Klaus Lumma richtet sein Buch „ Strategien der Konfliktlösung“ vor allem an Menschen, die mit Konflikten innerhalb des Berufslebens besser umgehen lernen wollen. Aufgrund der im Buch dargestellten Methoden aus der humanistischen Psychologie, die sozusagen die Grundlage des „Zusammen-arbeitens“ bilden, hat es in jedem Fall eine Relevanz für das Arbeitsgebiet der Sozialen Arbeit. Diese Methoden finden gerade auch in der Jugendarbeit, im Beratungsbereich und der Teamarbeit (z. B. Teamsitzungen) Anwendung und sind bzw. sollten größtenteils Basis für die professionelle Sozialarbeit sein. Ich möchte hierbei nur die aus meiner Sicht wichtigsten beiden erwähnen: die personenzentrierte/ klientenzentrierte Beratung nach Carl C. Rogers und die Themenzentrierte Interaktion (TZI) von Ruth C. Cohn. Im Bereich der Einzelberatung ist die klientenzentrierte Beratung die wohl bekannteste und in der Praxis zumeist angewandte Methode. Das heißt allerdings nicht, dass die fundamentalen Techniken bzw. Schlagwörter „Empathie“, „Kongruenz“ und „Wertschätzung“ nicht auch für die Arbeit mit Gruppen von Bedeutung sein können und sollten. Ruth C. Cohn entwickelte aus ihren Erfahrungen mit der Psychoanalyse eine universelle Methode, die für alle Gruppen, unabhängig von Alter und Grund des Zusammentreffens eine große Hilfe sein kann. Die Themenzentrierte Interaktion kann Bestandteil aller Gruppen sein, die ein gemeinsames Thema auch gemeinsam bearbeiten wollen (z. B. in der Schule, im Hochschul-seminar oder im Arbeitsalltag). Auch für die Peergruppenarbeit nach Klaus Lumma bildet die TZI die methodische Grundlage.(vgl. Lumma, 1988, S.265)
Gliederung
1 Einleitung
2 Peergruppe und Konfliktlösung
3 Themenzentrierte Interaktion (TZI) als Grundlage
4 Ablauf des „Helferspiels“
5 Resümee / persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung der Peergruppenarbeit sowie des sogenannten „Helferspiels“ zur gewaltlosen Konfliktlösung, basierend auf den Prinzipien der Themenzentrierten Interaktion (TZI).
- Grundlagen der Peergruppenarbeit und deren Zielsetzung
- Methodische Verankerung in der Themenzentrierten Interaktion (TZI)
- Die Rolle der Kommunikation und Authentizität in Gruppen
- Praktischer Ablauf und Evaluation des „Helferspiels“
- Reflexion über Konfliktpotenziale und persönliche Weiterentwicklung
Auszug aus dem Buch
4 Ablauf des „Helferspiels“
Die Peergruppe bietet sich für Übungen mit Rollenspiel an, da sich die Gruppenmitglieder durch die regelmäßigen Treffen kennen und das gemeinsame Thema sie verbindet. Das Thema lautet hierbei: „Wie fühle ich mich, wenn andere einen Konflikt miteinander haben?“
Die Seminargruppe teilt sich in Gruppen, die aus drei Personen bestehen auf. Diese „Mitspieler“ beschließen anschließend durch gemeinsame Absprache die Rollen A, B oder C. Teilnehmer A hat die Aufgabe, sich in etwa zwei Minuten ein, nach seinem Interesse gewähltes Gesprächsthema zu überlegen. Nun soll „A“ Teilnehmer B das Gesprächsthema und seinen eindeutigen Standpunkt (seine Position) darlegen, womit die „Fronten“ und der Konfliktinhalt geklärt wären und das Gespräch somit beginnen kann.
„B“ hat die Aufgabe, auch wenn dies in der Realität nicht sein Standpunkt ist, eine völlig andere Ansicht zu vertreten. Wichtig ist, dass A und B das Gespräch, selbst wenn es „gespielt“ erscheint, gegensätzlich führen.
Die für dieses Rollenspiel ausschlaggebende „Helferrolle“ übernimmt Spielpartner C. Er hat die Aufgabe, sein „helfendes Tun“ (Mediation: schlichten bzw. vermitteln ohne Entscheidungsbefugnis) bewusst energisch, also übertrieben einzubringen. Er greift also in den Konflikt/Streit von A und B ein, jedoch soll keinesfalls einer der beiden „Rivalen“ von seinem Standpunkt abweichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung verortet die Arbeit im Feld der Sozialen Arbeit und stellt die Bedeutung der humanistischen Psychologie, insbesondere von Carl C. Rogers und Ruth C. Cohn, für die professionelle Konfliktlösung dar.
2 Peergruppe und Konfliktlösung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Peergruppe und erläutert deren Funktion als Raum für langfristiges Training von Kooperations- und Konfliktlösungsverhalten.
3 Themenzentrierte Interaktion (TZI) als Grundlage: Das Kapitel beschreibt die TZI als Methode des lebendigen Lernens und analysiert die Bedeutung von Axiomen und Postulaten für die Authentizität und Verantwortung der Gruppenmitglieder.
4 Ablauf des „Helferspiels“: Hier wird die praktische Anleitung für das Rollenspiel „Helferspiel“ gegeben, inklusive der Rollenverteilung und der methodischen Durchführung der Mediation.
5 Resümee / persönliche Stellungnahme: Das abschließende Kapitel reflektiert die Bedeutung der TZI und des Helferspiels für den Gruppenprozess und betont die Wichtigkeit der Balance zwischen den Ebenen Ich, Wir und Es.
Schlüsselwörter
Peergruppenarbeit, Helferspiel, Themenzentrierte Interaktion, TZI, Konfliktlösung, Humanistische Psychologie, Rollenspiel, Soziale Arbeit, Mediation, Gruppendynamik, Kommunikation, Authentizität, Ich-sein, Professionelle Helfer, Gruppenprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die methodische Gestaltung von Peergruppenarbeit im Kontext der sozialen Arbeit und stellt ein konkretes Rollenspiel zur Konfliktlösung vor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Peergruppenarbeit, der Theorie der Themenzentrierten Interaktion (TZI) und der Anwendung von Rollenspielen zur konstruktiven Konfliktbewältigung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Gruppen durch strukturierte Methoden und eine klare methodische Grundlage in ihrer Kompetenz zur Konfliktlösung gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch die humanistische Psychologie sowie der praktischen Erläuterung des Rollenspiels „Helferspiel“ nach Klaus Lumma.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der Peergruppe, die Erläuterung der TZI als methodisches Fundament und die detaillierte Darstellung des „Helferspiels“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie TZI, Peergruppenarbeit, Konfliktlösung, Mediation, Kommunikation und Gruppenprozess charakterisieren.
Welche Rolle kommt der „Helferrolle“ (Spieler C) im Helferspiel zu?
Spieler C übernimmt die Rolle eines Mediators, der jedoch bewusst energisch und übertrieben schlichtend in den Konflikt zwischen A und B eingreift, ohne dabei die Standpunkte der Rivalen aufzuheben.
Warum ist laut der Arbeit die „Ich-Form“ in der Kommunikation so wichtig?
Die Verwendung der „Ich-Form“ ist eine zentrale Hilfsregel der TZI, um Verantwortung für eigene Aussagen zu übernehmen, Projektionen zu vermeiden und authentisch aufzutreten.
Wie unterscheidet sich das „Helferspiel“ von einer echten Konfliktsituation?
Das Helferspiel ist eine Übungssituation, in der Rollen bewusst eingenommen und wieder verlassen werden, um das eigene Verhalten zu reflektieren und nicht, um den Konflikt real zu lösen.
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- Michael Zeilbeck (Autor), 2006, Peergruppenarbeit und das „Helferspiel“, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170305