Sport in den Erziehungskonzepten von Platons Idealstaatsentwürfen

Der Staat (Politeia) und die Gesetze (Nomoi)


Hausarbeit, 2010
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Der Staat (Politeia)
1.1 Grundlagen des platonischen Staates
1.2 Erziehung im platonischen Staat
1.3 Sport und Gymnastik in den Erziehungskonzepten des platonischen Staates

2 Die Gesetze (Nomoi)
2.1 Erziehung in den platonischen Gesetzen
2.2 Sport und Gymnastik in den Erziehungskonzepten der platonischen Gesetze

3 Einordnung der platonischen Leibeserziehung in die antike Tradition der Athleten und Sportler
3.1 Einordnung der platonischen Gymnastik in eine epochale Gliederung der Leibeserziehung
3.2 Aktuelle Bedeutung der platonischen Sportkonzeption

4 Schlusswort und Bilanz

5 Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Literatur

Einleitung

» Die gymnastischen Übungen und ihre Anstrengungen nimmt er [der Gebildete] auf sich, weil er mehr auf die Erweckung des Mutes in seiner Seele sieht als auf die bloße Kraft, nicht so also, wie die Athleten sonst, die Essen und Üben nur wegen der Stärke betreiben.«

Platon[1]

Das Hauptaugenmerk der hier vorliegenden Arbeit ist zum einen auf den »Staat« (Politeia) und zum anderen auf »Die Gesetze« (Nomoi) gerichtet – beide aus der Feder des antiken Philosophen Platon, der bis heute nichts von seiner Aktualität und Gelehrtheit eingebüßt zu haben scheint. So stellte der britische Mathematiker und Philosoph Alfred North Whitehead pointiert fest, dass »die sicherste allgemeine Charakterisierung der philosophischen Tradition Europas lautet, daß sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht.«[2] Obwohl diese Aussage angesichts ihrer Absolutheit sicher kontrovers diskutiert werden könnte, zeigt sie doch, welche Auswirkungen Platons Schriften seit ihrer Entstehung in der griechischen Antike bis heute auf die abendländische Philosophie und damit das Denken der gesamten abendländischen Zivilisation hat.

In den Universitätsbibliotheken finden sich unzählige Sekundärwerke zum pädagogischen Platonismus; ist doch der Begriff Paideia einer der zentralen Schlüsselbegriffe im platonischen Werk, der Erziehung und Bildung unter sich vereint und in der griechischen Geistesgeschichte eine besondere Rolle einnimmt. Die hier vorliegende Arbeit untersucht die Erziehungsentwürfe der beiden platonischen Schriften zur Staatstheorie bezüglich der körperlichen und gymnastischen Aktivitäten und deren Auswirkungen und Einordnungen in den von Platon propagierten Idealstaat.

Es sind keine sportwissenschaftlichen Theorien, die erforscht werden sollen, sondern es handelt sich vielmehr um eine Einordnung der platonischen Leibeserziehung in die antike Tradition der Athleten und Sportler. Die Untersuchung teilt sich in zwei große Gliederungspunkte, die sich erst der gymnastischen Erziehung innerhalb der Politeia widmen, bevor der zweite große Gliederungspunkt den Themenschwerpunkt auf Platons Spätwerk, »Die Gesetze«, legt.

1 Der Staat ( Politeia )

Der folgende erste Teil dieser Arbeit untersucht die sportlichen Erziehungskonzepte innerhalb der platonischen Idealstaatstheorie, wie sie in der Politeia dargestellt werden. Nach einer kurzen Einführung zum Aufbau und den Grundlagen des Buches wird der Schwerpunkt auf die gymnastische Erziehung gelegt.

1.1 Grundlagen des platonischen Staates

Die Politeia gilt als das bedeutendste Werk Platons und ist bis heute eine der wichtigsten Schriften für die Ideengeschichte der politischen Philosophie. Die Politeia ist in zehn Bücher aufgeteilt, die in der typisch platonischen Dialogform eine Unterhaltung zwischen Sokrates und verschiedenen anderen Charakteren der griechischen Antike über das Wesen der Gerechtigkeit und dessen Umsetzung in einem idealen Staat wiedergeben.

Der Aufbau und die Struktur des platonischen Staates ergeben sich aus einer Analogie der menschlichen Seelenvermögen. Der vernunftbegabte Seelenteil entspricht dem Stand der Philosophen im Staat – eine Kaste der Herrscher, deren Weisheit durch Ausbildung und Erziehung gefördert werden muss und als Voraussetzung für eine angemessene Regentschaft gilt. Die emotionale Komponente der Seelenteile entspricht im Staat der der Wächter, die sich hauptsächlich zusammensetzt aus Kriegern, Polizisten und Aufsehern aller Art, die sich durch die Tugend des Mutes und der Tapferkeit besonders auszeichnen. Die Gewebetreibenden, der sogenannte Nährstand, werden in Bezug gesetzt zu dem niedrigsten, dem begehrlichen Seelenteil. Die Gerechtigkeit (eng verknüpft mit der Idee des Guten) wird als eine übergeordnete Tugend verstanden, die erst zustande kommen kann, wenn alle drei Stände und Seelenteile in Einklang miteinander stehen – wenn also alle drei Stände die Tugenden, die ihnen jeweils zukommen vollkommen, ausgebildet haben.

1.2 Erziehung im platonischen Staat

Die drei unterschiedenen Stände erfahren beinahe alle die gleiche Erziehung – dennoch gibt es einige Abweichungen und Besonderheiten, die für die jeweilige Kaste prägend sind.

Der dritte und niedrigste Stand, »die Landleute und Handwerker und Händler [,] [werden] ›erzogen‹ durch ihre Arbeit, durch den Umgang mit den Dingen, durch den harten und zähen Kampf mit der Natur […]«[3], schreibt der deutsche Philosoph Eugen Fink. Und weiter: »Der Vernunftsinn, der ›objektiv‹ in der Arbeitsteilung und in der sich ergänzenden Eigensucht der Einzelnen liegt, war für die Angehörigen des dritten Standes gar nicht reflektiert.«[4] Es ist also größtenteils die Lehre und die Arbeit selbst, die den dritten Stand prägt und dessen Bestimmung im Staat komplettiert.

Bei den Herrschern und Philosophen wird eine veranlagte Intelligenz vorausgesetzt. Doch auch sie durchlaufen zunächst die Bildungsentwicklung des zweiten Stands und werden dort selektiert – sind gewissermaßen eine elitäre Auswahl der Wächter und exemplarisch dafür, dass jeder einzelne Mensch, der Mensch überhaupt, seiner sittlichen Vollendung entgegen geführt werden kann.[5] Die unterste Stufe der griechischen Paideia besteht aus einer Elementarbildung, in der die Kinder (und Jugendlichen im Alter von 10-18 Jahren) in Gymnastik und Musik unterrichtet werden. Aufbauend darauf erfolgt für die Anwärter auf die zukünftigen Führungsfunktionen des Staates, die Philosophen, eine Unterweisung in mathematischer und dialektischer Bildung – diese aber erst im Erwachsenenalter. Die musisch-gymnastische Ausbildung hat zur Aufgabe den Leib und die Seele des Menschen zu formen, zu harmonisieren und zu ertüchtigen, um vollwertige Staatsbürger hervorzubringen, deren Lebenssinn sich in der Erhaltung und Perfektionierung des Staates findet.[6]

[...]


[1] Platon: Der Staat (Politeia), übersetzt und herausgegeben von Karl Vretska, Stuttgart 2000, S.195.

[2] Whitehead, Alfred North: Prozeß und Realität. Entwurf einer Kosmologie, Frankfurt 1979, S. 91 f.

[3] Fink, Eugen: Metaphysik der Erziehung im Weltverständnis von Plato und Aristoteles, Frankfurt 1970, S. 127.

[4] Ebd.

[5] Hager, Fritz-Peter: Das Kind in der pädagogischen Theorie der Antike (am Beispiel der Pädagogik Platons), in Ders.: Plato Paedagogus: Aufsätze zur Geschichte und Aktualität des pädagogischen Platonismus, Bern; Stuttgart 1981, S. 41.

[6] Ebd., S. 47 f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Sport in den Erziehungskonzepten von Platons Idealstaatsentwürfen
Untertitel
Der Staat (Politeia) und die Gesetze (Nomoi)
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Athleten und Gladiatoren. Die antike Kultur im Spiegel ihrer »Spiele«
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V170905
ISBN (eBook)
9783640899630
ISBN (Buch)
9783640899104
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Sokrates, Sport, Gymnastik, Erziehung, Staat, Gesetze, Politeia, Nomoi
Arbeit zitieren
Björn Heigel (Autor), 2010, Sport in den Erziehungskonzepten von Platons Idealstaatsentwürfen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170905

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