Der Anteil akademisch ausgebildeter Pflegepersonen ist in Österreich im globalen Vergleich, insbesondere im Vergleich mit dem restlichen Europa, noch wesentlich geringer. Die demographische Veränderung und der komplexere Versorgungsbedarf der Bevölkerung erfordert eine Anpassung in Ausbildung, Praxis und Forschung durch eine erweiterte Pflegepraxis.
Welche Gründe gibt es für die späte Akademisierung der Pflege in Österreich, und welche Chancen zur möglichen Emanzipation der Profession Pflege ergeben sich in der Praxis für Pflegende mit tertiärem Bildungsniveau in Anlehnung an internationale Beispiele der Pflegearbeit, um den künftigen Anforderungen der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in Österreich gerecht zu werden?
Ziel dieser Arbeit ist es, die Hindernisse für die Akademisierung, den Einfluss der Akademisierung der Pflege und die daraus resultierenden Möglichkeiten und Chancen zur Emanzipation und damit zur Weiterentwicklung der Profession Pflege und ihrer Tätigkeitsfelder zu beleuchten. Ein weiteres Ziel ist das Aufzeigen internationaler Tätigkeitsfelder beruflich Pflegender als mögliche Vorbildfunktion für Österreich.
Die von Oktober 2024 bis April 2025 durchgeführte systematisierte Literaturrecherche ergab acht geeignete Studien. Die Chronologie der Recherche, die Auswahl der Literatur und die kritischen Bewertungen der Studien bilden die Grundlage für die Ergebnisdarstellung der Arbeit.
Die Synthese der Studien ergab, dass eine erweiterte Pflegepraxis durch Akademisierung der Ausbildung zu einer gesteigerten Patient*innenzufriedenheit, höherer Zufriedenheit der Pflegenden und langfristigen Kostensenkungen im Gesundheitsbereich führt.
Die Forschungsfrage konnte basierend auf den Ergebnissen der Studien beantwortet werden. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen müssen adaptiert werden, um die Praxis der Pflege in Österreich an das internationale Niveau anzugleichen. Weitere Forschung in verschiedenen Bereichen zur erweiterten Pflege ist erforderlich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problembeschreibung und Pflegerelevanz
1.2 Fragestellung und Zielsetzung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Was ist Pflege?
2.2 Historische Entwicklung der Pflege
2.3 Emanzipation allgemein und bezogen auf die Pflege
2.4 Profession – Professionalisierung
2.5 Tertiäres Bildungsniveau – Akademisierung allgemein und in der Pflege
3 Methodik
3.1 Recherche
3.2 Literaturauswahl
3.3 Kritische Würdigung
4 Ergebnisse
4.1 Tabellarische Darstellung
4.2 Hindernisse und Widerstände gegen die Akademisierung der Pflege
4.3 Erweiterte Pflegepraxis Advanced Practice Nurse/Communitiy Health Nurse
4.4 Interprofessionelle Zusammenarbeit
4.5 Gesundheitsförderung und Prävention
4.6 Patient*innenorientierte Versorgung und Kosteneffizienz
5 Diskussion
5.1 Methodische Diskussion
5.2 Inhaltliche Diskussion
5.3 Limitationen
6 Schlussfolgerungen und Ausblick
6.1 Bezugnahme auf Beantwortung der Forschungsfrage und Zielerreichung
6.2 Schlussfolgerungen und Ausblick für die Pflegepraxis
6.3 Schlussfolgerungen und Ausblick für die Pflegewissenschaft
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Gründe für die späte Akademisierung der Pflege in Österreich und beleuchtet die Chancen zur Emanzipation der Profession durch erweiterte Rollenprofile auf tertiärem Bildungsniveau. Ziel ist es, Hindernisse aufzuzeigen, den Einfluss der Akademisierung zu analysieren und internationale Best-Practice-Beispiele für die österreichische Praxis nutzbar zu machen.
- Akademisierung der Pflege als Voraussetzung für Professionalisierung
- Advanced Practice Nursing (APN) und Community Health Nursing (CHN)
- Interprofessionelle Zusammenarbeit im Gesundheitswesen
- Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung
- Patient*innenzufriedenheit und Effizienz im Gesundheitssystem
Auszug aus dem Buch
1.1 Problembeschreibung und Pflegerelevanz
Im Vereinigten Königreich sowie in den USA wurde bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts über die Etablierung der Pflegeausbildung an Universitäten nachgedacht, während im mitteleuropäischen Raum die Ausbildung einer Lehre gleichkam. 1988 empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Pflegeausbildung an Universitäten durchzuführen (Dieplinger et al., 2018).
Die WHO verabschiedete 2016 die Globale Strategie für Gesundheitspersonal: „Workforce 2030“. Es handelt sich um eine politische Agenda, die unter anderem Strategien festlegt, das Ungleichgewicht der Ausbildungsstandards und Hindernisse für die interprofessionelle Zusammenarbeit in den Bereichen Medizin und Pflege zu beseitigen (McIsaac et al., 2024).
In Österreich ist der Anteil akademisch ausgebildeter Pflegender noch wesentlich geringer als im restlichen Europa (Dieplinger et al., 2018). 2008 startete in Österreich die erste Ausbildungsinitiative für Advanced Nursing Practice (ANP). ANP-Masterprogramme werden zurzeit an den Fachhochschulen Wien, Krems und Linz angeboten. Auch an der Paracelsus Medizinischen Universität Salzburg (PMU) und an der UMIT (Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik) in Hall in Tirol, finden ANP Masterausbildungen statt (Herzog et al., 2024).
Der pflegerische Versorgungsbedarf der Bevölkerung wird mit einer Steigerung der Komplexität der Bedürfnisse einhergehen. Eine Anpassung der Ausbildung der Pflege im tertiären Bereich, und eine damit einhergehende Erweiterung der Aufgabenbereiche der Pflege, macht eine qualitative Verbesserung der akuten und chronischen Versorgung in Österreich möglich (Dieplinger et al., 2018).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt den aktuellen Stand der Pflegeausbildung in Österreich im Vergleich zu internationalen Standards und führt in die Problematik der Professionalisierung ein.
2 Theoretischer Hintergrund: Definiert zentrale Begriffe wie Pflege, Emanzipation und Professionalisierung und beleuchtet die historische Entwicklung sowie das tertiäre Bildungssystem.
3 Methodik: Erläutert das Vorgehen der systematisierten Literaturrecherche, die Auswahlkriterien für die inkludierten Studien und die Instrumente zur kritischen Würdigung.
4 Ergebnisse: Synthetisiert die Erkenntnisse der acht untersuchten Studien zu Themen wie Hindernissen bei der Akademisierung, APN/CHN-Rollen und interprofessioneller Zusammenarbeit.
5 Diskussion: Reflektiert die methodische Qualität der Arbeit und interpretiert die Ergebnisse im Hinblick auf den österreichischen Kontext sowie bestehende Limitationen.
6 Schlussfolgerungen und Ausblick: Beantwortet die Forschungsfrage, leitet Handlungsempfehlungen für Praxis und Wissenschaft ab und skizziert zukünftige Entwicklungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Advanced Practice Nursing, Family practices, Akademisierung der Pflege, Profession Pflege, primäre Gesundheitsversorgung, Community Health Nursing, interprofessionelle Zusammenarbeit, Gesundheitsförderung, Prävention, Emanzipation, Pflegeforschung, Pflegewissenschaft, Patient*innenzufriedenheit, Kosteneffizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Situation der Pflege in Österreich, insbesondere den Nachholbedarf bei der Akademisierung und die Potenziale durch eine erweiterte Pflegepraxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Im Fokus stehen die Hindernisse für eine akademische Ausbildung, das Berufsbild der Advanced Practice Nurse (APN) und der Community Health Nurse (CHN) sowie deren Rolle in der Primärversorgung.
Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?
Das Ziel ist es, Hindernisse und Chancen der Akademisierung zu beleuchten und anhand internationaler Vorbilder Wege für eine Emanzipation der Profession Pflege in Österreich aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer systematisierten Literaturrecherche, bei der acht geeignete Studien qualitativ und quantitativ kritisch gewürdigt und synthetisiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil präsentiert die Ergebnisse der Literaturanalyse, unterteilt in die Kategorien Hindernisse, erweiterte Pflegepraxis, interprofessionelle Zusammenarbeit sowie Gesundheitsförderung und Kosteneffizienz.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Akademisierung, Advanced Practice Nursing, Community Health Nursing, interprofessionelle Zusammenarbeit und Emanzipation der Pflege.
Warum wird die Akademisierung der Pflege als Emanzipationschance gesehen?
Durch akademische Bildung kann die Pflege eigenständiges wissenschaftliches Wissen generieren, sich als gleichwertiger Teil des Gesundheitssystems positionieren und so aus traditionellen, untergeordneten Hierarchiemodellen ausbrechen.
Welche Rolle spielt das Hamric-Modell für die Arbeit?
Das Hamric-Modell dient in einer der untersuchten Studien als theoretischer Rahmen, um zu untersuchen, welche spezifischen Aufgaben österreichische Pflegepersonen mit tertiärem Bildungsniveau in der Praxis tatsächlich übernehmen.
- Quote paper
- BSc Andrea Pichler-Neumayr (Author), 2025, Advanced Nursing Practice, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1715722