Bakunins Staatlichkeit und Anarchie im 21. Jahrhundert


Seminararbeit, 2008

20 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Biographie

Staatlichkeit und Anarchie

„Staatlichkeit und Anarchie“ aus heutiger Perspektive

Fazit

Literaturliste

Einleitung

Anarchie wird allzu häufig als negativ wertender Begriff von gesellschaftlichen Zuständen verwendet. Wenn von anarchistischem Zustand gesprochen wird, verstehen die meisten eine Gesellschaft oder eine Situation in der es keine Gesetze gibt oder kein staatliches Gewaltmonopol besteht. Einer der größten Theoretiker der Anarchie ist Michail Aleksandrovic Bakunin. In seinem Werk „ Staatlichkeit und Anarchie“ ist jedoch keineswegs die Rede von einem gesellschaftlichen Zustand, in dem es keine Gesetze gäbe. Er kritisiert vielmehr die hierarchischen und unterdrückenden Zustände in denen sich die Menschen zu seiner Zeit befunden haben. Diese Zustände sind denen des 21. Jahrhunderts nicht unähnlich. Allerdings liegt die - die Menschen unterdrückende - Macht nicht in den Händen derer, die Bakunin anklagt. Bakunin sieht in der politischen Elite, die sich durch den „demokratischen Deckmantel“ Macht aneignet, das unterdrückende Element der Gesellschaft. Die so genannte politische Elite hat jedoch im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend ihre Macht zu Gunsten der wirtschaftlichen Elite verloren. Im angehenden 21. Jahrhundert wird dies zunehmend deutlich. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, dass Bakunins Anklage - die Unterdrückung der Menschen deren Abhängigkeit von der Obrigkeit - zwar auch heute noch zutrifft, allerdings die „Unterdrücker“ andere sind.

Biographie

Michail Aleksandrovic Bakunin ist am 30. Mai 1814 in Tver, nordwestlich von Moskau, in dem Familiengut geboren.

Bakunin entstammt einer alten russischen Adelsfamilie. Sein Vater erlebte die Französische Revolution in Paris. Er war ein aufgeklärter Adeliger und Oberhaupt des Familiengutes Premunchino mit mehr als 500 Leibeigenen.

Das Haus Bakunin hatte ein ungewöhnlich hohes geistiges und kulturelles Niveau, das aus der Offenheit für gebildete und fortschrittliche Persönlichkeiten ihrer Zeit resultierte. Dies wirkte sich selbstverständlich auch positiv auf die insgesamt elf Kinder aus. Michail Bakunin verlebte eine glückliche und geborgene Kindheit ohne - mit der von Despotismus und Sklaverei der Leibeigenen geprägten - russischen Wirklichkeit konfrontiert zu werden.

Als Michail elf Jahre ist, versuchen russische Adlige gegen den Zarismus zu rebellieren. Der so genannte „Dekabristenaufstand“ scheitert jedoch.

Da Michails Vater Freunde und Verwandte unter den Aufständischen hatte, setzte er von nun an auf völlige Loyalität gegenüber dem Zaren.

Michail wird 1828 - mit 14 Jahren - auf die Petersburger Artillerieschule geschickt um die standesgemäße Militärlaufbahn einzuschlagen. Bakunin empfindet gegen den militärischen Drill und Stumpfsinn äußerste Abscheu. Als er 1833 Offizier wird, stürzt er sich mit seiner endlich gewonnenen Bewegungsfreiheit in das gesellschaftliche Leben Petersburgs, ohne jedoch darin Befriedigung zu finden.

1834 wird Bakunin nach Weißrussland und Litauen strafversetzt. Vom Dienst in der trostlosen Provinz angeödet, versucht er seinem Dasein durch lesen wissenschaftlicher Werke in der Freizeit neuen Sinn zu geben.

Als ihn ein dienstlicher Auftrag in die Nähe des Familiengutes führt, kehrt er nicht zu seinem Regiment zurück. Er entgeht dabei nur knapp einer Festnahme wegen Desertation durch die Fürsprache einflussreicher Verwandter.

Im Dezember 1835 wird er dann auf eigenen Wunsch wegen Krankheit aus der Armee entlassen.

1836 verlässt Michail das Elternhaus und zieht nach Moskau, nachdem er den Wunsch seines Vaters - wenigstens ein Posten im Staatsdienst auszuüben- abgelehnt hatte. Notfalls will er sich als Mathematiklehrer durchschlagen.

Nach der Lektüre von Kant, widmete sich Bakunin nun Fichte. Begeistert von dessen romantischen Idealismus übersetzte er vier der insgesamt fünf Vorlesungen und veröffentlicht diese. Noch viel faszinierter war Bakunin von der Hegel’schen Philosophie, die er sich in intensiven Studien aneignete.

1838 erscheint der erste authentische Hegeltext in russischer Sprache, von Bakunin übersetzt.

Zwei Jahre später verließ Bakunin Russland um seine Studien in Berlin fortzusetzen und sich auf eine Professur in Moskau vorzubereiten.

In Berlin widmete sich Bakunin unter dem Einfluss des Linkshegelianismus zunehmend politischen Themen.

Noch im Wintersemester 1841/42 verließ Bakunin die Universität und ging nach Dresden. Dort verkehrte er mit dem radikalen Linkshegelianer Arnold Ruge und dem revolutionären Dichter Georg Herwegh.

Am 9. Oktober 1842 teilte Bakunin seinem Bruder mit, dass er nicht nach Russland zurückkehren wird und veröffentlichte zwei Wochen später unter dem Pseudonym Jules Elysard den epochalen Artikel „Die Reaktion in Deutschland“. In dem Artikel vollzieht Bakunin den Übergang von der Philosophie zur direkten Diskussion der revolutionären Frage und sagt den bestehenden Umständen den Untergang voraus.

1843 setzte er sich mit Georg Herwegh nach Zürich ab, wo er den Frühkommunisten Wilhelm Weitling kennen lernt. In einer anonym veröffentlichten Artikelserie erkannte Bakunin zwar an, dass Weitlings Kommunismus “die menschlichsten Forderungen“ zugrunde liegen, würden aber er könne niemals “in einer nach dem Weitlingschen Plane organisierter Gesellschaft leben, denn es wäre keine freie Gesellschaft, keine wirkliche, lebendige Gemeinschaft von freien Menschen, sondern ein unerträglicher Zwang“.[1]

Als Weitling plötzlich verhaftet wird, wird Bakunin als dessen Komplize bei der russischen Gesandtschaft beschuldigt. Da er der Aufforderung zurück nach Russland zu kommen nicht Folge leistet, wird er in Abwesenheit zum Verlust der Adelsrechte und zur Deportation nach Sibirien verurteilt. Bakunin fährt nach Paris und protestiert als erster russischer Revolutionär in der Zeitschrift “la Réforme“ gegen den Zarismus.

In Paris freundet sich Bakunin mit Pierre- Joseph Proudhons an und lernt Karl Marx, sowie zahlreiche französische Sozialisten kennen. Er bleibt mit seinen Ideen jedoch isoliert und unterhält nur zu Poudhons intensivere politische Beziehungen.

Politisch aktive wird Bakunin erst nachdem er aufgrund eines Artikels über Polen und Weißrussland in näheren Kontakt mit der polnischen Emigration in Paris tritt. In seiner Rede, die er zum 17. Jahrestag des polnischen Aufstandes von 1830 hält, fordert er die Polen auf ein revolutionäres Bündnis mit den russischen Demokraten einzugehen um gemeinsam den Zaren zu stürzen. Die Rede wurde in Europa sehr bekannt, was dazu führte, dass er auf Verlangen des russischen Botschafters aus Frankreich ausgewiesen wurde.

Bereits zwei Monate später kehrt Bakunin aufgrund der Pariser Februarrevolution nach Paris zurück.

Im März 1848 will Bakunin nach Polen gehen um sich dem gerade aufgestellten revolutionären Bauernheer anzuschließen und an einem geplanten Vorstoß gegen das Russische Reich teilzunehmen. Er kommt nur bis Breslau, da der Aufstand mittlerweile von preußischen Truppen unterdrückt worden ist.

Im Juni 1848 beteiligt sich Bakunin am Slawenkongress und dem anschließenden Pfingstaufstand in Prag - der durch österreichisches Militär niedergeschlagen wird.

Zurück in Breslau wird von Marx‘ “Neuer Rheinischer Zeitung“ die Falschmeldung verbreitet, Bakunin sei ein russischer Agent.

Bakunin fasst sein verschiedentlich angefeindetes Konzept einer engen Verbindung zwischen deutschen und slawischen Demokraten in der weit verbreiteten Broschüre “Aufruf an die Slawen“ zusammen. Im Vordergrund stehen zwar die slawischen Aktivitäten, aber Bakunin unterhält auch vielfältige Kontakte zur deutschen Revolutionsbewegung.

Im Mai 1849 übernimmt er die militärische Führung im Rahmen einer Revolutionären Regierung in Dresden. Es hat den sächsischen König zur Flucht gezwungen. Da sich Bakunin mit dem Einmarsch preußischer Truppen konfrontiert sah, wollte er sich nach Chemnitz zurück ziehen, wird aber auf dem Weg verhaftet. Er wird daraufhin in Sachsen zum Tode verurteilt, dann aber begnadigt und nach Österreich zu lebenslanger Kerkerhaft ausgeliefert.

Nach zwei Jahren Haft wird Bakunin im Mai 1851 nach Russland in Festungshaft genommen und gezwungen seine “Beichte“ zu schreiben. Er behält sich aber “die Hoffnung aufs neue zu beginnen, wo ich aufhören musste“. Nach weiteren sechs Jahren und einem Bittgesuch an den neuen Zaren Alexander II, wird die Kerkerhaft 1857 in Verbannung nach Sibirien umgewandelt.

[...]


[1] Werke von Wilhelm Weitling:

„Die Menschheit. Wie Sie ist und wie sie sein sollte“, (1838/39)

„Das Evangelium eines armen Sünders auch Das Evangelium der armen Sünder“(1845)

„Ein Nothruf an die Männer der Arbeit und der Sorge, Brief an die Landsleute“, (1847)

„Garantien der Harmonie und Freiheit“, (1849)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Bakunins Staatlichkeit und Anarchie im 21. Jahrhundert
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Politikwissenschaft)
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V170891
ISBN (eBook)
9783640899869
ISBN (Buch)
9783640900046
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anarchie, Bakunin, Staatlichkeit, Politische Theorie
Arbeit zitieren
Georg Gersten (Autor), 2008, Bakunins Staatlichkeit und Anarchie im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170891

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