Die Steuerbelastung in Industrienationen ist für Unternehmen beträchtlich. Für rationale unternehmerische Entscheidungen ist daher eine möglichst genaue „Kenntnis über die Höhe, die Zusammensetzung und die Natur der Steuerbelastung der Unternehmung“ notwendig.
Zur Quantifizierung der Unternehmenssteuerbelastung gibt es zwei Ansätze: Die kasuistische Veranlagungssimulation und die Teilsteuerrechnung.
Bei der kasuistischen Veranlagungssimulation „wird für den zu planenden Sachverhalt eine vollständige Veranlagungsrechnung durchgeführt bzw. simuliert.“ Die individuelle Besteuerungssituation lässt sich mit sehr hoher Genauigkeit abbilden, jedoch ist dies meist mit einem hohen Rechenaufwand verbunden.
Der zweite Ansatz, die auf Gerd Rose zurückgehende Teilsteuerrechnung, schafft Abhilfe. Bei diesem Vereinfachungsverfahren wird keine exakte Steuerberechnung durchgeführt, sondern es dient der Veranschaulichung und Vergleichbarkeit. „Die Teilsteuerrechnung eignet sich insbesondere für Planungsrechnungen, bei denen die bestehende Unsicherheit eine exakte Berechnung illusorisch macht“, wie die Investitions- und Finanzierungsrechnung.
Im Rahmen dieser Seminararbeit wird das Thema „Die Quantifizierung der Unternehmensteuerbelastung“ mit Hilfe der Teilsteuerrechnung bearbeitet.
Einleitend erfolgt in Kapitel 2 die Erklärung des Teilsteuerverfahrens mit den Unterpunkten „Ermittlung der Teilsteuersätze“ und „Steuerarten der Teilsteuerrechnung“. Die Bildung des Bemessungsgrundlagenanteils wird in Kapitel 3
dargelegt. In Kapitel 4 erfolgt die Ermittlung der Multifaktoren. Zusammenfassend werden in Kapitel 5 die Gesamtbelastungsgleichungen der Teilsteuerrechnung erklärt und im Anhang beispielhaft dargestellt. Kapitel 6 beschäftigt sich abschließend mit einer Beurteilung und Ausblick der Quantifizierung der Unternehmensteuerbelastung mit Hilfe der Teilsteuerrechnung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erklärung des Teilsteuerverfahrens
2.1. Ermittlung der Teilsteuersätze
2.2. Steuerarten in der Teilsteuersteuerrechnung
3. Bildung der Bemessungsgrundlagenteile
3.1. Basisgrößen
3.2. Modifikationen
3.3. Freibeträge
4. Ermittlung der Multifaktoren
4.1. Multifaktoren der PersG
4.2. Multifaktoren der KapG
5. Gesamtbelastungsgleichungen der Teilsteuerrechnung
5.1. Gesamtbelastungsgleichung der PersG
5.2. Gesamtbelastungsgleichung der KapG
6. Beurteilung und Ausblick
7. Anhang
7.1. Gesamtbelastungsvergleich PersG
7.2. Gesamtbelastungsvergleich KapG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die Möglichkeiten der Quantifizierung der Unternehmenssteuerbelastung mittels der Teilsteuerrechnung aufzuzeigen und deren Eignung als Instrument für betriebswirtschaftliche Planungsrechnungen zu evaluieren.
- Grundlagen und Methodik der Teilsteuerrechnung
- Differenzierung der Steuerbelastung zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften
- Ermittlung und Anwendung von Multifaktoren in der Steuerbelastungsanalyse
- Vergleich der Leistungsfähigkeit von Teilsteuerrechnung gegenüber der kasuistischen Veranlagungssimulation
Auszug aus dem Buch
2. Erklärung des Teilsteuerverfahrens
Das Ziel der Teilsteuerrechnung ist die Ermittlung von Teilsteuersätzen, welche ein unmittelbares Ablesen der Steuerbelastung erlauben. Die Teilsteuersätze werden folgendermaßen ermittelt:
Zuerst wird die juristische Bemessungsgrundlage analysiert und je nach Steuerart die wirtschaftliche Bemessungsgrundlage formuliert. Die Steuerlast ergibt sich aus dem jeweiligen Steuerfaktor, multipliziert mit der Bemessungsgrundlage, deren Parameter Reinertrag, Leistungsvergütungen, Ausschüttungen, Modifikationen und Freibeträge sind.
Nun werden Steuerarten-Grundgleichungen aufgestellt. Durch Ausmultiplizieren und Zusammenfassen der Grundgleichungen ergibt sich die Gesamtbelastungsgleichung. Die Steuersätze sind durch Gesamtbelastungsfaktoren ersetzt, den sogenannten Multifaktoren. Es wird nun deutlich, aus welchen Steuerfaktorkombinationen die Belastungen der Teilgrößen entstehen. „Dies ist das für betriebswirtschaftliche Belastungsanalysen letztlich wichtige Resultat.“
Durch die konkreten Steuersätze des Steuersystems werden die Multifaktoren ersetzt, sodass „aus dem Multifaktor (…) ein Teilsteuersatz“ wird. Die Steuerbelastung ergibt sich durch die Multiplikation mit den Freibeträgen, den Modifikationen und den Basisgrößen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Quantifizierung der Unternehmenssteuerbelastung und Vorstellung der Ansätze der kasuistischen Veranlagungssimulation und der Teilsteuerrechnung.
2. Erklärung des Teilsteuerverfahrens: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise zur Ermittlung von Teilsteuersätzen und der Notwendigkeit der Differenzierung nach Rechtsformen.
3. Bildung der Bemessungsgrundlagenteile: Darstellung der Komponenten Basisgrößen, Modifikationen und Freibeträge als Grundlage für die Steuerbelastungsrechnung.
4. Ermittlung der Multifaktoren: Beschreibung, wie durch die Multiplikation der Bemessungsgrundlagenteile mit spezifischen Multifaktoren die Steuerbelastung abgeleitet werden kann.
5. Gesamtbelastungsgleichungen der Teilsteuerrechnung: Zusammenführung der Teilsteuersätze zu Gesamtgleichungen für Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.
6. Beurteilung und Ausblick: Kritische Würdigung des Instruments der Teilsteuerrechnung als flexibles Planungswerkzeug im Vergleich zur komplexen Veranlagungssimulation.
7. Anhang: Praxisorientierter Vergleich der Gesamtbelastungen anhand von Beispielen für PersG und KapG.
Schlüsselwörter
Teilsteuerrechnung, Unternehmenssteuerbelastung, Multifaktoren, Personengesellschaft, Kapitalgesellschaft, Bemessungsgrundlage, Thesaurierungsbegünstigung, Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Steuerbelastungsanalyse, Veranlagungssimulation, Steuerreform 2008, Gewinnausschüttung, Abgeltungssteuer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Quantifizierung der Steuerbelastung von Unternehmen, wobei der Fokus auf dem methodischen Ansatz der Teilsteuerrechnung liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Systematik der Steuerarten, die Bildung von Bemessungsgrundlagen und die Ableitung von Teilsteuersätzen unter Berücksichtigung verschiedener Unternehmensrechtsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Eignung der Teilsteuerrechnung als vereinfachtes, aber aussagekräftiges Instrument für betriebswirtschaftliche Planungsrechnungen darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein methodischer Vergleich zwischen der komplexen kasuistischen Veranlagungssimulation und dem vereinfachten Verfahren der Teilsteuerrechnung nach Gerd Rose durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erklärung des Verfahrens, die Strukturierung der Bemessungsgrundlagen, die Ermittlung der Multifaktoren und die Aufstellung der Gesamtbelastungsgleichungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Teilsteuerrechnung, Multifaktoren, Steuerbelastung, Personengesellschaften sowie die aktuelle Unternehmenssteuerreform 2008.
Wie unterscheidet sich die Belastungsrechnung zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften?
Die Arbeit differenziert bei der PersG primär nach Gewerbesteuer- und Einkommensteuerbelastungen inklusive Thesaurierungsoptionen, während bei der KapG Ausschüttungs- und Thesaurierungsszenarien sowie verschiedene Anteilseignertypen betrachtet werden.
Warum ist die Teilsteuerrechnung für Planungszwecke geeignet?
Sie ermöglicht durch das Instrument der Multifaktoren eine schnelle und übersichtliche Analyse von Steuerwirkungen bei Variationen der Basisgrößen, ohne dass eine zeitintensive vollständige Veranlagungsrechnung erforderlich ist.
- Quote paper
- Marius Rombach (Author), 2009, Quantifizierung der Unternehmensteuerbelastung mit Hilfe des Teilsteuerverfahrens nach der Unternehmenssteuerreform 2008, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171122