Diese Bachelorarbeit untersucht den öffentlichen Diskurs über den zunehmenden Tourismus in Japan und dessen gesellschaftliche Wahrnehmung. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Land zu einem der weltweit beliebtesten Reiseziele entwickelt, was einerseits wirtschaftliche Chancen eröffnet, andererseits jedoch auch Herausforderungen wie das Phänomen des Overtourism mit sich bringt. Besonders in Städten wie Kyōto wird deutlich, dass steigende Besucher:innenzahlen ökologische, soziale und kulturelle Spannungen verursachen können.
Ziel der Arbeit ist es, zu analysieren, wie sich die lokale Bevölkerung zum wachsenden Tourismus äußert und welche Argumentationsmuster sowie Emotionen in der öffentlichen Debatte sichtbar werden. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie der Diskurs über den Tourismusanstieg in Leser:innenbriefen der japanischen Tageszeitung Asahi Shinbun gestaltet ist.
Methodisch basiert die Untersuchung auf einem theoretischen Rahmen des Drei-Sääulen-Modells des nachhaltigen Tourismus, das wirtschaftliche, ökologische und sozio-kulturelle Aspekte berücksichtigt. Darauf aufbauend wird eine qualitative Analyse von 39 Leser:innenbriefen aus dem Zeitraum von 2019 bis 2024 durchgeführt. Die Ergebnisse geben Einblick in Wahrnehmungen, Sorgen und Erwartungen der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Tourismusboom und leisten damit einen Beitrag zum Verständnis gesellschaftlicher Reaktionen auf touristisches Wachstum in Japan.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. (Over-)Tourismus in Japan
2.1. Japans Tourismusentwicklung
2.2. Overtourism: Definition, Folgen & Maßnahmen
2.3. Drei-Säulen Modell: Overtourism in Japan
3. Methodische Vorgehensweise
3.1. Die Zeitung Asahi Shinbun und ihre Leser:innenbrief-Kategorie
3.2. Analyse von Leser:innenbriefen: Auswahlprozess und methodische Schritte
4. Ergebnisse der Leser:innenbriefanalyse
4.1. Quantitative Auswertung
4.2. Qualitative Auswertung
5. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den öffentlichen Diskurs zum Tourismusanstieg in Japan anhand einer empirischen Analyse von Leser:innenbriefen der Tageszeitung Asahi Shinbun. Ziel ist es, die Perspektiven, emotionalen Reaktionen und Argumentationsmuster der lokalen Bevölkerung im Kontext des Phänomens Overtourism zu identifizieren und diese anhand des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit zu beleuchten.
- Analyse des Overtourism-Phänomens in Japan
- Empirische Auswertung von 39 Leser:innenbriefen (2019-2024)
- Differenzierung der Tourismusgesinnung nach soziodemografischen Merkmalen
- Diskussion wirtschaftlicher, ökologischer und soziokultureller Auswirkungen
- Identifikation von Lösungsansätzen und Forderungen der Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
2.2. Overtourism: Definition, Folgen & Maßnahmen
Der Begriff overtourism ist eine vergleichsweise neue Wortschöpfung im Tourismusjargon, die erstmals 2016 aufkam und sich seitdem rasch als „part of the popular and scholarly lexicon“ etabliert hat (Cheer et al. 2019:556; UNWTO et. al 2018:4). Hierbei stellt das Phänomen des overtourism keinesfalls ein neues Konzept dar, sondern versteht sich als „new term for an old problem“ (Dodds/Butler 2019:520). Aufgrund seines erst kürzlich auftretenden Erscheinens ist seine genaue Bedeutung jedoch noch umstritten. So bleibt das Verständnis trotz zunehmender Diskussion begrenzt und die zugehörige Literatur eklektisch sowie theoretisch unvollständig (Ribeiro/Torkington 2023:288).
Diese Definition nennt als Kernproblem die übermäßige Anzahl an Tourist:innen. Hier wird jedoch auch eine Schwachstelle der overtourism-Forschung erkennbar: Die Frage, wie viel Tourismus ‚zu viel‘ ist, lässt sich nicht allgemein festlegen, da dies stark von der subjektiven Wahrnehmung der lokalen Bevölkerung abhängt (Yamashita 2022:154). Während einige Destinationen hohe Besucher:innenzahlen problemlos verkraften, kann an anderen Orten bereits eine moderate Zunahme das soziale Gleichgewicht und die Akzeptanz der Bevölkerung gefährden. Hierbei spielt nicht nur die physische Tragfähigkeit (carrying capacity) eine Rolle – wie viele Menschen ein Ort verkraftet, ohne seine Ressourcen zu überlasten –, sondern auch, wann Einheimische das Gästeaufkommen als störend oder belastend empfinden. Overtourism beginnt oft dann, wenn die Einheimischen die Tourist:innen zunehmend als Einschränkung im Alltag wahrnehmen und die Lebensqualität darunter leidet (Erschbamer et al. 2018:3).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema des Tourismusbooms in Japan, die Relevanz des Phänomens Overtourism und Darlegung der Forschungsfrage sowie des methodischen Vorgehens.
2. (Over-)Tourismus in Japan: Theoretische Einbettung des Tourismuswachstums in Japan und Definition von Overtourism unter Anwendung des Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit.
3. Methodische Vorgehensweise: Erläuterung der Auswahlkriterien und des Analyseverfahrens von 39 Leser:innenbriefen aus der Asahi Shinbun mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring.
4. Ergebnisse der Leser:innenbriefanalyse: Darstellung der quantitativen und qualitativen Untersuchungsergebnisse bezüglich der Einstellung der Bevölkerung zu Tourismusauswirkungen.
5. Conclusio: Synthese der Ergebnisse, Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Notwendigkeit eines ganzheitlichen, nachhaltigen Tourismusmodells.
Schlüsselwörter
Overtourism, Japan, Tourismusentwicklung, Leser:innenbriefe, Asahi Shinbun, Drei-Säulen-Modell, Nachhaltigkeit, Tourismusgesinnung, Kyoto, Tourismusverschmutzung, Besucher:innenlenkung, Soziokulturelle Auswirkungen, Ökologie, Ökonomie, Diskursanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie die japanische Bevölkerung auf den massiven Anstieg des Tourismus reagiert und welche Meinungen sowie emotionalen Haltungen in diesem Zusammenhang im öffentlichen Diskurs, konkret in Leser:innenbriefen, geäußert werden.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die zentralen Themen umfassen die wirtschaftlichen Vorteile des Tourismus, ökologische Belastungen wie Müllproblematik und ökologische Schäden sowie soziokulturelle Konflikte, insbesondere Überfüllung und der Verlust lokaler Identität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Argumentationsmuster und Emotionen der Bevölkerung zum Overtourism in Japan zu identifizieren, um zu verstehen, wie die lokalen Akteur:innen die Auswirkungen der Tourismusentwicklung bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine empirische Analyse, basierend auf einer zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Phillip Mayring, um 39 Leser:innenbriefe der Tageszeitung Asahi Shinbun systematisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische fundierte Analyse des Drei-Säulen-Modells (Ökonomie, Ökologie, Soziokultur) und die anschließende empirische Untersuchung der gesammelten Leser:innenbriefe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch die Begriffe Overtourism, Japan, Nachhaltigkeit, Tourismusgesinnung und Leser:innenbriefe charakterisiert.
Welche Rolle spielt Kyoto in dieser Untersuchung?
Kyoto nimmt eine Sonderrolle ein, da es in der Analyse am häufigsten genannt wird und als Paradebeispiel für die Spannungen zwischen touristischem Massenansturm und der Erhaltung lokaler Traditionen sowie Lebensqualität dient.
Gibt es auch positive Aspekte, die in den Briefen erwähnt werden?
Ja, neben der Kritik an negativen Folgen betonen viele Verfasser:innen auch wirtschaftliche Vorteile, die Bedeutung von interkulturellem Austausch und die Chance, durch gegenseitiges Verständnis eine bessere Koexistenz zu erreichen.
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- Lisa Krenn (Author), 2025, Zwischen Gastfreundschaft und Belastung. Die Stimmen der Bevölkerung zum Tourismusanstieg in Japan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1706583