Der Themenbereich dieser Proseminararbeit befasst sich mit der Rolle Tunesiens in der US Außenpolitik der Nixon-Administration. Die Basis für die Arbeit bilden die Dokumente der Foreign Relations.
Die Fragestellungen leuten:
• Wie bedeutend war die Rolle Tunesiens in der US Außenpolitik in Afrika?
• Gab es innere Meinungsverschiedenheiten über die Bedeutung Tunesiens für die USA? Wie sah die Praxis der US Außenpolitik bezüglich Tunesien aus?
Mein Hypothese lautet: Es gab innere Meinungsverschiedenheiten innerhalb der US Administration über Tunesien und in der Praxis wurde ein Mittelweg gewählt.
Da ich für diese Arbeit so gut wie keine Sekundärquellen bzw. Internetartikel gefunden habe, musste ich mich beinahe ausschließlich auf die Quellen des Department of State, nämlich auf die Foreign Relations stützen. Die Sekundärliteratur die ich fand gab mir nur minimalste Informationen. Ich bin mir aber sicher, dass es sehr viel französische Sekundärliteratur gibt. Die folgende Arbeit und die Schlussfolgerungen aus dieser basieren daher so gut wie ausschließlich auf den Quellen. Um mir die Quellen verständlicher zu machen, versuchte ich diese, so gut wie möglich, zu übersetzen, und Übersetzungsfehler zu vermeiden. Bezüglich der (pauschalen) Quellenkritik, zweifelte ich nicht an der Authentizität der Quellen, da diese ja vom Department of State veröffentlicht wurden. Die äußere Quellenkritik, konnte nicht durchgeführt werden, weil es sich um online Quellen handelt. Bezüglich der inneren Quellenkritik sind die Intentionen der Verfasser manchmal recht gut zu erkennen, allerdings bei den meisten Dokumenten, da dies ja meist Memoraden sind, ist die Intention kaum erkennbar, sofern überhaupt eine andere Bestand, als die der korrekten Wiedergabe des Gespräches. Bei Memoranden, die einen Sachverhalt kurz näher erklären sollten, kann man aber durchaus teilweise die Intention erkenn, dass der Autor seine persönliche Meinung einfließen ließ. Deutlicher werden aber auf jeden Fall die Intentionen der beteiligten Personen, über die die Dokumente berichten. Die von mir verwendeten Dokumente der Foreign Relations erstrecken sich von Dezember 1969 bis April 1972, die gesamten Dokumente zu Tunesien in der Nixon-Administration erstrecken sich über den Zeitraum von März 1969 bis Dezember 1972.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung über Tunesien
2.1. Bourguiba und die Unabhängigkeit Tunesiens
2.2. Bourguiba als Politiker
2.3. Einparteien Demokratie oder Diktatur?
3. Tunesien im Zusammenhang mit der US Außenpolitik
3.1. Die Freundschaft zwischen Tunesien und den USA
3.2. Die Frage der Sicherheit
3.3. Die Einschätzung Kissingers
3.4. Die US-Interessen in Tunesien
3.5. Ziele und Handlungsempfehlungen
3.6. Die Interessen Tunesiens
3.7. Eine Einschätzung der tunesischen Sicherheitssituation
3.8. Die praktische Politik der Sicherheits- und Wirtschaftshilfe
3.9. Der Nahostkonflikt
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle Tunesiens in der US-Außenpolitik unter der Nixon-Administration im Zeitraum von 1969 bis 1972, basierend auf Dokumenten des Department of State. Im Fokus steht dabei die Analyse der diplomatischen, strategischen und wirtschaftlichen Beziehungen sowie die Identifikation etwaiger Meinungsverschiedenheiten innerhalb der US-Administration hinsichtlich der Bedeutung des Landes.
- Die historische Entwicklung Tunesiens und die Rolle von Präsident Bourguiba.
- Die strategische Bedeutung Tunesiens für die USA im Kontext des Kalten Krieges.
- Die Analyse von Sicherheits- und Wirtschaftshilfe als Instrumente der US-Außenpolitik.
- Die Vermittlerrolle Tunesiens im komplexen Nahostkonflikt.
- Die widersprüchliche Bewertung der strategischen Wichtigkeit Tunesiens innerhalb der US-Administration.
Auszug aus dem Buch
3.4. Die US-Interessen in Tunesien
Im Gegensatz zur Einschätzung Kissingers, wurden die US-Interessen u.a. in einem Policy Planning Paper des State Departments vom November 1971 vom Secretary of State Rogers recht deutlich.
Die Interessen der USA waren folgende:
Die USA sollten die freundlichen Beziehungen mit Tunesien fortsetzen, da sie in Zukunft für größere US Interessen hilfreich sein könnten.
Tunesien wäre politisch und militärisch für die USA und die NATO im begrenzten Umfang wichtig, vor allem im Falle eines nuklearen oder nicht nuklearen Krieges, aufgrund seiner flankierenden Position zu Sizilien. Weiters war auch der Zugang zu tunesischen Häfen für die Erholung der 6. Flotte wichtig und hätte auch US Geheimdienstaktivitäten in der Region unterstützen können.
Die Wirtschaftshilfe für Tunesien eröffnete einen Markt für US Produkte, Dienstleistungen und Investoren.
Die Interessen in Tunesien wären vor allem politische und strategische. Die USA hätten hohe Investitionen in die Entwicklung Tunesien getätigt, dies zeigte ihr Interesse und deckte sich auch mit den Interessen der tunesischen Führer. Tunesien wäre im Hinblick auf seine wirtschaftliche und soziale Entwicklung und politische Stabilität zu fördern. Es wäre gegen die US Interessen gewesen, wenn Tunesien von einer fremden Macht wie der UdSSR für militärische Aktionen gegen die NATO instrumentalisiert werden würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsgegenstands, der Hypothese über die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der US-Administration und der methodischen Vorgehensweise anhand von Foreign-Relations-Dokumenten.
2. Einführung über Tunesien: Überblick über die politische Biografie Habib Bourguibas, die Unabhängigkeitsbewegung und die autokratisch geprägte politische Struktur Tunesiens.
3. Tunesien im Zusammenhang mit der US Außenpolitik: Analyse der komplexen bilateralen Beziehungen, der Sicherheitsinteressen, der unterschiedlichen Einschätzungen innerhalb der Nixon-Administration sowie der Rolle Tunesiens im Nahostkonflikt.
4. Schlusswort: Zusammenfassung der Ergebnisse, in der die Hypothese eines in der Praxis gewählten Mittelwegs bestätigt wird, während die tunesischen Erwartungen hinsichtlich gesteigerter Hilfe weitgehend unerfüllt blieben.
Schlüsselwörter
Tunesien, US-Außenpolitik, Nixon-Administration, Bourguiba, Kalter Krieg, Sicherheitshilfe, Wirtschaftshilfe, Nahostkonflikt, Nordafrika, Strategische Interessen, Diplomatie, Foreign Relations, US-Department of State, Politische Stabilität, Mittelweg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die US-Außenpolitik gegenüber Tunesien während der Regierungszeit von Präsident Richard Nixon zwischen 1969 und 1972.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die diplomatischen Beziehungen, die Sicherheitsinteressen der USA in Nordafrika, die wirtschaftliche Unterstützung sowie die innenpolitischen Dynamiken Tunesiens unter Bourguiba.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Rolle Tunesiens für die USA aufzuzeigen und zu klären, ob es innerhalb der US-Administration unterschiedliche Auffassungen über die strategische Bedeutung Tunesiens gab.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Verfasser führt eine auf Primärquellen basierende historische Analyse durch, wobei er primär Dokumente der Foreign Relations des US Department of State auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Einschätzung Tunesiens durch Akteure wie Kissinger, den US-Interessen, der praktischen Umsetzung von Wirtschafts- und Militärhilfen sowie der Rolle Tunesiens als Vermittler im Nahostkonflikt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Tunesien, US-Außenpolitik, Nixon-Administration, Bourguiba, Sicherheitshilfe, Wirtschaftshilfe und Nahostkonflikt.
Wie bewertete die US-Administration Tunesien strategisch?
Die Einschätzungen waren uneinheitlich: Während Kissinger das Land als weniger bedeutend ansah, betonten andere Dokumente des State Departments die politische und strategische Wichtigkeit Tunesiens für die NATO und die USA.
Warum blieb die US-Sicherheitshilfe trotz der engen Freundschaft begrenzt?
Die Begrenzung resultierte aus allgemeinen US-Budgetrestriktionen für militärische Hilfe in Afrika und der Überzeugung der USA, dass Tunesien keiner unmittelbaren, existenziellen Bedrohung ausgesetzt war.
- Quote paper
- Emanuel Beiser (Author), 2010, Die Rolle Tunesiens von 1969 - 1972 in der US Außenpolitik der Nixon-Administration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170258