Diese Arbeit befasst sich mit der Rolle der Frau als spirituelle Vermittlerin in Nikos Kazantzakis Werk „Die griechische Passion“. Um das Werk adäquat verstehen und analysieren zu können, ist es erforderlich, die kulturellen und symbolischen Systeme zu erfassen, mit denen der Autor operiert. Eine solche Analyse setzt grundlegende Kenntnisse sowohl der griechischen Mysterienkulte als auch der kulturellen und geistigen Strömungen der Renaissance voraus. Insbesondere die in der Renaissance entwickelten mnemotechnischen Verfahren, Techniken des Gedächtnisses und der Imagination, spielen eine zentrale Rolle. Diese Techniken zielten darauf ab, eine innere Welt der Phantasmen zu konstruieren (Mikrokosmos), die der Struktur einer intelligiblen Realität (Makrokosmos) entspricht. Dabei handelt es sich um eine Wirklichkeitsordnung, die nicht sinnlich erfahrbar, sondern nur durch den Intellekt zugänglich ist. Im Sinne der neuplatonischen Philosophie ist die sinnlich erfahrbare Welt lediglich eine unvollkommene Spiegelung einer höheren, geistigen Ordnung, deren wahre Struktur sich dem Verstand nur in Form von Bildern oder Phantasmen erschließt.
Der zweite Teil dieser Arbeit untersucht dann die Integration der aktiven Anwendung hermetischen Wissens im Roman. Dabei steht die äußere, physische Handlung im Vordergrund, durch die der Mensch nach neuplatonischen Konzepten sowohl seine innere, makrokosmische als auch seine äußere, mikrokosmische Welt beeinflussen kann, wobei sein Ziel darin besteht, die Eigenschaften der planetarischen Kräfte aufzunehmen, zu integrieren und auf der Stufenleiter der Erkenntnis zu meistern.
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- Katarina Macova (Auteur), 2025, Anima decodiert. Die Frau als spirituelle Vermittlerin in Nikos Kazantzakis "Die griechische Passion", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1704959