Die vorliegende Arbeit kam zu dem Ergebnis, dass Medienereignisse bestimmte Merkmale erfüllen müssen, ehe sie als solche definiert werden können. Welche diese sind werden in der Hausarbeit näher beschrieben. Dabei spielt das Fernsehen eine besondere Rolle, da es in seiner Berichterstattung verschiedene Rollen und Funktionen einnimmt. Es wird daher Bezug zur königlichen Hochzeit von Charles und Diana im Jahre 1981 genommen, um ebendiese Funktionen aufzuzeigen. Außerdem sind Medienereignisse auf Medien und konkret auf das Fernsehen angewiesen, da es diese präsentiert.
Die Hausarbeit behandelt zudem die Terroranschläge vom 11. September 2001 als Beispiel für ein Medienereignis. Grund dafür ist, dass dieses Ereignis in Echtzeit in die ganze Welt übertragen wurde. Anhand der Anschläge werden die Merkmale von Medienereignissen aufgezeigt.
Um zu zeigen, dass sich auch kritisch mit dem Text von Dayan und Katz auseinandergesetzt wurde, werden Walter Benjamin und Bronislaw Malinowski in die Hausarbeit miteinbezogen, die sich unabhängig voneinander mit dem Thema der Distanz beschäftigt haben.
Inhaltsverzeichnis
- Abstract
- Einleitung
- Definitionen
- Viewer und spectator
- Die Beziehung zwischen „(to) perform“, „performance“ und „performer“
- Primary performer
- Zeremonie
- Die Zeremonie der Trauung
- Die Überwindung von Distanz und die „neue Distanz“
- Das Fernsehen
- Bezüge
- Walter Benjamin
- Bronislaw Malinowski
- Spektakel – Zeremonie – Festival
- Das Medienereignis
- Merkmale des Medienereignisses
- Die Terroranschläge von 9/11 – Ein Medienereignis?
- Fazit
- Quellenangabe
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, unter welchen Bedingungen ein Ereignis als Medienereignis gelten kann, und prüft diese Kriterien anhand der Terroranschläge vom 11. September 2001. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Rolle das Fernsehen als Vermittler, Erzähler und mitkonstituierender Akteur solcher Ereignisse spielt. Ergänzend werden theoretische Bezüge zu Walter Benjamin und Bronislaw Malinowski herangezogen, um die Konzepte von Distanz, Nähe, Aura und Wahrnehmung kritisch zu reflektieren.
- Begriffsbestimmung von viewer, spectator, performance und performer
- Die Funktion des Fernsehens als primary performer und Deuter von Ereignissen
- Unterschiede zwischen Zeremonie, Spektakel und Festival
- Merkmale von Medienereignissen nach Dayan und Katz
- Analyse der medialen Inszenierung und Übertragung von 9/11
- Kritische Perspektiven auf Distanz, Aura und teilnehmende Beobachtung
Auszug aus dem Buch
4. Das Fernsehen
Im Folgenden wird das Fernsehen in seinen vielfältigen Rollen und Funktionen untersucht. Im oberen Teil hat man herausgefunden, dass selbst das Fernsehen eine eigene performance ablegt und diese eine andere überlagert.
Die beiden Autoren sind der Meinung, dass das „ursprüngliche Ereignis (..) zweifellos eine Zeremonie“ ist (Dayan & Katz 1987: 415). Allerdings verwandelt sich die Zeremonie zu einem Spektakel, dadurch, dass es durch das Fernsehen retextualisiert wird und damit unvermeidlich zu einem verflacht (vgl. ebd.).
Das Fernsehen ist dazu da, ein Ereignis wahrzunehmen und seine Charakterzüge darzustellen (vgl. ebd.). Neben diesen Aufgaben „erforscht das Fernsehen, um was es bei dem Ereignis geht“ und interpretiert es. Es schlägt dem Ereignis eine „zugeschriebene Bedeutung“ vor (Dayan & Katz 1987: 416).
Fernsehen hält neben der Rolle als Hauptdarsteller, die Rolle als „ästhetischer Wachhund“ inne, so Dayan und Katz (1987). Das Fernsehen beschütze nämlich das Ereignis und stellt alle anderen Nachrichten in den Schatten. Zudem werden Tonfall und Handlung vor Störungen bewahrt (vgl. Dayan & Katz 1987: 416).
Mit der Aussage, dass eine Zeremonie grundsätzlich eine reaktive Dimension beinhaltet und das Fernsehen diese Dimension unterstreicht, ist etwas Interessantes zu erkennen. Nämlich, dass das Fernsehen sogar darauf angewiesen ist, eine Zeremonie zu zeigen, genau wie die Zeremonie davon lebt, im Fernsehen öffentliches Interesse zu wecken. Beide allein sind nichts. Nur im Zusammenspiel bieten sich beide die Möglichkeit, eine Botschaft zu zeigen, sofern es eine zu vermitteln gibt (vgl. Dayan & Katz 1987: 417f.).
Zusammenfassung der Kapitel
Abstract: Das Abstract benennt die zentrale These, dass Medienereignisse nur bei Erfüllung bestimmter Merkmale als solche gelten können. Zugleich werden Fernsehen, die königliche Hochzeit von Charles und Diana sowie die Anschläge vom 11. September 2001 als Hauptbeispiele und theoretische Bezugspunkte eingeführt.
Einleitung: Die Einleitung grenzt Medienereignisse von bloßen Berichten über Ereignisse ab und erklärt den Aufbau der Arbeit. Außerdem wird die Leitfrage formuliert, ob 9/11 als Medienereignis bezeichnet werden kann.
Definitionen: Dieses Kapitel klärt die zentralen Begriffe bei Dayan und Katz, etwa viewer, spectator, performance, performer und primary performer. Anschließend wird Zeremonie als Zwischenform von Spektakel und Festival erläutert.
Das Fernsehen: Hier wird das Fernsehen als aktiv mitkonstituierender Akteur beschrieben, der Ereignisse interpretiert, rahmt und schützt. Die Funktion des Fernsehens als Erzähler, Deuter und „ästhetischer Wachhund“ steht im Vordergrund.
Bezüge: Die theoretischen Bezüge zu Walter Benjamin und Bronislaw Malinowski vertiefen die Diskussion um Distanz und Nähe. Ergänzend werden Spektakel, Zeremonie und Festival ethnologisch gegenübergestellt.
Das Medienereignis: Das Kapitel arbeitet die Merkmale von Medienereignissen heraus und überträgt sie auf den 11. September 2001. Dabei wird gezeigt, inwiefern 9/11 medienvermittelt, live, einheitlich und symbolisch aufgeladen war.
Fazit: Das Fazit bündelt die Argumente und bejaht 9/11 als Medienereignis, weist jedoch auf den konfliktgeladenen Charakter der Anschläge hin. Gleichzeitig werden die Grenzen des Begriffs und die besondere Rolle des Fernsehens nochmals betont.
Quellenangabe: Das Literaturverzeichnis weist die zentralen theoretischen und empirischen Quellen der Arbeit nach. Dazu zählen unter anderem Dayan & Katz, Benjamin, Austin, Weller sowie Online-Quellen von bpb und Duden.
Schlüsselwörter
Medienereignis, Fernsehen, Dayan und Katz, Zuschauer, viewer, spectator, performance, Zeremonie, Spektakel, Festival, 11. September 2001, New York, Distanz, Nähe, Walter Benjamin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, was ein Medienereignis ausmacht, und prüft diese Kriterien am Beispiel der Terroranschläge vom 11. September 2001. Im Zentrum steht die Frage, wie Fernsehen Ereignisse nicht nur überträgt, sondern auch interpretiert und mitproduziert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Medienereignis, Fernsehanalyse, Zeremonie, Spektakel, Festival sowie die Rollen von Zuschauer und Darsteller. Hinzu kommen die theoretischen Bezüge zu Distanz, Aura und teilnehmender Beobachtung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Leitfrage lautet, ob und warum die Anschläge vom 11. September 2001 als Medienereignis bezeichnet werden können. Ziel ist es, die dafür nötigen Merkmale zu bestimmen und auf das Fallbeispiel anzuwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Verwendet wird eine theoretisch-analytische Auswertung des Textes von Dayan und Katz mit begrifflicher Klärung und vergleichender Interpretation. Ergänzend wird ein Fallbeispiel herangezogen, um die Kriterien praktisch zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert zunächst die Grundbegriffe und Funktionen des Fernsehens. Danach werden die Merkmale von Medienereignissen entwickelt, theoretisch eingeordnet und auf 9/11 übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Medienereignis, Fernsehen, Zeremonie, Spektakel, Festival, viewer, spectator, performance, primary performer, Distanz, Nähe, Aura, 9/11, Walter Benjamin, Bronislaw Malinowski.
Warum spielt das Fernsehen in der Arbeit eine so große Rolle?
Weil das Fernsehen nach Dayan und Katz nicht nur berichtet, sondern Ereignisse sichtbar macht, rahmt und in ihrer Bedeutung stabilisiert. Es fungiert in der Arbeit als zentraler Vermittler zwischen Ereignis und Publikum.
Welche Rolle spielt die königliche Hochzeit von Charles und Diana?
Sie dient als Referenzbeispiel, um die Funktionsweise von Zeremonie, Distanzabbau und symbolischer Nähe zu zeigen. An ihr werden die medialen Rollen von Erzähler, Publikum und Inszenierung besonders anschaulich gemacht.
Wie wird 9/11 im Text eingeordnet?
Die Anschläge werden als medienvermitteltes, live rezipiertes und symbolisch aufgeladenes Ereignis dargestellt, das viele Kriterien eines Medienereignisses erfüllt. Gleichzeitig wird betont, dass es sich nicht um ein „positives“ oder versöhnendes Ereignis handelte.
Welche Besonderheit hat der Auszug aus dem Buch?
Der Auszug stammt aus dem Kapitel über das Fernsehen und zeigt exemplarisch, wie der Text dessen interpretative und schützende Funktion beschreibt. Er ist damit ein zentraler Baustein für das Verständnis der späteren Analyse von Medienereignissen.
- Citation du texte
- Kati Chatzikonstantinidou (Auteur), 2016, Das Medienereignis. Die Analyse von Medienereignissen und deren Bedeutung für die Terroranschläge am 11. September 2001 in New York, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1707534