In den letzten Jahrzehnten bemühte man sich sehr, psychisch kranke Menschen aus Anstalten herauszuholen. Ermöglicht wurde dieser Schritt durch die Entwicklung wirksamer Medikamente gegen psychische Krankheiten. Im Zusammenhang mit dieser Eingliederungsoffensive wurde verstärkt darauf Wert gelegt, psychisch kranke Menschen als Mitglieder ihrer Familien und der Gesellschaft zu sehen.
Jeder Mensch braucht sozialen Rückhalt, um seine Grundbedürfnisse nach Fürsorge, Akzeptanz und seelischer Unterstützung- besonders in schwierigen Zeiten- zu decken. Sogar wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ein starker Rückhalt die Genesung von körperlichen und psychischen Krankheiten erheblich beschleunigen kann. Deshalb entscheiden sich immer mehr Angehörige dazu, ihre psychisch kranken Partner auch während einer akuten psychotischen Krise zu Hause zu betreuen, was allerdings nicht selten eine sehr große Belastung darstellt, da die Kranken in dieser Zeit kaum in der Lage sind, ihr Alltagsleben allein zu bewältigen. Die Angehörigen werden oft 24 Stunden am Tag, wochenlang, monatelang oder gar jahrelang hautnah mit der völlig rätselhaften Erkrankung ihres Partners konfrontiert und können sich der Belastung nicht entziehen. Noch dazu kommen die Erfahrungen der Ablehnung und Stigmatisierung, die man oft bei Nachbarn, Bekannten oder Verwandten erlebt, wenn man einen psychisch kranken Partner an seiner Seite hat. Ebenso stellen neben der Erkrankung des Partners und den Reaktionen der sozialen Umwelt auch Scham- und Schuldgefühle sowie die Reduzierung der sozialen Kontakte eine schwere Überforderung für die gesunden Partner da.
In dieser Studienarbeit werde ich die Auswirkungen vorstellen, welche eine Partnerschaft mit einem psychisch kranken Menschen nach sich ziehen sowie aufzeigen, welche Möglichkeiten der Bewältigung und Integration psychotischer Krisen sowohl dem gesunden als auch dem kranken Partner zur Verfügung stehen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Einführung “psychische Erkrankungen”
3. Definition Psychose
3.1 Erste Äußerung einer Psychoseerkrankung
3.2 Auslöser einer Psychose
3.3 Frühwarnzeichen einer Psychose
3.4 Symptome einer Psychose
4.Auswirkungen auf bzw. Veränderungen in der Partnerschaft mit einem psychisch kranken Partner
4.1 Veränderungsbereiche der persönlichen Situation der gesunden Partner
4.1.1 Seelische Belastungen und Gefühle des gesunden Partners
4.2 Veränderungsbereiche im alltäglichen Umgang miteinander
4.2.1 Absprachen
4.2.2 Kommunikation
4.2.3 Konfliktbewältigungsstrategien
4.3Veränderungen bzw. Auswirkungen einer psychischen Erkrankung auf wichtige Bereiche des partnerschaftlichen Zusammenlebens
4.3.1 Sexualität
4.3.2 Kinder- und Familienplanung
5. Behandlungsmöglichkeiten psychisch kranker Menschen
5.1 Pharmakotherapie
5.2 Psychotherapie
5.3 Soziotherapie
6. Hilfen aus dem Bereich der Sozialen Arbeit für psychisch kranke Menschen und deren Angehörigen außerhalb stationärer Einrichtungen
7. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Auswirkungen, die eine psychische Erkrankung – insbesondere eine Psychose – auf die Paarbeziehung hat. Ziel ist es, die Belastungsfaktoren für gesunde Partner aufzuzeigen und Strategien für einen konstruktiven Umgang sowie die Integration der Krise in den gemeinsamen Alltag vorzustellen.
- Psychose und ihre Symptomatik im partnerschaftlichen Kontext
- Belastungsbereiche für gesunde Partner (Alltag, Finanzen, Emotionen)
- Kommunikationsstrategien bei akuten psychotischen Krisen
- Konfliktbewältigung und die Rolle von Absprachen in der Beziehung
- Unterstützungsangebote der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Kommunikation:
Beim psychotischen Menschen gilt das, was wir Wirklichkeit nennen, nur eingeschränkt. Der Erkrankte lebt in einer anderen Realität als die “Normalen”. Die Dinge des Alltags haben für den Betroffenen eine andere Bedeutung. Zum Beispiel denkt der psychisch Kranke gerade über eine Person nach, da sieht er eine rote Ampel, die ihm- für sein Verständnis- signalisiert: “Stop, du darfst nicht mehr weiterdenken!”
Aus diesen diversen Wirklichkeitswahrnehmungen entsteht ein Kommunikationsproblem zwischen “Normalen” und “Kranken”. Der Normale kann mit der Realität des Betroffenen nichts anfangen und umgekehrt. Dennoch gibt es Möglichkeiten- wie uns der Kontakt zu Tieren demonstriert- eine tiefe Beziehung miteinander zu haben, ohne die gleiche Erlebnisweise der Wirklichkeit aufzuweisen. Wir können also auch auf empathische Weise miteinander verbunden sein, ohne, dass dabei intellektuelles Verständnis von Nöten wäre. Uns wohnt eine gewisse Basis inne, auf der wir uns verständigen können- nämlich unsere Gefühle und eingeübten Handlungsmuster. Zum Beispiel vermittelt der gesunde dem kranken Partner, der von Angst geschüttelt wird, Trost und Geborgenheit, wenn er ihn in den Arm nimmt und kann sich auch sicher sein, dass der Kranke diese Geste versteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die historische Entwicklung der Behandlung psychisch Kranker und die Bedeutung des sozialen Rückhalts durch Angehörige innerhalb der Familie.
2. Einführung “psychische Erkrankungen”: Differenziert kurz zwischen Neurosen und Psychosen und grenzt den Fokus der Arbeit auf das Krankheitsbild der Psychose ein.
3. Definition Psychose: Erläutert den Begriff der Psychose als tiefe existenzielle Krise und beschreibt Frühwarnzeichen sowie die symptomatischen Veränderungen des Erlebens.
4.Auswirkungen auf bzw. Veränderungen in der Partnerschaft mit einem psychisch kranken Partner: Analysiert detailliert, wie sich der Alltag, die Kommunikation, die Sexualität und die Zukunftsplanung durch eine Psychose in der Partnerschaft wandeln.
5. Behandlungsmöglichkeiten psychisch kranker Menschen: Stellt das Zusammenspiel von Pharmakotherapie, Psychotherapie und Soziotherapie bei der Behandlung vor.
6. Hilfen aus dem Bereich der Sozialen Arbeit für psychisch kranke Menschen und deren Angehörigen außerhalb stationärer Einrichtungen: Gibt einen Überblick über ambulante Unterstützungssysteme wie Sozialpsychiatrische Dienste, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen.
7. Schlusswort: Plädiert für einen stärkeren Abbau von Stigmatisierung durch Aufklärung und den persönlichen Kontakt zur Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Psychose, Partnerschaft, psychische Erkrankung, Angehörige, Soziale Arbeit, Krisenbewältigung, Kommunikation, Stigmatisierung, Sozialpsychiatrische Dienste, Unterstützung, Alltag, seelische Belastung, Therapie, Prävention, Lebensqualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen und Veränderungen in einer Partnerschaft, wenn ein Partner an einer Psychose erkrankt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf den Auswirkungen der Erkrankung auf den Beziehungsalltag, die Kommunikation, die seelische Verfassung der Partner und die verfügbaren Hilfsangebote.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Verständnis für die Belastungen des gesunden Partners zu schärfen und Wege aufzuzeigen, wie die Beziehung trotz Krisen stabilisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenrecherche, einschließlich Expertenratgebern, Angehörigenstudien und Konzepten der psychiatrischen Versorgung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Symptomatik der Psychose, die Auswirkungen auf die Partnerschaft, medizinische Behandlungsmöglichkeiten und ambulante Hilfen der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Psychose, Partnerschaft, Angehörigenbelastung, Krisenbegleitung, Kommunikation und soziale Unterstützung.
Warum ist die Kommunikation mit einem psychotischen Partner oft so schwierig?
Da der Erkrankte in einer eigenen, veränderten Realität lebt, stimmen die Wirklichkeitswahrnehmungen von gesundem und krankem Partner nicht überein, was zu Missverständnissen führt.
Welche Rolle spielt die "Vertrauensperson" in der Partnerschaft?
Die Vertrauensperson dient als Anker, um bei ersten Anzeichen einer Krise gemeinsam frühzeitig ärztliche Hilfe aufzusuchen und so Eskalationen zu vermeiden.
- Citar trabajo
- Katrin Bogner (Autor), 2005, Psychische Erkrankungen und ihre Auswirkungen auf die Partnerschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171492