Politische Kommunikation ist ein wesentliches Element politischer Arbeit. Sie dient dazu, Politik für den Bürger sichtbar und erfahrbar zu machen, Deutungs-, Orientierungs- und Verhaltensmuster zu vermitteln, Werte und Konsensformen anzubieten sowie relevante Zielgruppen mit politischen Themen zu konfrontieren. In Anbetracht der zunehmenden Zusammenarbeit zwischen Staaten, z.B. im Rahmen der EU, und globalem Wettbewerb von Unternehmen, ist es essentiell auch internat. politische Kommunikation zu betreiben. Internationales Reputationsmanagement und die Beeinflussung der öffentlichen Meinung in anderen Staaten gelten daher als zentrale Zielwerte der Außenpolitik eines Staates. Ein in diesem Bezug oft gebrauchter Begriff ist ‚Public Diplomacy‘ (PD). PD kann definiert werden als:
„die Gesamtheit der Maßnahmen außenpolitisch agierender staatlicher Akteure, die auf die Adressierung ausländischer Öffentlichkeiten abzielen und dabei das Ziel der Steigerung der Soft Power des durch sie vertretenen Staates verfolgen, wobei sie zur Erreichung dieses Ziels Instrumente aus dem Gebiet der PR adaptieren, Netzwerkbildung betreiben und außenkulturpolitische Maßnahmen implementieren“.
Mit solchen Maßnahmen soll ein objektives Bild des jeweiligen Landes im Ausland erzeugt werden, die Attraktivität eines Staates sowohl im Hinblick auf Tourismus als auch wirtschaftliche und andere Aspekte gesteigert und schließlich der internationale Einfluss gesichert werden.
Gerade die Türkei sollte darum bemüht sein, ein positives Image im Ausland zu generieren. Allein die schon lange andauernden Verhandlungen zum EU-Beitritt könnten durch ein positiveres Bild der Türkei beschleunigt werden. Zudem ist die Integrationsdebatte von Türken in Deutschland besonders vom Image abhängig.
Neben PD-Aktivitäten spielt bei der Vermittlung eines Images auch eine Rolle, wie das jeweilige Land in den nationalen Medien dargestellt wird. Fernsehen und Presse gelten (abgesehen von eigenen Erfahrungen) als die wichtigsten Quellen bei der Informationsbeschaffung über ausländische Staaten. Deswegen sollten nicht nur Kommunikationsmaßnahmen initiiert, sondern auch politische Aktivitäten an das Bild, das man vermitteln will, angepasst werden. Wenn der türkische Ministerpräsident R.T. Erdogan, bei einer Ansprache in Düsseldorf davon redet, dass niemand in der Lage sein wird, die Türken von ihrer Kultur loszureißen, hat dies sicher keinen positiven Effekt auf das Bild der Türkei in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgehen
3. Bestandsaufnahme
3.1. Forschungsstand
3.2. Mediaclipping
3.3. Public Diplomacy-Aktivitäten der Türkei
4. Entwicklung eines Konzepts zur Imageverbesserung
4.1. Problemidentifikation
4.2. Konzeptentwurf
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das aktuelle Image der Türkei in Deutschland und erarbeitet ein strategisches Konzept zur langfristigen Imageverbesserung, um ein ganzheitliches, objektives Landesbild zu fördern und gesellschaftliche sowie politische Herausforderungen gezielt zu adressieren.
- Analyse des Forschungsstands zum Länderimage und Tourismus
- Mediaclipping-Analyse der Berichterstattung in deutschen Leitmedien
- Evaluierung bestehender Public Diplomacy-Maßnahmen der Türkei
- Identifikation zentraler Problemfelder für die Außenwahrnehmung
- Entwicklung einer Nation Brand-Strategie zur Image-Positionierung
Auszug aus dem Buch
3.1. Forschungsstand
Die Forschung zum Image der Türkei in anderen Staaten hat häufig den EU-Beitritt im Fokus (z.B. Barysch, 2007; Kemming, 2009; Kemming & Sandikci 2007). Daneben werden auch Tourismus-Aspekte betrachtet (z.B. Alvarez & Korzay, 2008; Sönmez & Sirakaya, 2002). Im Folgenden werden einige ausgewählte wissenschaftliche Beiträge kurz vorgestellt.
Sönmez und Sirakaya (2002) beachteten in ihrer Studie primär Tourismus-Aspekte und untersuchten Gründe für die zurückgehenden Zahlen von Türkei-Urlaubern. Auch wenn die Umfrage in den USA durchgeführt wurde, können wichtige Implikationen für die Themenstellung der vorliegenden Arbeit abgeleitet werden. Ein zentrales Ergebnis war, dass die Wahrscheinlichkeit, die Türkei als Reiseziel zu wählen, hauptsächlich von dem Image des Landes abhängig ist. Dieser Gesamteindruck wiederrum ergibt sich aus einer breiten Anzahl von Faktoren. Zu nennen sind hier zum einen affektive Faktoren, wie Erwartungen zur Freundlichkeit der Menschen oder der Attraktivität der Städte. Zum anderen spielen bei der Imagebildung aber auch sozioökonomische und kulturelle Faktoren, wie Einschätzungen zu politischer Stabilität, der Sicherheit im Land oder erwarteten Lebensstilen der Bevölkerung eine wichtige Rolle (Sönmez & Sirakaya, 2002, S. 191). Daneben zeigte sich, dass die einzelnen Erwartungen und Einschätzungen vor allem von sozialen Kontakten, d.h. Meinungen und Erfahrungen von Freunden und Bekannten abhängig sind. Dennoch haben auch öffentlich zugängliche Informationsquellen und dabei besonders Artikel und Beiträge im Internet einen großen Einfluss auf die Imagebildung zu einem Land (Sönmez & Sirakaya, 2002, S. 193). In Anbetracht der rückläufigen Touristen-Zahlen und den in der Studie ermittelten Zusammenhängen, kann abgeleitet werden, dass das Image der Türkei verbesserungswürdig ist und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der politischen Kommunikation für das Reputationsmanagement von Staaten ein und definiert den Begriff Public Diplomacy im Kontext der Türkei.
2. Vorgehen: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, welches eine Situationsanalyse durch Literaturstudien und Mediaclippings mit einer darauf basierenden Konzeptentwicklung verbindet.
3. Bestandsaufnahme: Dieser Teil beleuchtet den bisherigen Forschungsstand zum Türkei-Image, analysiert die mediale Berichterstattung in deutschen Leitmedien und bewertet bestehende Public Diplomacy-Aktivitäten.
4. Entwicklung eines Konzepts zur Imageverbesserung: Hier werden basierend auf der Problemanalyse konkrete Ansätze wie die Einführung einer Nation Brand entwickelt, um die Wahrnehmung der Türkei in Deutschland nachhaltig positiv zu beeinflussen.
5. Zusammenfassung: Dieses Kapitel resümiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit eines langfristigen, ganzheitlichen Konzepts unter Einbeziehung politischer Akteure.
Schlüsselwörter
Türkei, Image, Deutschland, Public Diplomacy, Nation Branding, Politische Kommunikation, Medienanalyse, Auslandsbild, Tourismus, Integration, Reputationsmanagement, Strategische Kommunikation, EU-Beitritt, Außenpolitik, Meinungsbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Image der Türkei in Deutschland und entwickelt Ansätze zur Verbesserung dieser Außenwahrnehmung durch strategische Kommunikation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse des Türkei-Bildes in der deutschen Öffentlichkeit, der Einfluss medialer Berichterstattung, Tourismus-Aspekte sowie die Rolle von Public Diplomacy und Integrationsdebatten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines Konzeptentwurfs, der durch eine ganzheitliche Nation Brand-Strategie ein realistisches und objektives Bild der Türkei in Deutschland fördert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zum aktuellen Forschungsstand sowie ein empirisches Mediaclipping von Print-Medien, um die mediale Darstellung der Türkei im Jahr 2010 zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Bestandsaufnahme (Forschungsstand, Medienanalyse, bisherige Aktivitäten) und die anschließende Entwicklung eines strategischen Konzepts zur Imageverbesserung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Public Diplomacy, Nation Branding, Imageproblematik, politische Berichterstattung, Zielgruppenansprache und strategische Kommunikation.
Warum ist das Image der Türkei in Deutschland laut der Arbeit problematisch?
Die Arbeit identifiziert negative politische Berichterstattung und Vorurteile, die stark durch das Bild türkischer Immigranten in Deutschland geprägt sind, als Hauptursachen für das negative Image.
Welche Bedeutung misst der Autor der "Nation Brand"-Strategie bei?
Der Autor sieht in einer "Nation Brand" als Dachmarke die Möglichkeit, synergetische Kommunikationsmaßnahmen zu bündeln, Vertrauen aufzubauen und ein konsistentes, modernes Bild der Türkei zu vermitteln.
Welche Rolle spielt die türkische Regierung bei der Umsetzung des Konzepts?
Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert laut Arbeit zwingend politische Unterstützung, insbesondere durch ein weltoffenes Handeln in konfliktreichen Themenfeldern wie Minderheitenrechten und Pressefreiheit.
- Citation du texte
- Thomas Braun (Auteur), 2011, Das Image der Türkei in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170296