Diese Hausarbeit untersucht, ob Demokratien wie die USA stärker in multilaterale Organisationen eingebunden sind als Autokratien wie China. Zwar führen die USA bei Mitgliedschaften und Finanzen, zeigen qualitativ aber Schwächen. China hingegen baut seinen globalen Einfluss und seine Beitragszahlungen strategisch aus.
In den letzten Jahren ist eine Zunahme autokratischer Staaten zu verzeichnen. Daneben sind Tendenzen zu vernehmen, welche auf einen Rückschritt der Demokratiequalität hindeuten. Dies wird vor allem durch die Formierung rechtspopulistischer Parteien sowie durch deren Regierungsteilnahme ausgelöst. Weiterhin sind auch autoritär agierende Staatsoberhäupter wie zum Beispiel Xi Jinping, Vladimir Putin, Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan für diese Regression verantwortlich. Militärcoups in West- und Zentralafrika in den vergangenen Jahren (Mali, Guinea, Tschad, Burkina Faso, Niger, Gabun) forcieren diesen Trend. Einige Demokratieindizes berichten über eine derzeitige Majorität der Autokratien, sodass mittlerweile mehr Menschen in geschlossenen Autokratien als in liberalen Demokratien leben. Eine weitere Perspektive eröffnet sich durch den politischen Systemkonflikt zwischen Autokratien und Demokratien, welcher nicht zuletzt aus der bereits genannten Zunahme von Autokratien und dem steigenden globalen Einfluss dieser ergeht. Betrachtet man die Theorien des Demokratischen Friedens, welche die Friedfertigkeit von Demokratien untereinander postulieren, so hat die Zunahme von Autokratien – kontrafaktuell – erheblich wichtige Implikationen für die globale Ordnung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Multilateralismus
2.2 Intergouvernementale Organisationen (IGOs)
2.3 Status Quo des Multilateralismus
3. Vorgehen
4. Forschungsergebnisse
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der zunehmenden Autokratisierung weltweit und der Krise des Multilateralismus, indem sie die multilaterale Einbindung der USA als demokratischem Hegemon und der Volksrepublik China als aufstrebender autokratischer Macht vergleichend analysiert. Ziel ist es, zu prüfen, ob Demokratien quantitativ und qualitativ stärker in internationale Organisationen eingebunden sind als Autokratien.
- Analyse der theoretischen Grundlagen des Multilateralismus und der Rolle intergouvernementaler Organisationen
- Vergleichende Untersuchung der Einbindung der USA und Chinas in IGOs
- Quantitative Auswertung der Mitgliedschaften und finanziellen Beiträge
- Qualitative Betrachtung des politischen Verhaltens innerhalb internationaler Gremien
- Diskussion über die Auswirkungen systemischer Rivalitäten auf die globale Ordnungspolitik
Auszug aus dem Buch
2.1 Multilateralismus
Die internationale Diplomatie lässt sich in unilaterale, bilaterale und multilaterale Ebenen untergliedern. Während die unilaterale Politik eines Staates lediglich die eigenen Interessen verfolgt (Wissenschaftliche Dienste des Bundestages 2003: 1), umfasst die bilaterale Politik die koordinierten Außenbeziehungen von zwei Staaten untereinander. Bei dem in dieser Arbeit relevanten Begriff des Multilateralismus [lat.: multi = viele; latus = Seite] hingegen, handelt es sich um „die Praxis der Koordination nationaler Politiken in Gruppen von drei oder mehr Ländern“ (Keohane 1990: 731). Die einzelnen Forscher:innen differenzieren hierbei zwischen einem quantitativen und qualitativen Verständnis. Demnach fokussiert sich der quantitative Multilateralismus von Keohane10 lediglich auf das Vorhandensein von drei oder mehr Staaten, die ihre Politik miteinander abstimmen, während der qualitative Multilateralismus zusätzlich die Ausübung dieser Politikkoordination und deren Qualität in den Blick nimmt. Die quantitative Definition bestimmt überwiegend die allgemeine Form der Arbeit, wobei die qualitative Definition von Ruggie (1992: 567, 571), postuliert, dass die kooperierenden Staaten auf der Basis generalisierter Prinzipien, jenseits partikularistischer Handlungen, die wesentlichen Tätigkeiten prägen. Phillips und Braun (2020: 19) beschreiben, dass es vornehmlich die westlich geprägten Normen, Prinzipien und Institutionen sind, die heutzutage die multilaterale, liberale Ordnung darstellen.11 Wichtig für das Verständnis dieser Tradition ist, dass multilateral nicht gleichgesetzt werden kann mit dem Begriff des Multilateralismus, da es auch Koordination ohne gemeinsame Prinzipien geben kann.
Diese Ebenen haben je nach Typ unterschiedlich hohe Kommunikationskosten: während der Unilateralismus keinerlei Verständigung mit anderen Ländern anstrebt, ist der Multilateralismus mit hohen Kommunikationskosten behaftet, da intensive Absprachen und Zugeständnisse aller Beteiligten vonnöten sind (Zürn et al. 2015: 227f.), um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen (Rohlfing 2009: 77).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der globalen Regression von Demokratien und der damit verbundenen Krise sowie Fragmentierung des Multilateralismus ein.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden die zentralen Begriffe Multilateralismus und Intergouvernementale Organisationen (IGOs) definiert und in den wissenschaftlichen Kontext eingeordnet.
3. Vorgehen: Das Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise, die Operationalisierung der Variablen sowie die Auswahl der Fallbeispiele (USA und China).
4. Forschungsergebnisse: Es erfolgt die systematische Auswertung der quantitativen Daten zu Mitgliedschaften und Beiträgen sowie die qualitative Analyse des Verhaltens beider Staaten in IGOs.
5. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und diskutiert die Zukunftsfähigkeit der multilateralen Ordnung im Kontext systemischer Rivalitäten.
Schlüsselwörter
Multilateralismus, USA, Volksrepublik China, Intergouvernementale Organisationen, IGOs, Internationale Ordnung, Demokratien, Autokratien, Außenpolitik, Globale Governance, Diplomatie, Systemkonflikt, Internationale Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einbindung von Demokratien und Autokratien in internationale Institutionen, um zu verstehen, wie sich globale politische Trends auf die Zusammenarbeit von Staaten auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Krise des Multilateralismus, der Systemkonkurrenz zwischen liberalen Demokratien und autokratischen Regimen sowie der Funktionsweise internationaler Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, ob Demokratien (am Beispiel der USA) eine quantitativ und qualitativ stärkere Einbindung in multilaterale Organisationen aufweisen als Autokratien (am Beispiel Chinas).
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Studie nutzt einen vergleichenden methodischen Ansatz, der eine quantitative Erfassung von IGO-Mitgliedschaften und finanziellen Beiträgen mit einer qualitativen Analyse von politischen Verhaltensweisen verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen, die methodische Vorgehensweise sowie die detaillierte Präsentation und Interpretation der gesammelten Daten zu den Fallbeispielen USA und China.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Multilateralismus, Systemkonflikt, IGOs, globale Governance und die Gegenüberstellung von demokratischen und autokratischen außenpolitischen Strategien.
Wie unterscheidet sich die Einbindung der USA von der Chinas in IGOs?
Während die USA historisch als Gründungsmacht tief in das System integriert sind und die höchste finanzielle Last tragen, zeigt sich bei China ein zunehmend proaktives Engagement, das auf eine strategische Mitgestaltung der globalen Ordnung abzielt.
Welche Rolle spielen finanzielle Beiträge bei der Bewertung der Einbindung?
Finanzielle Beiträge dienen als Indikator für das institutionelle Engagement; die Untersuchung zeigt dabei eine Diskrepanz zwischen den traditionell hohen US-Zahlungen und den rasant steigenden chinesischen Aufwendungen.
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- Umut Günes (Author), 2023, Multilateralismus als rein demokratisches Phänomen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1710407