Am 12. Dezember 1915 ruft General Yuan Shikai das chinesische Kaiserreich, nachdem er es zuvor selbst gestürzt hat, erneut aus und ernennt sich selbst zum Kaiser. Dieses kurze Zwischenspiel - es überdauerte immerhin nur 83 Tage - wird in der modernen Geschichtsschreibung allgemein meist nur als letztes Aufbäumen des alten Feudalsystems beschrieben. Mit der erfolgten Xinhai-Revolution, eingeleitet durch den Aufstand in Wuchang, habe sich die Stimme des Volkes erhoben. Der Restaurationsversuch sei somit ein aus Egoismus und Größenwahn getriebenes Unterfangen, das schon vor seinem Beginn zum Scheitern verurteilt war.
Kann man nun aber den Verlauf der chinesischen Geschichte und die revolutionären Ereignisse 1911 so einfach als proletarische Revolution deuten? Dieser Aufstand lässt sich sicher nicht mit einer bürgerlichen Revolution, wie der Französischen Revolution vergleichen. Im China das beginnenden 20. Jahrhunderts war die Macht bei weitem nicht unter den Reihen des Proletariats auszumachen, sondern vielmehr unter denen die Geld und genügend Waffen zur Verfügung hatten.
Die Protestaktionen in Wuchang entstammten der Feder Sun Yatsens, einem Berufsrevolutionär aus Guangdong, der sich seit der vernichtenden Niederlage Chinas im Sino-Japanischen Krieg 1895 für eine Auflösung des monarchischen Systems und die Gründung einer chinesischen Republik einsetzte. Sie war aber sicherlich nur ein Katalysator des unvermeidbaren Zerfalls, der die Qing-Regierung unlängst heimsuchte und sie nun wie „ein Kartenhaus“ zusammenfallen ließ. Dass diese Aktionen aber den Willen des ganzen Volkes nach Reform und Republik wiederspiegeln, möchte ich bezweifeln. Immerhin hat das chinesische Volk eine 2000-jährige Geschichte als Kaiserreich hinter sich und viele Menschen, insbesondere Beamte, Soldaten und vor allem Adelige haben sich Positionen gesichert, die sie nicht bereitwillig aufgeben wollten.
Mein Anliegen mit dieser Hausarbeit ist es, die wirklichen Gründe dafür herauszuarbeiten, warum der Restaurationsversuch Yuan Shikais so außergewöhnlich schnell und umfassend an der gesamten Bevölkerung gescheitert ist. Zudem, welche Veränderungen in der chinesischen Gesellschaft in der Zeit nach der Revolution von 1911 dazu beigetragen haben, dass im chinesischen Geiste die Begeisterung für einen Kaiser erlöschen konnte.
Inhaltsverzeichnis
0 Vorwort
1 Verlauf der Hongxian-Dynastie
1.1 Vorbereitung auf die Monarchie
1.2 Regentschaft
1.3 Abdankung
2 Gründe und Motive
3 Widerstände und Unterstützer
3.1 Revolutionäre
3.2 Militär
3.3 Ausland
3.4 Intellektuelle
3.5 Bevölkerung
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe des Scheiterns des Restaurationsversuchs der chinesischen Monarchie durch Yuan Shikai in den Jahren 1915-1916. Ziel ist es, die spezifischen Faktoren und gesellschaftlichen Veränderungen nach der Xinhai-Revolution von 1911 herauszuarbeiten, die den schnellen Zusammenbruch des kaiserlichen Unterfangens herbeiführten.
- Analyse der politischen Motive und der Einflussnahme des Umfelds von Yuan Shikai.
- Untersuchung der verschiedenen Widerstandsgruppen (Revolutionäre, Militär, Intellektuelle).
- Bewertung der Rolle des Auslands, insbesondere Japans, während des Ersten Weltkriegs.
- Einordnung der Einstellung der chinesischen Bevölkerung gegenüber dem Monarchieprojekt.
- Reflexion über die historische Rolle Yuan Shikais am Wendepunkt zwischen Feudalismus und Moderne.
Auszug aus dem Buch
3.1 Revolutionäre
Wenn man nach den Gründen für das Scheitern einer Gegenrevolution sucht, ist man gut beraten, damit bei den Urhebern der Revolution selbst zu suchen. In diesem Fall ist die innere Verwicklung beider, nämlich des Kaisers und der revolutionären Parteien, besonders eng gestrickt. In gemeinsamer Tradition haben sie das China zu jener Zeit geformt und in dieser politischen Ausprägung hervorgebracht. Mit Sun Yatsen, dem Organisator des Wuchang-Aufstandes, verbindet ihn die Gründung der chinesischen Republik, die ohne einander nicht in der Form funktioniert hätte. Als Sun die Präsidentschaft über die neue revolutionäre Republik in 1912 annahm, war ihm schnell klar, dass er mit seinen geringen Mitteln und Truppenstärken kaum eine chinesische Republik führen könnte. So wandte er sich an Yuan Shikai, um dessen Hilfe zu empfangen. Dass dieser diese Position letztendlich gegen die Republik und gegen die Ideale der Revolution einsetzte, war ein schwerer Schlag für Sun und seine nationalistische Partei, der GMD.
Nach einem erfolglosen zweiten Revolutionsversuch 1913, sah er mit der durchgeführten Thronbesteigung nun endlich die Chance, diesen Feind seiner Vision eines freien Chinas abzusetzen und Yuans Herrschaft endgültig zu beenden. Für Sun war es unvereinbar mit seinen Vorstellungen, dass ein Mann, der unfähig war, die ausländischen Invasoren abzuwehren – in diesem Falle nun die expansiven Japaner – der darüber hinaus bewiesen hat, das Selbe klägliche Veränderungspotential wie die einstige Qing-Dynastie zu besitzen, die Geschicke des chinesischen Volkes führen dürfe. Nicht ungeachtet dessen, dass er nun auch das feudale System wiedererrichten wollte. Wo doch besonders diese drei Punkte, die Hauptkritikpunkte an der alten Dynastie und Grund für die Revolution geworden waren.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Vorwort: Einleitung in die Thematik des kurzlebigen Restaurationsversuchs der Monarchie und Skizzierung der Fragestellung hinsichtlich der Gründe für dessen Scheitern.
1 Verlauf der Hongxian-Dynastie: Dokumentation der Vorbereitungsphase, der kurzen Regentschaft und der letztendlichen Abdankung von Yuan Shikai.
2 Gründe und Motive: Untersuchung der persönlichen Beweggründe Yuan Shikais sowie der einflussnehmenden Kreise wie seines Sohnes Keding.
3 Widerstände und Unterstützer: Analyse der verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Gruppen, deren Opposition das Ende der Monarchiepläne maßgeblich herbeiführte.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ursachen für das Scheitern als Ergebnis eines historischen Aufeinandertreffens von Fehlplanung und gesellschaftlichem Wandel.
Schlüsselwörter
Yuan Shikai, Hongxian-Dynastie, Xinhai-Revolution, China 1915, Monarchierestauration, Sun Yatsen, Beiyang-Armee, Republikschutz, Liang Qichao, Kaiserreich, Konfuzianismus, 21 Forderungen, Japan, Widerstand, Warlords
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem historischen Ereignis der versuchten Wiedereinführung der Monarchie in China durch Yuan Shikai in den Jahren 1915 und 1916.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle verschiedener gesellschaftlicher Akteure, den Einfluss des Militärs, die Rolle des Auslands sowie die Bedeutung der intellektuellen Strömungen jener Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Gründe für das außergewöhnlich schnelle und umfassende Scheitern des Restaurationsversuchs zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine historische Analyse von Quellen, Dokumenten und zeitgenössischer Literatur, um ein vielschichtiges Bild der Ereignisse zu zeichnen.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Rolle der Revolutionäre, des Militärs, ausländischer Mächte (insbesondere Japan), der Intellektuellen und der breiten Bevölkerung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren das Werk?
Zentrale Begriffe sind die Hongxian-Dynastie, die Person Yuan Shikai, der Widerstand der Beiyang-Generäle und die zunehmende Bedeutung der Republik-Idee.
Welche Rolle spielte der Sohn des Kaisers, Yuan Keding?
Ihm wird eine maßgebliche Rolle bei der Manipulation seines Vaters zugeschrieben, indem er Informationen filterte und ein falsches Bild der allgemeinen Zustimmung zur Monarchie erzeugte.
Inwiefern beeinflusste der Erste Weltkrieg die Situation?
Der Krieg lenkte die Aufmerksamkeit der Weltmächte ab, während Japan die chaotische Lage nutzte, um durch die "21 Forderungen" und politisches Taktieren den Druck auf Yuan Shikai zu erhöhen.
- Citar trabajo
- Alexander Stebner (Autor), 2010, Yuan Shikai - Weshalb schlug die Restauration der chinesischen Monarchie 1915-1916 fehl?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170940