1. Einleitung
Im Jahre 1317 war es Jurij Danilovič, der sich als erster Moskauer Fürst, die Gunst der Tataren sichern konnte und so einen Jarlyg ausgestellt bekam, der ihn als Großfürst legitimierte. Der Jarlyg war ein Gnadenbrief, den der Chan einem russischen Fürsten ausstellte. Da die politische Macht seit dem Einfall der Mongolen (von den Russen Tataren genannt) beim Chan, dem Führer der Goldenen Horde lag, bedeutete dieser Jarlyg eine Sonderstellung gegenüber den anderen russischen Fürstentümern.
Trotz zahlreicher Konkurrenten, bekam auch Jurijs Nachfolger Ivan I. erneut das Vertrauen des Chans ausgesprochen. Seinen Beinamen Kalita (der Geldbeutel) hatte sich Ivan I. nicht umsonst verdient, verstand er es doch, das Recht des Großfürsten, Steuern einzutreiben, für seinen eigenen Machtzuwachs zu nutzen.
Während der Herrschaft von Ivans Sohn Simeon erwuchs in Litauen ein neuer mächtiger Konkurrent. Doch der neue Großfürst Simeon konnte die Gefahr 1350 durch einen Sieg gegen den litauischen Großfürsten Algridas zunächst bannen. Obwohl sich Moskau so einen Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten um die Großfürstenwürde, vor allem Tveŕ erarbeiten konnte, sah es nach dem Tod von Simeons Nachfolger Ivan II. zunächst so aus, als könnte sich das Blatt wieder wenden.
Ivan II., genannt der Schöne, hatte nur zwei minderjährige Söhne hinterlassen. Der jüngere von beiden, ebenfalls mit dem Namen Ivan, starb bereits 1364, der ältere jedoch, mit dem Namen Dmitrij, sollte zu einem der bedeutendsten frühen Herrscher in Moskau werden.
Hatten sich Dmitrijs Vorgänger vor allem durch Gunstbeweise beim Chan in der innerrussischen Hierarchie nach oben geschoben, so zeichnete sich Dmitrijs Machtanstieg auch durch eine eigenständige, nicht an den Willen des Chan gebundene Politik aus.
Wie Dmitrij aus einer zunächst bedrohlichen Situation zum Sieger gegen die Tataren in der Schlacht am Don und Begründer der Thronfolgepolitik unter den Moskauer Großfürsten wurde, soll im Folgenden gezeigt werden.
Dabei ist der Hauptteil dieser Hausarbeit in drei Teilabschnitte untergliedert.
Im ersten Abschnitt wird versucht zu klären, wie Moskau sich nach der Thronbesteigung des minderjährigen Dmitrij gegen innerrussische Konkurrenten die Großfürstenwürde sichern konnte. Dabei wird auch auf die Rolle der Kirche eingegangen.
Der folgende Abschnitt schildert das Verhältnis zwischen Moskau und den Tataren und erklärt die historische Wirkung der Niederlage, die die Goldene Horde1380[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Festigung der Moskauer Macht
2.2. Das Verhältnis zu den Tataren und die Schlacht am Don
2.3. Dmitrijs Testament
3. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Aufstieg Moskaus unter Dmitrij Ivanovič, wobei der Fokus auf seiner Fähigkeit liegt, die innerrussische Vormachtstellung zu festigen, militärische Erfolge gegen die Tataren zu erzielen und die Großfürstenwürde durch eine neue Thronfolgepolitik langfristig abzusichern.
- Die Festigung der Moskauer Macht gegenüber innerrussischen Konkurrenten.
- Das ambivalente Verhältnis zur Goldenen Horde und die Schlacht am Don.
- Die politische Rolle der Kirche und der Bojaren im Machtgefüge.
- Die Institutionalisierung der Erbfolge durch Dmitrijs Testament.
Auszug aus dem Buch
2.2.. Das Verhältnis zu den Tataren und die Schlacht am Don
Dass Moskaus Vorherrschaft freilich noch nicht die volle Akzeptanz in der gesamten Ruś fand und die Tataren nach wie vor ein ernst zu nehmender Gegner waren, sollten die Ereignisse der nächsten Jahre zeigen.
Dennoch konnte Dmitrij Ivanovič die innertatarischen Streitigkeiten zu seinen Gunsten nutzen. Dabei stellten eben jene Kämpfe innerhalb der Goldenen Horde anfangs eine große Bedrohung für den Erhalt der Großfürstenwürde dar.18 So fiel der Tod des mächtigen Chans Ğambek zeitlich zusammen mit dem Tod von Dmitrijs Vater Ivan II.. In der Folge entbrach ein Kampf um die Macht in der Goldenen Horde, der etwa 20 Jahre andauerte.19
Wie schon oben erwähnt, war es vor allem dem Metropoliten Aleksej zu verdanken, dass Moskaus Politik weiterhin in geordneten Bahnen verlief. Dass die Tataren in der Folge dennoch immer wieder auch Jarlygs an konkurrierende Fürsten ausstellte, könnte mit Spulers Vermutung erklärt werden, dass es innerhalb der Horde eine pro-moskauische Partei sowie eine pro-litauische Partei gab.20 Und je nachdem, welcher Partei der amtierende Chan angehörte, versuchte er, Moskau zu schwächen oder zu unterstützen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die historische Ausgangslage Moskaus im 14. Jahrhundert ein und skizziert Dmitrijs Aufstieg vor dem Hintergrund der Konkurrenz zu anderen Fürstentümern sowie der Abhängigkeit vom Chan.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die politische Festigung Moskaus, das militärische Vorgehen gegen die Tataren und die wegweisende Erbfolgepolitik durch Dmitrijs testamentarische Verfügungen.
2.1. Festigung der Moskauer Macht: Hier wird untersucht, wie Dmitrij durch strategische Heiraten, diplomatische Erfolge und die Unterstützung der Kirche seine Macht gegenüber rivalisierenden Fürsten wie Suzdal und Tver ausbaute.
2.2. Das Verhältnis zu den Tataren und die Schlacht am Don: Dieses Kapitel behandelt die Konflikte mit der Goldenen Horde, die Ursachen für die Schlacht am Don 1380 sowie deren psychologische und machtpolitische Bedeutung für Moskau.
2.3. Dmitrijs Testament: Es wird die Etablierung einer erblichen Großfürstenwürde analysiert, mit der Dmitrij die langfristige Sicherung seiner Macht und der Moskauer Vorherrschaft anstrebte.
3. Schlusswort: Das Schlusswort fasst Dmitrijs Beitrag zum Aufstieg Moskaus zusammen und ordnet diesen in den historischen Kontext der späteren Befreiung vom Tatarenjoch ein.
Schlüsselwörter
Moskau, Dmitrij Ivanovič, Goldene Horde, Schlacht am Don, Großfürstenwürde, Jarlyg, Metropolit Aleksej, Tatarenjoch, Erbfolgepolitik, Fürstentum, Machtkampf, Russland, Geschichte, Testament, Vasallität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herrschaftszeit und den politischen Maßnahmen von Dmitrij Ivanovič, der maßgeblich dazu beitrug, Moskau zur zentralen Macht innerhalb der russischen Fürstentümer zu entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Festigung der Macht gegenüber internen Rivalen, das spannungsreiche Verhältnis zur Goldenen Horde und die institutionelle Sicherung der Großfürstenwürde.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dmitrij aus einer politisch bedrohlichen Lage heraus seine Vormachtstellung erreichte und durch weitsichtige politische Entscheidungen die Grundlage für eine stabile Nachfolge schuf.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse namhafter Historiker wie Peter Nitsche, Bertold Spuler und Günther Stökl sowie der Auswertung von Primärquellen wie dem „Codex vom Ende des 15. Jahrhunderts“.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die innerrussische Konsolidierung, die militärische Auseinandersetzung mit der Goldenen Horde (Schlacht am Don) und die testamentarischen Vorkehrungen zur Erbregelung erläutert.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Machtanstieg, Großfürstentum, Tataren, Erbfolge, Diplomatische Strategie und Politische Souveränität.
Warum war der Metropolit Aleksej so wichtig für Dmitrijs Aufstieg?
Aleksej fungierte als loyaler Berater und Verwalter, der die Kirche erfolgreich als machtvollen Interessenvertreter Moskaus positionierte und Dmitrij in der Zeit seiner Minderjährigkeit politisch stützte.
Welche Bedeutung hatte das Testament von 1389?
Das Testament war ein entscheidender Schritt zur Institutionalisierung, da es die Großfürstenwürde nicht mehr als ein durch den Chan zu verleihendes Privileg, sondern als erbliches Eigentum des Moskauer Hauses definierte.
- Citation du texte
- Fabian Wilhelmi (Auteur), 2010, Moskauer Herrschaft und Politik unter Dmitrij Donskoj, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170448