Die vorliegende Arbeit untersucht Sigmund Freuds Konzept der Verdrängung und dessen postulierte Schlüsselrolle bei der Entstehung neurotischer Symptome, insbesondere von Angststörungen. Freud bezeichnete die Verdrängung als „Eckstein“ der Psychoanalyse. Sie fungiert als unbewusster Abwehrmechanismus, der das Individuum vor unerträglicher Angst oder Schuld schützt, indem inakzeptable Wünsche und Vorstellungen vom Bewusstsein ferngehalten werden. Der Prozess gliedert sich in die Urverdrängung, die eigentliche Verdrängung (Nachdrängen) und die „Wiederkehr des Verdrängten“. Letztere bildet das entscheidende Bindeglied zur Symptombildung: Da verdrängte Inhalte im Unbewussten aktiv bleiben, treten sie bei einem Scheitern der Abwehr in entstellter Form als neurotische Symptome in Erscheinung. So lässt sich beispielsweise eine Panikattacke als drastisches Beispiel für den Durchbruch ungebundener Angst bei versagender Verdrängung interpretieren. Trotz dieser theoretisch herausragenden Stellung unterzieht die Arbeit das Konzept einer kritischen Prüfung. Empirische Studien zur Gedankenunterdrückung liefern keine eindeutigen Belege für eine generell schwächere Unterdrückungsfähigkeit bei psychischen Störungen. Zudem belegt die Wirksamkeit alternativer Behandlungsmodelle wie der Kognitiven Verhaltenstherapie, dass Angststörungen auch ohne die primäre Bearbeitung verdrängter Inhalte erfolgreich therapiert werden können. Das Fazit der Arbeit lautet daher, dass die Verdrängung zwar im psychoanalytischen Modell die theoretische Schlüsselrolle spielt, ihre empirisch gesicherte und exklusive Kausalität für Angststörungen jedoch fraglich ist.
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- Anonym (Auteur), 2025, Einführung in die Psychoanalyse. Verdrängung und die Entstehung neurotischer Symptome, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1710374