Strategien der Gegenöffentlichkeit

Hacking, Kopieren oder Simulieren kommunikativer Botschaften


Hausarbeit, 2011

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gegenöffentlichkeit
2.1 Historischer Kontext
2.2 Definition
2.3 Akteure
2.4 Funktionen der neuen Medien
2.5 Das Verhältnis von Gegenöffentlichkeit und Massenmedien

3 Social Media
3.1 Definition
3.2 Social Networks
3.3 Social Sharing
3.4 Weblogs
3.5 Mikroblogging
3.6 Social Media als Mittel der gegenöffentlichen Bewegung am Beispiel der Proteste im Iran 2009

4 Hacking
4.1 Definition
4.2 Techniken
4.3 Die Arbeit des Chaos Computer Club als als Beispiel der Gegenöffentlichkeit

5 Renaissance der Gegenöffentlichkeit?

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

1 Einleitung

Es ist ein Phänomen, das sich im letzten Jahr in Deutschland und seit kurzem auch in der arabischen Welt stark intensiviert hat: Der Bürger demonstriert, hinterfragt, rebelliert. Um seine Ziele durchzusetzen, nutzt er sowohl die klassische Form des Demonstrierens aber auch die neuen Möglichkeiten des Internets. Per Twitter oder Facebook werden Aktionen geplant und vor allem die Kommunikation untereinander betrieben. Homepages runden das Informationsangebot zu bestimmten Themen der Protestbewegungen ab (z.B. Stuttgart 21, Anti-Atomkraft oder auf internationaler Bühne: Tunesien, Lybien, Ägypten oder der Iran).

Einige Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einer neuen Form der Gegenöffentlichkeit, die das Web 2.0 für sich entdeckt hat. Doch was bedeutet eigentlich „Gegenöffentlichkeit“ und wie äußert sie sich? Diese Frage soll vorliegend geklärt werden. Dazu muss in zwei Teile untergliedert werden: Der erste Teil (Punkt 2) betrifft die Theorie der Gegenöffentlichkeitsforschung. Hierbei wird zunächst die historische Entstehung gegenöffentlicher Bewegung skizziert. Anschließend wird, aus kommunikations-wissenschaftlicher Sicht, der Begriff der Gegenöffentlichkeit definiert. Danach folgt eine ausführliche Darstellung der einzelnen Akteure, sowie der Funktion der Medien. Am Ende des Theorieteils soll dann noch das Wechselspiel von Gegenöffentlichkeit und Massenmedien aufgezeigt werden.

Der zweite Teil (Punkt 3 und 4) der Hausarbeit betrachtet zwei ausgewählte Instrumente, die für die Gegenöffentlichkeit von großer Bedeutung sind: Social Media und Hacking. Diese beiden Instrumente wurden vorwiegend wegen ihrer Aktualität bezüglich des politischen Geschehens gewählt. Sie bilden natürlich nur einen Ausschnitt aus dem Gesamtrepertoire der gegenöffentlichen Instrumente.

Punkt 3 befasst sich ausschließlich mit Social Media. Zuerst wird der Begriff definiert, um anschließend einige Anwendungen näher zu erklären. Abgeschlossen wird dieser Punkt mit dem Anwendungsbeispiel anhand der Proteste im Iran 2009.

Der darauffolgende Punkt betrachtet das Hacking. Auch hier wird zuerst eine kurze Einführung in das Thema gegeben, bevor einige ausgewählte Hacking-Techniken verdeutlicht werden. Als Praxisbeispiel für Gegenöffentlichkeit in diesem Bereich wird die Arbeit des Chaos Computer Club vorgestellt.

Punkt 5 fasst die gesammelten Erkenntnisse noch einmal zusammen und gibt ein abschließendes Fazit. Ebenso soll hier ein Ausblick auf die weitere Entwicklung zwischen Web 2.0 und Gegenöffentlichkeit gegeben werden.

2. Gegenöffentlichkeit

Der Begriff der Gegenöffentlichkeit ist zwar in unserem Wortschatz vorhanden, eine weitergehende Definition ist jedoch den wenigsten bekannt. Aus diesem Grund widmet sich Punkt 2 ausschließlich der theoretischen Erklärung des Begriffes. Hierzu wird zuerst der historische Kontext erläutert, anschließend wird eine allgemein gültige Definition formuliert. Die beiden letzten Unterpunkte betreffen schließlich Konzepte der Gegenöffentlichkeit sowie die Funktion der Medien.

2.1 Historischer Kontext

Die Anfänge der gegenöffentlichen Bewegung sind im 15. und 16. Jahrhundert, zur Zeit der Reformation, anzusiedeln. Die Flugschriften der Reformatoren stellen eine erste Praxisform der Gegenöffentlichkeit dar. Auch die Arbeiterbewegung Ende des 19. Jahrhunderts, die ihren Kampf gegen den damals vorherrschenden Kapitalismus mit Kampfschriften führte, kann der Gegenöffentlichkeit zugeordnet werden (vgl. Wimmer 2007: 153). Der Begriff Öffentlichkeit, wie er heutzutage verwendet wird, hat seine Wurzeln in den Sechziger- und Siebzigerjahren. Seit damals „[…] werden darunter klassischerweise die Aktionen der neuen sozialen Bewegungen (NSB) und die Strukturen und Zielsetzungen alternativer Medien – u.a. die Alternativpresse, freie Radios und offene Kanäle – verstanden“ (ebd.: 13). „Wichtig bei dem Konzept Gegenöffentlichkeit ist, dass es sich in einer linkspolitischen Tradition entwickelt hat, deren Inhalte eng an den Begriff geknüpft sind. Hiermit ist zum einen speziell politische Kritik gemeint, aber auch viele andere Formen des Auslebens von Interessen, die von der so genannten „bürgerlichen“ Öffentlichkeit nicht akzeptiert oder sogar negiert werden“ (Frische 2006: 18). „Schon seit Ende der Sechziger Jahre fanden sich viele Gruppen zusammen, die mit Radio, Film, Video, Fotografie und Zeitungen politisch, kulturell und sozial arbeiteten. Sie verstanden sich als Gegengewicht zu den herrschenden Massenmedien. Gegen die Meinungsmonopole und die Unterdrückung bestimmter Nachrichten sollte sich die „eigene“ Nutzung der Medien der „Realität“ stellen und über aktuelle Ereignisse wie Demonstrationen oder Streiks berichten„ (ebd.: 19). In den achtziger Jahren fand eine Expansion weiterer Bewegungen statt: Feministische- und Friedensbewegungen aber auch Anti-Atom- Bewegungen (vgl. ebd.: 20). Aktuell findet vor allem eine Verschiebung der Artikulationskanäle der Gegenöffentlichkeitsbewegung statt. Vor allem die computervermittelte Kommunikation nimmt in diesem Kontext eine immer wichtigere Stellung ein. So sind vor allem Blogs, interaktive soziale Netzwerkedienste wie Twitter, Facebook und Co. sowie Onlineportale die dominierenden Ausspielkanäle in der heutigen Zeit (vgl. Wimmer 2007: 153).

2.2 Definition

Um den Terminus Gegenöffentlichkeit definieren zu können, wird auf die Forschungserkenntnisse von Professor Jeffrey Wimmer von der Technischen Universität Ilmenau zurückgegriffen. In seinen Ausführungen merkt er des Öfteren an, dass der Begriff Gegenöffentlichkeit nur in Zusammenhang mit dem Phänomen der Öffentlichkeit sinnvoll definiert werden kann. Allerdings weißt er auch darauf hin, „dass Gegenöffentlichkeit […] weder in ihrer Bedeutung noch in ihrer Qualität zu einem wirklichen Gegenpol etablierter Öffentlichkeit avancieren konnte. Mehr noch […] Kommerzialisierungs- und Professionalisierungstendenzen auf Seiten vieler „alternativer“ Medien haben die ursprünglichen Grenzziehungen zwischen Öffentlichkeitssphären weitgehend verwischt“ (ebd.: 13). Aus diesem Grund wird sowohl weite, als auch eine enge Definition angefertigt.

„In einem engeren Sinn verweist der Begriff Gegenöffentlichkeit auf verschiedenartige Phänomene öffentlicher Kommunikation, die unter eben diesem oft strapazierten Begriff subsumiert werden“ (ebd.: 13). Mit diesen Phänomenen meint Wimmer die klassischen Aktionen der neuen sozialen Bewegungen, wie sie in Kapitel 2.1 bereits verdeutlicht wurden. Betrachtet man die weite Definition nach Wimmer, so werden zwei weitere Begriffsdimensionen des Terminus Gegenöffentlichkeit erkennbar:

1. „Journalismus an sich kann eine kritische Gegenöffentlichkeit darstellen“ (ebd.: 14). Begründet wird dies mit den Funktionen der Medien für die Gesellschaft.
2. „Als eine Renaissance „kritischer Gegenöffentlichkeit“ oder als Indikator einer aktiven Zivilgesellschaft im globalen Zeitalter wird die (scheinbar) zunehmende politische und massenmediale Relevanz nicht-etablierter politischer Akteure, Organisationen oder Bewegungen wie etwas der globalisierungskritischen Bewegung gewertet“ (ebd.: 14).

Vorliegend wird jedoch die Definition nach Krotz genutzt, die auch Wimmer als, aus Sicht der Kommunikationswissenschaft, gültige Arbeitsdefinition ansieht: „Gegenöffentlichkeit meint eine gegen eine hegemoniale Öffentlichkeit gerichtete Teilöffentlichkeit, die um einen spezifischen gesellschaftlichen Diskurs oder Standpunkt herum strukturiert ist“ (Krotz 1998a: 653). Wimmer ergänzt hierzu noch: „Diese kritischen Teilöffentlichkeiten können sich diesseits und jenseits massenmedialer Öffentlichkeit konstituieren“ (Wimmer 2007: 14). Diese Definition ist für die vorliegende Arbeit als gültige Aussage zu betrachten und wird als solche verwendet.

2.3 Akteure

Um das Konzept der Gegenöffentlichkeit vollständig verstehen zu können, müssen nach der Definition des Begriffes und der Einordnung in den historischen Kontext nun auch die Akteure benannt werden. Zwar liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der computervermittelten Kommunikation der Gegenöffentlichkeit. Um das Gesamtkonzept allerdings verstehen zu können, bedarf es eines ganzheitlichen Blickes, weshalb an dieser Stelle alle Akteure benannt und dargestellt werden. Wimmer definiert vier Institutionen der gegenöffentlichen Bewegung: Die neue soziale Bewegung (NSB), alternative Medien, Kommunikationsguerilla und den Netzaktivismus (vgl. ebd.: 193).

Seit den 60iger Jahren haben sich viele verschiedene neue soziale Bewegungen gegründet, „die sich von der bürgerlichen Provenienz abzuheben versuchten, indem sie sich anders verhielten und andere Werte vertraten. Wie die soziologischen Gegenwartsdiagnosen zeigen, können NSB somit einerseits als ein Produkt moderner Gesellschaften verstanden werden, andererseits aber auch als ein kollektiver Akteur, der für sozialen Wandel sorgt z.B. durch die Durchsetzung von Bürgerrechten“ (ebd.: S. 194). Hierin zeigt sich das Bestreben der Bewegung gegen die bestehende gesellschaftliche Ordnung sowie die vorherrschende Öffentlichkeit vorzugehen und die eigenen Interessen sowie Ansichten zu verbreiten (vgl. Punkt 2.2). Die Struktur der NSB ist vielfältig, so reicht sie von informellen, selbstorganisierten kleinen regionalen Gruppen (z.B. Bürgerinitiativen) bis hin zu organisierten, internationalen Verbänden (z.B. Greenpeace oder Attac). Ein wichtiges strukturelles Merkmal dieser Bewegung ist die Ablehnung interner, formaller Strukturen. Hierzu Wimmer: „Es lässt sich abschließend feststellen, dass es heute zwar in einzelnen NSB zu einer zunehmenden formellen Strukturierung und einem markanten Orientierungswandel gekommen ist. Diese Entwicklung bedeutet aber nicht zwangsläufig das Ende der gesellschaftlichen Relevanz der NSB. Insbesondere die Friedensbewegung flammt je nach Aktualität des Themas wieder auf und es gelingt ihr teilweise, in kurzer Zeit die öffentliche Meinung zu mobilisieren“ (Wimmer 2007: 199 f.). Interessant ist die Tatsache, dass aus einigen Gruppen der frühen Protestbewegung heute bedeutende Organisationen und Institutionen entstanden sind, so z. B. Greenpeace (vgl. Frische 2006: 20). Ein weiteres wichtiges Merkmal der heutigen neuen sozialen Bewegung liegt darin, dass sie weniger versuchen eigene (Gegen-)Öffentlichkeiten zu schaffen, sondern eher darum bemüht sind ihre Interessen nach außen zu tragen.(vgl. Wimmer 2007: 209) Hierfür instrumentalisieren sie die Massenmedien, wodurch sie die „Fähigkeit [erlangen], neue Sachverhalte und Fragen öffentlich zu machen (= Gegenthematisierung)“ (Wimmer 2007: 209).

Ein weiterer Akteur der Gegenöffentlichkeit findet sich in der alternativen Presse. Sie wird größtenteils von der NSB als Artikulationsmedium genutzt, hat sich allerdings in den letzten Jahren auch zu einem selbstständigen Akteur formiert. Als zentrales Merkmal dieser Presseart gilt, dass sie sich „aus der Ablehnung der herkömmlichen Produktionsweise und Berichterstattung heraus […] eine alternative Art sowohl der Produktion als auch der Kommunikation, d.h. den Inhalten [entwickelt hat]“ (ebd.: 211). Im Mittelpunkt der alternativen Medien stehen somit die Partizipation des Einzelnen und die Gegenthematisierung. Zu den Bestanteilen der alternativen Presse gehören: Zeitungen, Zeitschriften, Stadtteilzeitungen, freie Radios, sowie seit Ende der 90iger Jahre alternative Informationsquellen wie Wikipedia, alternative Nachrichtendienste wie Wikinews und alternative Publikationsplattformen wie Indymedia (vgl. ebd.: 215).

Als weitere Institution des Konzeptes der Gegenöffentlichkeit sind die Kommunikationsguerilla zu nennen. Diese sind als Sammelbegriff für verschiedene Formen des Medienaktivismus zu verstehen (vgl. ebd.: 222). „Diese Gruppen sind zum großen Teil schon seit den Achtzigerjahren als Medienaktivisten tätig, aber erst die Möglichkeit der neuen Medien und der computervermittelten Kommunikation haben ihnen zu einem enormen Aufschub verholfen“ (ebd.: 222). Die autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe, die eine der bekanntesten Gruppierungen aus der Sparte der Kommunikationsguerilla darstellt, definiert sich folgendermaßen: „[…] Teil eines Prozesses, in dem gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse kritisiert und angegriffen werden – neuer und alter Nationalismus, Sexismus / Patriarchat, Rassismus und die mit ihnen verknüpfte kapitalistische Produktionsweise. Es betrachtet die Normalisierung solcher Herrschaftsverhältnisse auf der Ebene der gesellschaftlichen Diskurse und der Formen der Kulturellen Grammatik und formuliert Ansatzpunkte dafür, wie sin Frage gestellt werden können“ (autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe et al. 2001: S.6). Somit ist Kommunikationsguerilla eine Form des Aktivismus, welche die Form und Taktik des Guerillakampfes, auf die Strukturen der Kommunikation überträgt. Durch gezielte Kampagnen, vorzugsweiße über computervermittelte Kanäle, wird versucht die Öffentlichkeit für die jeweiligen Aktionen zu sensibilisieren. Das Hauptinteresse der Bewegung gilt dem Loslösen von alt-etablierten Kommunikations- und Sozialstrukturen. Als Beispiel hierfür kann die Open- Source-Bewegung, als Teil der Kommunikationsguerilla, genannt werden, die als Alternative zu dem bestehenden Microsoft-Betriebssystem Windows das entgeltfreie Linux entwickelt hat (vgl. Wimmer 2007: 224). Der Erfolg dieses Modell lässt sich daran ablesen, dass sich mittlerweile auch Medien-, Informations- und Marketingguerilla etabliert haben.

Die vierte Institution von Gegenöffentlichkeit stellt der Netzaktivismus dar. „Der Begriff […] wird in der Literatur vor allem in einem engeren Sinn entweder für politische Onlineaktivitäten zivilgesellschaftlicher Akteure oder für Multimediakunstprojekte verwendet“ (ebd.: 215). Der Netzaktivismus hat in den letzen Jahren stark an Bedeutung für die gegenöffentliche Bewegung gewonnen. Vor allem durch die Zunahme an Social Media und Blogs und das damit verbundene Potenzial im Internet, hat die Form des elektronischen zivilen Ungehorsams einen neuen Wachstumsschub erhalten. Häufig wird der Netzaktivismus auch als Netzkritik bezeichnet, was vor allem in der heutigen Zeit sehr treffend ist. Hier nehmen sogenannte Watchblogs , wie z.B. bildblog.de oder spiegelkritik.de, eine wichtige Position hinsichtlich externer Medienkritik ein und fungieren als kritische Beobachter des Vermittlungssystems Journalismus (vgl. Trümper 2008: 82). Die neuen Medien bieten somit zahlreiche neue Möglichkeiten für Akteure der Gegenöffentlichkeit. Diese Möglichkeiten sollen nachfolgend im Einzelnen betrachtet werden.

2.4 Funktionen der neuen Medien

Zu den Funktionen der neuen Medien für die Gegenöffentlichkeit schreibt Wimmer: „[…]auch für die kollektiven Akteure der Gegenöffentlichkeit wie NGOs oder NSB gilt, dass sie nicht mehr ohne die neuen technischen Möglichkeiten gedacht werden (können). Mehr noch, sie rekurrieren in ihrer Funktionsweise hauptsächlich auf digitaler Kommunikation“ (Wimmer 2007: 216).

Eine wichtige Funktion stellt das weitreichende Mobilisierungspotential dar. Durch die weltweite Vernetzung und Erreichbarkeit durch das Internet, lassen sich viel schneller große Massen an Anhängern und Befürwortern mobilisieren, als vor den Zeiten der digitalen Medien (vgl. ebd.: 217). Ein Beispiel hierfür ist die Website www.bei-abriss-aufstand.de, die den Protest gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 organisiert. Die Organisation ist eine weitere wichtige Funktion der neuen Medien für die gegenöffentliche Bewegung. Durch die vielfältigen organisatorischen Möglichkeiten, wie z.B. das Einrichten von Mailinglisten, Chaträumen und Internetseiten besitzt vor allem das Internet ein weitaus größeres Potenzial der gezielten Organisation als die bisherigen konventionellen Medienarten (vgl. ebd.: 217 f.). „Daneben stellen die neuen Medien für Akteure aus dem Spektrum der Gegenöffentlichkeit auch eine Art Artikulationsfunktion dar. So finden sich im Internet Vertreter von Gegenöffentlichkeit, die (1) ihre marginalisierten Interessen vertreten wollen, (2) ein Forum für alternative Berichterstattung anbieten oder (3) die etablierte Medienberichterstattung kritisch beobachten“ (ebd.: S. 219). Ebenfalls eine Funktion der neuen Medien stellt der Protest dar. Während man früher zum Protestieren auf die Straße gehen musste, kann man heute die Möglichkeit des Cyberprotests wahrnehmen. Seine Ausgestaltung reicht dabei von elektronischen Kettenbriefen über Online-Sit-ins bis hin zu Hackerangriffen auf die Quelldateien von Webseiten (vgl. ebd.: 218 f.). Weitere Funktionen der neuen Medien sind die Emanzipation / Identitätsbildung, Information / Kommunikation (vgl. Kapitel 2.3) und die Subversion (vgl. hierzu Kommunikationsguerilla in Kapitel 2.3). Abschließend wird noch aufgezeigt, „dass die neuen Medien [generell] auf alle Ebenen öffentlicher Kommunikation Einfluss auf Gegenöffentlichkeit und deren Verhältnis zur Öffentlichkeit [nehmen]“ (ebd.: 220) (vgl. Abb. 1).

Hinzugefügt werden muss jedoch, dass die neuen computervermittelten Medien vor allem eine unterstützende Funktion für konkrete politische Aktionen haben. Die Nutzung des Internets als Werkzeug für die eigenen Ziele ist heutzutage sowohl für politische als auch für nicht-politische Akteure selbstverständlich (vgl. ebd.: 218). Um die nachfolgenden Praxisbeispiele nachvollziehen zu können, bedarf es noch der Klärung des Verhältnisses der Gegenöffentlichkeit zu den Massenmedien. Denn die gegenöffentliche Meinung verfügt zwar über eigene Publikationskanäle, ist aber, um eine große mediale Wirkung zu erzielen, immer noch auf die Resonanz in den Massenmedien angewiesen.

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Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Strategien der Gegenöffentlichkeit
Untertitel
Hacking, Kopieren oder Simulieren kommunikativer Botschaften
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für computervermittelte Kommunikation)
Veranstaltung
Online Relations: Das Internet und seine Folgen für die Öffentlichkeitsarbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V171031
ISBN (eBook)
9783640903009
ISBN (Buch)
9783640903306
Dateigröße
1471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gegenöffentlichkeit, Web 2.0, Hacking, Simulieren, Social Media
Arbeit zitieren
Peter Penjak (Autor), 2011, Strategien der Gegenöffentlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171031

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