Zivilgesellschaft und Wandel am Beispiel Ägyptens


Essay, 2011

7 Seiten


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Historischer Abriss

3. Versuch einer Definition

4. Kritische Anmerkungen

5. Perspektivischer Wandel am Beispiel Ägypten

6. Bibliographie

1.Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich mich mit dem Begriff der Zivilgesellschaft auseinander setzen. Insofern werde ich versuchen zuerst einen historischen Abriss zu skizzieren um den Bedeutungswandel, sowohl im wissenschaftlichen als auch im journalistisch-öffentlichen Sinn, zu erläutern. Dazu werde ich mich verschiedener Literatur bedienen, welche wir im Rahmen unserer Lehrveranstaltung, für welche auch diese Schrift entsteht, abgehandelt bzw. angesprochen haben. Ferner werde ich auf die zwei konkreten Fragestellungen eingehen die als Aufgabe an uns gestellt wurden, wobei ich für die Beantwortung der zweiten ein aktuelles Beispiel heranziehen möchte.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, auch auf die Gefahr einer schlechteren Benotung hin, dass aus aktuellem Anlass es sich, meiner Meinung nach als fruchtbar herausgestellt hat, die ursprüngliche Abgabefrist zu überschreiten. Doch zuerst möchte ich folgende Fragen abhandeln:

- Was ist Zivilgesellschaft?
- Wie kann Zivilgesellschaft Wandel hervorrufen – oder auch nicht?

2. Historischer Abriss

Der Begriff der Zivilgesellschaft lässt sich laut Jürgen Kocka, auf die „aristotelische Tradition“ zurückführen (vgl. Kocka, 2001: S. 66). Demnach wurde der Terminus vor allem im Zuge der Aufklärung von Autoren wie z.B. John Locke, Adam Ferguson, Charles de Montesquieu, Immanuel Kant u.a. propagiert. D. h. „Zivilgesellschaft wurde tendenziell im Kontrast zum Staat definiert“. Insofern richtete sich der Begriff gegen den Absolutismus. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff, vor allem im deutschsprachigen Raum, mehr und mehr mit dem Begriff der „Bourgeoisie“ und weniger mit der Kategorie der Staatsbürger assoziiert und spielte vielerorts bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts eine eher „marginale Rolle“. (vgl. ebd.: S. 66, 67)

Letztendlich erlangte das Wort „Zivilgesellschaft“ durch politische Agitatoren wie Vaclav Havel oder auch Györgi Konrád Popularität. Diese verwendeten den Terminus nämlich im Kontext ihrer Politischen Strategien, welche sich gegen Autokratien und Totalitarismus und für „Freiheit, Pluralismus und soziale Autonomie“ richteten. Des Weiteren verliehen Wissenschaftler wie Jürgen Habermas u.a. dem Begriff eine positive Konnotation. (vgl. ebd.)

Heute wird der Begriff – vor allem in der „Westlichen Welt“ - im Sinne „individueller Verantwortung“ und in Referenz zu „anti-Globalisierungs“ Strategien genutzt[1] (vgl. ebd.). Aber das Konzept der Zivilgesellschaft meint auch den Anspruch und das Recht auf „Freiheit aller Art, die Meinungsfreiheit und auch die Versammlungsfreiheit“ (vgl. Chandhoke, 2007: S. 607).

3. Versuch einer Definition

In den letzten 20 bis 30 Jahren ist eine sehr große Anzahl an Werken zum Thema Zivilgesellschaft entstanden. Dies führte dazu dass vor allem im internationalem Kontext, d.h. auch innerhalb des Entwicklungsdiskurses, divergierende Interpretationen und verkürzte Theoretische Auseinandersetzungen statt fanden (vgl. Malena et al; 2007: S. 338). Es kann an dieser Stelle, meiner Meinung nach, Niklas Luhmann nur zugestimmt werden, denn je „[…] mehr Sachverhalte ein Begriff übergreifen soll desto unbestimmter wird er“ (vgl. ebd. 1991: o. S.).

Jürgen Kocka, aber auch andere AutorInnen wie Detlef Pollack verorten insofern 3 Sphären sozialer Interaktion. Das bedeutet es existiert eine Zivilgesellschaft. Diese ist aber nicht aus der Gesellschaft herausgelöst, sondern mit den anderen zwei zentralen Bereichen - konkret handelt es sich um den Markt und den Staat – verbunden (vgl. Kocka, 2004: S. 68; vgl. Pollack, o. J.: S. 27, 28). Daraus folgt:

„wenn die Zivilgesellschaft von der politischen Macht und vom ökonomischen Markt getrennt ist, dann kann sie nicht die Gesellschaft im Ganzen repräsentieren. Die Zivilgesellschaft tritt daher auch nicht an die Stelle des Staates oder der Wirtschaft oder des Rechts oder anderer gesellschaftlicher Großsubjekte, sondern steht diesen gegenüber“ (vgl. ebd: S. 28).

Es lassen sich aber noch zwei weitere Charakteristika von Zivilgesellschaft feststellen. Einerseits ist „eine Form sozialer Handlung“ gemeint und andererseits ein Projekt mit „utopischen“ Ansprüchen (vgl. Kocka, 2004: S. 68).

Aus diesem Zugang ergeben sich aber mehrere Probleme. Denn es soll eine normative Definition vermieden werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Funktion von Zivilgesellschaft. Und letztendlich bleibt die Frage über welche Rolle der Staat in diesem Kontext spielen soll, d.h. inwieweit er sich zurückziehen oder engagieren soll (vgl. Pollack, o. J.: S. 26).

[...]


[1] Kocka verortet für den Begriff drei Dimensionen von Bedeutung. Es gibt seiner Meinung nach normative, deskriptive aber auch analytische Aspekte (vgl. ebd.: S. 68).

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Details

Titel
Zivilgesellschaft und Wandel am Beispiel Ägyptens
Hochschule
Universität Wien
Autor
Jahr
2011
Seiten
7
Katalognummer
V171207
ISBN (eBook)
9783640903764
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ägypten, Revolution, Zivilgesellschaft, Wandel, Demokratie, Soziale Umwälzung, Maghreb, Demonstrationen
Arbeit zitieren
Bojan Kustura (Autor), 2011, Zivilgesellschaft und Wandel am Beispiel Ägyptens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171207

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