Warum werden Jugendliche kriminell?


Hausarbeit, 2010

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Verzeichnis

Einführung

Definition der Jugendkriminalität

Kindheit

Natalie

Leon

Anne

Ben

Katharina

Arbeitslosigkeit

Politischer Radikalismus

Ursachen

Prävention

Medieneinflüsse

Eigenreflexion

Quellenangabe

Einführung

Ein ganz normaler Arbeitstag in einer Pizzeria am Stadtrand von Kassel. Meine Freundin und ich freuen uns auf unseren Feierabend. Wir arbeiten dort 6 Tage die Woche, 12 Std. am Tag. Nicht jedes Gesicht kann man sich merken, doch eine Gruppe Jugendlicher fällt uns schnell ins Auge. Sie beobachten uns, machen Scherze, sind höflich, ausgelassen und fragen nach einem Treffen spät am Abend. Obwohl sie sehr jung sind willigen wir ein. Man sitzt zusammen, unterhält sich und ist gut gelaunt. Plötzlich fährt ein Wagen vor und ein 17-jähriger steigt aus. Lächelnd ruft er uns zu, er habe den Wagen grad „klar gemacht“ und wir sollen uns beeilen, denn die „Bullen“ kämen gleich.

Die Jugendlichen laufen zu ihm - bis auf meine Freundin und ich. Wir gehen unseres Wegs mit der Ausrede, schon müde zu sein und morgen wieder arbeiten zu müssen. Zu Hause angekommen ist uns eine Sache ganz klar: Diese Jugendlichen sind kriminell.

Doch wie definieren wir „jugendliche Kriminalität“?

Definition

Unter Jugendkriminalität versteht man die Summe aller Straftaten, die von jungen Menschen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr begangen werden. Man unterscheidet hier die strafunmündigen Jugendlichen bis zum vollendeten 14. Lebensjahr und die strafmündigen, vom 14. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Sie werden ausschließlich durch das Jugendstrafgesetz zur Verantwortung gezogen.[1]

Aggressives und kriminelles Verhalten haben in der Regel einen „psychischen Vorläufer“, der sich gerade in der Kindheit stark niederschlägt.

Kindheit

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Kinder die schon im Kindergarten oder in der Grundschule ein auffällig aggressives Verhalten an den Tag legen, später mit großer Wahrscheinlichkeit kriminell werden. Sie sind überdurchschnittlich schnell wütend oder gewalttätig, dann wieder auffallend schüchtern oder ängstlich, unruhig, nervös oder strahlen eine enorme Traurigkeit aus. Einige dieser Kinder werden später aus den Schulen verwiesen, da sie ihren Mitschülern gewalttätig gegenübertreten.[2] Aus was setzt sich nun dieser „Entwicklungspfad“ zusammen? Zum einen entwickeln sich die Persönlichkeit und die Emotionen aus genetischen und neurobiologischen Faktoren, auf der anderen Seite aber auch durch die soziale Umgebung, wie z.B. in der Schwangerschaft, Erziehung und der Umwelt. Gerade in den ersten Lebensjahren ist die Bindung zu der Mutter entscheidend. Ist dies eine innige, liebevolle Beziehung, haben die Kinder im späteren Leben einen sichereren Umgang mit ihrer Umwelt, sind weniger aggressiv oder ängstlich- so die Bindungstheorie.[3]

Doch wo genau liegt der Ursprung von aggressivem Verhalten?

Eine konkrete Antwort darauf gibt es nicht. Dennoch besteht die Möglichkeit, auf eventuelle Risikofaktoren hinzuweisen.

Betrachtet man die Erziehungsmethoden genauer, erkennt man, dass sie vier verschiedene Stilrichtungen enthalten:

Die autoritäre- und autoritative Erziehung, Verwöhnung und Vernachlässigung.

Bei der autoritären Erziehung geht es darum eine starke Kontrolle auf das Kind auszuüben und ihm im Gegenzug wenig Zuneigung zu schenken.

Auch bei der autoritativen Erziehung steht auf der einen Seite die Kontrolle, allerdings mit dem gleichen Maß an Zuwendung auf der anderen Seite.

Forscher fanden anhand verschiedener Studien heraus, dass Kinder, die autoritär erzogen werden, eher zu Aggressionen neigen.

Zusätzliche körperliche Gewalt in der Familie fördert dies.[4]

Was passiert also mit einem Kind, das Gewalt von den Menschen erfahren hat, die es doch eigentlich lieben und behüten sollten?

Wie empfindet es diese Situation, in der es schmerzhaft begreift, dass es nicht geliebt, sondern gedemütigt und erniedrigt wird?

Ich hatte die seltene Gelegenheit, fünf Jugendliche zu interviewen, deren erschütternde Lebensgeschichten aufzeichnen, auf welch unterschiedliche Weise junge Menschen ins gesellschaftliche Abseits geraten können:

Natalie

Mit 16 hatte sie das Gefühl wirklich abgerutscht zu sein, erzählt Natalie. Ein junges Mädchen, gerade 17 Jahre alt, mit strähnigem Haar und glasigen Augen.

Ihre Eltern leben getrennt und stehen in keinem guten Verhältnis zueinander. Mehrere Umzüge erschwerten es ihr, gute soziale Kontakte zu knüpfen und ein geregeltes Leben zu führen.

Ihre Eltern heirateten nur aufgrund der Tatsache, weil Natalie unterwegs war und ihre Mutter kein uneheliches Kind bekommen wollte.

Schnell ging jedes Elternteil seine eigenen Wege.

Die ständig wechselnden Partner bei Vater und Mutter, die Alkoholabhängigkeit der Mutter und der hohe Drogenkonsum des Vaters, führten letztendlich zur Trennung.

Natalie blieb bei ihrer Mutter, hatte allerdings noch weiter Kontakt zu ihrem Vater.

Im Alter von 13 Jahren konsumierte sie zum ersten Mal „harte“ Drogen.

Darunter fielen Koks, Pillen (Ecstasy = Amphetamin/ Halluzinogen/ Aufputschmittel)[5] und Pappen (LSD = Lysergsäurediethylamid/ Halluzinogen) die man sich auf die Zunge legt.[6] Im Alter von 9 Jahren lief sie von zu Hause weg. Sie schlief bei Freunden, bis sich das Jugendamt einschaltete. Bereits jetzt, festigte sich in ihr schon eine fatale Lebenseinstellung.

„Meine Eltern sind schlechte Vorbilder gewesen. Draußen lerne ich sowieso mehr, als in der Schule.“[7]

Durch ihren Vater war es ihr möglich, sich verschiedene Drogen zu beschaffen, auszuprobieren und zu dealen. Ihre Kunden waren im Alter zwischen 13 und 30 Jahren.

Als ihre Mutter davon erfuhr, setzte sie eine Kontaktsperre durch. Doch für Natalie war es ein nicht enden wollender Alptraum.

Täglicher Streit und handfeste Auseinandersetzungen waren für das junge Mädchen bald nicht mehr auszuhalten.

„Ich hätte mich zu Hause gegen meine Mutter wehren können, aber ich weiß wie es ausgegangen wäre - entweder würde sie nicht mehr leben oder ich.“[8]

Nach mehreren erfolglosen Therapien und einem Anti-Aggressions-Training, eskalierte es vor 5 Monaten das letzte Mal zwischen ihr und der Mutter, sodass sie endgültig die Wohnung ihrer Mutter verließ.

Sie lebt nun in der Nähe von Kassel und bemüht sich um einen Ausbildungsplatz. Zu ihrem Sozialarbeiter, hat sie kein gutes Verhältnis.

Zwar ist er eine enorme Stütze für sie in Behördenangelegenheiten, jedoch hat er es nicht geschafft, ein tragfähiges Vertrauensverhältnis zwischen sich und Natalie aufzubauen.[9]

Leon

„Jeden Tag spielten wir das Würfelspiel. Das heißt, wenn ich von der Schule kam, nahm mein Vater mich mit in sein Zimmer und gab mir 2 Würfel. Die Zahlen, die ich würfelte, zusammengenommen ergaben dann die Anzahl der Schläge die ich bekommen sollte. So war es dann auch, während meine Mutter einen Raum weiter im Sterben lag.“[10]

Im Alter von 14 Jahren verlor er seine Mutter, die nach langem Leiden dem Krebs erlag.

Sein Vater strafte ihn mit verschiedenen grausamen Methoden aufgrund der Vermutung, dass Leon nicht sein leiblicher Sohn sei.

Sehr früh fiel er schon unangenehm auf, schlug andere Kinder und quälte sie.

Er habe versucht, den Schmerz von zu Hause irgendwie zu kompensieren und manchmal fühle er sich dadurch besser, erzählt der junge Mann.

Inzwischen ist er 19 Jahre alt und lebt in geordneten Verhältnissen. Doch bis dahin war es ein langer steiniger Weg gewesen.

Leon wohnte in seiner Kindheit in einem sozial schwachen Stadtviertel und sein Freundeskreis bestand aus Jugendlichen, die ebenfalls schwerwiegende Probleme zu Hause hatten.

Gemeinsam zogen sie nachts durch die Straßen, brachen in Wohnungen ein, verkauften und konsumierten Drogen, stahlen Autos, überfielen andere Jugendliche, raubten sie aus und schlugen erbarmungslos auf sie ein.

Jahr für Jahr ging es so weiter bis Leon in eine Situation kam wo er merkte dass es nicht mehr weitergeht, denn sein Leben stand auf dem Spiel.

Er wurde gebeten eine bestimmte Menge an Betäubungsmittel von A nach B zu transportieren, konsumierte allerdings eine große Menge selber und verkaufte den Rest.

Der Abnehmer dieser Lieferung erfuhr es schließlich und passte Leon eines Abends vor dessen Wohnung ab. Mit einer Waffe auf ihn gerichtet verlangte er sein Geld zurück.

Leon erzählte mir, dass dieser Mann die Pistole auf sein Knie richtete und abdrückte, aber durch einen Glücksfall verfehlte ihn die Kugel und er konnte fliehen.

Durch weitere kriminelle Delikte gelang es ihm, die verlangte Summe zu besorgen und seine „Schulden“ abzuzahlen. Von da ab kehrte er der „kriminellen Szene“ den Rücken.

Er lebt nun in einer kleinen Wohnung bei Kassel, arbeitet und hat sich einen neuen soliden Freundeskreis aufgebaut.

Angezeigt und verurteilt wurde er allerdings nie.[11]

[...]


[1] Neues Universallexikon A-Z, Eco-Verlag GmbH Köln, 1998 Seite 422-423

[2] Wege aus der Gewalt, Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, Zentrale Geschäftsstelle Stuttgart, 2008, Seite 22-24

[3] http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/Seminare/moeller02/07bindung2/sub/index2.html

[4] Herausforderung Gewalt, Zentrale Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention, Armin Riedl & Volker Laubert, Stuttgart Seite 15

[5] Neues Universallexikon A-Z, Eco-Verlag GmbH Köln, 1998 Seite 219

[6] Neues Universallexikon A-Z, Eco-Verlag GmbH Köln, 1998 Seite 522

[7] Zitat Natalie

[8] Zitat Natalie

[9] Interview mit Natalie

2 Zitat Leon

[11] Interview mit Leon

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Warum werden Jugendliche kriminell?
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V171645
ISBN (eBook)
9783640913183
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
warum, jugendliche
Arbeit zitieren
Regina Gerstenberg (Autor:in), 2010, Warum werden Jugendliche kriminell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171645

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