In dieser Arbeit möchte ich mich mit dem Begriff der Zivilgesellschaft auseinander setzen. Insofern werde ich versuchen zuerst einen historischen Abriss zu skizzieren um den Bedeutungswandel, sowohl im wissenschaftlichen als auch im journalistisch-öffentlichen Sinn, zu erläutern. Dazu werde ich mich verschiedener Literatur bedienen, welche wir im Rahmen unserer Lehrveranstaltung, für welche auch diese Schrift entsteht, abgehandelt bzw. angesprochen haben. Ferner werde ich auf die zwei konkreten Fragestellungen eingehen die als Aufgabe an uns gestellt wurden, wobei ich für die Beantwortung der zweiten ein aktuelles Beispiel heranziehen möchte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Abriss
3. Versuch einer Definition
4. Kritische Anmerkungen
5. Perspektivischer Wandel am Beispiel Ägypten
Zielsetzung und Themenfelder
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, den Begriff der Zivilgesellschaft und dessen Bedeutungswandel sowohl in wissenschaftlichen als auch in journalistischen Kontexten zu untersuchen, um schließlich zu analysieren, wie zivilgesellschaftliche Akteure sozialen Wandel initiieren können.
- Historische Entwicklung des Begriffs der Zivilgesellschaft
- Theoretische Definitionsversuche und Abgrenzung zu Markt und Staat
- Kritische Analyse ethnozentrischer Konzepte und der Rolle der Familie
- Anwendung des Konzepts am Fallbeispiel der ägyptischen Revolution
Auszug aus dem Buch
5. Perspektivischer Wandel am Beispiel Ägypten
Ich weiß nicht wie viele Möglichkeiten es, im arithmetischen Sinn, gibt dass Zivilgesellschaft Wandel hervorrufen kann. Ich bin aber der festen Überzeugung dass die Weltöffentlichkeit gerade die praktische Umsetzung einer solchen Möglichkeit erlebt. Denn nichts weniger ist seit dem 25. Jänner 2011 in Ägypten passiert. Konkret kann gesagt werden dass der Zwang zu groß und der Konsens zu gering war (vgl. Candeias, 2007: S. 19). Das bedeutet dass die hegemoniale Klasse – mit Hosni Mubarak an der hierarchischen Spitze - es nicht länger geschafft hat ihre „korparativ-partikularistischen“ Interessen in „politisch-ethische“ Interessen zu verallgemeinern (vgl. ebd.).
Ich spreche hier auch von perspektivischem Wandel weil ich mich Luhmann anschließe der gemeint hat, dass eine Gesellschaft nicht einfach aufhören kann zu existieren – im Gegensatz zur Interaktion oder einer Organisation (vgl. ebd; 1991: o. S.). Von daher muss es notwendigerweise eine Zukunftsstrategie geben welche dem gesellschaftlichen Wandel vorausgeht. Insofern stellt sich die Frage wer die Akteure waren bzw. sind und in welchen Räumen jene soziale Interaktion stattfand, die zum Wandel geführt hat.
An dieser Stelle halte ich das Analytische Konzept des indischen Anthropologen Arjun Appadurai für hilfreich, der mit seinen „-scapes“ verschieden Räume von Vergesellschaftung beschreibt (vgl. ebd; 1996: passim). Beispielsweise berichtete der ORF dass die Kommunikation der DemonstrantInnen großteils über soziale Netzwerke im World Wide Web aber auch über Mobilfunk geschah und wesentlich von der „Bewegung des 6. April“ ausging (vgl. Weltjournal, 2011: passim). Dies stellt im Sinne Appadurai’s die so genannten „mediascapes“ bzw. „technoscapes“ dar (vgl. ebd; 1996: passim). Weiters wurde berichtet, dass das Wissen um die Methode der gewaltfreien Demonstration, die in den kulminierten Protesten am „Tahrir“ – Platz ihre konkrete Form annahm, aus Serbien herangeholt wurde (vgl. Weltjournal, 2011: passim). Insofern stellt dies einen „ideascape“ bzw. „ethnoscape“ im Kontext globalisierten Wissenstransfers dar (vgl. Appadurai, 1996: passim).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Zivilgesellschaft ein und formuliert die zentralen Fragestellungen hinsichtlich ihrer Rolle bei sozialem Wandel.
2. Historischer Abriss: Dieser Abschnitt zeichnet die Entwicklung des Begriffs von der aristotelischen Tradition über die Aufklärung bis hin zur zeitgenössischen Verwendung durch politische Akteure nach.
3. Versuch einer Definition: Hier wird der Versuch unternommen, Zivilgesellschaft theoretisch zu fassen, indem sie in Abgrenzung zu Staat und Markt als eigene Sphäre sozialer Interaktion definiert wird.
4. Kritische Anmerkungen: In diesem Kapitel werden die eurozentrische Perspektive des Konzepts hinterfragt und Probleme der Abgrenzung gegenüber der Familie sowie das Konzept der hegemonialen Klassen diskutiert.
5. Perspektivischer Wandel am Beispiel Ägypten: Dieses Kapitel veranschaulicht die theoretischen Überlegungen am aktuellen Beispiel der ägyptischen Protestbewegungen und deren global vernetzte Interaktionsräume.
Schlüsselwörter
Zivilgesellschaft, Wandel, Hegemonie, Staat, Markt, Soziale Interaktion, Ägypten, Tahrir-Platz, Globalisierung, Arjun Appadurai, Jürgen Kocka, Soziale Netzwerke, Politische Strategie, Autokratie, Pluralismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung und kritischen Analyse des Begriffs der Zivilgesellschaft sowie deren praktischer Rolle bei gesellschaftlichen Veränderungsprozessen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese des Begriffs, seiner aktuellen soziologischen Definition, der Kritik am universalistischen Anspruch des Konzepts und der empirischen Anwendung am Fall Ägypten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Bedeutungswandel des Begriffs zu erläutern und zu erörtern, inwiefern zivilgesellschaftliche Gruppen als Akteure sozialen Wandels fungieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene soziologische und politikwissenschaftliche Perspektiven zusammenführt und diese auf ein aktuelles politisches Ereignis anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung, eine theoretische Definition unter Einbeziehung systemtheoretischer und marxistischer Ansätze sowie eine Fallstudie zu Ägypten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zivilgesellschaft, Hegemonie, Wandel, soziale Interaktion, Globalisierung und das Fallbeispiel Ägypten sind maßgebliche Begriffe für die Arbeit.
Welche Rolle spielt die "Familie" in der Analyse der Zivilgesellschaft?
Der Autor hinterfragt die Trennlinie zwischen Zivilgesellschaft und Familie und weist darauf hin, dass diese durch moderne sozialwissenschaftliche Ansätze (z.B. Konstruktivismus) dekonstruiert werden muss.
Warum wird das Konzept von Arjun Appadurai herangezogen?
Appadurais Konzept der "-scapes" hilft dem Autor zu erklären, wie globale Wissenstransfers und virtuelle Räume (wie soziale Netzwerke) zur Organisation realer Protestbewegungen in Ägypten beigetragen haben.
- Quote paper
- Bojan Kustura (Author), 2011, Zivilgesellschaft und Wandel am Beispiel Ägyptens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171207