Was passiert, wenn religiöse Visionen vom Weltende nicht nur geglaubt, sondern politisch wirksam werden?
Rüdiger Tessmann untersucht apokalyptische Prophezeiungen in unterschiedlichen religiösen Traditionen und zeichnet nach, wie Endzeitvorstellungen von der altnordischen Mythologie über jüdische, christliche und islamische Quellen bis hin zu weiteren religiösen Überlieferungen entstanden sind. Anhand zahlreicher Originaltexte und historischer Bezüge zeigt das Buch, welche Motive sich wiederholen, wie sich Bilder von Untergang, Gericht und Erneuerung über Epochen hinweg wandeln und warum sie bis heute eine so starke Faszination ausüben.
Dabei bleibt es nicht bei einer reinen Darstellung religiöser Ideen: Tessmann richtet den Blick auch auf die politische Sprengkraft heiliger Texte. Er fragt, welche Risiken entstehen, wenn apokalyptische Deutungen fundamentalistisch gelesen und für gesellschaftliche oder politische Zwecke instrumentalisiert werden. So verbindet das Buch religionsgeschichtliche Analyse mit einer kritischen Reflexion über die Aktualität von Endzeitnarrativen in einer konfliktreichen Welt und zeigt, dass der aufgeklärte Umgang mit religiösen Schriften entscheidend ist, um ideologischen Missbrauch zu verhindern.
„Das angebliche oder tatsächliche Böse kann man nicht mit noch Böserem bekämpfen, lautet die Botschaft von Jesus. Übersetzt für persönliche und politische Konflikte heißt das: Wir kommen nur zum Frieden, indem wir versuchen, die Probleme des anderen zu begreifen.“ (Theologe und Psychoanalytiker Professor Eugen Drewermann beim Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie 2026 zur Deutung der Bergpredigt)
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- Rüdiger Tessmann (Author), 2026, Apokalyptische Prophezeiungen in verschiedenen Religionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1711825