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Die EU-Osterweiterung anhand des Konstruktivismus

Title: Die EU-Osterweiterung anhand des Konstruktivismus

Seminar Paper , 2001 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Matthias Mißler (Author)

Politics - Topic: European Union
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Der Zerfall der Sowjetunion hat Europa in Unordnung gebracht. Die westeuropäischen Staaten wurden von dieser Entwicklung überrascht. Diese Umwälzungen stellten den europäischen Integrationsprozess vor eine große Herausforderung. Die Europäische Union entwickelte sehr schnell ein neues Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Sicherstellung der Stabilität des Kontinents. Es spielte sicherlich auch ein wenig Euphorie bei den europäischen Westmächten mit, als sie nach ihrem „Sieg über den Kommunismus“ zunächst mit dem Versprechen, alle europäischen Staaten in die europäische Union aufzunehmen, reagierten. Die Teilung des Kontinents sollte durch die Erweiterung der Union endgültig überwunden werden. Diese Euphorie sollte bald gebremst werden. Zwar hatte niemand von einer bedingungslosen Integration der zentral- und osteuropäischen Staaten gesprochen, aber nur allmählich wurde klar, dass die Erweiterung für die beiden Seiten, die Europäische Union und die neuen postkommunistischen Beitrittsbewerber, ein Test auf Leib und Nieren werden würde.

Just zu dieser Zeit des Umbruchs verlangte man in der Politikwissenschaft, genauer in ihrem Teilbereich der Internationalen Beziehungen, nach einem neuen theoretischen Ansatz. Die bisherigen Theorien, die auf dem Rationalismusprinzip basieren, wie der Realismus, der Liberalismus und der Institutionalismus, wiesen in dieser Welt der Umbrüche einige Unschlüssigkeiten auf und schaffen es nur noch in Teilbereichen die Weltpolitik zu erklären. Besonders auf dem speziellen Gebiet der Osterweiterung der Europäischen Union (OE) können ein paar Hypothesen der oben genannten Denkschulen falsifiziert werden. Die Forschung versuchte nun mit dem Konstruktivismus durch einen soziologischen Ansatz1 die Weltpolitik neu zu erklären. Die vorliegende Arbeit soll anhand des Konstruktivismus die OE erklären, ihren Verlauf skizzieren, sowie den zu erwartenden Ausgang prognostizieren. Zunächst wird dazu in einem kleinen Abschnitt auf den Grundansatz des Konstruktivismus eingegangen. Danach soll es um die Verarbeitung des konstruktivistischen Ansatzes mit dem Thema der OE der EU gehen und, daran orientiert im Hauptteil meiner Arbeit, um die Überprüfung der konstruktivistischen Hypothesen hinsichtlich der OE.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der konstruktivistische Ansatz

III. Der konstruktivistische Ansatz bei der Osterweiterung der EU

IV. Analyse der Osterweiterung anhand des Konstruktivismus

IV.1 Ausgangspunkt des europäischen Erweiterungsgedanken

IV.2 Analyse der aufgestellten Hypothesen zur OE der EU

IV.2.1 Aus der Sicht der EU

IV.2.2 Aus der Sicht der MOEL

IV.2.3 Ursachen für eine Rangordnung unter den Beitrittskandidaten

V. Warum kommt es bei den Beitrittsverhandlungen zu Verzögerungen bei der EU

VI. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den Prozess der Osterweiterung der Europäischen Union (EU) mithilfe des konstruktivistischen Ansatzes der Internationalen Beziehungen zu analysieren, den Verlauf zu skizzieren und den zu erwartenden Ausgang zu prognostizieren.

  • Anwendung konstruktivistischer Hypothesen auf den Prozess der EU-Osterweiterung
  • Untersuchung der Beweggründe für die EU-Erweiterung aus Sicht der Mitgliedstaaten
  • Analyse der Beitrittsinteressen der mittel- und osteuropäischen Länder (MOEL)
  • Erklärung von Verzögerungen im Erweiterungsprozess und institutionelle Herausforderungen
  • Gegenüberstellung von konstruktivistischen und neorealistischen Erklärungsansätzen

Auszug aus dem Buch

Der konstruktivistische Ansatz

Der Konstruktivismus nimmt an, dass die soziale Welt durch gesellschaftliches Handeln und die Sinninterpretationen der Akteure konstruiert wird. Der Konstruktivismus sieht die soziale Welt und ihre Strukturen also nicht als objektiv gegeben, sondern als intersubjektiv konstituiert an. Die Strukturen und Akteure konstituieren sich in der konstruktivistischen Grundannahme wechselseitig. Nationalgesellschaftliche und internationale Strukturen konstituieren Akteure. Sie vermitteln ihnen eine soziale Identität und verschaffen oder beschränken sie dadurch in ihren Handlungsmöglichkeiten. Die Akteure reproduzieren und verändern diese Strukturen aber ihrerseits durch ihre Interaktionen und ihre Alltagspraxis.

Akteurs- und Strukturbegriff sind im Konstruktivismus gleichermaßen offen. Alexander Wendt, der bei seinem vertretenen konstruktivistischen Ansatz als Hauptakteure speziell die Staaten in der internationalen Politik hervorhebt, vertritt dabei eine andere Strömung als andere Vertreter der konstruktivistischen Richtungen, die auch nicht-staatliche Akteure als entscheidend betrachten. Der realistisch geprägte Strukturbegriff von der „Anarchie“ in den internationalen Beziehungen wird von „Wendt“ folgendermaßen relativiert: „Anarchy is what states make of it“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der europäischen Umbrüche nach dem Zerfall der Sowjetunion und begründet die Notwendigkeit eines neuen theoretischen Ansatzes aus der Politikwissenschaft zur Erklärung der Osterweiterung.

II. Der konstruktivistische Ansatz: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus, insbesondere das wechselseitige Verhältnis von Akteuren und Strukturen sowie die Bedeutung von sozialen Normen.

III. Der konstruktivistische Ansatz bei der Osterweiterung der EU: Der Fokus liegt hier auf der Eröffnung der Beitrittskonferenzen und der theoretischen Einordnung des Erweiterungsprozesses als Versuch der Internalisierung freiheitlicher Werte.

IV. Analyse der Osterweiterung anhand des Konstruktivismus: Es erfolgt eine detaillierte Überprüfung der aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der EU-Perspektive, der MOEL-Perspektive und der Gründe für die entstandene Rangordnung bei den Beitrittskandidaten.

V. Warum kommt es bei den Beitrittsverhandlungen zu Verzögerungen bei der EU: Das Kapitel analysiert die internen Probleme der EU, wie institutionelle Reformnotwendigkeiten und den europapolitischen Dissens zwischen den Mitgliedstaaten.

VI. Schluss: Die Arbeit resümiert den hohen Erklärungsgehalt des Konstruktivismus für die allgemeine Dynamik der Osterweiterung, räumt aber ein, dass der Ansatz bei der Erklärung materialistischer und mikropolitischer Interessen an Grenzen stößt.

Schlüsselwörter

Konstruktivismus, EU-Osterweiterung, Internationale Beziehungen, Europäische Integration, Soziale Normen, MOEL, Identität, Beitrittsverhandlungen, Transformation, Europapolitik, Institutionelle Reformen, Demokratischer Frieden, Politische Kultur, Legitimität, Akteursverhalten

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Prozess der EU-Osterweiterung aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive unter Anwendung des konstruktivistischen Ansatzes.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Rolle sozialer Normen, Identitätsbildung von Staaten, Transformationsprozesse in den MOEL und die institutionellen Herausforderungen der Europäischen Union.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Erweiterungsprozess zu skizzieren, anhand konstruktivistischer Hypothesen zu analysieren und den möglichen Ausgang der Beitrittsverhandlungen zu prognostizieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theoretische Analyse auf Basis des Konstruktivismus durchgeführt, die durch die Auswertung bestehender Hypothesen und empirischer Daten zu den Beitrittskandidaten ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Motive von EU und MOEL analysiert, die Rangordnung unter den Kandidaten erörtert und die institutionellen Verzögerungsgründe innerhalb der EU untersucht.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind Konstruktivismus, europäische Integration, soziale Normen und die Identität der beteiligten Staaten.

Warum spielt der Begriff "Anarchy is what states make of it" eine Rolle?

Dieser Satz von Alexander Wendt dient dazu, den realistischen Strukturbegriff der Anarchie innerhalb der internationalen Beziehungen zu relativieren und die Bedeutung des Akteursverhaltens und der Wahrnehmung zu betonen.

Welche Einschränkung des Konstruktivismus wird am Ende der Arbeit genannt?

Die Arbeit stellt fest, dass der Konstruktivismus Schwierigkeiten hat, egoistische, materialistische Interessen und mikropolitische Konflikte innerhalb der EU-Mitgliedstaaten vollständig zu erklären.

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Details

Title
Die EU-Osterweiterung anhand des Konstruktivismus
College
University of Tubingen  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Proseminar: Einführung in die IB
Grade
1,7
Author
Matthias Mißler (Author)
Publication Year
2001
Pages
18
Catalog Number
V17132
ISBN (eBook)
9783638217767
ISBN (Book)
9783640202829
Language
German
Tags
EU-Osterweiterung Konstruktivismus Proseminar Einführung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Mißler (Author), 2001, Die EU-Osterweiterung anhand des Konstruktivismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17132
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