Der dritte Kreuzzug: Rede des Sultan Saladin – eine Stilmittelanalyse


Referat / Aufsatz (Schule), 2010
3 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Der dritte Kreuzzug

Rede des Sultan Saladin

zitiert vom syrischen Gelehrte Abu Sama

Stilmittelanalyse von

Tim Blume

In seiner Abschrift einer verlorengegangenen Rede der Saladin-Biographie zitiert der syrische Gelehrte Abu Sama eine Rede Saladins. Geht man davon aus, dass fehlerfrei zitiert wurde, so handelt es sich dabei um eine Primärquelle.

Auffällig ist, dass Saladin viele rhetorische Mittel verwendet, die seine Rede ausschmücken. So pariphrasiert Saladin Gott zu Beginn seines Textes gleich zweimal: er nennt ihn ǷHochgelobten“ und ǷHocherhabenen“, verbindet dabei diese beiden Worte asyndetisch und bedient sich gleichzeitig noch einer Alliteration. Anhand dieser Vielzahl an Stilmitteln, die Gott beschreiben, kann man feststellen, dass Gott zum einen von großer Bedeutung sowohl für Saladin und die Muslime war, zum anderen kann man bereits jetzt schließen, dass Saladin die Fülle von Stilmitteln bewusst eingesetzt hat.

Im Folgenden wendet sich Saladin mit einer rhetorischen Frage an sein Publikum, fra- gend, wo das ǷEhrgefühl der Muslime, der Stolz der Gläubigen, der Eifer der Treuen“ sei. Hier erkennt man in erster Linie den Asyndeton, ebenso aber auch die beiden Klimaxe, die die Muslime selbst (Muslime, Gläubige, Treue) und auch deren positive Eigenschaf- ten (Ehrgefühl, Stolz, Eifer), an denen es aber momentan fehle, beschreiben. Saladin ver- sucht schon hier, sich die Muslime durch Hervorhebung ihrer positiven Eigenschaften geneigt zu machen. Der im Folgenden von Saladin verwendete Pluralis Majestatis ver- deutlich zum einen seiner Herrscherrolle, da er für seine Untertanen spricht, zum ande- ren aber auch seine eigene Verwunderung und sein eigenes Staunen darüber, dass die ǷUngläubigen“ fähig gewesen sein wären, Ƿeinander [zuȐ helfen“. Im Gegensatz (Antithe- se) zur Fähigkeit der Christen, macht Saladin den Muslimen den Vorwurf, Ƿträge“ zu sein. Unter Verwendung der Anapher Ƿkeiner“ betont er noch einmal die Trägheit und das Desinteresse der Muslime, das - bildlich gesprochen (Bildliche Wendung) - ǷVerbogene wieder zu richten“.

Mit einem Ausruf (Exclamatio) macht er den Muslimen eindringlich deutlich, dass die Christen gewillt seien, den Kampf zu beginnen und sich dazu auch gründlich vorbereitet hätten. Durch den mehrmaligen Wiederaufgriff des Wortes Ƿwelche“ bzw. Ƿwelches“, die größtenteils asyndetisch verbundene Aufzählung und den Pleonasmus um die Verschuldung der Christen, zeigt deren Wille, der sie auch nicht davon abhält, große Mengen an Geld zu investieren, um diesen Kampf zu beginnen.

Anstelle des Ausdruckes Ƿkein König“ verwendet Saladin die Litotes Ƿnicht ein einziger König“ und ebenso Ƿnicht ein Mächtiger oder Großer“, um deutlich hervorzuheben, dass wirklich jeder König, jeder Mächtige und jeder Große trotz seiner Position in den Kampf gezogen ist und das mit dem Nachbarn, der möglicherweise ein einfacher Bürger ist. Diese Textstelle kann man gleichzeitig als unterschwelligen Vorwurf gegen die Muslime verstehen: Ihnen wird gezeigt, dass selbst die Könige der Christen bereit seien Ƿin ernster Anstrengung“ zu kämpfen, wohingegen sie träge herumlägen.

Überdies hinaus benennt Saladin die Motive der Christen: der Ƿreine Eifer“ für ihren Gott. Dabei umschreibt Saladin den Gott der Christen mit dem durchaus abwertend gemeinten bestimmten Artikel Ƿden“. Dabei fällt aber auch auf, dass Saladin keine abwertendere Form - den unbestimmten Artikel Ƿfür einen, den sie anbeten“ - verwendet hat. Saladin verdeutlicht auch, dass auch die Christen ǷEhre“ besäßen und dass Ƿnicht einer [ǥȐ nicht“ - Saladin verwendet erneut eine Litotes - mitfühle, wenn das Heilige Land Ƿihren Händen entgleite“ und in die Hand der Muslime falle.

Durch die doppelte bildliche Wendung des Entgleitens aus Christenhand und des Ausstreckens der Hand der Muslime verdeutlicht Saladin auch den Machtwechsel in Jerusalem: Es wird gekämpft, eine Partei gewinnt, aber schon im nächsten Moment kann die Herrschaft über Jerusalem der anderen Partei in da Hand fallen. Zu Ende seines Textes greift Saladin die Anschuldigung vom Beginn auf und bezichtigt die Muslime - rhetorisch je zwei Eigenschaften syndetisch gepaart und asyndetisch verbunden-, Ƿlau und schwächlich [..], nachlässig und faul“ geworden zu sein.

Ebenso lägen sie bildlich gesprochen ohnmächtig und betäubt dort und hätten jedweden Eifer verloren. Den Abschluss seiner Rede bildet die erneute direkte Ansprache des Volkes (Exclamatio, Z. 32), fordernd, dass von bildlich gesprochen und in gleichzeitigem

Gegensatz stehend - Ƿnah und fern“ jeder kommen möge, wobei Saladin das ‚jeder‘ als krönenden Abschluss durch einen pars pro toto (ǷBlut in den Adern“, Z. 34) umschreibt.

Auffällig ist, dass sich der Sultan während seiner Rede durchaus längerer Sätze bedient und den Text nicht übermäßig einfach gestaltet. Ebenso weist der Text ein höheres sprachliches Niveau auf.

In seiner Rede stellt Saladin vor allem die (vermeintliche?) Faulheit der Muslime heraus und betont im Gegensatz dazu den Eifer der Christen. Er wendet sich schließlich an die Muslime und ruft sie dazu auf, nicht zu zögern und sich zusammenzufinden, mit Sicherheit in der Absicht, gegen die Christen anzukämpfen. Damit die Muslime tatsächlich Kommen bedient sich Saladin eines Tricks: Indem er die Muslime schlecht und die verhassten Christen gut darstellt, erhofft er sich, dass der Hass der Muslime auf die Christen bedeutend größer wird und die Muslime sich in der Folge erheben um gegen diesen Zustand anzugehen. Durch sprachliche Gewandtheit ist es Saladin möglich - trotz der Tatsache, dass er die Muslime als faul darstellt - auf seine Seite zu bringen um gemeinsam in voller Stärke gegen die Christen ankämpfen zu können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Der dritte Kreuzzug: Rede des Sultan Saladin – eine Stilmittelanalyse
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
3
Katalognummer
V170957
ISBN (eBook)
9783640899777
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kreuzzug, rede, sultan, saladin, stilmittelanalyse
Arbeit zitieren
Tim Blume (Autor), 2010, Der dritte Kreuzzug: Rede des Sultan Saladin – eine Stilmittelanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170957

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