Die seit den 1980er-Jahren vorherrschende Orientierung an einem „Ideal einer Marktwirtschaft für das 21. Jahrhundert“ (Froud et al. 2019) hat nicht nur institutionelle Reformen und konkrete Auswirkungen auf staatliche Strukturen hervorgebracht, sondern zugleich spezifische Deutungsrahmen (frames) etabliert, durch die gesellschaftliche Probleme interpretiert und politisch bearbeitet werden. Innerhalb dieser frames erscheinen öffentliche Dienstleistungen und Infrastrukturen primär als Kostenfaktoren oder Wettbewerbshemmnisse, während ihre grundlegende Bedeutung für soziale Stabilität, Versorgungssicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Hintergrund getreten ist. Die Publikation Die Ökonomie des Alltagslebens – Für eine neue Infrastrukturpolitik (Froud et al. 2019) setzt genau an dieser Leerstelle an, indem die Autoren/
innen jene Dienstleistungen und Infrastrukturen in den Fokus rücken, die für das Funktionieren des Alltagslebens unerlässlich sind, jedoch häufig politisch und diskursiv marginalisiert werden.
Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage, welche Deutungsrahmen in der vorgenannten Publikation zur Fundamentalökonomie als Gegenentwurf zu dominierenden marktwirtschaftlichen frames herangezogen bzw. ausgebildet werden und inwiefern diese Deutungsrahmen ökonomische Wertschöpfung sowie staatliche und unternehmerische Verantwortung neu konzeptualisieren und einordnen. Der Problemaufriss macht deutlich, dass der Ansatz der Fundamentalökonomie nicht allein als ökonomisches Konzept zu verstehen ist, sondern als diskursiver Deutungsrahmen, der alternative Sichtweisen auf Markt und Staat eröffnet.
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- Kim Wiesel (Auteur), 2026, Die Fundamentalökonomie und ihre Deutungsrahmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1711378