Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie unpolitische Persönlichkeitseigenschaften immer mehr in den Vordergrund treten und auf diese Weise die Meinung der Wählerschaft in Bezug auf die Bewertung der Politiker trübt.
Gleichzeitig jedoch treten politische Persönlichkeitseigenschaften in den Hintergrund. Die Arbeit stützt sich auf die Bundestagswahl 1998.
Die folgende Arbeit brachte das Ergebnis zu Tage, dass sich die Wählerinnen und Wähler in der Bundestagswahl 1998 mehr auf unpolitische Persönlichkeits-eigenschaften stützten. Dazu dienen der Wahlkampf der Siegerpartei SPD sowie Wahlplakate, Slogans, Umfragen und schließlich auch der erfolgreiche Wahlausgang von Gerhard Schröder als klare und eindeutige Beweise.
Jedoch kommt es den Wählerinnen und Wählern im Allgemeinen nicht nur auf unpolitische Persönlichkeitseigenschaften an. Sie verknüpfen die unpolitischen mit den politischen Persönlichkeitseigenschaften miteinander und bilden sich ein Urteil.
Inhaltsverzeichnis
- Abstract
- Einleitung
- Definitionen
- Personalisierung
- Wahlverhalten
- Personalisierung des Wahlverhaltens
- Politische und unpolitische Kandidateneigenschaften und ihre Rolle im Entscheidungskalkül der Wähler
- Der Kandidat als Manager der Regierungsgeschäfte
- Der Kandidat als Problemlöser
- Der Kandidat als Parteirepräsentant
- Der Kandidat als Mensch
- Der Kandidat als Vertrauensmann
- Bundestagswahl 1998 - Die Fokussierung auf rollenferne und rollenrelevante Eigenschaften und die Erklärung der Wahlentscheidung
- Der Befund
- Fazit
- Abbildungsverzeichnis
- Quellenverzeichnis
- Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern unpolitische, rollenferne Persönlichkeitseigenschaften die Wahlentscheidung stärker prägen als politische, rollenrelevante Eigenschaften. Im Zentrum steht die Bundestagswahl 1998, anhand derer geprüft wird, ob und wie Wählerinnen und Wähler Kandidaten nicht nur nach Fachkompetenz und Führungsstärke, sondern auch nach Aussehen, Privatleben und Vertrauenswürdigkeit bewerten.
- Begriffliche Klärung von Personalisierung und Wahlverhalten
- Abgrenzung rollenrelevanter und rollenferner Kandidateneigenschaften
- Theoretische Modelle zur Kandidatenorientierung im Wählerurteil
- Rolle von Medien, Wahlkampf und Kandidatenzentrierung
- Analyse der Bundestagswahl 1998 als Fallbeispiel
- Zusammenhang zwischen Kandidatenwahrnehmung und Wahlentscheidung
Auszug aus dem Buch
4. Politische und unpolitische Kandidateneigenschaften und ihre Rolle im Entscheidungskalkül der Wähler
Im Folgenden wird untersucht, welchen Einfluss die politischen Persönlichkeitseigenschaften auf die Beurteilung der Kandidaten nehmen. Im Anschluss daran erfolgt die Untersuchung der unpolitischen Persönlichkeitseigenschaften im Zusammenhang mit der Beurteilung der Kandidaten. Dabei werden sowohl die Eigenschaften der rollenfernen als auch die der rollenrelevanten auf ihren Einfluss auf die Wahlentscheidung erläutert.
Zunächst ist es wichtig zu erwähnen, dass zu den politischen, oft auch als „rollenrelevant“ bezeichneten Persönlichkeitseigenschaften, in der folgenden Arbeit die Leadership-Qualität sowie die Fachkompetenz des Kandidaten zählen. Zu den unpolitischen Persönlichkeitseigenschaften, hier als „rollenferne“ Eigenschaften bezeichnet, zählen das Aussehen und das Privatleben der Politikerin bzw. des Politikers.
Da in dieser Arbeit herausgefunden werden soll, „welchen Einfluss ‚unpolitische’ Kandidateneigenschaften auf die Wahlentscheidung nehmen“, ist es von Nöten, erst den „Effekt der politischen Kandidateneigenschaften“ näher zu beleuchten (Klein & Ohr 2000: 202) und darauf aufbauend dann den Einfluss unpolitischer Eigenschaften zu untersuchen.
„In den letzten Jahrzehnten habe“ laut Klein und Ohr „die Bedeutung politischer Kandidaten in der Darstellung von Politik zugenommen“ (Klein & Ohr 2000: 201). So werden Politiker stärker in den Fokus gestellt, wenn über Sachfragen berichtet wird. Verstärkt treten zudem persönliche Eigenschaften der Politiker in den Vordergrund (vgl. Klein & Ohr 2000: 201).
Es wird angenommen, dass es zu „Ausstrahlungseffekten“ (Klein & Ohr 2000: 202) auf die Wählerinnen und Wähler kommen kann. Das bedeutet, dass es aufgrund der „stärkere[n] Akzentuierung von Kandidaten (...) in der Wahrnehmung der Wähler zu einer höheren Bedeutung von Kandidaten und ihre[n] persönlichen Eigenschaften“ kommt. Und dies habe zur individuelle[n] Wahlentscheidung geführt (Klein & Ohr 2000: 202).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abstract: Das Abstract fasst die zentrale These zusammen, dass unpolitische Persönlichkeitseigenschaften bei der Bundestagswahl 1998 eine wichtige Rolle spielten. Es verweist darauf, dass Wählerinnen und Wähler sowohl unpolitische als auch politische Merkmale in ihre Urteilsbildung einbeziehen.
2. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Leitfrage nach der Bedeutung rollenferner gegenüber rollennahen Eigenschaften für die Wahlentscheidung. Zugleich wird der Untersuchungsrahmen auf die Bundestagswahl 1998 begrenzt und der Aufbau der Arbeit erläutert.
3. Definitionen: Dieses Kapitel klärt die Begriffe Personalisierung, Wahlverhalten und Personalisierung des Wahlverhaltens. Es schafft damit die theoretische Basis für die spätere Analyse der Kandidatenorientierung.
4. Politische und unpolitische Kandidateneigenschaften und ihre Rolle im Entscheidungskalkül der Wähler: Hier werden rollenrelevante und rollenferne Eigenschaften systematisch voneinander abgegrenzt und ihre mögliche Wirkung auf die Wahlentscheidung erläutert. Das Kapitel entwickelt die zentralen Argumente zu Manager-, Problemlöser-, Parteirepräsentant-, Menschen- und Vertrauensmann-Bildern.
5. Bundestagswahl 1998 - Die Fokussierung auf rollenferne und rollenrelevante Eigenschaften und die Erklärung der Wahlentscheidung: Das Kapitel wendet die Theorie auf die Bundestagswahl 1998 an. Es beschreibt den stark personalisierten Wahlkampf von SPD und CDU und diskutiert den Zusammenhang zwischen Kandidatenwahrnehmung und Regierungswechsel.
6. Der Befund: Anhand von Umfragedaten werden die Wahrnehmungen von Helmut Kohl und Gerhard Schröder verglichen. Die Auswertung zeigt, dass sowohl rollenrelevante als auch rollenferne Merkmale mit der Wahlentscheidung zusammenhingen.
7. Fazit: Das Fazit betont, dass unpolitische Eigenschaften wie Vertrauenswürdigkeit, Privatleben und Attraktivität die Wahlentscheidung 1998 nachweisbar beeinflusst haben. Gleichzeitig wird hervorgehoben, dass beide Eigenschaftsarten im Zusammenspiel betrachtet werden müssen.
Schlüsselwörter
Personalisierung, Wahlverhalten, Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder, Helmut Kohl, rollenferne Eigenschaften, rollenrelevante Eigenschaften, Vertrauenswürdigkeit, Problemlösungskompetenz, Leadership-Qualität, Fachkompetenz, Kandidatenorientierung, Wahlentscheidung, Amerikanisierung, Dealignment
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich unpolitische und politische Persönlichkeitseigenschaften von Kandidaten auf die Wahlentscheidung auswirken. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Wählerinnen und Wähler stärker auf rollenferne Merkmale wie Aussehen, Privatleben und Vertrauenswürdigkeit achten als auf rollenrelevante Merkmale.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Personalisierung, Wahlverhalten, Kandidatenorientierung sowie die Unterscheidung zwischen rollenfernen und rollenrelevanten Eigenschaften. Hinzu kommt die Analyse des Wahlkampfs und der Bundestagswahl 1998 als empirischer Bezugspunkt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, welchen Einfluss unpolitische Kandidateneigenschaften auf die Wahlentscheidung haben. Die Forschungsfrage lautet sinngemäß, ob und in welchem Maße diese rollenfernen Eigenschaften die Wahlentscheidung stärker prägen als politische Eigenschaften.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Literatur- und Fallanalyse mit Bezug auf Umfragedaten und die interpretierende Auswertung vorhandener Studien. Der Text arbeitet insbesondere mit Konzepten aus der Wahlforschung und bezieht empirische Befunde zur Bundestagswahl 1998 ein.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Personalisierung erläutert und verschiedene Kandidatenrollen beschrieben: Manager der Regierungsgeschäfte, Problemlöser, Parteirepräsentant, Mensch und Vertrauensmann. Anschließend wird gezeigt, wie diese Dimensionen im Wahlkampf 1998 und in der Wahrnehmung von Kohl und Schröder wirksam wurden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Personalisierung, Wahlverhalten, Bundestagswahl 1998, Kandidatenorientierung, unpolitische Eigenschaften, rollenrelevante Eigenschaften, Vertrauenswürdigkeit, Privatleben, Attraktivität und Problemlösungskompetenz sind die wichtigsten Begriffe.
Warum ist die Bundestagswahl 1998 für die Analyse besonders wichtig?
Die Bundestagswahl 1998 gilt als ein besonders deutliches Beispiel für personalisierten Wahlkampf und Kandidatenzentrierung. Der Regierungswechsel von Kohl zu Schröder wird im Text auch mit der veränderten Wahrnehmung der Kandidaten erklärt.
Welche Rolle spielt Gerhard Schröder im Argumentationsgang?
Gerhard Schröder dient als Vergleichs- und Erfolgsfall, weil er im Wahlkampf und in den Befunden häufig günstiger bewertet wurde, insbesondere bei rollenfernen Merkmalen. Seine Person wird als zentral für den Wahlerfolg der SPD dargestellt.
Was ist die zentrale Aussage des Befunds?
Der Befund zeigt, dass sowohl rollenrelevante als auch rollenferne Eigenschaften mit der Wahlentscheidung zusammenhängen. Besonders stark wirken dabei Vertrauenswürdigkeit, Problemlösungskompetenz, Privatleben und Attraktivität.
Welche besonderen Aspekte werden im Dokument noch behandelt?
Besonders hervorgehoben werden die Interdependenz der Personalisierungsdimensionen sowie die grafische Auswertung der Kandidatenwahrnehmung. Zudem verweist der Text auf den Zusammenhang zwischen Medienberichterstattung, Wahlkampfführung und Wählerverhalten.
- Citar trabajo
- Kati Chatzikonstantinidou (Autor), 2016, Personalisierung des Wahlverhaltens, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1707533