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Das Nibelungenlied und die höfische Gesellschaft

Título: Das Nibelungenlied und die höfische Gesellschaft

Tesis de Maestría , 1987 , 76 Páginas , Calificación: 2,0

Autor:in: Martin Kiworra (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana antigua y medieval
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Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen dem Nibelungenlied und der höfischen Gesellschaft, indem sie das Werk mit anderen Nibelungendichtungen vergleicht und seine Einbettung in den höfischen Kontext analysiert. Ziel ist es, die Bedeutung des Nibelungenliedes für die höfische Gesellschaft zu erhellen, insbesondere im Hinblick auf zeitgenössische Problematiken und soziale Normen.
Das Nibelungenlied, von dem 35 Handschriften erhalten sind, zeugt von großem Interesse und ist untrennbar mit dem höfischen Umfeld verbunden, was eine Analyse im historischen Kontext erfordert. Die Arbeit vergleicht das Nibelungenlied mit nordischen Nibelungendichtungen und der Klage, um markante Unterschiede herauszuarbeiten und die Neuerungen des Nibelungendichters für die Einschätzung seiner Bedeutung für die höfische Gesellschaft zu bewerten.
Die Untersuchung behandelt grundlegende Fragen nach Dichter, Zeit und Ort der Entstehung, was das Problem der Mäzenatenschaft impliziert, da mittelalterliche Literatur ohne die Unterstützung von Gönnern an Fürstenhöfen undenkbar war.
Die Forschung betont die Vielschichtigkeit des Nibelungenliedes, was sich in den verschiedenen Gattungsbezeichnungen widerspiegelt, und zielt darauf ab, die Beziehung zum Ethos der höfischen Gesellschaft sowie Einflüsse zeitgenössischer, mittelalterlicher Literatur, insbesondere des Minnesangs, aufzuzeigen. Außerdem wird untersucht, inwieweit das Nibelungenlied ein christlich geprägtes Werk ist.
Im Hauptteil wird analysiert, wie zeitgenössische Problematiken wie Lehnswesen, soziale Identität und Blutrache den Handlungsverlauf beeinflussen, beginnend mit der Standeslüge Siegfrieds als Vehikel der Katastrophe und der daraus resultierenden Rache Kriemhilds. Das Verhältnis von Königen und Vasallen, insbesondere die Figuren Hagen und Rüdiger, wird beleuchtet, ebenso wie die Rolle Dietrichs, der erst spät, aber entscheidend eingreift.
Es erhebt sich die Frage, welche Gruppen der höfischen Gesellschaft sich über die Normen ihres sozialen Handelns verständigen. Das Nibelungenlied ist Vortragsdichtung, wahrscheinlich sogar gesungen, und sein Publikum war an den Höfen zu suchen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis des E-Books

  • Abstract
  • Abkürzungsverzeichnis
  • 1 Einleitung
  • 2 Nordische Nibelungendichtungen
    • 2.1 Die Edda
    • 2.2 Die Völsungensaga
    • 2.3 Die Thidreksaga
  • 3 Die Nibelungenklage
  • 4 Das Nibelungenlied
    • 4.1 Der Dichter des Nibelungenliedes
    • 4.2 Zeit und Ort der Entstehung
    • 4.3 Die Schichtung des Nibelungenliedes
      • 4.3.1 „alte maeren“ und höfisches Rittertum
      • 4.3.2 Die Minne
      • 4.3.3 Christliche Elemente
    • 4.4 Die Konstellation der Figuren
      • 4.4.1 Die Standeslüge
      • 4.4.2 Kriemhilds Rache
      • 4.4.3 Die Macht der Vasallen
      • 4.4.4 Die Funktion Dietrichs von Bern
  • 5 Schlussfolgerungen
  • Literaturverzeichnis
    • Textausgaben
    • Sekundärliteratur

Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen dem Nibelungenlied und der höfischen Gesellschaft. Ihr primäres Ziel ist es, die Bedeutung des Nibelungenliedes für die höfische Gesellschaft zu beleuchten, insbesondere im Hinblick auf zeitgenössische Problematiken und soziale Normen, indem sie das Werk mit anderen Nibelungendichtungen vergleicht und seine Einbettung in den höfischen Kontext analysiert.

  • Vergleich des Nibelungenliedes mit nordischen Nibelungendichtungen und der Klage zur Herausarbeitung von Unterschieden und Neuerungen.
  • Analyse der grundlegenden Fragen nach Dichter, Zeit und Ort der Entstehung sowie der Rolle der Mäzenatenschaft.
  • Untersuchung der Beziehung zwischen dem Nibelungenlied, dem Ethos der höfischen Gesellschaft und Einflüssen zeitgenössischer Literatur (insbesondere des Minnesangs).
  • Detaillierte Betrachtung von zeitgenössischen Problematiken wie Lehnswesen, sozialer Identität und Blutrache im Handlungsverlauf.
  • Beurteilung, inwieweit das Nibelungenlied christlich geprägte Elemente aufweist.
  • Erörterung, welche Gruppen der höfischen Gesellschaft sich über die Normen ihres sozialen Handelns verständigen.

Auszug aus dem Buch

4.4.1 Die Standeslüge

In der dritten Aventiure kommt es zur Kollision der Mitglieder beider Höfe. Siegfrieds Herausforderung Gunthers gilt in Worms „als unhöfische Entgleisung“. Den Zweikampf versteht Siegfried als Idoneitätsbeweis für die Legitimität der Herrschaft. Diese stützt sich auf die „persönliche Stärke des Herrschers“. So verzichtet Siegfried auf einen ihm zustehenden Empfang im Nibelungenland, sondern kämpft wie ein feindlicher Ritter gegen seine eigenen (!) Mannen. Durch seinen Sieg bestätigt er die Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft aufs Neue:

„Sô wol mich dirre mære“, sprach Albrich daz getwerc,
„nu hân ich wol erfunden diu degenlîchen werc,
daz ir von wâren schulden muget lándes herre wesen.
ich tuon swaz ir gebietet, daz ir mich lâzét genesen."

Dadurch kann Siegfried die wichtigste Aufgabe des Herrschers erfüllen, seinem Land den Frieden zu erhalten. Denn die „Verpflichtung zu ,Schutz und Schirm’" ist die „Rechtsgrundlage der Herrschaft“. Siegfrieds Forderung zum Zweikampf der Fürsten kann sich in Worms jedoch nicht durchsetzen. Gunther unterwirft sich nicht der ritterlichen Probe. Sein Recht auf die Herrschaft ist „genealogisch begründet“ und kommt ohne „permanente Verteidigung und Erweiterung“ aus. Gunther braucht seinen Herrschaftsanspruch nicht durch persönliche Stärke bestätigen. So ist nicht nur er, sondern der gesamte Hof durch Siegfried herausgefordert. Zur „persönlichen ellen“ des Königs tritt „des hoves kraft“. So ist es legitim, wenn anstelle des Königs sein Vasall gegen Siegfried kämpft. Ortwin von Metz ist dazu bereit:

Ob ir und iuwer bruoider hetet niht die wer,
und ob er danne fuorte und ein ganzez küneges her,

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung erörtert die Überlieferung des Nibelungenliedes, die Bedeutung der Mäzenatenschaft im Mittelalter und die Notwendigkeit, das Werk im höfischen Kontext zu analysieren, um seine Relevanz für die höfische Gesellschaft zu beleuchten.

2 Nordische Nibelungendichtungen: Dieses Kapitel vergleicht das Nibelungenlied mit nordischen Dichtungen wie der Edda, Völsungensaga und Thidrekssaga, um Unterschiede in Handlung, Motivationen und Charakteren herauszuarbeiten.

3 Die Nibelungenklage: Hier wird die Klage als eine mit dem Nibelungenlied gemeinsam tradierte Dichtung vorgestellt, wobei der Fokus auf ihrer Datierung, der Schuldfrage für die Katastrophe und der Rolle des christlichen Denkens liegt.

4 Das Nibelungenlied: Dieses Hauptkapitel befasst sich mit dem Dichter, der Entstehungszeit und dem Entstehungsort des Nibelungenliedes, seiner vielschichtigen Struktur aus "alten maeren" und höfischem Rittertum, der Rolle der Minne sowie christlichen Elementen und der Konstellation der Figuren.

4.1 Der Dichter des Nibelungenliedes: Diskutiert verschiedene Theorien über die soziale Stellung des Dichters, wobei die Annahme eines gebildeten Klerikers als am wahrscheinlichsten gilt.

4.2 Zeit und Ort der Entstehung: Datiert die Entstehung des Nibelungenliedes auf die Stauferzeit (ca. 1198-1204) und lokalisiert sie wahrscheinlich im bairisch-österreichischen Raum, insbesondere in Passau.

4.3 Die Schichtung des Nibelungenliedes: Erläutert, wie "alte maeren" mit Elementen der höfisch-ritterlichen Epik verschmelzen und zeitgenössische Problematiken widerspiegeln, darunter die Darstellung von Minne und christlichen Elementen.

4.4 Die Konstellation der Figuren: Analysiert die Rolle spezifischer Figuren und Konzepte, die den Gang der Handlung maßgeblich beeinflussen, darunter Siegfrieds Standeslüge, Kriemhilds Rache, die Macht der Vasallen und die Funktion Dietrichs von Bern.

5 Schlussfolgerungen: Fasst die Komplexität der Forschung zum Nibelungenlied zusammen, bestätigt die Wahrscheinlichkeit eines gebildeten Klerikers als Dichter und des Passauer Raums als Entstehungsort und hebt die zentrale Rolle Kriemhilds, der Minne, der Macht und des Lehnswesens hervor.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, höfische Gesellschaft, Minnesang, Lehnswesen, Standeslüge, Kriemhild, Siegfried, Hagen, Dietrich von Bern, Edda, Völsungensaga, Thidrekssaga, Mittelalter, Epik, Rittertum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen dem Nibelungenlied und der höfischen Gesellschaft, indem sie das Werk in seinen historischen und literarischen Kontext einordnet und vergleicht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind der Vergleich des Nibelungenliedes mit anderen Nibelungendichtungen, die Analyse von Dichter, Entstehungszeit und -ort, die Rolle von Minne und Christentum sowie die Darstellung von Lehnswesen, sozialer Identität und Blutrache.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Bedeutung des Nibelungenliedes für die höfische Gesellschaft zu erhellen, insbesondere im Hinblick auf zeitgenössische Problematiken und soziale Normen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse literarischer Texte und deren Einbettung in historische und sozialgeschichtliche Kontexte, unterstützt durch den Vergleich verschiedener Überlieferungen und literaturwissenschaftliche Diskussionen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Entstehung des Nibelungenliedes (Dichter, Zeit, Ort), seine Schichtung (alte Maeren, höfisches Rittertum, Minne, christliche Elemente) und die Konstellation der Figuren (Standeslüge Siegfrieds, Kriemhilds Rache, Macht der Vasallen, Funktion Dietrichs von Bern).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Nibelungenlied, höfische Gesellschaft, Minnesang, Lehnswesen, Standeslüge, Kriemhild, Hagen, Mittelalter, Rittertum.

Wie unterscheidet sich die nordische Nibelungendichtung vom Nibelungenlied?

Die nordischen Nibelungendichtungen (Edda, Völsungensaga, Thidrekssaga) weisen teils abweichende Motive, Handlungsstränge und Charakterisierungen auf, etwa bezüglich Sigurds Herkunft, Brünhilds Eifersucht oder der Rolle von Gunnar und Hagen im Mord an Sigurd.

Welche Rolle spielt die Minne im Nibelungenlied und welche Konsequenzen hat sie?

Die Minne (insbesondere die hohe Minne) dient im Nibelungenlied als Motor für Dienstleistungen Siegfrieds, die seine soziale Identität bedrohen, und wird somit zum Auslöser der Katastrophe. Sie hat eine negative Funktion für das Geschehen, während sie gleichzeitig als positive Lebenserfüllung verstanden wird.

Wie wird die Figur Kriemhild im Nibelungenlied charakterisiert und welche Bedeutung hat sie für die Handlung?

Kriemhild wird als Hauptfigur des Epos dargestellt, deren Handlungsverlauf von Anfang bis Ende die Geschehnisse bestimmt. Ihre unerbittliche Rache für Siegfrieds Tod ist das zentrale Motiv, das oft rechtliche und ethische Grenzen überschreitet, und führt zum Untergang der Burgunden.

Inwiefern ist die "Standeslüge" Siegfrieds ein zentrales Element der Katastrophe?

Siegfrieds vorgespielte soziale Inferiorität, insbesondere sein Dienst als Lehnsmann Gunthers bei der Brautwerbung um Brünhild, ist ein wesentlicher Auslöser für den Konflikt der Königinnen und die darauf folgende Katastrophe, da sie Brünhilds Anspruch auf ihn als Eigenmann begründet.

Final del extracto de 76 páginas  - subir

Detalles

Título
Das Nibelungenlied und die höfische Gesellschaft
Universidad
University of Hannover  (Germanistik)
Curso
Das Nibelungenlied
Calificación
2,0
Autor
Martin Kiworra (Autor)
Año de publicación
1987
Páginas
76
No. de catálogo
V1706169
ISBN (PDF)
9783389182659
ISBN (Libro)
9783389182666
Idioma
Alemán
Etiqueta
Nibelungenlied Höfische Gesellschaft Literaturwissenschaft Mittelalter Blutrache Standeslüge Lehnswesen
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Martin Kiworra (Autor), 1987, Das Nibelungenlied und die höfische Gesellschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1706169
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Extracto de  76  Páginas
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