Zoophilie (Sodomie) - Sexuelle Störung oder normales Entwicklungsstadium?


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das menschliche Sexualverhalten
2.1 Die Entwicklung des Sexualverhaltens

3. Sexuelle Störungen/ Paraphilien

4. Zoophilie (Sodomie) - sexuelle Beziehungen zwischen Mensch & Tier
4.1 Begriffsdefinition
4.2 Perversion?
4.3 Rechtliche Lage
4.4 Über Tier-Partner und Techniken
4.5 Zoophilie - Eine Studie

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jeder Mensch weist ein bestimmtes sexuelles Verhalten auf und jeder weiß, dass Menschen sexuell aktiv sind. Das sexuelle Verhalten bestimmt unseren Alltag mit. Wie genau es das tut und wie es sich beim Einzelnen äußert ist jedoch individuell unterschiedlich und privat, da die Sexualität einer der persönlichsten und privatesten Bereiche des Lebens ist.

Wir haben jedoch bestimmte Vorstellungen davon, wie normales und unnormales sexuelles Verhalten aussieht. Die Grenzen hierfür lassen sich nicht immer klar setzen. Unnormal ist etwas, wenn es von unserem eigenen Verhalten und von dem Durchschnittsverhalten der Bevölkerung abweicht. Unnormales Verhalten ist dann keine Privatsache mehr, wenn es anderen Menschen, bzw. Tieren schadet, sie nötigt oder gegen Regeln verstößt.

Es gibt verschiedene Arten von sexuellem Verhalten. Ob normal oder unnormal muss jeder für sich selbst entscheiden. Sexuelles Verhalten unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.

Schreibe ich in dieser Arbeit von ‚normal’, dann meine ich damit sexuelle Beziehungen zwischen Menschen, die sich in einer Liebesbeziehung befinden. Unter ‚unnormal’ verstehe ich ein Verhalten, dass von diesem ‚normalen’ Verhalten abweicht.

In der folgenden Hausarbeit werde ich eine kurze Einführung in das menschliche Sexualverhalten geben, bevor ich mich auf das männliche sexuelle Verhalten konzentriere. Des Weiteren werde ich auf sexuelle Störungen beim Mann eingehen und den Fokus meiner Arbeit auf die Mensch-Tier-Kontakte, bzw. Zoophilie des Mannes legen. In einem abschließenden Fazit möchte ich Gedanken anführen, wie Zoophilie in unserer heutigen Zeit einzuschätzen und ob es als sexuelle Störung einzuordnen ist.

Ich werde mich für meine Ausführungen auf diverse Quellen berufen. Darunter befinden sich Klinische Psychologie, der Pschyrembel, Wörterbuch Sexualität, sowie verschiedene Studien, die sich mit der Thematik beschäftigen. Es werden sowohl Sammelbände und Monografien, als auch Internetquellen verwendet.

2. Das menschliche Sexualverhalten

Sexualität im engeren Sinne bezeichnet die Ausprägung des Geschlechts eines Menschen (lat. ‚sexus’ = ‚Geschlecht’). Aufgrund der menschlichen Zweigeschlechtlichkeit handelt es sich also entweder um ein männliches oder ein weibliches Geschlecht. Im weiteren Sinne meint Sexualität auch das Intimverhältnis eines Menschen zu seinem/r Geschlechtspartner oder -partnerin. Sexualität bei Tieren beruht überwiegend auf deren Instinktverhalten. Der Reproduktionsaspekt ist für die Tiere ausschlaggebend für ihr sexuelles Verhalten. Menschen hingegen werden meist nicht von diesem Aspekt geleitet, sondern folgen damit dem inneren Trieb sexueller Befriedigung. Zudem unterliegt das menschliche Sexualverhalten „sozialen Einflüssen und Lernprozessen“ (Haeberle 1985). Der Mensch ist „ein Lebewesen mit einem äußerst intensiven Sexualverhalten ohne zyklische Einschränkung seiner Lust. Er kann aufgrund moderner Verhütungsmethoden den individuellen Lustgewinn zum Hauptzweck seiner Sexualität machen, ohne den primären Zweck (..), die Fortpflanzung fürchten oder berücksichtigen zu müssen“ (Haug-Schnabel/Bensel nach Nuber 1991, 71). Anders als bei den Tieren ist das Sexualverhalten der Menschen also nicht mit Fortpflanzung gleichzusetzen. Daher bezieht sich der Begriff menschlichen Sexualverhaltens „auf jedes Verhalten, bei dem eine ‚sexuelle Reaktion’ des Körpers zu beobachten ist“ (Haeberle, Erwin J. 1985).

Am weitesten verbreitet ist die Heterosexualität, das sexuelle Begehren einer Person gegenüber einer des anderen Geschlechts. Die heterosexuelle Art wird als Standard gesehen, was darauf zurückzuführen ist, dass nur bei ebendieser Norm die Fortpflanzung und damit „das Überleben der Art und der sozialen Gruppe“ (Haeberle 1985) gewährleistet werden kann. Aufgrund dieser Definition werden alle weiteren Arten als ‚Abweichungen’ oder ‚Varianten’ degradiert. Dazu gehören die Selbststimulierung, die Homosexualität, d.h. die gleichgeschlechtliche Ausrichtung des Sexualtriebs, die Bisexualität, bei der man sein Begehren auf beide Geschlechter ausrichtet, die Asexualität, bei der kein sexuelles Verlangen besteht, sowie fetischistische Sexualität. Der Fetischismus ist eine Form der Sexualität, bei der die sexuelle Begierde zum einen auf unbelebte Gegenstände wie z.B. Kleidungsstücke oder auf bestimmte Körperteile ausgerichtet wird oder sexuelle Begierde, die auf bestimmte Handlungen abzielt. Unter bestimmte Handlungen fallen unter anderem satanischer Sex oder Masochismus.

2.1 Die Entwicklung des Sexualverhaltens

„Maskulines und feminines Verhalten, die Bevorzugung bestimmter Sexualpartner oder bestimmter Formen des Sexualverhaltens werden nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ein für alle Male festgelegt, sondern entwickeln sich nach und nach“ (Haeberle 1985). Wie auch bei der Frau ist das Sexualverhalten eines Mannes also das Ergebnis von Lernprozessen, während der Kindheit und Jugend. Ausgangssituation hierfür ist die Geburt, bei der bereits ein innerer sexueller Trieb besteht. Diesen Trieb gilt es schon als Kleinkind zu befriedigen. Bei Neugeborenen unterscheiden wir zwischen der oralen, der analen und der phallischen Phase, bei denen sich der Lustgewinn jeweils auf die Mundregion, die Analregion und die Genitalien konzentriert. Im Laufe der Entwicklung lernt der Heranwachsende mit dem Trieb umzugehen und ihn zu kontrollieren. „Die Entwicklung der Persönlichkeit eines Kindes kann also auch (..) als Ergebnis des Widerspruchs zwischen biologischem Trieb und kultureller Unterdrückung“ (Haeberle 1985) beschrieben werden. Das Sexualverhalten spiegelt demnach nicht nur die persönlichen Neigungen wider, sondern auch die Normierungen und Wertvorstellungen der Gesellschaft, in der die Person lebt. Die Umwelt mit ihren zahlreichen sozialen Einflüssen hat einen nicht unerheblichen Anteil an der Entwicklung von Sexualität. Auch veränderte Umstände oder Situationen beeinflussen das Sexualverhalten. Es gibt also keinen Prototyp und kein ausgereiftes Endstadium des Sexualverhaltens, denn es entwickelt und verändert sich während des gesamten Lebens.

3. Sexuelle Störungen/ Paraphilien

In vielen Fällen treten ‚Störungen’ des ‚normalen’ Sexualverhaltens auf - die sexuellen Perversionen oder Paraphilien (lat. para= abweichend; philia= Liebe, Zuneigung). Hierbei handelt es sich um jede Variante, die von der sexuellen Normvorstellung der Heterosexualität abweicht. Darunter fallen sowohl Abweichungen bezüglich des Objektes, als auch der sexuellen Aktivität. Sexuelle Störungen sind also keine körperlichen Beeinträchtigungen oder welche der sexuellen Reaktion. Sexuelle ‚Störungen’ beziehen sich allein auf bestimmte Arten der Vorliebe, um seine sexuelle Lust zu befriedigen. Es liegt hierbei eine Abweichung im Objekt vor, von welchem die Betroffenen angezogen werden. Nach Masters ist es dem oder der Pervertierten unmöglich, „bei einem normalen Liebesobjekt sexuelle Befriedigung zu finden und es daher zu lieben“ (Masters 1970, 97). Diese ‚Störungen’ und Perversionen stellen demnach eine Form geschlechtlicher Aktivität dar, die bei dem von der Regel Abweichenden an die Stelle des heterosexuellen, also ‚normalen’, Koitus tritt.

‚Störung’ ist ein äußerst negativ belasteter Begriff, der jedes abweichende Verhalten als eine unnormale, krankhafte Äußerung beschreibt. Oft fallen Handlungen und Eigenschaften zu Unrecht unter den Begriff der ‚Störung’, denn Menschen urteilen nur mit dem Wissen um die Normvorstellungen. Da „unsere Moralvorstellungen, die Strafgesetze und die psychiatrischen Normen (..) nach wie vor von einem unreflektierten und sehr engen Verständnis von Sexualität“ (Haeberle 1985) zeugen, sind ‚Störungen’ teils unvermeidbar.

„Psychodynamische Theorien gehen davon aus, dass es sich dabei um Abwehrreaktionen handelt, die die Betroffenen vor verdrängten Konflikten schützen und eine Fixierung auf eine unreife Phase der psychosexuellen Entwicklung darstellen. Aus dieser Sicht hat der Betroffene vor allem Angst vor konventionellen heterosexuellen Beziehungen“ (Davison/ Neale/ Hautzinger 2007, 520).

Nach verhaltenstheoretischen und kognitiven Theorien „kann die Anziehungskraft von Objekten (..) auf eine zufällige klassische Kondition]ierung sexueller Erregung zurückgeführt werden“ (Davison/ Neale/ Hautzinger 2007, 520). Auch der Mangel an sozialen Fertigkeiten des Betreffenden wird für die Unfähigkeit, normale Beziehungen einzugehen, in Erwägung gezogen (vgl. Davison/ Neale/ Hautzinger 2007, 520).

Abweichendes Verhalten kann sowohl das Sexualobjekt, als auch die Art der Befriedigung betreffen. So fallen unter Perversionen Voyeurismus, Exhibitionismus, Frottage, Oralismus, Analismus, Sadismus, Masochismus, Transvestismus, Kleptolagnie, Pyrolagnie, Urolagnie, sowie Koprophilie genauso, wie Autoerotik, Homosexualität, Troilismus, Inzest, Pädophilie, Gerontophilie, Nekrophilie, Pygmalionismus, Fetischismus und Zoophilie (vgl. Haeberle 1985). Die Behandlung der ‚Störungen’ in der Sexualtheraphie hat zum Ziel, die Erregung durch den entsprechenden Reiz abzubauen und die Erregung durch konventionelle sexuelle Reize zu verstärken. Es wird zudem ein Training von sozialen Fertigkeiten und Empathie durchgeführt. Bei Männern kann ausserdem der Hormonhaushalt mit Hilfe von Medikamenten reguliert werden.

Unsere Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren viel toleranter geworden, was abweichende Praktiken der sexuellen Befriedigung betrifft. So zählen Oralismus, Analismus, Homosexualität und Troilismus, sowie bestimmte Fetische, die Kleidung, Körperteile oder Praktiken betreffen, nicht mehr zu einer Störung. Sie werden von der Gesellschaft toleriert und nicht als krankhaft angesehen. Anders bei der Zoophilie, auf die ich im Folgenden den Fokus legen möchte.

4. Zoophilie (Sodomie) - sexuelle Beziehungen zwischen Mensch & Tier

Zoophilie, Sodomie oder einfach Mensch-Tier-Kontakte stehen für sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren. Das Verlangen des Perversen richtet sich hierbei an Tiere. Eine Variante des sexuellen Verhaltens, die eines der „letzten sexuellen Tabus unserer Gesellschaft“ (Frey 2006) darstellt. Auch wenn die Handlungen in vielen Ländern nicht mehr rechtlich verfolgt werden, stößt diese Form der Sexualität bei dem Großteil der Gesellschaft auf Abscheu und Ekel und wird als unnormales Verhalten empfunden. Sie weicht von unserer Vorstellung ab, dass sexuelle Handlungen nur unter Individuen derselben Spezies statt finden.

4.1 Begriffsdefinition

‚Sodomie’ bezeichnet Mensch-Tier-Kontakte. Der Begriff wurde von der biblischen Stadt Sodom am toten Meer abgeleitet. Sodom wurde wegen ihrer Sittenlosigkeit und Sündhaftigkeit von Gott mit Feuer und Schwefel zerstört. Zunächst bezeichnete ‚Sodomie’ jedes sittenwidrige Verhalten. Er war gebräuchlich für Heterosexualität und vor allem für den Analverkehr zwischen zwei Männern. Im 19. Jahrhundert verstand man ihn auch als Pädophilie, bis er der Fachbegriff für Mensch-Tier-Kontakte wurde. Heute wurde dieser extrem negativ belastete Begriff durch ‚Zoophilie’ (griech.: zoon= Tier; philein= Liebe) ersetzt (vgl. Faust o.J.).

4.2 Perversion?

‚Sodomie’ ist, wie schon erwähnt, ein von den Normvorstellungen abweichendes Verhalten. Neben der Vorstellung von Heterosexualität, besteht auch jene, dass sexuelle Handlungen nur zwischen Individuen derselben Spezies praktiziert werden. Das Tier wird daher bei der ‚Zoophilie’ als anomales Liebesobjekt betrachtet.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zoophilie (Sodomie) - Sexuelle Störung oder normales Entwicklungsstadium?
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Sexuelle Störungen - In Beratung und Psychotherapie
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V171309
ISBN (eBook)
9783640906260
ISBN (Buch)
9783640906161
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zoophilie, Sodomie, sexuelle Störung
Arbeit zitieren
Sandra Garthaus (Autor), 2007, Zoophilie (Sodomie) - Sexuelle Störung oder normales Entwicklungsstadium?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171309

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