Für den Bereich Film existiert keine organisierte Art der Nachwuchsförderung. Dabei ist die Nachfrage nach guten Filmstoffen und Filmen groß. Ein Schulfach "Filmkunde" oder "Medienkunde" sucht man aber vergebens.
Neben der Einbindung dieses Themas in die Ganztagsschule gibt es noch die außerschulische Jugendbildung. Hier haben sich Vereine die Aufgabe "Medienkompetenzvermittlung" zum Ziel gesetzt. Auch die Landesmedienanstalten veranstalten und fördern Medienkompetenzprojekte. Filmförderungen vergeben dazu Fördergelder.
Bei all diesen unterschiedlichen Ansätzen zur Jugend- und Nachwuchsfilmförderung stellen sich die Fragen: Woher kommt das Geld für diese Förderungen? Wer fördert aus welchen Gründen? Und wie effektiv sind diese Förderungen?
Mit diesen Fragen habe ich mich in meiner Magisterarbeit an der Leibniz Universität Hannover beschäftigt. Ich habe drei ausgewiesene Experten auf dem Gebiet der (Jugend-)Filmförderung aus den beiden Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein interviewt und ihre Sichtweisen zu einzelnen Themen der Jugend-Filmförderung analysiert.
Zur Einführung in das Thema findet sich als erster Teil der Arbeit eine chronologische Geschichte der deutschen Filmförderung. Dieser historische Teil bildet die Basis, um die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Filmförderung, insbesondere der Jugendfilmförderung, nachvollziehen zu können.
Die Erkenntnisse der Arbeit sind erschreckend: Jugendfilmförderung wird in Deutschland bundesweit vernachlässigt. Wenn sich der Staat aus der Kulturförderung zurückzieht, dann setzt er oft dort an, wo die Gegenwehr gering ist und die Folgen sich erst spät zeigen werden: in der Jugendarbeit. Nur so ist zu erklären, dass unisono bestätigt wird, die Jugendmedienförderung wäre wichtig, aber doch so wenig passiert.
Die Institutionen müssen untereinander besser kommunizieren, kooperieren und zusammen im Idealfall den Filmemacher von den ersten Seminaren als Kind oder Jugendlicher bis zum abendfüllenden Spielfilm begleiten. Dazu bedarf es einer kontinuierlichen Arbeit, die früh ansetzt und den Übergang zu anderen Institutionen erleichtert. Die Ausrichtung der Institutionen müssen dazu überprüft und gegebenfalls angepasst werden.
Nur mit einer mutigen, frühen Förderung können wir auch in Zukunft große niedersächsische Filmemacher erleben.
Inhaltsverzeichnis der Magisterarbeit
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung
3 Die Geschichte der deutschen Filmförderung
3.1 Filmförderung vor 1945
3.1.1 1895 bis 1914 – Die Gründerzeit des Films
3.1.2 1914 bis 1918 – Der Erste Weltkrieg
3.1.3 1918 bis 1927 – Die Stummfilmzeit
3.1.4 1927-1933 – die frühe Tonfilmära
3.1.5 1933-1945 – Filmförderung im Nationalsozialismus
3.1.6 Nach 1945 – Entflechtung und Reprivatisierung der Filmwirtschaft
3.2 1950 bis 1955 – Bürgschaftsaktionen des Bundes
3.3 1955 bis 1962 – künstlerische Flaute und das Oberhausener Manifest
3.4 Ab 1951 – Filmbewertungsstelle Wiesbaden
3.5 Ab 1951 – Kulturelle Filmförderung des Bundes
3.6 Ab 1965 – Kuratorium junger deutscher Film
3.7 Ab 1968 – Filmförderungsgesetz / Filmförderungsanstalt
3.7.1 FFA: 1968 bis 1978
3.7.2 FFA: 1978 bis 1987
3.7.3 FFA: 1987 bis 1998
3.7.4 Film- und Fernsehabkommen
3.8 Länderförderungen
3.8.1 Medienstiftung Schleswig-Holstein – Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke in Schleswig-Holstein mbH
3.8.2 Kulturelle Filmförderung Schleswig-Holstein e. V.
3.8.3 nordmedia - Die Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH
3.8.4 Film- und Medienbüro Niedersachsen e. V.
3.9 Zusammenfassung
4 Aktuelle Probleme in der deutschen Filmförderung
4.1 Zersplitterung als Ursache des Problems
4.2 Rückzug des Staates aus der Kulturförderung
4.3 Fehlende Ausbildungsmöglichkeiten
4.4 Zusammenfassung
5 Jugendfilmförderung
5.1 Institutionen der Jugendfilmförderung
5.1.1 Bundesverband Jugend und Film e. V.
5.1.2 LAG Jugend und Film Schleswig-Holstein
5.1.3 LAG Jugend und Film Niedersachsen e. V.
5.1.4 Unabhängige Landesanstalt für Rundfunk und neue Medien
5.1.5 Niedersächsische Landesmedienanstalt
5.1.6 Weitere Institutionen
5.2 Aktivitäten der Jugendfilmarbeit
5.2.1 Seminare und Workshops
5.2.2 Lernort Kino / Schulfilm-Tournee / Schulkino-Wochen
5.2.3 Filmfeste, Filmtage, Wettbewerbe
5.2.4 Mobiles Kino Niedersachsen
5.2.5 Filmtournee unterwegs
5.2.6 Technik, Beratung, monetäre Förderung
5.3 Probleme der Jugendfilmförderung
6 Experteninterviews
6.1 Zur Auswahl der Experten
6.2 Zur Konstruktion des Interview-Leitfadens
6.3 Zur Verschriftlichung der Interviews
7 Sichtweise der Experten
7.1 Jugendfilmförderung – eine Baustelle
7.1.1 Institutionelle Förderung für die LAG Film NDS
7.1.2 Zusammenarbeit mit dem Film- und Medienbüro Niedersachsen
7.1.3 Öffnung der Uelzener Filmtage
7.1.4 Einführung einer monetären Jugendfilmförderung in Niedersachsen
7.1.5 Ausweitung der Seminartätigkeiten
7.1.6 Intensivierung der Zusammenarbeit mit Schulen
7.1.7 Intensive Vernetzung der Institutionen im Land
7.2 Zusammenfassung
8 Fazit und Ausblick
9 Literaturverzeichnis
10 Anhang
10.1 Leitfaden
10.2 Transkripte der Experteninterviews
10.2.1 Interview Ulrich Ehlers (LAG Film SH)
10.2.2 Interview Norbert Mehmke (LAG Film NDS)
10.2.3 Interview Jochen Coldewey (nordmedia Fonds GmbH)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Strukturen, Probleme und Perspektiven der Jugendfilmförderung in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Dabei liegt der Fokus nicht auf der rein wirtschaftlichen Betrachtung, sondern auf der makrosoziologischen Untersuchung der Verflechtungen zwischen Filmwirtschaft, Politik und Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen der Förderpolitik auf den Filmnachwuchs.
- Historische Entwicklung der deutschen Filmförderung seit 1945
- Strukturelle Analyse der Förderinstitutionen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein
- Explorative Untersuchung der Jugendfilmarbeit mittels Experteninterviews
- Herausforderungen durch Zentralisierung und Kürzung staatlicher Mittel
- Bedeutung von Medienkompetenzvermittlung und Vernetzung der Akteure
Auszug aus dem Buch
3.1.2 1914 bis 1918 – Der Erste Weltkrieg
1916 existierten etwa 2000 Abspielstätten im Deutschen Reich. Diese Ladenbuden hießen im Volksmund „Kintopp“. Bis 1914 wurden auch viele ausländische Filme importiert. Sprachprobleme gab es durch den zu dieser Zeit ausschließlich vorhandenen Stummfilm nicht. Asta Nielsen aus Dänemark wurde eine der ersten internationalen Filmstars des deutschen Films.
Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges änderte sich jedoch auch die Filmlandschaft. Der Film wurde als Propagandamittel entdeckt und genutzt. Die patriotischen Filme dienten zur Verfemung des Kriegsgegners und zur Stärkung der Moral der eigenen Truppen.
Die Oberste Heeresleitung hatte dazu am 13.01.1917 bereits das „Bild- und Filmamt“ (Bufa) eingerichtet, um auf den angenommenen Vorsprung des Kriegsgegners bei der filmischen Propaganda zu reagieren. Ende 1917 wurde dann die „Universum-Film AG“ (Ufa) gegründet. Ziel war es, einen staatlich gesteuerten Film-Großkonzern aufzubauen, der nationalen Interessen dienen sollte. Die Ufa war ein Zusammenschluss privater Firmen. Das Startkapital kam von der Reichsregierung, dem Kriegsministerium und der Deutschen Bank und hatte eine Höhe von sieben Millionen Reichsmark.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik der mangelnden Nachwuchsförderung im deutschen Film und formuliert die makrosoziologische Forschungsfrage der Arbeit.
2 Begriffsbestimmung: Hier werden zentrale Begriffe wie „Filmförderung“, „Jugend“ und „Jugendfilmförderung“ für den Kontext der Arbeit definiert und voneinander abgegrenzt.
3 Die Geschichte der deutschen Filmförderung: Das Kapitel bietet einen chronologischen Überblick über die Entwicklung der Filmförderung in Deutschland, von den Anfängen vor 1945 bis hin zu den heutigen Strukturen und Länderförderungen.
4 Aktuelle Probleme in der deutschen Filmförderung: Hier werden die strukturelle Zersplitterung der Filmwirtschaft, der Rückzug des Staates aus der Kulturförderung und das Defizit an Ausbildungsmöglichkeiten als Kernprobleme identifiziert.
5 Jugendfilmförderung: Dieser Teil führt in die aktive und rezeptive Jugendfilmarbeit ein und stellt die relevanten Institutionen in Bund und Ländern vor.
6 Experteninterviews: Beschrieben werden die Auswahl der Experten sowie die methodische Vorgehensweise bei der Konstruktion und Auswertung der geführten Interviews.
7 Sichtweise der Experten: Zusammenführung und Analyse der Expertenmeinungen, insbesondere im Vergleich der Systeme in Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
8 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse mit einem Ausblick auf notwendige Entwicklungen in der Förderlandschaft.
Schlüsselwörter
Filmförderung, Jugendfilmförderung, Medienkompetenz, Filmwirtschaft, Landesförderung, Nachwuchsförderung, Kulturpolitik, Experteninterviews, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Medienpädagogik, Filmproduktion, Projektförderung, Institutionen, Filmbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Geschichte und gegenwärtige Situation der Jugendfilmförderung in Deutschland mit einem speziellen Fokus auf die strukturellen Gegebenheiten und Probleme in den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des deutschen Filmfördersystems, die Analyse regionaler Förderstrukturen, die Bedeutung der Medienkompetenzvermittlung sowie die Auswirkungen aktueller Kürzungspolitik auf die Jugendarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die weitreichenden Verflechtungen der Filmwirtschaft mit Politik und Gesellschaft makrosoziologisch aufzuzeigen und die Effizienz der verschiedenen Fördersysteme im Hinblick auf die Nachwuchsförderung zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen explorativen Ansatz, der auf einer umfangreichen Literaturanalyse sowie auf drei themenzentrierten Experteninterviews mit Akteuren aus dem Bereich der Jugendfilmförderung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den aktuellen Problemen der Filmförderung (Zersplitterung, Sparpolitik), der Vorstellung relevanter Institutionen und der Auswertung der Experteninterviews zur Sichtweise auf die aktuelle Situation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Filmförderung, Jugendfilmförderung, Medienkompetenz, Nachwuchsförderung, Strukturvergleich (Niedersachsen/Schleswig-Holstein) und Förderpolitik.
Welche Rolle spielt die Zentralisierung der Filmförderung in Niedersachsen?
Die Zentralisierung durch die Gründung der 'nordmedia' wird als wesentliche Veränderung analysiert, die zwar betriebswirtschaftliche Synergien anstrebt, jedoch laut Experten zu einem Wegfall institutioneller Förderung für den Nachwuchsbereich führte.
Wie unterscheidet sich die Situation in Schleswig-Holstein?
Im Gegensatz zu Niedersachsen wird in Schleswig-Holstein die LAG Film SH noch institutionell gefördert, was ein breiteres und stabileres Angebot für die Nachwuchsförderung ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Torsten Landsiedel (Autor:in), 2007, Jugendfilmförderung - Zur Geschichte und Gegenwart der deutschen Filmförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170235