Es wird die Entstehung und Charakteristik der modernen Arbeitsgesellschaft skizziert und in ihrer Auswirkung auf das arbeitende Subjekt problematisiert. Die Rolle der Sozialen Arbeit (z.B. Jugenderufshilfe) wird in diesem Horizont kritisch hinterfragt: Geht es darum, benachteiligte Menschen für den Arbeitsmarkt fit zu machen oder ihre Interessen gegenüber der Arbeitswelt zu vertreten? Der Beitrag diskutiert das Theorem von Sozialer Arbeit als Normalisierungsarbeit zwischen System und Lebenswelt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE MODERNE ARBEITSGESELLSCHAFT
2.1. Entstehung der modernen Arbeitsgesellschaft
2.2. Charakterisierung der modernen Arbeitsgesellschaft
2.3. Problematisierung: die Doppelgesichtigkeit der modernen Arbeitsgesellschaft
2.4. Krise der Arbeitsgesellschaft von der Objektseite gesehen
2.5. Krise der Arbeitsgesellschaft von der Subjektseite gesehen
2.6. Krise der Arbeitsgesellschaft - Fazit
3. SOZIALE ARBEIT IN DER MODERNEN ARBEITSGESELLSCHAFT
3.1. Sozialarbeit als Funktion der (Lohn-)Arbeitsgesellschaft
3.2. Die Vergesellschaftung von Erziehung im Kontext der Lohnarbeitsgesellschaft: Entstehung der Sozialpädagogik
3.3. Sozialarbeit als Vermittlungsinstanz zwischen System und Lebenswelt
3.4. Sozialarbeit als Normalisierungsarbeit
3.5. Alternative Handlungsorientierungen für die Soziale Arbeit
4. ZUSAMMENFASSUNG: ANFORDERUNGEN EINER ARBEITSWELTBEZOGENEN (JUGEND-) SOZIALARBEIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der modernen Arbeitsgesellschaft und der Sozialen Arbeit, wobei ein besonderer Fokus auf der Rolle der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit liegt. Ziel ist es, das von Michael Galuske beschriebene "Orientierungsdilemma" zu analysieren, bei dem die Soziale Arbeit zwischen systemischen Integrationserfordernissen und den Bedürfnissen der individuellen Lebenswelt vermitteln muss.
- Historische und soziologische Genese der modernen Arbeitsgesellschaft
- Die strukturelle Krise der Arbeitsgesellschaft und deren Auswirkungen auf Subjekte
- Soziale Arbeit als Vermittlungsinstanz zwischen System und Lebenswelt
- Kritik an der Normalisierungsfunktion sozialpädagogischen Handelns
- Anforderungen an eine zukunftsorientierte, biographisch ausgerichtete Jugendsozialarbeit
Auszug aus dem Buch
2.4. Krise der Arbeitsgesellschaft von der Objektseite gesehen
Eine solche Problematisierung des Phänomens Arbeitsgesellschaft bedurfte ursprünglich eines bestimmten sozio-historischen Kontextes, der im Übergang von Vollbeschäftigungs- zu Arbeitslosigkeitszeiten zu finden war. So entstand die Rede von der ‘Krise der Arbeitsgesellschaft’ im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktkrise Mitte der 1970er Jahre. Dabei ist allerdings kritisch festzustellen, dass auch in der Arbeitsgesellschaft Vollbeschäftigung eher die Ausnahme als die Regel bildete. Eine solche Ausnahme bildeten die 1960er Jahre, in denen die Arbeitslosenquote durchgängig bei nur etwa 0,7 % lag.
Bei einer genaueren Analyse dieser ‘Krise’ sind verschiedene Aspekte feststellbar:
• Der Prozess zunehmender Technologisierung, Rationalisierung und Informatisierung in der Arbeitswelt setzt einerseits Arbeitskräfte frei, führt also zu Arbeitslosigkeit, erfordert aber zugleich den Einsatz von Arbeitskräften in entsprechenden neu entstehenden und expandierenden Sektoren (Bsp. Computer-Branche).
• Die Expansion des Dienstleistungssektors besteht im Grunde in einer Verlagerung bislang lebensweltlich erbrachter und gesicherter Dienste hin in eine berufliche, professionalisierte Form. Dies schafft einerseits Arbeitsmöglichkeiten, erfordert aber auch Lohnerwerb, um zu diesen Leistungen Zugang zu haben.
• Der Umfang der lohnerwerbsorientierten Arbeitszeit ist einerseits für das Individuum deutlich gesunken, andererseits wächst global gesehen diese Arbeitszeit, da immer mehr Menschen auf diesen lohnerwerbsorientierten Arbeitsmarkt drängen. Dabei bleibt die Arbeitszeit der Familien z.T. ziemlich konstant, wobei sich die Anzahl der daran Beteiligten verändert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Hartnäckigkeit der Jugendarbeitslosigkeit als strukturelles Problem und führt in das Orientierungsdilemma der Sozialen Arbeit ein.
2. DIE MODERNE ARBEITSGESELLSCHAFT: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Erwerbsarbeit nach und analysiert die aktuelle Krise aus Objekt- und Subjektperspektive.
3. SOZIALE ARBEIT IN DER MODERNEN ARBEITSGESELLSCHAFT: Hier wird Sozialarbeit als notwendiges Element der Industriegesellschaft verstanden, das eine Vermittlungsrolle zwischen Systemzwängen und individueller Lebensgestaltung einnimmt.
4. ZUSAMMENFASSUNG: ANFORDERUNGEN EINER ARBEITSWELTBEZOGENEN (JUGEND-) SOZIALARBEIT: Das Fazit fordert eine biographisch und subjektorientierte Praxis, die politische Einflussnahme mit lebensweltlicher Unterstützung verbindet.
Schlüsselwörter
Arbeitsgesellschaft, Jugendarbeitslosigkeit, Soziale Arbeit, Jugendberufshilfe, Orientierungsdilemma, Lohnarbeit, Normalarbeitsverhältnis, Vermittlungsinstanz, System, Lebenswelt, Sozialpädagogik, Normalisierungsarbeit, Strukturwandel, Identitätsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen der modernen, wandelnden Arbeitsgesellschaft und den Aufgaben der Sozialen Arbeit, insbesondere der Jugendberufshilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten gehören die historische Genese der Arbeitsgesellschaft, ihre gegenwärtige Krise sowie die Rolle der Sozialarbeit als Brücke zwischen gesellschaftlichen Systemanforderungen und individuellen Lebenswelten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Vermittlungsfunktion der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit zu bestimmen und ein Orientierungskonzept für die Praxis zu entwickeln, das trotz struktureller Krisen ein "Orientierungsdilemma" vermeidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit der Fachliteratur, wobei insbesondere die Thesen von Michael Galuske überblicksartig analysiert und kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Analyse der modernen Arbeitsgesellschaft sowie eine Untersuchung der Sozialarbeit, die von der reinen Armutsbewältigung hin zur modernen Vermittlungs- und Normalisierungsarbeit beschrieben wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Arbeitsgesellschaft, Orientierungsdilemma, Vermittlungsinstanz, Lebensweltorientierung und Normalisierungsarbeit.
Wie bewertet der Autor den Begriff der "Krise der Arbeitsgesellschaft"?
Der Autor stellt fest, dass die Rede von einer Krise eher als Umstrukturierungsprozess zu verstehen ist, da Lohnarbeit ihre zentrale Stellung für die gesellschaftliche Integration behält, sich jedoch die Anforderungen und Beschäftigungsformen stark wandeln.
Warum wird Soziale Arbeit als "Normalisierungsarbeit" bezeichnet?
Weil sie oft dazu dient, Klienten so zu unterstützen, dass sie den gesellschaftlichen Erwartungen an ein "normales", erwerbsorientiertes Leben entsprechen können, wobei der Autor dieses Konzept kritisch hinterfragt und zu einer Humanisierung erweitert.
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- Markus Raschke (Author), 2000, Das Verhältnis von moderner Arbeitsgesellschaft und Sozialer Arbeit - ein Orientierungsdilemma, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17021