Das International Social Survey Programme (ISSP)


Hausarbeit, 2011

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist das International Social Survey Programme?
Bisherige und künftige Umfragethemen des ISSP:

3. Herausforderungen in der Datenerhebung
3.1. Die Rolle des Staatsbegriffs in der Datenerhebung
3.2. Die Black Box „Staat“ im Wandel

4. Der Bedeutungswandel des Staatsbegriffs und die Konsequenzen für die Erhebung ISSP-Daten
4.1. Sonderfall Deutschand und der Unterschied zwischen Föderal- und Zentralstaaten
4.2. Die Bedeutung der Mittelebene in internationalen Vergleichen
4.3. Theoretische Herausforderungen beim Vergleich der erhobener Daten

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Für die effektive Datenerhebung zur Feststellung von Unterschieden zwischen gesellschaftlichen und staatlichen Gegebenheiten ist eine koordinierte und normierte Verfahrensweise notwendig. Hierfür etablierte sich das International Social Survey Programme (ISSP), welches sich der Erhebung von Daten zu verschiedenen sozialen, wirtschaftlichen und staatlichen widmet.

Natürlich sieht sich das ISSP bei seiner Arbeit bestimmten Herausforderungen in der Datenerhebung gegenübergestellt. Unterschiedliche Strukturen, Kulturen und Wirtschaftsformen in den zu vergleichenden Staaten erfordern besondere Maßnahmen zur Erhebung von Daten. Zudem ist die Welt und jeder einzelne Staat über die Zeit hinweg in einem fortwährenden Wandel begriffen, was wiederum Anpassungen in der Datenerhebung erfordert, aber auch wiederum den Vergleich mit anderen Staaten erschwert.

Vom traditionellen Staat, dessen Konsistenz sich einfach definieren lässt, bishin zu stabilisierten De-Facto-Regimes über Staaten, die in der Auflösung begriffen sind, besteht eine enorme Vielfalt dessen, was sich als Staat bezeichnen lässt. Der Begriff des Staats selbst hat wiederum binnen Jahrzehnten Wandel erfahren, wobei sich auch die Strukturen innerhalb dieser Staaten den Bedingungen anpassen mussten. Insbesondere stellt Deutschland für die Datenerhebung eine Besonderheit dar, die aufgrund des Zusammenschlusses zweier verschiedener Staaten aus zwei unterschiedlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsformen unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen.

Im Folgenden soll dargestellt werden, worum es sich beim ISSP handelt und welche Möglichkeiten es für die Datenerhebung in seinen Mitgliedsstaaten besitzt und inwieweit der Faktor Staat für die Erhebung von statistischen Daten erforderlich ist. Ferner soll geklärt werden, welchen Herausforderungen das ISSP in den Mitgliedsstaaten in Praxis und Theorie gegenübersteht und welche Lösungsansätze bestehen, eine effektive Datenerhebung trotz durchzuführen.

2. Was ist das International Social Survey Programme?

Das International Social Survey Programme ist ein internationales akademisches Umfrageprogramm, das seit 1985 jährliche Umfragen zu wechselnden sozialwissenschaftlichen Themen durchführt. Das ISSP besteht bereits seit 1984 und wurde durch verschiedene Forschungsinstitute aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, des damaligen Westdeutschlands und Australien gegründet. Heute nehmen am ISSP 46 Nationen, zumeist Industrienationen und wenige Schwellenländer, mit ihren Forschungsinstituten Teil (vgl. ISSP 2011). Das Entscheidungsgremium des ISSP ist die jährlich zusammentretende ISSP-Versammlung. Sie fällt die Entscheidungen über die Normen und Methoden der Datenerhebung, der Umfragethemen und die Inhalte der in den Mitgliedsstaaten anzuwendenden Fragebögen. Aufgabe des ISSP ist es nicht, Qualitätskontrollen der Umfragen durchzuführen. Ebenso findet auch keine Kostenunterstützung für die Mitgliedsstaaten statt. Die Datenerhebung ist alleiniger Verantwortungsbereich der ISSP-Mitglieder, welche die Infrastruktur und Geldmittel zur Verfügung stellen (vgl. ISSP 2011).

Bisherige und künftige Umfragethemen des ISSP:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Deutschland ist das zuständige Forschungsinstitut GESIS, Leibnitz-Institut für Sozialwissenschaften, das im Rahmen der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) aktuelle Daten über Einstellungen, Verhaltensweisen und Sozialstruktur der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland erhebt (vgl. GESIS 2011).

3. Herausforderungen in der Datenerhebung

Bis etwa 1945 war vergleichende Forschung vertikal ausgerichtet. Dies hatte den Zweck, festzustellen, inwieweit unterschiedliche Forschungsobjekte quantitativ und qualitativ besser oder schlechter im Vergleich zueinander stünden. Dies wandelte sich etwa nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, indem man die vergleichende Forschung horizontal ausrichtete, also eine gleichbedeutende Black Boxes konstruierte, die als Vergleichsobjekte dienen sollten (vgl. Scheuch 2000, S. 65). Als Black Box diente hierbei der Staat, wie er sich nach der Auffassung Vereinten Nationen (UN) konstruierte. Anhand dieser Black Box „Staat“ sollten in der Folge soziale Vergleiche zwischen den Gesellschaften der jeweiligen Staaten erfolgen (vgl. Scheuch 2000, S. 65 f.).

3.1. Die Rolle des Staatsbegriffs in der Datenerhebung

Probleme bestehen jedoch, da eine Gesellschaft nicht gleichzeitig auch ein Staat sein kann und ein Staat nur schwer eine Gesellschaft repräsentieren kann (vgl. Scheuch 2000, S. 66). Die UN-Definition eines Staates war zudem nicht auf alle staatlichen Gebilde anwendbar. So handelt es sich bei Myanmar um eine Militärdiktatur mit starker zentralistischer Ausprägung, jedoch ohne volle Kontrolle auf das Staatsgebiet. Das ehemalige Jugoslawien war ein dezentral organisierter Vielvölkerstaat, der zwar eine gemeinsame Gesellschaft proklamierte, jedoch enorme Unterschiede allein zwischen seinen Teilrepubliken aufzeigte. Konnten die wirtschaftlichen Daten Sloweniens beispielsweise mit denen westlicher Staaten Schritt halten, so konnte man bei der Teilrepublik Mazedonien die Maßstäbe eines Entwicklungslands anwenden. Zudem repräsentierte jede Teilrepublik für sich aufgrund der ethnischen und religiösen Zusammensetzungen völlig eigene Gesellschaften, wobei Slowenien als einzige Teilrepublik wirklich nahezu ethnisch und gesellschaftlich homogen war. Problematisch ist auch die Anwendung der Black Box „Staat“ auf Staatsgebilde, die keinen anerkannten Staat darstellen, jedoch ein stabiles De-Facto-Regime besitzen, das staatliche Funktionen auf einem anerkannten Völkerrechtssubjekt ausübt, selber aber keine staatliche Anerkennung besitzt. Beispiele hierfür sind die Republik China auf Taiwan, Transnistrien in Moldawien, Bergkarabach in Aserbaidschan und viele mehr (vgl. Scheuch 2000, S. 66 f.).

3.2. Die Black Box „Staat“ im Wandel

Nation Building wurde vor einiger Zeit noch als Zeichen gesellschaftlicher Entwicklung verstanden. Jedoch hatte die Entkolonialisierung desintegrierende Effekte für die sozialen Strukturen beispielsweise in den neu entstandenen Staaten Afrikas. So waren Völker, Stämme und Familien zunächst unter der Kolonialherrschaft in einem zusammenhängenden Kolonialgebiet verbunden, nach dessen Auflösung aber in den Grenzen meist multiethnischer und multisozialer Staaten mit willkürlicher Grenzziehung ihren bisherigen Sozialstrukturen entrissen (vgl. Scheuch 2000, S. 66 ff.). Die Grenzziehung zwischen den Republiken der inzwischen aufgelösten Sowjetunion stellte die formell die Bildung von Verwaltungseinheiten dar. Jedoch waren die Nachfolgestaaten zunächst durch den sowjetischen Zentralismus soweit jeder eigenen Autorität beraubt, dass sie nach ihrer Unabhängigkeit mit den Problemen grenzübergreifender Gesellschaften bei schwacher Ausprägung eigener Verwaltung konfrontiert waren (vgl. Scheuch 2000, S. 66 f.).

Der Staat als Black Box erweist sich als ungeeignet, wenn Staaten infolge von regionalen Zusammenschlüssen staatliche Kompetenzen an übergeordnete Gebilde abgeben, wie im Falle der Europäischen Union (EU), des North American Free Trade Agreement (NAFTA) und der Mercado Común del Sur (MERCOSUR). Der Begriff „Staat“ hat in heutiger Zeit eine andere Bedeutung und eine andere Qualität, als ihn die UN in den 1950er Jahren definierte (vgl. Scheuch 2000, S. 68).

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das International Social Survey Programme (ISSP)
Hochschule
Freie Universität Berlin  (OSI)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V171296
ISBN (eBook)
9783640905997
ISBN (Buch)
9783640905812
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ISSP, International Social Survey Programme, Statistik, Vergleichende Gesellschaftsforschung, Gesellschaftsforschung, ALLBUS, Volkszählung, Volksbefragung
Arbeit zitieren
Björn Piechotta (Autor), 2011, Das International Social Survey Programme (ISSP), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171296

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