Moskauer Herrschaft und Politik unter Dmitrij Donskoj


Seminararbeit, 2010
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Festigung der Moskauer Macht
2.2. Das Verhältnis zu den Tataren und die Schlacht am Don
2.3. Dmitrijs Testament

3. Schlusswort

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahre 1317 war es Jurij Danilovič, der sich als erster Moskauer Fürst, die Gunst der Tataren sichern konnte und so einen Jarlyg ausgestellt bekam, der ihn als Großfürst legitimierte.[1] Der Jarlyg war ein Gnadenbrief, den der Chan einem russischen Fürsten ausstellte. Da die politische Macht seit dem Einfall der Mongolen (von den Russen Tataren genannt) beim Chan, dem Führer der Goldenen Horde lag, bedeutete dieser Jarlyg eine Sonderstellung gegenüber den anderen russischen Fürstentümern.

Trotz zahlreicher Konkurrenten, bekam auch Jurijs Nachfolger Ivan I. erneut das Vertrauen des Chans ausgesprochen. Seinen Beinamen Kalita (der Geldbeutel) hatte sich Ivan I. nicht umsonst verdient, verstand er es doch, das Recht des Großfürsten, Steuern einzutreiben, für seinen eigenen Machtzuwachs zu nutzen.[2]

Während der Herrschaft von Ivans Sohn Simeon erwuchs in Litauen ein neuer mächtiger Konkurrent. Doch der neue Großfürst Simeon konnte die Gefahr 1350 durch einen Sieg gegen den litauischen Großfürsten Algridas zunächst bannen. Obwohl sich Moskau so einen Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten um die Großfürstenwürde, vor allem TveÅ• erarbeiten konnte, sah es nach dem Tod von Simeons Nachfolger Ivan II. zunächst so aus, als könnte sich das Blatt wieder wenden.

Ivan II., genannt der Schöne, hatte nur zwei minderjährige Söhne hinterlassen.[3] Der jüngere von beiden, ebenfalls mit dem Namen Ivan, starb bereits 1364, der ältere jedoch, mit dem Namen Dmitrij, sollte zu einem der bedeutendsten frühen Herrscher in Moskau werden.

Hatten sich Dmitrijs Vorgänger vor allem durch Gunstbeweise beim Chan in der innerrussischen Hierarchie nach oben geschoben, so zeichnete sich Dmitrijs Machtanstieg auch durch eine eigenständige, nicht an den Willen des Chan gebundene Politik aus.

Wie Dmitrij aus einer zunächst bedrohlichen Situation zum Sieger gegen die Tataren in der Schlacht am Don und Begründer der Thronfolgepolitik unter den Moskauer Großfürsten wurde, soll im Folgenden gezeigt werden.

Dabei ist der Hauptteil dieser Hausarbeit in drei Teilabschnitte untergliedert.

Im ersten Abschnitt wird versucht zu klären, wie Moskau sich nach der Thronbesteigung des minderjährigen Dmitrij gegen innerrussische Konkurrenten die Großfürstenwürde sichern konnte. Dabei wird auch auf die Rolle der Kirche eingegangen.

Der folgende Abschnitt schildert das Verhältnis zwischen Moskau und den Tataren und erklärt die historische Wirkung der Niederlage, die die Goldene Horde 1380 in der Schlacht am Don gegen eine russische Koalition unter Dmitrij Ivanovič einstecken musste.

Im letzten Teil werden Dmitrij Ivanovičs Maßnahmen zur Sicherung der Moskauer Großfürstenwürde für spätere Generationen dargelegt und untersucht, inwiefern diese Vorkehrungen ihr Ziel erfüllten.

Die Arbeit stützt sich dabei vor allem auf Werke von Peter Nitsche, Bertold Spuler, Janet Martin und Günther Stökl, die sich eingehend mit Moskaus Machtanstieg beschäftigten und einen guten Überblick über Dmitrijs Herrschaftszeit liefern. Als Primärquelle dient der von Peter Nitsche teilweise übersetzte „Codex vom Ende des 15. Jahrhunderts“.

2. Hauptteil

2.1. Festigung der Moskauer Macht

Als der Moskauer Großfürst Ivan II. im Jahre 1359 starb, war sein ältester Sohn und Thronfolger Dmitrij Ivanovič (*1350) gerade neun Jahre alt. Einen Umstand, den Moskaus Konkurrenten um die Großfürstenwürde für sich zu nutzen versuchten. So beanspruchte Fürst Dmitrij Konstantinovič von Suzdal` und Nižnij Novgorod beim Chan die Großfürstenwürde für sich. Tatsächlich erhielt Dmitrij Konstantinovič 1360 einen JarlyÄ¡ vom Chan Hiżyr[4], wobei Nitsche anmerkt, dass nicht eindeutig geklärt ist, welcher Chan die Großfürstenwürde an Suzdal` vergab[5]. So berichtet Janet Martin, dass Chan Navruz für die Vergabe verantwortlich war.[6]

Ausreichend belegt ist hingegen die wichtige Rolle, die der Metropolit Aleksej bei der Rückgewinnung des Titels nach Moskau spielte. Nicht das erste Mal stellte sich die Kirche als ein einflussreicher Interessenvertreter der Moskauer dar. Metropolit Petr (1308-1326) hatte sich einst als erster im innerrussischen Machtkampf eindeutig zu Moskau bekannt. Dessen Nachfolger eiferten dieser Tradition nach.

Umso erfreulicher für Moskau, dass sich mit Aleksej ein ebenso loyaler wie fähiger Metropolit für den minderjährigen Dmitrij einsetzte und dessen Regierungsgeschäfte übernahm.[7] Aleksejs geschickter Verhandlung war es auch zu verdanken, dass Suzdal` die Großfürstenwürde an Dmitrij Ivanovič abtrat.[8] Dabei könnte nach Spuler auch noch ein anderer Faktor von Belang gewesen sein. So scheint der Nachfolger des ermordeten Chans Hiżyr moskaufreundlicher gewesen zu sein, als Hiżyr selbst.[9] Dabei ist fraglich, wie sehr die Bedeutung des Jarlygs zu jener Zeit schon unter den innertatarischen Konflikten gelitten hatte. So stellt Stökl die Vermutung an:

„Der jarlyk des Tatarenchans hatte angesichts der dortigen Machtkämpfe viel von seiner früheren Bedeutung verloren.“[10]

Demnach könnte Moskaus Autorität innerhalb der RuÅ› schon so groß gewesen sein, dass man in Suzdal` nicht aufgrund eines Schiedsspruches aus Sarāi sondern wegen der militärischen Macht Moskaus den Großfürstentitel lieber abgab als einen offenen Konflikt zu riskieren.[11]

Dieser Konflikt mit Suzdal` und Nižnij Novgorod wurde jedenfalls 1366 durch die Heirat zwischen Dmitrij Ivanovič und einer Tochter von Dmitrij Konstantinovič endgültig zu Gunsten Moskaus beigelegt. Das Gebiet stand von nun an unter Moskaus Einfluss.[12]

Zeitnah wurden auch die Fürstentümer Galič, Rostov und Starodub unterworfen, wobei Galič Moskau direkt angegliedert wurde und in den beiden anderen Fürstentümern moskaufreundliche Fürsten eingesetzt wurden. Auch das Fürstentum RjazaÅ„ konnte Dmitrij zeitweise unterwerfen. Nach wiederholten Streitigkeiten zwischen dem Teilfürstentum und Moskau intervenierte Dmitrij zu Beginn der 1370er Jahre, konnte den Rjazaner Großfürsten Oleg allerdings nicht langfristig vertreiben. Wenige Jahre nach dem Einfall kehrte er auf den Thron zurück.[13]

Noch komplizierter gestaltete sich der Konflikt zwischen Moskau und dem Großfürsten Michail Aleksandrovič von TveÅ•, der mit dem litauischen Großfürsten Olgerd, der zudem sein Schwager war, verbunden war und somit eine große Bedrohung für Moskau darstellte. Nachdem Moskau versucht hatte, sich in Streitigkeiten zwischen TveÅ• und seinen Teilfürstentümern einzumischen, bat Michail die Litauer um Hilfe gegen Dmitrij. Olgerd, der selbst an den Ländern der RuÅ› großes Interesse zeigte, versuchte gleich dreimal in Moskau einzufallen. Sowohl 1368, 1370 als auch 1372 scheiterte er allerdings an der steinernen Befestigung der Stadt, die erst kurz zuvor, im Jahre 1367, vollendet wurde. Während sich Litauen und Moskau bereits 1370 mit einem Friedensvertrag einander annäherten, zog sich Olgerd nach seinem letzten erfolglosen Belagerungsversuch 1372 aus dem innerrussischen Streit zurück.

[...]


[1] Spuler, Bertold: Die Golden Horde. Die Mongolen in Rußland 1223-1502, Leipzig 1943, S. 88

[2] Stökl, Günther: Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 2009,S. 116

[3] Torke, Hans-Joachim: Einführung in die Geschichte Rußlands, München 1997 S. 50-51

[4] Spuler 1943: S. 111

[5] Nitsche, Peter: Grossfürst und Thronfolger. Die Nachfolgepolitik der Moskauer Herrscher bis zum Ende des Rjurikidenhauses, Köln 1972, S. 11

[6] Martin, Janet: The emergence of Moscow (1359-1462). In: Perrie, Maureen: The Cambridge History of Russia. Band 1. From early RuÅ› to 1689. S. 158-187, Cambridge 2006, S. 161

[7] Döpmann, Hans-Dieter: Der Einfluß der Kirche auf die moskowitische Staatsidee. Staats- und Gesellschaftsdenken bei Josif Volockij, Nil Sorskij und Vassian Patrikeev, Berlin 1967, S. 29

[8] Nitsche, Peter: Moskaus Aufstieg, in: Hellmann, Manfred: Handbuch der Geschichte Russlands. Band 1, I: Von der Kiever Reichsbildung bis zum Moskauer Zartum, Stuttgart 1981, S. 601

[9] Spuler 1943: S. 111

[10] Stökl 2009: S. 142

[11] Spuler 1943: S. 124

[12] Stökl 2009: S. 143

[13] Nitsche 1981: S. 603

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Moskauer Herrschaft und Politik unter Dmitrij Donskoj
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Osteuropäisches Institut)
Veranstaltung
Moskauer Rus'
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V170448
ISBN (eBook)
9783640892884
ISBN (Buch)
9783640893041
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dmirty, Tataren, Don, Schlacht am Don, Jarlyg, Jurij Danilovič, Kalita, Ivan I., Tveŕ, Novgorod, Chan, Suzdal`, Olgerd, Mamai, Rus, Donskoi, Donskoj
Arbeit zitieren
Fabian Wilhelmi (Autor), 2010, Moskauer Herrschaft und Politik unter Dmitrij Donskoj, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170448

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