Berufsorientierung und deren Umsetzung am Beispiel der hessenweiten Strategie OloV


Seminararbeit, 2011
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Berufsorientierung – ein Überblick und die Kristallisierung in den hessischen Ausbildungspakten

2. Die hessenweite Strategie OloV
2.1. Entstehung, Ziele und Akteure
2.2. Qualitätsstandards
2.3. Umsetzung in Schulen
2.3.1. BO2 – „Schulcurricula fächerübergreifende Berufsorientierung“, BO10 – „Einsatz des Berufswahlpasses“ und BO3 – „Durchführung von Kompetenzfeststellungen“
2.3.2. BO 4 – „Individuelle Förderung der Ausbildungsreife“

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Berufsorientierung – ein Überblick und die Kristallisierung in den hessischen Ausbildungspakten

Schnellere Entwicklungen und tiefgreifende Veränderungen bestimmen heutzutage maßgeb- licher als früher die berufliche Lebensplanung junger Menschen. Der Wandel von der Indust- rie- zur Dienstleistungsgesellschaft und die zunehmende Internationalisierung und Globali- sierung stellen dabei die wesentlichsten Veränderungen dar. Durch kommunikative und ar- beitsteilige Intensivierung verändern sich Arbeitsfelder, Tätigkeitsprofile und Verantwor- tungsbereiche in hohem Maße. Solche Veränderungen des Arbeitsspektrums wirken sich nachhaltig auf die BewerberInnen für den Arbeitsmarkt aus. Die Anforderungen der Betriebe und Unternehmen steigen stetig und verlangen neben fachlichen Qualifikationen auch Leis- tungsfähigkeit, Flexibilität und Engagement von Mitarbeitern. Die Fähigkeit überhaupt aus- gebildet zu werden spielt dabei die grundlegendste Rolle. Der Bereich um die Persönlichkeit, Einstellungen und Werthaltungen wird dem des Wissens und Könnens nicht nur gleich-, sondern sogar in den Vordergrund gestellt.1 "Der Erwerb von Sozial-, Methoden- und Hand- lungskompetenz, von Kommunikations- und Teamfähigkeit, Vernetzungs- und Organisations- fähigkeit, Problemlösungs- und Entscheidungsfähigkeit angesichts komplexer Situationen sowie die Fähigkeit, unternehmerisch zu denken und zu handeln, erhalten immer größeres Gewicht."2

Die Berufsorientierung ist grundlegend im § 33 Sozialgesetzbuch III (SGB III) und in einer Ergänzung in den §§ 421q & 421s SGB III benannt. Träger aller Berufsorientierungsmaß- nahmen ist demnach die Agentur für Arbeit. In ihren Aufgabenbereich fällt eben das Betrei- ben von Berufsorientierung „zur Vorbereitung der Jugendlichen und Erwachsenen auf die Berufswahl sowie zur Unterrichtung der Ausbildungsuchenden, Arbeitsuchenden, Arbeit- nehmer und Arbeitgeber“3. Zentrale Orientierungsthemen sind „Fragen der Berufswahl, … die Berufe und ihre Anforderungen und Aussichten, … Wege und Förderung der beruflichen Bildung sowie … beruflich bedeutsame Entwicklungen in den Betrieben, Verwaltungen und auf dem Arbeitsmarkt“4. Insbesondere Schüler allgemeinbildender Schulen können „durch vertiefte Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung“5 gefördert werden, was mit einer Dauer von maximal vier Wochen und mit der Forderung dieses in der unterrichtsfreien Zeit abzuleisten definiert ist. Mit der erweiterten vertieften Berufsorientierung werden diese Ein- schränkungen aufgehoben, sodass auch längere und während der Schulzeit stattfindende Maßnahmen durchgeführt werden können. Im letzten Satz des § 33 SGB III wird dann noch deutlich, dass die Agentur für Arbeit nicht einzig an solchen Fördermaßnahmen beteiligt ist, sondern zumindest finanziell auf Dritte angewiesen ist. Gesetzestypisch machen diese Aus- sagen des § 33 SGB III nur theoretisch klar, was Berufsorientierung will und wer zuständig ist, doch nicht welche konkreten Maßnahmen angewandt werden. Diese zu benennen, wür- de aber erstens an dieser Stelle zu weit führen und ist zweitens auch nicht Gegenstand die- ser Arbeit.6

Die Agentur für Arbeit ist nicht die alleinige Instanz für die Umsetzung von Berufsorientie- rung. Um die angesprochene Ausbildungsfähigkeit frühzeitig zu erreichen, muss bereits in den allgemeinbildenden Schulen darauf Bezug genommen werden. Zur näheren Veran- schaulichung lässt sich die Entwicklung von Ausbildungsstandards am Beispiel der hessi- schen Landesregierung betrachten.

Die hessische Landesregierung beschloss seit dem Jahr 2004 bis vorerst 2012 insgesamt drei Ausbildungspakte. Eine vollständige Analyse derer wäre zwar interessant, jedoch durch die Vielfältigkeit der behandelten Themen uferlos. Betrachten wir nun aber ausschließlich den Bereich Berufsorientierung und suchen schlicht und einfach diesen Begriff in den Doku- menten, so fällt eines ganz wesentlich auf: während dieser im Pakt von 2004-2006 gerade ein einziges Mal auftaucht – und zwar als Ausbildungsthema im Kontext der akademischen Lehrerausbildung7, d.h. ohne Bezug zur Schülerschaft – wird der Begriff im Pakt von 2007- 2009 wesentlich häufiger und deutlich mehr an der Zielgruppe Jugendliche orientiert ver- wendet. Thematisiert werden die Verbesserung des Übergangs von der Schule in den Beruf durch die Eingliederung von Berufsorientierungsmaßnahmen ab der 7. Klassenstufen an- hand curricularer Ausbildungskonzepte8, das verstärkte Nutzen der vertieften Berufsorientie- rung9 sowie erstmals der Bezug zum 2005 entwickelten Programm OloV10 („Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit bei der Schaffung und Besetzung von Ausbildungsplätzen in Hes- sen“). Im vergangenen Jahr wurde nunmehr der dritte Pakt geschlossen, jedoch ausgehend von völlig neuen Voraussetzungen. Während es in den vorhergehenden Jahren durch man- gelnde Ausbildungsplätze schwerpunktmäßig darum ging, diese seitens der wirtschaftlichen Akteure zu garantieren, lagen zum Paktschluss 2010 mehr Ausbildungsplätze als Bewerber vor. Daher und aus Angst vor dem drohenden Fachkräftemangel wurde der Fokus nun auf die Berufsorientierung in Schulen und die Stärkung der Ausbildungsreife bei Schulabgängern gelegt. Die Kernpunkte sind darin: gesetzliche Verankerung der Berufsorientierung in der Lehreraus- und -weiterbildung11, welche unterstützend durch die Industrie- und Handels- kammern angeboten werden12, gesetzliche Verankerung von Berufsorientierungsprozessen und die weitere Verstetigung und Entwicklung der landesweiten Strategie OloV13. Die Analy- se lässt die Vermutung zu, dass diese Strategie das Grundgerüst für die Berufsorientierung in Hessen darstellt. Im folgenden Kapitel werde ich diese Initiative daher zunächst einmal genauer vorstellen und die Ziele und Akteure definieren (2.1.). Anschließend gehe ich dann explizit auf die für die Berufsorientierung und die Ausbildungsreife zugrunde gelegten Quali- tätsstandards ein (2.2.), um dann ausgewählte anhand konkreter Umsetzungsbeispiele nä- her zu beschreiben (2.3.). In einem Schlusswort möchte ich dann diese Strategie zusam- menfassen und positive wie negative Kritik dazu äußern.

2. Die hessenweite Strategie OloV

Um den Übergang von der Schule zum Beruf so zu gestalten, dass junge Menschen „zügig und passgenau“14 in berufliche Ausbildungen vermittelt werden können, entwickelten die Partner des hessischen Ausbildungspaktes die landesweite Strategie OloV. In den folgenden Abschnitten werde ich diese Strategie näher betrachten. Ich gehe dazu zunächst kurz auf ih- re Entstehung und Absicht ein, welche die Akteure definierten (2.1.), um anschließend die Qualitätsstandards bezüglich der Berufsorientierung und Förderung der Ausbildungsreife zu benennen (2.2.). Schließlich werde ich ausgewählte Standards anhand von Beispielen bele- gen, um die praktische Umsetzung zu verdeutlichen (2.3.).

2.1. Entstehung, Ziele und Akteure

Die Ausgangslage für die Entstehung dieser Strategie waren die absehbaren Folgen der feh- lenden Fachkräfte und die Einmündung zu vieler Jugendlicher in das Übergangssystem. Um diesen Prozessen entgegenzuwirken, wurde auf der Grundlage des ersten Ausbildungspak- tes diese Strategie entwickelt – damals jedoch vorrangig mit dem Schwerpunkt der Vermitt- lungsarbeit – mit dem Ziel die Tätigkeiten zwischen den einzelnen vermittelnden Stellen bes- ser abzustimmen.15 Im Ausbildungspakt von 2007 wird OloV dann bereits näher beschrieben und erstmals mit Berufsorientierung verknüpft. Zudem wurde vereinbart, qualitative Stan- dards zu entwickeln und diese in den Jahren 2008 und 2009 zu erproben. Damit wird das Ziel verfolgt die Berufsorientierung qualitativ und die Ausbildungsvermittlungsprozesse quali- tativ und quantitativ zu verbessern.16

Bevor ich auf die Qualitätsstandards zu sprechen komme, widme ich mich noch kurz den re- gionalen Akteuren. Grundlegend dafür ist, dass alle Landkreise und kreisfreien Städte an dem Projekt teilnehmen und somit ein flächendeckendes Instrument ermöglichen, um die Themenfelder Berufsorientierung mit Förderung der Ausbildungsreife, Ausbildungsplatz- Akquise und Matching und Vermittlung zu bearbeiten und zu entwickeln. Sowohl auf kom- munaler als auch auf Landesebene kamen verschiedene Institutionen, Vereinigungen und Arbeitskreise zusammen, um die Entwicklungen intensiv und mit messbaren Erfolgen voran- zutreiben sowie nachhaltige Strukturen dauerhaft zu verankern.17 Abbildung 1 zeigt dazu alle regionalen Akteure in Hessen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Regionale Akteure, die an OloV teilhaben 18

Die Aufgabe der regionalen Akteure ist die Umsetzung der Qualitätsstandards. Dieser Ar- beitsablauf lässt sich am besten anhand eines Kreislaufes beschreiben, welcher sich mit zu- nehmendem Durchlaufen immer mehr verstärkt: Erfahrungen und Wissen der Akteure werden für die regionale Arbeit gesammelt und mit institutionsübergreifendem Blick entwickelt.

[...]


1 vgl. Witschaß/ Delbos/ Hüchtermann/ Wiethaup 2003

2 Witschaß/ Delbos/ Hüchtermann/ Wiethaup 2003

3 Bundesministerium der Justiz

4 Bundesministerium der Justiz

5 Bundesministerium der Justiz

6 weiterführend dazu: Bundesagentur für Arbeit: Vertiefte Berufsorientierung und Berufswahlvorberei- tung (Berufsorientierungsmaßnahmen) und erweiterte vertiefte Berufsorientierung nach den §§ 33 Satz 3 – 5 und 421q SGB III. Geschäftsanweisungen (Stand Januar 2010). Online abrufbar unter: http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/HEGA-Internet/A02- Berufsorientierung/Publikation/HEGA-01-2010-Vertiefte-BO-Anlage-1.pdf

7 vgl. Wirtschaft, Kommunale Spitzenverbände, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Ar- beit und Hessische Landesregierung (a), S.9

8 vgl. Wirtschaft, Kommunale Spitzenverbände, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Ar- beit und Hessische Landesregierung (b), S.3

9 vgl. Wirtschaft, Kommunale Spitzenverbände, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Ar- beit und Hessische Landesregierung (b), S.7 f.

10 vgl. Wirtschaft, Kommunale Spitzenverbände, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Ar- beit und Hessische Landesregierung (b), S.8

11 vgl. Wirtschaft, Kommunale Spitzenverbände, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Ar- beit und Hessische Landesregierung (c), S.4

12 vgl. Wirtschaft, Kommunale Spitzenverbände, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Ar- beit und Hessische Landesregierung (c), S.7

13 vgl. Wirtschaft, Kommunale Spitzenverbände, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Ar- beit und Hessische Landesregierung (c), S.4

14 Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung 2010, S.6

15 vgl. Wirtschaft, Kommunale Spitzenverbände, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Ar- beit und Hessische Landesregierung (a), S.13

16 vgl. Wirtschaft, Kommunale Spitzenverbände, Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Ar- beit und Hessische Landesregierung (b), S.8

17 vgl. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung 2010, S.7

18 vgl. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung 2010, S.11

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Berufsorientierung und deren Umsetzung am Beispiel der hessenweiten Strategie OloV
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Berufs- und Betriebspädagogik)
Veranstaltung
Berufsorientierung in Deutschland
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V171024
ISBN (eBook)
9783640901388
ISBN (Buch)
9783640901814
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
berufsorientierung, umsetzung, beispiel, strategie, olov
Arbeit zitieren
B.A Bildungs- und Erziehungswissenschaftler Michel Beger (Autor), 2011, Berufsorientierung und deren Umsetzung am Beispiel der hessenweiten Strategie OloV, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171024

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