Überlegungen zu einem Stundenentwurf zum Thema „Römische Wandmalerei“


Referat (Ausarbeitung), 2009

6 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Fachlicher Hintergrund
a) Herkunft und Echtheit
b) Zustand und Maltechnik
c) Wandaufbau
d) Stile
e) Figuren
f) Deutung der Bilder

2. Überlegungen zu einer Stundeneinheit im Rahmen einer Projektwoche zum Thema „Altes Rom“

3. Bedeutung des Themas „römische Wandmalereien“ im Unterricht

Verwendete Literatur:

1. Fachlicher Hintergrund

Die folgenden Informationen wurden aus „Römische Fresken in der Antikensammlung des Württembergischen Landesmuseums“ von Volker Michael Strocka entnommen.

a) Herkunft und Echtheit

Die Fresken in der Antikensammlung des Württembergischen Landesmuseums wurden 1983 erworben. Die Fragmente entstanden im 1. Jahrhundert nach Christus und stammen aus einer römischen Villa in Broscoreale (am Fuß des Vesuvs, 2-3 km nördlich von Pompeji). Hier wurden Landhäuser (villae suburbae) und Gehöfte (villae rusticae) ausgegraben, die 79 n. Christus vom Vesuv verschüttet worden sind. Die Funde weisen eine große Ähnlichkeit mit Malereien des sog. Vierten pompejanischen Stils in den Vesuvstädten auf. Die Fragmente lassen sich (mit einer Ausnahme) auf drei Wände eines einzigen Raumes verteilen. Das Zimmer wurde in der Antikensammlung des Württembergischen Landesmuseums 4m breit, 3,50, tief und 3,60m hoch nachgebaut. Die Stücke wurden aus einer bis zur Zimmerdecke erhalten gebliebenen Dekoration ausgesägt und die verbindenden (und nicht als wertvoll genug erachteten) Wandflächen vor Ort gelassen.

b) Zustand und Maltechnik

Der Zustand der Fragmente ist als gut bis sehr gut zu bezeichnen (1980 wurde die Restaurierung abgeschlossen). Durch mikrochemische Analysen ließen sich Pigmente nachweisen, die in der Antike gebräuchlich waren (gelber Ocker, roter Ocker, grüne Erde, Ägyptisch Blau und Weiß).

Zunächst wurden ein bis zwei Schichten Grobputz (aus Kalk und Sand) auf die Wand aufgetragen. Dieser Unterputz besitzt in der Regel eine Dicke von 1- mehreren cm. Der Unterputz scheint an den restaurierten Fragmenten allerdings nicht mehr erhalten zu sein. Dieser Schicht folgt die Feinputzschicht. Sie ist ca. 5mm stark, was für die Qualität der Fragmente spricht. Der Feinputz wurde von oben nach unten in „Tagwerken“ auf die Wand aufgetragen und in noch feuchtem Zustand bemalt (buon fresco). Diese Fläche blieb höchstens zwei Tage feucht genug, um die Farben richtig aufsaugen zu können. Zügiges Arbeiten war deshalb erforderlich. Jeder Zeichnung ging in der Regel ein Entwurf in kleinem Maßstab hervor. Diese Vorzeichnungen sind gelegentlich auf freigelegtem Grobputz erhalten (sinopia). Die Hauptlinien der geplanten Komposition wurden auf die Feinputzpartie mit Kohle, Farbe oder feiner Ritzung vorgezeichnet. Die Ausführung erfolgte freihändig. Nur das Zeichnen der Ornamente wurde durch das Verwenden von Zirkel und Lineal unterstützt. Details der Darstellungen und Lichtverhältnisse wurden oft in halb trockenem Zustand oder trockenem Zustand (al secco) mit Kalk oder Leim (als Bindemitteln) aufgetragen. Diese Partien sind oftmals auf Grund mangelnder Haftung im Laufe der Zeit ab geplatzt.

c) Wandaufbau

Die römische Wandmalerei lässt sich in drei Zonen unterteilen. Die erste Zone ist der Sockel (Sockelzone). Er entspricht dem massiven Mauersockel. Diese Zone ist meist einfach gestaltet und einfarbig, kann aber auch Imitationen von Marmor oder einfache Malereien von Pflanzen enthalten. Die Hauptzone bildet die Lehmziegelwand bis über Mannshöhe. Hier entfaltet sich das Hauptgewicht der Bemalung. Diese Zone wurde oft von einem Gemälde geschmückt. In der Oberzone finden sich oftmals einfache architektonische Zeichnungen. Allerdings fehlt die Oberzone in den Wandmalereien der römischen Provinzen. Hier bildet die Oberzone den unbemalten Streifen bis zur Wanddecke.

d) Stile

Die Wandmalereien sind nach August Mau in vier Stile unterteilt: Der erste Stil ist der von ca. 200-80 v. Christus vorherrschende Mauerwerkstil. Ab ca. 100-15 v. Christus wird dieser durch den Architektur-oder Illusionsstil abgelöst. Der dritte Stil, ornamentaler Stil genannt, tritt ab ca. 15 v. Christus bis 50 n. Christus auf. Der vierte Stil ist der Phantasiestil,ca. 50- 79 n. Christus, in dem auch die fragmentarisch erhaltenen Wandmalereien der Antikensammlung des Württembergischen Landesmuseums gehalten sind. Dies lässt sich daran erkennen, dass die Wand im Mittelbild ein Gemälde, die Seitenfelder oft kleine schwebende Figuren zeigt. Wandmalereien im Phantasiestil sind ganz und gar illusionistisch, die künstliche Welt wird der realen gegenübergestellt. Charakteristisch für den Phantasiestil ist ein Reichtum an Ornamenten.

e) Figuren

Das Mittelbild der Südwand ist die Darstellung der Danae. Viele Risse durchziehen das Bild und der Rahmen des Bildes ist stellenweise abgeblättert. Außerdem weist es viele Kratzer auf und Einzelheiten des Gesichts sind unkenntlich. Danae, die Tochter des Akrisios, trägt ein grünes Gewand (einen Chinton, der Oberkörper scheint durch). In der antiken Mythologie wird Danae von ihrem Vater gefangen gehalten, da ihr Sohn laut einer Prophezeiung den Großvater töten wird. Sie wird jedoch Mutter des Perseus, da sich Zeus ihr in Form eines Goldregens näherte. Dieser Mythos wurde in der griechischen und römischen Kunst häufig dargestellt.

Das Mittelbild der Westwand zeigt „Leda mit dem Schwan“. Das gesamte Feld wird von waagrechten und senkrechten Rissen durchzogen. Die Frau sitzt auf einem Lehnstuhl. Sie war die Tochter des Thestios, des Königs von Anatolien und war mit dem König der Spartaner (Tyndareos) verheiratet. Zeus näherte sich ihr in Form eines vor einem Adler Schutz suchenden Schwans. Aus dieser Begegnung ging die Tochter Helena hervor. „Leda mit dem Schwan“ ist ein häufiges Motiv der griechischen und römischen Kunst.

Das Mittelbild der Nordwand ist ein Hermaphrodit, wobei sich in der rechten Hälfte des Feldes einige Risse befinden. Die Figur sitzt auf einem Steinblock. Sie neigt ihren Kopf Amor zu, der einen ovalen Spiegel hält. Offensichtlich möchte sie sich ein weißlich-grünliches Busenband anlegen. Hermaphroditos, ein Zwitterwesen, war der Sohn des Hermes und der Aphrodite. Er verschmolz mit der Nymphe Salmakis, als er in ihrer Quelle badete.

Auf dem rechten Seitenfeld der Südwand, dem linken und rechten Seitenfeld der Nordwand sind Psychen abgebildet. Psyche wird in der antiken Kunst als Mädchen mit Schmetterlingsflügeln dargestellt, da ihr Name neben Hauch/Atem/Lebensgeist/Seele auch Schmetterling bedeutet. Die Darstellung der Südwand zeigt sie in einem hellgrünen Gewand mit violetten Sandalen. Sie weist Sprünge und Kratzer im ockerfarbenen Feld auf. Außerdem lassen sich bräunliche Verfärbungen entdecken. Psyche hält auf der linken Hand eine flache Platte mit blassgrauen Blättern und in der rechten Hand einen langen grünen Zweig. Ihr Haar wird von einem grünen Blätterkranz geschmückt. Psyche ist die Geliebte des Eros. Sie gewinnt die Liebe ihres Geliebten nach einer Verfolgung durch dessen eifersüchtige Mutter Aphrodite für immer. In der Grabkunst steht Psyche für das menschliche Sterben. Die Darstellung der Nordwand (rechtes Seitenfeld) weist nur wenige Sprünge im Feld auf. Psyche trägt hier ein Gewand mit Überfall (Pelops) und an den Fußknöcheln zwei violette Reifen. Sie ist mit einem Opferkorb und Girlanden dargestellt. An der Figur wurde nichts ergänzt. Die Darstellung der Psyche mit Fackel(linkes Seitenfeld) weist Sprünge im ockerfarbenen Feld auf. Außerdem weist das Fragment partienweise Verfärbungen auf. Psyche ist nahezu frontal abgebildet und blickt über ihre Schulter, um zu prüfen, ob die Fackel, die sie in der Hand hält, noch brennt. Im Haar trägt sie einen Blattkranz.

Das linke und das rechte Seitenfeld der Westwand zeigt Darstellungen des Eros (Amor). Die linke Darstellung zeigt ihn mit Köcher und weist zahlreiche Sprünge im ockerfarbenen Feld auf. Die untere Hälfte ist bräunlich verfärbt. Eros wird als nacktes, kräftiges Kind dargestellt. Die Darstellung der rechten Seitenwand zeigt ihn mit Lyra. Der Schallkasten des Instruments ist ein Schildkrötenpanzer. Eros ist diesmal frontal mit grünlichen Flügeln abgebildet. Am oberen und unteren Rand des Bildes finden sich dreieckige Ausbrüche.

Außerdem weisen die Wandmalereien architektonische Zwischenfelder auf. Das Fragment links des Mittelfeldes der Westwand wurde unterhalb der Sockelbegrenzung und seitlich längs der das Feld rahmenden Filigranborten ausgesägt. Dadurch kam es zu erheblichen Ausbrüchen. Dieses Fragment stellt einen Durchblick zwischen einem Mittel-und einem Seitenfeld der Hauptzone dar. Das Muster wurde sehr sorgfältig (mit Zirkel) gemalt. Es stellt Halbkreise dar, die je eine Arazeenblüte umschreiben. Das fast spiegelbildliche Gegenstück zu diesem Fragment findet sich rechts des Mittelfeldes der Westwand. Es wurde sauberer als sein Gegenstück ausgesägt, jedoch ist auf der Höhe des Gebälks beidseitig etwas ausgebrochen. Der Schwan auf diesem Fragment hebt allerdings seine Flügel nicht ganz so steil und senkt seinen Hals stärker.

[...]

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Details

Titel
Überlegungen zu einem Stundenentwurf zum Thema „Römische Wandmalerei“
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Veranstaltung
Außerschulische Lernorte
Autor
Jahr
2009
Seiten
6
Katalognummer
V170232
ISBN (eBook)
9783640891627
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Referat wurde nicht benotet. Allerdings war meine Dozentin mit der Ausarbeitung sehr zufrieden.
Schlagworte
Wandmalerei, Römische Antike, Unterrichtsprojekt
Arbeit zitieren
Dorothee Schaible (Autor), 2009, Überlegungen zu einem Stundenentwurf zum Thema „Römische Wandmalerei“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170232

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