Plakatwettbewerb „Die Opfer von rechter Gewalt brauchen Unterstützung“, Analyse und Erörterung


Referat / Aufsatz (Schule), 2009
3 Seiten

Leseprobe

Plakatwettbewerb
„Die Opfer von rechter Gewalt brauchen Unterstützung"

Analyse und Erörterung von
Tim Blume

Der Plakatwettbewerb „Die Opfer von rechter Gewalt brauchen Unterstützung“ ist Thema des Heftes Nummer 23 des Berliner Forums Gewaltprävention der Landeskommission Berlin. Der Wettbewerb wurde im zweiten Schulhalbjahr an Berliner Oberschulen ausgeschrieben, mit der Absicht, Schüler ihre Solidarität gegenüber Opfern rechtsextremistischer Übergriffe mit Hilfe von Zeichnungen, Bildern, Collagen oder Fotografien auszudrücken.

Die Schüler sollten damit ein Signal geben, dass die Gemeinschaft und Öffentlichkeit solche Taten ablehnt, die Opfer unterstützt und gleichzeitig den Betrachter dazu auffordern, sich für die Opfer einzusetzen und Farbe zu bekennen. Über 100 Schülerinnen und Schüler beteiligten sich - allein, oder in der Gruppe - mit 81 unterschiedlichen Bildern, von denen viele von hoher Wirkungskraft und einem hohen Aufforderungscharakter geprägt seien.

Das Gewinnerplakat wurde in Schulen und Jugendeinrichtungen, sowie in U- und S- Bahnhaltestellen ausgehängt. Zusätzlich sind die 13 prämierten Bilder im Rahmen einer Wanderausstellung in verschiedenen Schulen zu sehen. Zu einer dieser Schulen zählt auch die Berliner Grundschule am Ginko-Baum, in der von Mitte April bis Anfang Mai die Bilder ausgestellt wurden.

Die Ziele des Plakatwettbewerbs sind unterschiedlich, verlangen jedoch alle ein Handeln gegen rechte Gewalt. Die Opfer von rechtsextremistischen Übergriffen sollen durch das Plakat Solidarität erfahren; der Titel „wir unterstützen opfer rechter gewalt“ stellt eine solche Solidaritätsaussage dar. Zudem soll sich das Plakat an die Öffentlichkeit richten und sich klar von jeder Form des Rechtsextremismus, der Fremdenfeindlichkeit, des Rassismus und des Antisemitismus distanzieren. Das Richten an die Öffentlichkeit wird hier vor allem durch eine Beschriftung des Plakates erreicht. Die Großschreibung des

Wortes „Angst“ im Plakattext, stellt die große Bedeutung dieser Angst für das Opfer dar, es soll ermutigt werden, etwas gegen diesen Zustand der „großen“ allgegenwärtigen Angst zu unternehmen und sich dazu Unterstützung zu holen. Die Pose der Person, das Stehen mit dem Kopf gegen die Wand drückt noch einmal die Verzweiflung der Opfer aus und ist Gleichzeitig eine Aufforderung an die Umwelt, sich für das Opfer einzusetzen, hier im Bild, das Opfer von der Wand „wegzureißen“ und auf einen neuen, richtigen Weg zu bringen. Es soll mit offenen Augen leben, und nicht angstvoll mit dem Kopf an der Wand stehen. Die Öffentlichkeit soll Farbe bekennen, nicht wegschauen und dem Opfer helfen.

Da das Plakat von Nora Fritz, Schülerin des Oberstufenzentrums Holztechnik, alle geforderten Anliegen des Wettbewerbes erfüllt, erhielt es einen Preis. Alle Forderungen, die gestellt worden waren, wurden erfüllt, so dass das Plakat die Aspekte anschaulich und begreiflich für die Öffentlichkeit vereint.

Bei den Schülern der Grundschule am Ginko-Baum hat der Plakatwettbewerb Eindruck hinterlassen und für eine ausgiebige Auseinandersetzung mit dem Thema gesorgt. Doch sollte ein Plakatwettbewerb wie der der Landeskommission Berlin auch in anderen Städten durchgeführt werden, um vorher genannte Ziele zu erreichen?

Vor allem junge Schüler sind kann man noch „prägen“, so dass bereits in jungen Jahren in ihrem Verstand verankert wird, dass Rassismus, Antisemitismus und Gewalt keine Lösung für irgendein Problem sind. Daher eignet sich ein Plakatwettbewerb besonders an Grundschulen oder niedrigen Klassenstufen weiterführender Schulen. Auf die Grundschüler der Berliner Grundschule am Ginko-Baum bestätigte sich eine solche Wirkung: Sie zeigten sich Beeindruckt von den Ergebnissen des Wettbewerbes und gaben selbst Beispiele für selbst erlebte oder Gewalt allgemein an. Alle lehnten dabei Gewalt als Lösung ab. Eine gleichzeitig durchgeführte Unterrichtsreihe zum Thema „Opfer von rechter Gewalt“ verstärkte den Lerneffekt dabei noch einmal beträchtlich.

Dies gilt jedoch unbedingt nicht für Schüler höherer Klassen. Sie hätten vielleicht Spaß am Kreativsein, aber eine Wirkung wie an der Grundschule bliebe aus. Die meisten dieser Schüler sind abhängig von ihrer Clique und gehören nur auf deren Gesetze. Gewalt und auch Ausländerfeindlichkeit spielen für viele Jugendliche eine Rolle. Platz für eine eigene - entgegengesetzte - Meinung ist da kaum, die Clique würde so etwas nicht zulassen.

Zudem sind diese Jugendliche durch ihre Eltern „vorbelastet“: Was die Eltern ihnen einmal über Rassismus und Judenhass und Gewalt beigebracht haben, wird sich so schnell nicht aus ihrem Gedächtnis entfernen lassen. Eine Plakataktion würde sie nur wenig beeindrucken, sie würden an den Plakaten - ohne sie eines Blickes zu würdigen - vorbeigehen.

Eine Wirkung hätten die Plakate dennoch auf Erwachsene: Sie würden die Plakate, vor allem mit dem Hintergrund, dass sie von Schülern gefertigt wurden, anschauen, vielleicht sogar deren Aussage verstehen. Aber würden sie etwas an ihrem - möglicherweise selbst rassistischen - Handeln ändern? Wohl kaum.

Die breite Öffentlichkeit, die Rassismus, Gewalt und Judenfeindlichkeit ablehnt, wird sich durch den Wettbewerb beeindruckt zeigen, ebenso - und das ist bei diesem Wettbewerb das größte Ziel - werden Opfer erkennen, dass sie nicht hilflos sind. Die Öffentlichkeit ist auf ihrer Seite und unterstützt sie. Man bringt ihnen Solidarität entgegen!

Auch wenn ein Plakatwettbewerb, wie er in Berlin durchgeführt wurde, die Ansichten und Auffassungen der Mensch nicht oder nur begrenzt ändern kann, ist ein solcher Wettbewerb dennoch sinnvoll. Vielmehr geht es nicht darum, Menschen zu „bekehren“, sonder Opfer rechter Gewalt zu unterstützen. Ihnen soll signalisiert werden, sie sind nicht allein, sie sind kein „Opfer“, sie können sich wehren. Diese - vorher geschwächten - Persönlichkeiten werden dadurch gestärkt. Für dieses Ziel zu „kämpfen“ lohnt sich, daher ist es sinnvoll, einen solchen Plakatwettbewerb auch in anderen Städten durchzuführen.

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Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Plakatwettbewerb „Die Opfer von rechter Gewalt brauchen Unterstützung“, Analyse und Erörterung
Autor
Jahr
2009
Seiten
3
Katalognummer
V170182
ISBN (eBook)
9783640889105
Dateigröße
809 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
plakatwettbewerb, opfer, gewalt, unterstützung“, analyse, erörterung
Arbeit zitieren
Tim Blume (Autor), 2009, Plakatwettbewerb „Die Opfer von rechter Gewalt brauchen Unterstützung“, Analyse und Erörterung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170182

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