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Rektionsschwankungen bei Genitivpräpositionen aus diachroner Perspektive

Variation und Sprachwandel zwischen Genitiv- und Dativrektion

Title: Rektionsschwankungen bei Genitivpräpositionen aus diachroner Perspektive

Seminar Paper , 2023 , 24 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: Sophie Lang (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Hausarbeit untersucht Rektionsschwankungen bei Genitivpräpositionen im Deutschen aus diachroner Perspektive. Ausgangspunkt ist die in der Öffentlichkeit verbreitete Annahme, der Genitiv werde zunehmend durch den Dativ verdrängt. Ziel der Arbeit ist es zu prüfen, inwieweit diese Wahrnehmung mit den Ergebnissen linguistischer Forschung übereinstimmt. Im Mittelpunkt steht dabei der Präpositionalkasus des Genitivs. Zunächst werden die Funktionskategorien des Genitivs im Deutschen sowie grundlegende Eigenschaften von Genitivpräpositionen dargestellt. Anschließend wird auf Basis einschlägiger Forschungsliteratur und korpusbasierter Untersuchungen der Sprachwandel hinsichtlich der Kasusrektion analysiert. Dabei zeigt sich, dass Genitivpräpositionen häufig bidirektionale Entwicklungen aufweisen: Einerseits treten bei ursprünglich genitivregierenden Präpositionen zunehmend Dativvarianten auf, andererseits lassen sich auch Fälle beobachten, in denen ursprünglich dativregierende Präpositionen zusätzlich den Genitiv annehmen. Diese Entwicklungen stehen im Zusammenhang mit Prozessen der Grammatikalisierung, Prototypisierung und Differenzierung. Anhand exemplarischer Präpositionen wie aufgrund und inmitten wird der diachrone Wandel konkret nachvollzogen. Insgesamt zeigt die Analyse, dass die Verwendung von Genitiv und Dativ im Präpositionalkasus weniger als linearer Verlust des Genitivs zu verstehen ist, sondern vielmehr als komplexer, dynamischer Sprachwandel mit konkurrierenden Varianten und stilistischen Präferenzen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

  • Abbildungsverzeichnis
  • 1 Einleitung
  • 2 Funktionskategorien des Genitivs
    • 2.1 Rektionszusammenfall der Femina, Positionsvarianten und semantische Präpositionsklassen
    • 2.2 Funktionskategorien des Genitivs
    • 2.3 Von der Sekundär- zur Prototypen-Präposition
  • 3 Diachrone Perspektive auf den Sprachwandel - Exemplarische Erörterung der Ergebnisse von Korpusanalysen
    • 3.1 Bidirektionalität des Präpositionalkasus
      • 3.1.1 Divergente Zuordnungen der Genitivpräpositionen
      • 3.1.2 Variierende Präpositionalrektionen
      • 3.1.3 Genitiv und Dativ als Präpositionalkasus – eine Frage der Stilistik
    • 3.2 Ambivalente Entwicklungen im dynamischen Sprachwandel
    • 3.3 Erklärungsansätze für die gegenläufigen Entwicklungen
      • 3.3.1 Prototypisierung versus Differenzierung
    • 3.4 Exemplarische Erörterung - Präpositionen in verschiedenen Sprachstufen
      • 3.4.1 Das Beispiel aufgrund /auf Grund
      • 3.4.2 Das Beispiel inmitten
  • 4 Fazit - Beantwortung der Forschungsfrage
  • 5 Literaturverzeichnis (Layout vereinheitlichen gem. Dozenten-Vorgaben)

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob der populärwissenschaftliche Eindruck eines generellen Rückgangs des Genitivs zugunsten des Dativs im Deutschen den tatsächlichen Sprachwandel widerspiegelt. Sie geht der übergeordneten Forschungsfrage nach, wie sich Präpositionen im Laufe der Zeit verändern und welche Rektionsschwankungen dabei feststellbar sind, insbesondere im Hinblick auf den Präpositionalkasus.

  • Analyse der vermeintlichen Verdrängung des Genitivs durch den Dativ in der deutschen Sprache.
  • Erörterung des Stands der linguistischen Forschung zu Genitiv-Verwendung und Sprachwandel.
  • Differenzierung und aktuelle Verwendung der Genitivfunktionen (Präpositionalgenitiv, Attribut-Genitiv, Objektgenitiv).
  • Diachrone Untersuchung von Präpositionen, die den Genitiv im Verlauf des Sprachwandels regiert haben.
  • Exemplarische Korpusanalysen zweier Präpositionen in verschiedenen Sprachstufen.
  • Reflexion über Variantenpräferenzen und sprachliche „Korrektheit“ im Kontext von Sprachwandelphänomenen.

Auszug aus dem Buch

Funktionskategorien des Genitivs

Im deutschen Kasussystem lässt sich unter Bezug zu von Polenz (1999, 345) die Verwendung des deutschen Genitiv prinzipiell differenzieren in die folgenden vier Kategorien (illustriert mit eigenen Beispielen):

  1. Als attributiver Genitiv: ein Kind des Lichts/das Auto meines Sohnes
  2. Als Verb- oder adjektivregierter Objektkasus: sich des Kindes annehmen/einer Sache überdrüssig
  3. In adverbialen idiomatischen Phrasen: stehenden Fußes/meines Erachtens
  4. Als Präpositionalkasus: bezüglich des Klimas/trotz des Lärms

Zu Kategorie 3, dem adverbialen Genitiv, der nurmehr fast ausschließlich in formelhaften Ausdrücken und entsprechend in formellen Situationen sowie juristischen Texten verwendet wird, sei hier der Vollständigkeit halber erläutert, dass in der Forschungsliteratur in Bezug auf den adverbialen Genitiv von einem stetigen Veralten und generellen Verschwinden in der deutschen Sprache ausgegangen wird. So weist Wich-Reif (2017, 195 Fn 5) auf Abrahm (1995, 177) hin, der „das Aussterben des adverbalen Genitiv, des sogenannten 2. Falls [...] analysiert. Adverbiale Genitive sind nur noch in sehr eng eingrenzbaren Resten fassbar“ (ebd.).

Zu Kategorie 1 sei mit Wich-Reif (2010, 272, Fn 5) unter Bezug zu Zifonun u.a. (1997, 2079f.) auf die geläufige Ersetzung des Attributiven Genitivs durch die den Dativ regierende Präposition von hingewiesen, wobei „der Genitiversatz durch eine solche mit von eingeleitete Präpositionalphrase insbesondere gewählt [wird], wenn der Genitiv flexivisch nicht ausreichend markiert ist“. Dies gilt erst recht in den Fällen, wo absolut keine eindeutige Genitivmarkierung möglich ist. So wäre die Formulierung *im Laufe zehn Monate unakzeptabel. Deshalb findet sich stattdessen im Laufe von zehn Monaten. Diese Präferenz der Dativ regierenden von-Ergänzung gilt auch für diejenigen Fälle, in denen Genitivmarkierung zwar möglich aber unüblich wäre, wie beispielsweise an einem Adjektiv oder Numerale. Damit wird aus im Laufe einiger/dreier Monate insbesondere in der gesprochenen Sprache im Laufe von einigen/von drei Monaten. (Lindqvist 1994, 82f.)

Zwar lassen sich nicht systematisch alle Präpositionen anführen, bei denen die von-Erweiterung potenziell möglich ist, doch lässt sich mit Verweis auf den Duden 2009 die folgende Auswahl exemplarisch nennen: abseits (von), abzüglich (von), angesichts (von), anhand (von), anstelle (von), aufgrund (von), diesseits (von), einschließlich (von), hinsichtlich (von), infolge (von), innerhalb (von), inmitten (von), jenseits (von), links (von), nördlich (von), oberhalb (von), seitlich (von), ungeachtet (von), unterhalb (von), unweit (von), voll (von). (Duden 2009: 613)

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1 Einleitung: Die Einleitung erörtert die Forschungsfrage, ob der gefühlte Genitivschwund in der deutschen Sprache durch den Dativ den tatsächlichen Sprachwandel widerspiegelt und welche Rektionsschwankungen bei Präpositionen feststellbar sind.

Kapitel 2 Funktionskategorien des Genitivs: Dieses Kapitel differenziert die verschiedenen Funktionskategorien des Genitivs im Deutschen und diskutiert grundlegende Aspekte der Genitivpräpositionen, inklusive Positionsvarianten und semantischer Klassen.

Kapitel 3 Diachrone Perspektive auf den Sprachwandel - Exemplarische Erörterung der Ergebnisse von Korpusanalysen: Der Hauptteil analysiert die Bidirektionalität des Präpositionalkasus, ambivalente Entwicklungen im dynamischen Sprachwandel und Erklärungsansätze anhand von Korpusanalysen zweier exemplarischer Präpositionen.

Kapitel 4 Fazit - Beantwortung der Forschungsfrage: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse der Untersuchung zusammen und beantwortet die Forschungsfrage bezüglich der Veränderungen und Rektionsschwankungen von Präpositionen im Laufe der Zeit.

Schlüsselwörter

Genitiv, Dativ, Präpositionen, Rektion, Sprachwandel, Diachronie, Synchronie, Grammatikalisierung, Korpusanalyse, Attributivgenitiv, Objektgenitiv, Präpositionalkasus, Bidirektionalität, Prototypisierung, Differenzierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob der populärwissenschaftlich verbreitete Eindruck eines Rückgangs des Genitivs im Deutschen und dessen Ersetzung durch den Dativ den tatsächlichen sprachlichen Entwicklungen entspricht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Verwendung des Genitivs als Präpositionalkasus, der dynamische Sprachwandel von Präpositionen, die Bidirektionalität von Rektionsschwankungen sowie stilistische und semantische Aspekte der Kasuswahl.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie sich Präpositionen im Laufe der Zeit verändern und welche Rektionsschwankungen dabei aus diachroner Perspektive feststellbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der linguistischen Forschungsliteratur und zieht für die exemplarische Erörterung Ergebnisse aus korpusbasierten Untersuchungen heran.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Bidirektionalität des Präpositionalkasus, ambivalente Entwicklungen im Sprachwandel, Erklärungsansätze für gegenläufige Entwicklungen (Prototypisierung vs. Differenzierung) und exemplarische Analysen spezifischer Präpositionen in verschiedenen Sprachstufen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Genitiv, Dativ, Präpositionen, Rektion, Sprachwandel, Diachronie, Grammatikalisierung und Korpusanalyse.

Welche Rolle spielt die Bidirektionalität im Sprachwandel der Genitivpräpositionen?

Die Bidirektionalität beschreibt, dass sowohl Genitivpräpositionen eine Tendenz zur Dativrektion aufweisen können als auch ursprünglich Dativ regierende Präpositionen vermehrt den Genitiv regieren.

Wie werden die Präpositionen "aufgrund/auf Grund" und "inmitten" exemplarisch analysiert?

Anhand dieser Beispiele wird die junge Grammatikalisierungsphase von "aufgrund/auf Grund" sowie die Reanalyse und der Rektionsshift von "inmitten" im diachronen Sprachwandel erläutert, oft unter Bezugnahme auf Korpusdaten und Wörterbücher.

Warum wird der Dativ in manchen Fällen dem Genitiv vorgezogen, insbesondere bei Feminin-Nomen?

Die Arbeit weist darauf hin, dass die fehlende eindeutige Genitivmarkierung bei Feminin-Nomen im Singular und Plural zum Zusammenfall von Genitiv und Dativ führt, was die Präferenz für Dativ-regierende von-Ergänzungen und eine mögliche Analogiebildung begünstigt.

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Details

Title
Rektionsschwankungen bei Genitivpräpositionen aus diachroner Perspektive
Subtitle
Variation und Sprachwandel zwischen Genitiv- und Dativrektion
College
University of Bonn
Course
Vertiefungsmodul Sprachwandel
Grade
1,2
Author
Sophie Lang (Author)
Publication Year
2023
Pages
24
Catalog Number
V1706011
ISBN (PDF)
9783389181904
ISBN (Book)
9783389181911
Language
German
Tags
linguistik germanistik genitivpräpositionen sprachwandel genitiv
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sophie Lang (Author), 2023, Rektionsschwankungen bei Genitivpräpositionen aus diachroner Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1706011
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