe- und Familienstrukturen gehen. Es sei an dieser Stelle klargestellt, dass West-Sumatra und die Minangkabau natürlich nicht repräsentativ für Indonesien stehen können. Im Pancasila-Staat Indonesien gibt es eine Vielzahl an religiösen, ethnischen und sozialen Gruppierungen. Die Besonderheit der Minangkabau jedoch, als überzeugte Muslime bis heute ein matrilineares System beizubehalten, weckt das Interesse des Islamwissenschaftlers. Die Beziehung von ÝÁdÁt und islamischem Recht ist hier ebenso von höchster Bedeutung. Ziel dieser Arbeit ist also des Weiteren, der Bandbreite und Vielfalt des Themenkomplexes Ehe und Familie im Islam Rechnung zu tragen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Vorbemerkungen

3. Spezifika des indonesischen Familienrechts

3.1 Ta‘līq aṭ-Ṭalāq (تعليق الطلاق) – taklik talak

3.2 Gemeinbesitz in der Ehe

3.3 Waṣiya wāǧiba

3.4 Zwischenfazit

4. Die Minangkabau

4.1 Die traditionellen gesellschaftlichen Grundzüge

4.2 Eigentum und Erbschaft

4.3 Heirat und Scheidung

4.4 ‘Ādāt und Islam in Minangkabau – Gegensatz und Einklang

5. Fazit und Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenspiel zwischen dem islamischen Recht, wie es in der indonesischen "Kompilasi Hukum Islam" von 1991 kodifiziert ist, und dem indonesischen Gewohnheitsrecht (Adat). Ziel ist es, anhand konkreter Beispiele aus dem Familienrecht sowie der ethnischen Gruppe der Minangkabau aufzuzeigen, wie diese beiden Normsysteme interagieren und sich in der Lebenspraxis gegenseitig beeinflussen.

  • Spezifika des indonesischen islamischen Familienrechts
  • Die Rolle des Gewohnheitsrechts (Adat) in der Rechtsprechung
  • Strukturen der Ehe und des Erbrechts in einer matrilinearen Gesellschaft
  • Wechselwirkung zwischen religiösen Normen und regionalen Traditionen
  • Die Minangkabau als Beispiel für eine regionale Variante islamischer Familienstrukturen

Auszug aus dem Buch

3.1 Ta‘līq aṭ-Ṭalāq (تعليق الطلاق) – taklik talak

Die ‚Kompilation des islamischen Rechts von Indonesien‘, Kompilasi Hukum Islam (KHI), nennt drei Möglichkeiten für die Auflösung der Ehe: Tod, Scheidung oder auf Beschluss des Gerichts (Kapitel XVI, Auflösung der Ehe, Erster Teil, Allgemein, Artikel 113). In letzterem Fall gibt es zwei Möglichkeiten, deren eine Ḫulʿ darstellt. Die andere Option ist der taklik talak, die – wenn man so will – indonesische Variante des taʿlīq aṭ-ṭalāq (bedingte Verstoßung). Dieser ṭalāq ist an bestimmte Bedingungen oder Zustände geknüpft, die im Vorfeld der Heirat vereinbart und in Gestalt einer Formel in den Ehevertrag aufgenommen werden. Zu diesen Zuständen kann körperliche Züchtigung, langanhaltende Abwesenheit oder das Nichtnachkommen des Unterhalts und der grundlegenden Pflichten gehören. Mit der Formel, die der Bräutigam gewöhnlich vor der Eheschließung verliest, sichert er seiner Frau das Recht zu, beim Eintreten eines solchen Falles an ein religiöses Gericht zu treten und ihre Verstoßung zu erwirken.

Artikel 46,2 schreibt diese Hinwendung an ein religiöses Gericht als notwendig vor, der ṭalāq wird nicht automatisch wirksam. Desweiteren darf der Inhalt des taklik talak nicht gegen islamisches Recht verstoßen (46,1). De Jure handelt es sich nicht um einen Pflichtvertrag (46,3), in der Praxis jedoch ist das Aussprechen der Formel zur Gewohnheit geworden, wohl aus dem Umstand, dass – wie Hanstein berichtet – oftmals nicht ausdrücklich auf den freiwilligen Charakter der Einrichtung hingewiesen werde. Schon Schacht schreibt: „In (...) a large portion of Indonesia, this ta‘lik of the talak has become a regular custom at the conclusion of a marriage; it is hardly ever omitted and serves to impose upon the man certain obligations to his wife as a a kind of pre-nuptial agreement,(...).“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema der Arbeit vor: das Zusammenspiel von islamischem Familienrecht in Indonesien und dem Gewohnheitsrecht der Minangkabau.

2. Allgemeine Vorbemerkungen: Hier wird der theoretische Rahmen zur Bedeutung des Gewohnheitsrechts (Adat) innerhalb der islamischen Rechtswissenschaft (Usūl al-fiqh) skizziert.

3. Spezifika des indonesischen Familienrechts: Dieses Kapitel analysiert drei konkrete Besonderheiten des indonesisch-islamischen Familienrechts: das taklik talak, den Gemeinbesitz in der Ehe sowie das Pflichttestament (waṣiya wāǧiba).

4. Die Minangkabau: Dieser Hauptteil beschreibt das matrilineare Sozialgefüge, die Eigentums- und Erbschaftsregeln sowie die Heiratspraktiken der Minangkabau im Spannungsfeld zwischen Adat und Islam.

5. Fazit und Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Synthese über die Abhängigkeit des islamischen Familienrechts von seinen jeweiligen gesellschaftlichen und historischen Kontexten.

Schlüsselwörter

Adat, Islam, Indonesien, Minangkabau, Familienrecht, Kompilasi Hukum Islam, Matrilinealität, Taklik Talak, Gemeinbesitz, Waṣiya wāǧiba, Erbrecht, Ehe, Rechtspluralismus, Sozialstruktur, West-Sumatra

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Wechselwirkung zwischen dem kodifizierten islamischen Familienrecht in Indonesien und den regionalen Traditionen, dem sogenannten Adat, am Beispiel der ethnischen Gruppe der Minangkabau.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf den indonesischen Besonderheiten des Ehe- und Erbrechts, dem Einfluss lokaler Normen auf religiöse Gesetzgebung sowie der spezifischen matrilinearen Familienstruktur der Minangkabau.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie das indonesisch-islamische Familienrecht durch die Begegnung mit lokalen Gewohnheitsrechten modifiziert wurde und wie diese beiden Systeme in der Lebenspraxis harmonieren oder widersprechen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Der Autor führt eine Literatur- und Rechtsquellenanalyse durch, um die rechtlichen Konstrukte (KHI) mit den soziologischen Gegebenheiten der Minangkabau abzugleichen und theoretisch einzuordnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der spezifischen Rechtsinstrumente (wie taklik talak und waṣiya wāǧiba) und eine detaillierte Darstellung der gesellschaftlichen Ordnung (Sippenstrukturen, Erbrecht) bei den Minangkabau.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Adat, Islam, Indonesien, Minangkabau, Familienrecht, Matrilinealität, taklik talak und Rechtspluralismus.

Welche Rolle spielt die "Kompilasi Hukum Islam" (KHI) für die Untersuchung?

Die KHI dient als primäre Rechtsquelle, an der der Autor aufzeigt, wie religiöse Normen in Indonesien konkret ausformuliert wurden und wo sie gezielt durch Adat-Einflüsse angepasst wurden.

Warum ist das Pflichttestament (waṣiya wāǧiba) für den Autor ein so bemerkenswertes Beispiel?

Das Pflichttestament wird als besonders radikal eingestuft, da es Adoptivkindern Erbansprüche einräumt, was in direktem Widerspruch zur klassischen islamischen Maxime steht, die eine biologische Blutsverwandtschaft als Voraussetzung für das Erbrecht fordert.

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Résumé des informations

Titre
Adat und Islam in Indonesien
Sous-titre
Spezifika des indonesischen Familienrechts sowie das Beispiel der Minangkabau als regionale Variante islamischer Familienstrukturen
Université
University of Freiburg  (Orientalisches Seminar)
Cours
Master-Seminar: Ehe und Familie im Islam
Note
1,0
Auteur
Jannic Wöhrle (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
25
N° de catalogue
V170115
ISBN (ebook)
9783640887682
ISBN (Livre)
9783640887927
Langue
allemand
mots-clé
Islam Indonesien Familie Ehe Familienrecht Gewohnheitsrecht Minangkabau Matrilinearität Adat Rechtspluralismus Orientalistik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Jannic Wöhrle (Auteur), 2011, Adat und Islam in Indonesien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170115
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Extrait de  25  pages
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