Yuan Shikai - Weshalb schlug die Restauration der chinesischen Monarchie 1915-1916 fehl?


Hausarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

0 Vorwort

1 Verlauf der Hongxian-Dynastie
1.1 Vorbereitung auf die Monarchie
1.2 Regentschaft
1.3 Abdankung

2 Gründe und Motive

3 Widerstände und Unterstützer
3.1 Revolutionäre
3.2 Militär
3.3 Ausland
3.4 Intellektuelle
3.5 Bevölkerung

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

0 Vorwort

Am 12. Dezember 1915 ruft General Yuan Shikai das chinesische Kaiserreich, nachdem er es zuvor selbst gestürzt hat, erneut aus und ernennt sich selbst zum Kaiser. Dieses kurze Zwischenspiel - es überdauerte immerhin nur 83 Tage - wird in der modernen Geschichtsschreibung allgemein meist nur als letztes Aufbäumen des alten Feudalsystems beschrieben. Mit der erfolgten Xinhai-Revolution, eingeleitet durch den Aufstand in Wuchang, habe sich die Stimme des Volkes erhoben. Der Restaurationsversuch sei somit ein aus Egoismus und Größenwahn getriebenes Unterfangen, das schon vor seinem Beginn zum Scheitern verurteilt war.

Kann man nun aber den Verlauf der chinesischen Geschichte und die revolutionären Ereignisse 1911 so einfach als proletarische Revolution deuten? Dieser Aufstand lässt sich sicher nicht mit einer bürgerlichen Revolution, wie der Französischen Revolution vergleichen. Im China das beginnenden 20. Jahrhunderts war die Macht bei weitem nicht unter den Reihen des Proletariats auszumachen, sondern vielmehr unter denen die Geld und genügend Waffen zur Verfügung hatten.[1]

Die Protestaktionen in Wuchang entstammten der Feder Sun Yatsens, einem Berufsrevolutionär aus Guangdong, der sich seit der vernichtenden Niederlage Chinas im Sino-Japanischen Krieg 1895 für eine Auflösung des monarchischen Systems und die Gründung einer chinesischen Republik einsetzte. Sie war aber sicherlich nur ein Katalysator des unvermeidbaren Zerfalls, der die Qing-Regierung unlängst heimsuchte und sie nun wie „ein Kartenhaus“[2] zusammenfallen ließ. Dass diese Aktionen aber den Willen des ganzen Volkes nach Reform und Republik wiederspiegeln, möchte ich bezweifeln. Immerhin hat das chinesische Volk eine 2000-jährige Geschichte als Kaiserreich hinter sich und viele Menschen, insbesondere Beamte, Soldaten und vor allem Adelige haben sich Positionen gesichert, die sie nicht bereitwillig aufgeben wollten.

Mein Anliegen mit dieser Hausarbeit ist es, die wirklichen Gründe dafür herauszuarbeiten, warum der Restaurationsversuch Yuan Shikais so außergewöhnlich schnell und umfassend an der gesamten Bevölkerung gescheitert ist. Zudem, welche Veränderungen in der chinesischen Gesellschaft in der Zeit nach der Revolution von 1911 dazu beigetragen haben, dass im chinesischen Geiste die Begeisterung für einen Kaiser erlöschen konnte. Dazu möchte ich hervorheben, welche Dinge ihn bewogen haben, sich für diesen Schritt zu entscheiden, und auf welcher Leute Unterstützung er sich berufen konnte – und auf welcher nicht.

Die chinesische Geschichte hat sich einen Präsidenten geleistet, der am Wendepunkt zwischen Feudalismus und Moderne stand und letztendlich erfolglos auf den falschen Weg gesetzt hat.

1 Verlauf der Hongxian-Dynastie

1.1 Vorbereitung auf die Monarchie

Der 1.Januar 1916 stellte, so entschied es Yuan Shikai, den Anfang der sogenannten Hongxian-Zeitrechnung dar, die die chinesische Monarchie mit einem neuen Kaisergeschlecht wieder auferstehen lassen sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Yuan bereits umfangreiche Vorbereitungen treffen lassen, um seinem großen Traum nichts mehr im Wege stehen zu lassen.

So war er von Anfang an davon überzeugt, das arme China könne nur mit der starken Hand eines Monarchen zu führen sein. Den Luxus einer Republik, so schrieb Yang Du, einer seiner größten Unterstützer, könne sich China noch bei weitem nicht leisten.[3] Diese Meinung teilte ein nicht kleiner Kreis von Monarchisten und Intellektuellen im Umfeld Yuan Shikais. So auch der amerikanische Rechtsprofessor und Yuans rechtlicher Berater Frank J. Goodnow, welcher bereits im Sommer einen Artikel veröffentlicht hatte, demzufolge eine konstitutionelle Monarchie am besten für das noch demokratieunerfahrene China sei.[4] Ein wirklicher Nährboden für diese Gedanken entwickelte sich jedoch erst mit der Entstehung der „Gesellschaft zur Friedensplanung“ (筹安会), die von 6 berühmten Revolutionären der Zeit gegründet wurde. Darunter auch Yang Du und der bekannte Philosoph Yan Fu. Hier wurden die Ideen Goodnows und Dus wiederholt und Parolen wie "Die Republik zerstört die Nation" und "Konstitutionelle Monarchie rettet die Nation" ausgegeben.[5]

Ein weiterer Eckpfeiler seiner neu errichteten Monarchie sollte der Konfuzianismus werden. Neben der Chouanhui, die auch mit dem Slogan „Der Konfuzianismus ordnet die Nation" warb, sprach sich Yuan öffentlich für den Wahlspruch „尊孔复古“ aus und versuchte somit die Chinesen über ihre traditionell konfuzianische Haltung und Lebensweise heraus anzusprechen.[6] Auch abgesehen von der erhofften Zustimmung der Bevölkerung, lag ihm dieses System der absoluten Unterordnung sehr am Herzen, wo es doch für einen autoritären Herrscher sehr zum Vorteil werden kann. Um einen derart untertänigen Menschen zu formen, propagierte er die traditionellen konfuzianisch geprägten Schulformen. Auch, um sich vom westlichen liberalen Demokratiegedanken abzugrenzen, setze er sich für eine intensive Beschäftigung mit der traditionellen Kultur ein. (Parole „发展固有文化“).[7]

Abgesehen von dem theoretischen Unterbau hat er auch tatsächliche Maßnahmen einleiten lassen. So ließ er noch vor seiner feierlichen Amtseinführung Volksvertreter aus allen Regionen Chinas in Peking zusammenkommen, um über die Kaiserkrönung abzustimmen. Er stellte daraufhin zufrieden fest, dass alle Stimmen ausnahmslos für ihn gestimmt hatten. Es ist heute bekannt, dass diese Farce hauptsächlich von seinem Sohn und Thronerben Yuan Keding orchestriert wurde.[8]

Bestärkt durch dieses Ereignis, unter Mithilfe seiner engsten Bekannten und mit der Gewissheit von Japan außenpolitische Rückendeckung zu bekommen[9] rief er am 12. Dezember 1915 das chinesische Kaiserreich aus.

1.2 Regentschaft

Die nur 83 Tage andauernde Regentschaft konnte in ihrem kurzen bestehen nicht viele Ereignisse hervorbringen. Sie war seit ihrem Bestehen geprägt von Problemen. Innerfamiliäre Streitigkeiten um die Thronfolge unter seinen Söhnen brachen aus. Schon die rituelle Thronbesteigung wurde angesichts der aufgebrachten Menge an politischen Feinden immer weiter verschoben und wurde letztlich mit der Abdankung des Kaisers völlig fallen gelassen. Eine unmittelbare Folge der Kaiserkrönung war das aufheulen revolutionärer Widerstandsgruppen, die sich daraufhin schnell organisiert hatten. Yuans engste Vertraute hatten sich von ihm losgesagt und ihm den Rücken gekehrt.

Zwar hatte der Kaiser sich auf eine konstitutionelle Monarchie berufen, deren Stärke China einen und lenken sollte, und zwar hat der Kaiser vielfältige Reformen angestrebt,[10] doch konnte keine dieser positiven Überlegungen rechtzeitig zur aufgebrachten Menge durchdringen, die sich ihre Republik nun nicht mehr streitig machen wollte. Die Militärführer in den Provinzen, die sich ihrer guten Ausbildung und enormen Kampfkraft durchaus bewusst waren, wollten sich ihre Machtstellung nun auch nicht mehr nehmen lassen. Eine Provinz nach der anderen kündigte ihre Treue Yuan gegenüber auf und erklärte seine Unabhängigkeit. Bis zum 22. März 1916 musste Yuan Shikai seine Kaiserpläne endgültig aufgeben.

1.3 Abdankung

Als sich der Kaiser seiner schwierigen Situation bewusst wurde, war es für Gegenmaßnahmen schon viel zu spät. Die aufgebrachte Menge der Revolutionären, die Provinzgouverneure, die sich einer nach dem anderen für unabhängig erklärten und der starke außenpolitische Druck hatten ihn soweit eingeschüchtert, dass er die Kaiserwürde abgeben musste und sich unfreiwillig daran setzte, wieder das Amt eines normalen Präsidenten einzunehmen.

In einem späteren Interview, kurz vor seinem Tod, gab er zu, dass „这事没干好,一失足成千古恨.“ - er hätte die Situation und seine Auswirkungen nicht richtig abschätzen können und wäre von den Proteststürmen förmlich überrascht. Sein ganzer Hofapparat habe ihn förmlich dazu gedrängt, diesen Schritt zur Kaiserkrönung zu gehen und er habe den wahren Willen des Volkes, durch die geschickte Verschleierung seiner Nächsten, besonders auch seines Sohnes, vollkommen aus den Augen verloren.[11]

Doch auch dieser Schritt, nämlich der, die alte Präsidentschaft wieder aufleben zu lassen, war nicht von Erfolg gekrönt. Sun Yatsen veröffentlichte am 9. Mai seine bis dahin schon zweite Streitschrift gegen Yuan, in der er sich öffentlich darüber mokiert, dass der Mann, der die Republik stürzen wollte, sich selbst wieder zum Präsidenten ernennt. „乃袁氏推翻民国,以一性之尊而怒视五族,义不反顾。“[12]

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Provinzen, die sich unter dem Vorwand „Die Republik schützen“ während der kurzen Kaiserperiode von Yuan Shikais Kontrolle losgesagt haben, nun den erneuten Versuch der Etablierung einer zentralgeführten Republik lächerlich finden.[13]

2 Gründe und Motive

Es ist wichtig zu verstehen, welche Umstände dazu geführt haben, dass die Monarchie so schnell und vehement bekämpft wurde. Dabei ist es nicht ratsam, lediglich auf die chronologischen Tatsachen zu blicken, die einen fertigen Abschluss der Ereignisse darstellen – also eher das Ergebnis, als die Ursache - sich aber gegenüber einer wahren Ursachenforschung eher verschließen. Um zu erkennen, welche persönlichen Beweggründe ihn beeinflusst haben, sich zu diesem Schritt zu entschließen und wie integer seine Absichten dabei waren; inwiefern er dies alles geplant hatte und wie weit er gehen würde, dies alles ist nur bei Yuan Shikai selbst zu finden.

[...]


[1] vgl. Gernet, 1988, S. 509.

[2] Rodzinski, 1987, S. 224.

[3] vgl. Fogel, 1997, S. 237.

[4] vgl. Rodzinski, 1987, S. 230.

[5] vgl. Fogel, 1997, S. 52.

[6] vgl. Fröhlich, 2000, S. 186.

[7] vgl. Peterson, 2001, S. 205.

[8] vgl. Yuan, 2009, S. 123.

[9] vgl. Rodzinski, 1987, S. 230.

[10] vgl. Zanasi, 2006, S. 16.

[11] vgl. 我为什么想当皇帝?,1916.

[12] vgl. 中国社科院近代史所, 2006, S. 100ff.

[13] vgl. Chi’en, 1970, S. 64.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Yuan Shikai - Weshalb schlug die Restauration der chinesischen Monarchie 1915-1916 fehl?
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz
Veranstaltung
Wirtschaftsraum Greater China
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V170940
ISBN (eBook)
9783640901289
ISBN (Buch)
9783640901906
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Yuan Shikai, China, Sun Yatsen, Monarchie, 1900, Revolution, Hongxian
Arbeit zitieren
Alexander Stebner (Autor), 2010, Yuan Shikai - Weshalb schlug die Restauration der chinesischen Monarchie 1915-1916 fehl?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170940

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