[...] Wir verkörpern unsere soziale Zugehörigkeit. Demnach muss der moderne Mensch darüber entscheiden, wer und was er ist. Er ist damit ständiger Schöpfer seiner selbst, seiner Individualität und seiner Persönlichkeit. Die Gestaltung seines Äußeren entscheidet in vielen Bereichen, ob er gewinnt oder verliert, ist also ein Mittel, seine Chancen im gesellschaftlichen Konkurrenzkampf zu erhöhen. „Da er überall vorzeigbar ist, eignet sich der Körper dazu in besonderer Weise.“ (Waldrich 2004, 63) Er wird zum Kapital. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit gezielten Inszenierungen und Modifikationen des Körpers, die hier unter dem Begriff des Schönheitshandelns subsumiert werden, welches thematisch in den Modernisierungsprozess eingebettet ist, weshalb es mir ein Anliegen war, diesbezügliche Erläuterungen an den Anfang der Arbeit zu stellen. Dabei stelle ich die These auf, dass die Modernisierung zwar mit einer Freisetzung des Individuums einherging, doch gleichzeitig aber auch eine Einbindung in standardisierte Normen stattfand. Dabei gibt die Gesellschaft klare Kriterien bezüglich der äußeren Erscheinung vor, nach denen wir unser Gegenüber bewerten. Entsprechend beschäftigt sich die Arbeit mit Schönheit und Schönheitsidealen, die sozial anerkannte Normen bilden und damit Orientierungspunkte in einer verunsicherten Gesellschaft bieten. In Bezug auf das Schönheitshandeln wird es vorerst um solche Praktiken gehen, die inzwischen so selbstverständlich geworden sind, dass man sie kaum mehr wahrnimmt. Dazu gehören Mode, der Umgang mit Kopf- und Körperbehaarung und Diäten. Hygiene, Schmuck, Schminke und Parfum, die ebenfalls diesem Feld zugehörig sind, finden keinen Eingang. Anschließend geht es mit Fitness, Tätowierungen sowie Schönheitsoperationen als extremster Ausprägung weiter unter die Haut.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. SCHÖNHEIT
2.1 Schönheit und Sozialisation
2.2 Schönheitsideale
2.2.1 Jugendlichkeit
2.2.2 Schlank gleich schön
2.2.3 Wider der Norm - Dicksein in unserer Gesellschaft
2.2.4 Fitness
3. SCHÖNHEITSHANDELN
3.1 Haare
3.2 Mode
3.3 Tätowierungen
3.4 Bodybuilding und Bodyshaping
3.5 Diäten
3.6 Schönheitsoperationen
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion und Inszenierung von Schönheit sowie das damit verbundene Schönheitshandeln in der modernen Gesellschaft. Sie geht der Frage nach, wie sich Individuen in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld durch die Arbeit am Körper sozial positionieren und wie gesellschaftliche Normen dabei internalisiert werden.
- Die Bedeutung von Schönheitsidealen als sozial anerkannte Normen.
- Die Auswirkungen der Sozialisation auf die Körperwahrnehmung und -gestaltung.
- Die Rolle des Körpers als Kapital und Medium zur gesellschaftlichen Partizipation.
- Die kritische Auseinandersetzung mit Schönheitspraktiken wie Haargestaltung, Mode, Diäten, Fitness und Schönheitsoperationen.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Jugendlichkeit
Der demografische Wandel in Deutschland schreitet immer weiter fort, die Generationen werden aufgrund der sich kontinuierlich verringernden Geburtenraten immer kleiner, weshalb die Bevölkerung, trotz Zuwanderungszuwachses, seit 2003 beständig zurückgeht. Das Alter der Bevölkerung nimmt immer weiter zu, was noch durch die stetig ansteigende Lebenserwartung begünstigt wird. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass sich die Einwohnerzahl in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2030 auf 77 Millionen Menschen belaufen wird, wovon 12,7 Millionen unter zwanzig sein werden, während die Gruppe derer, die 65 Jahre und älter sind, auf über 22,1 Millionen Menschen beziehungsweise 29 Prozent der Gesamtbevölkerung ansteigt.
Das Alter umfasst also mittlerweile eine längere Zeitspanne als Kindheit und Jugend zusammen und das in einer Gesellschaft, die das Altern als etwas Negatives bewertet, in der Jungbleiben einem gesellschaftlichen Wert entspricht. Der Alterungsprozess wird nicht als normaler Bestandteil des Lebens angesehen, der mit dem Tod endet. Dies würde die Endlichkeit vor Augen führen, folglich wird der Tod in unserer Kultur vielerorts tabuisiert. POSCH stellt fest, dass „unser Respekt nicht dem Alter [gilt], sondern in Wahrheit der Jugendlichkeit.“ Lob gebührt dem, der trotz seines Alters noch fit und eigenständig ist, der wesentlich jünger aussieht, als er ist, der für sein Alter noch attraktiv ist, bei dem Alter also gar nicht wirklich - zumindest nicht sichtbar - stattfindet.
Jugendlichkeit ist ein wesentliches Kriterium von Schönheit in unserer Gesellschaft, „wobei der Terminus ‚Jugendlichkeit’ im Gegensatz zu ‚Jugend’ sowohl die innere als auch die äußere Dimension beinhaltet.“ Äußerlich zeigt sich Jugendlichkeit vor allem an der Haut, die glatt, straff und faltenfrei sein sollte. Das bedeutet aber genau genommen „auch weniger Ausdruck, weniger Spuren, weniger Prägung und in letzter Konsequenz weniger Persönlichkeit.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die Thematik der körperlichen Dimension als zentrales Handlungsinstrument ein und thematisiert die zunehmende Konzentration auf den Körper als Darstellungsmedium in der Moderne.
2. SCHÖNHEIT: Das Kapitel untersucht Schönheit als einen vielschichtigen Interaktionsprozess und beleuchtet die kulturelle Veränderbarkeit von Schönheitsidealen sowie deren Funktion als soziale Orientierungshilfe.
3. SCHÖNHEITSHANDELN: Hier werden spezifische Praktiken wie Haargestaltung, Mode, Tätowierungen, Bodybuilding, Diäten und Schönheitsoperationen analysiert, die als Instrumente der Identitätskonstruktion und sozialen Positionierung dienen.
4. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass der Körper in der modernen Gesellschaft als Kapital fungiert, das durch ständige Arbeit und Anpassung an normative Ideale für den sozialen Erfolg optimiert werden muss.
Schlüsselwörter
Schönheit, Schönheitshandeln, Schönheitsideale, Sozialisation, Körperlichkeit, Individualisierung, Identität, Körperbesessenheit, Normalisierung, Leistungsgesellschaft, Stigmamanagement, Körperkult, Moderne, Selbstmanagement, Authentizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie moderne Schönheitsideale und die gezielte Gestaltung des eigenen Körpers (Schönheitshandeln) in unserer Gesellschaft als Mittel zur sozialen Positionierung eingesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Sozialisation, die kulturelle Konstruktion von Schönheitsidealen (wie Jugendlichkeit, Schlankheit und Fitness) sowie verschiedene Praktiken der Körpermodifikation und Selbstinszenierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die gesellschaftlichen Mechanismen hinter der "Körperbesessenheit" und die Ambivalenz zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Normierung durch Schönheitspraktiken zu durchleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer und kulturwissenschaftlicher Konzepte, um das Phänomen des Schönheitshandelns in den Modernisierungsprozess einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung des Schönheitsbegriffs und der Sozialisation sowie in eine detaillierte Betrachtung konkreter Schönheitspraktiken wie Mode, Diäten, Bodybuilding, Tätowierungen und Schönheitsoperationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Schönheitshandeln, Schönheitsideale, Identitätskonstruktion, Normalisierung, Körper als Kapital und soziale Positionierung.
Warum wird das Altern in der heutigen Gesellschaft so kritisch betrachtet?
Aufgrund des vorherrschenden Jugendlichkeitsideals wird Altern als "verbraucht" oder "unattraktiv" abgewertet, was massiven Druck auf Individuen ausübt, sich durch Optimierungstechnologien jünger zu präsentieren.
Welche Rolle spielt der Body-Mass-Index (BMI) bei der Konstruktion des Schlankheitsideals?
Der BMI dient laut der Autorin als strenge, oft problematische Klassifizierung, die Menschen unter Druck setzt, sich als "fett" zu stigmatisieren, und wird von Industrien genutzt, um den Markt für Diätprodukte zu befeuern.
Warum betreiben Menschen exzessive Körpergestaltung trotz gesundheitlicher Risiken?
Die Arbeit argumentiert, dass der soziale Druck, im Konkurrenzkampf mithalten zu können, und das Bedürfnis nach Autonomie und Zugehörigkeit dazu führen, dass gesundheitliche Risiken (z.B. bei Diäten oder Schönheitsoperationen) in Kauf genommen werden.
Inwiefern beeinflusst das Internet und die Medien das "Schönheitshandeln"?
Die Medien fungieren als Plattform der Normalisierung, indem sie retuschierte und künstliche Körperbilder präsentieren, die als unerreichbare Ideale den sozialen Druck zur individuellen Körperanpassung permanent erhöhen.
- Arbeit zitieren
- Julia Altmann (Autor:in), 2011, Schönheitsideale und Schönheitshandeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171215