Hannah Arendt und Herbert Marcuse haben einiges, wenn auch nicht alles gemeinsam. Beide lebten in ungefähr der gleichen Zeit. Beide sind jüdischer Herkunft, in Deutschland geboren und aufgewachsen, lebenslang mit der deutschen Sprache, Kultur und Wissenschaft verbunden; auch wenn sie beide vom NS-Regime aus Deutschland in die Emigration vertrieben wurden – und dies, obwohl beide bei Heidegger studiert hatten. – Beide wurden in den USA heimisch und machten dort Karriere. Beide sind entschiedene Gegner des Totalitarismus jeglicher Couleur und zugleich Befürworter einer Rätemokratie.
Unterschiede zeigen sich vor allem in der Marxismus-Rezeption. Arendt lehnt Marxens Theorien durchweg ab, Marcuse steht ihnen positiv gegenüber. Unterschiedlich sind demgemäß auch die Begriffe von Freiheit, Sozialismus und Demokratie. Arendt gilt als „Ikone des freien Westens“, Marcuse wurde zum geistigen Vater und Wortführer der ‘68er-Bewegung‘. – Auch die Zielvorstellungen unterscheiden sich. Für Arendt sind Politik und Handeln Ziel und Inbegriff von Freiheit; Marcuse weist Alternativen u. a. im Freudo-Marxismus auf. Marcuse kritisiert den Kapitalismus, Arendt kaum. – Aus einer Gesamtübersicht lassen sich Folgerungen für aktuelle Möglichkeiten eines freiheitlichen Sozialismus bzw. eines Demokratischen Ökosozialismus ableiten; wobei natürlich auch neuere Entwicklungen seit den 1970er Jahren zu berücksichtigen sind.
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- Klaus Robra (Autor), 2026, Freiheit und Sozialismus. Von Hannah Arendt zu Herbert Marcuse u. a., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1701844