Passau im 19. Jahrhundert


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,0

Kirstin P. (Autor)


Leseprobe

1. Einleitung

Die Stadt Passau erfährt im 19. Jahrhundert tief greifende Veränderungen. Durch die zu Beginn des 19. Jahrhunderts stationierten Besatzungstruppen, die Säkularisation und zuletzt auch durch die Kriege Napoleons, in denen Passau eine Schlüsselstellung einnimmt, wird das Gesicht der Stadt und der Gesellschaft weitreichend geprägt und weiterentwickelt. Insbesondere verändert sich die Nutzung der Klöster. Durch die Gemeindeordnung, sowie weiteren Neuerungen, wird der Weg zur modernen Staatsvereinheitlichung bis zur heutigen Zeit geebnet. Diese Arbeit bietet nicht nur einen Überblick über die Veränderungen in Politik, Kirche und durch Kriege, sondern geht auch auf die architektonischen, sozialen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein. So wird auf bauliche Veränderungen, infrastrukturelle Verbesserungen und Bedeutungen verschiedener Gebäude eingegangen. Die Stellung des Ober- und Niederhauses zu Beginn des Jahrhunderts behandelt diese Hausarbeit ebenso wie den mühevollen Werdegang der Passauer Sozialdemokraten, die als bestes Beispiel für das politische Geschehen in der Stadt dienen. Wirtschaftlich gesehen ragt die Donau-Metropole auch zur damaligen Zeit nicht hervor, sie ist nicht nur finanziell gebeutelt von den Kriegen am Anfang des Jahrhunderts. Dennoch soll hier das Brauereiwesen anhand des bemerkenswerten Aufstiegs der Innstadt-Brauerei sowie die Porzellanherstellung hervorgehoben werden. Ebenso soll ein Blick auf die Lebensumstände der Passauer geworfen werden, angefangen von den Lebensumständen in Kriegszeiten bis hin zur Rolle der Frau im Stadtgeschehen.

2. Säkularisation

2.1 Passau vor der Säkularisation

Österreichische Besatzungstruppen verlassen Ende 1800 die Stadt Passau, am 20. Dezember 1800 wird Passau von französischen Truppen besetzt1. Diese Truppen ziehen 1801 ab und der bischöfliche Hof kehrt nach Passau zurück1. Nach der Aufhebung des Bistums Passau im Februar 1803, fällt Passau an das Kurfürstentum Bayern1. „Am 22. Februar 1803 morgens 6 Uhr zieht die österreichische Besatzung ab und um 9 Uhr Vormittag rückt der bairische General v. Deroy mit dem 8. Linieninfanterieregiment in Passau ein.“ (Adressbuch der Stadt Passau, Ausgabe 1949/50;S. V) Gleichzeitig wird das Besitzgreifungspatent verkündet, Passau wird zur Grenzstadt und Hauptstadt des Unterdonaukreises1.

Nach der Säkularisation in Frankreich unter Napoleon werden im Frieden von Lunéville die Entschädigungsregelungen für die linksrheinischen deutschen Gebiete, die an Frankreich abgetreten werden müssen, getroffen2. Während der Verhandlungen, die zum Frieden von Lunéville führen, erhält Bayern am 24. August 1801 von Frankreich nicht nur die Zusicherung seines Bestehens sondern unter anderem auch das Hochstift Passau3. Die Pariser Konvention sieht am 26. Dezember 1802 die Dreiteilung des Fürstentums Passau vor3,4. Die Stadt , die Grafschaft Neuburg und andere Bezirke fallen an Bayern3,4. Das Abteiland östlich der Ilz an Kursalzburg und somit an Großherzog Ferdinand3,4.

Gebiete in Österreich fallen an den Kaiser. 1805 werden die Territorien beim Frieden von Preßburg neu zugeordnet3.

2.2 Säkularisation in Passau

Die durch die Säkularisation verursachte Umwälzung ist nicht nur für die Entwicklung der Kirche in Deutschland von epochaler Bedeutung, sondern führen auch in Passau zu tief greifenden Veränderungen, sowohl gesellschaftlich, wirtschaftlich als auch politisch. Ihre Rolle wird in der Heimatbeilage der Bayerischen Staatszeitung „Unser Bayern“ im Februar 1977 von Dietmar Stutzer wie folgt beschrieben:

„Es hat wohl im damaligen deutschen Sprachraum keinen Staat gegeben, in dem diese Säkularisierung des Geistes einen ähnlichen Einfluß gewonnen hat wie im Kurfürstentum Baiern. Die Lehre vom Obereigentum und Oberaufsichtrecht des Staates am Kirchenvermögen wurde fast zur Staatsdoktrin, der im Aufbau stehende absolute Staat des Montgelas forderte und erreichte die Unterordnung der Kirche unter den Staat und die totale Beseitigung aller geistlichen Privilegien mit der ausdrücklichen Begründung, daß „die Geistlichkeit aufhören müsse, einen Staat im Staate zu bilden und sich in weltlichen Handlungen den Gesetzen und der Obrigkeit des Staates zu unterwerfen habe.““

Der in D. Stutzers Beschreibung erwähnte Maximilian Graf von Montgelas ist geheimer Staatsminister des damaligen Kurfürsten Max IV. Joseph von Bayern (1799-1806) und geistiger Planer des Klosteraufhebung in Bayern4. Die Auswirkungen der Säkularisation sind in Passau besonders deutlich zum Ausdruck gekommen, da Passau einen hohen Anteil geistlicher Gebiete besitzt, zum Beispiel das Kloster St. Nikola, Mariahilf und das Kloster Niedernburg.

Die Aufhebung des weltlichen Fürstentums Passau wird am 25. Februar 1803 im Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg endgültig festgelegt und erhält somit Gesetzeskraft5. Der Passauer Fürstbischof Leopold Leonhard Reichsgraf von Thun verliert seine Reichsfürstenfunktion, Passau seine Residenzstadtstellung und das Domkapitel löst sich auf3. Der Fürstbischof erklärt am 22. Februar 1803 seinen Untertanen das Ende seiner Regierung, hält sie an, dem neuen Landesherrn Folge zu leisten und zieht sich nach Prag zurück, wo er 1826 stirbt5.Das gesellschaftliche Leben in Passau bricht zusammen3. Arbeitsplätze „bei Hofe“ wie zum Beispiel die der Devotionalienhändler, der Hoflieferanten und andere gehen verloren5. Die Mönche und Nonnen werden schikaniert und vertrieben und Besitztümer der Kirche beschlagnahmt und verkauft5. 1808 vertreibt man die Nonnen aus Niedernburg und das Gebäude verfällt allmählich5. Der Kreuzgang des Doms wird als Steinbruch freigegeben5. 1815 beginnt man mit dem Abbruch der Turmpyramide der Klosterkirche St. Nikola und 1818 folgt der Abbruch des Frontispizes3. Bis 1945 wird das Kloster St. Nikola von der bayerischen Armee beschlagnahmt und zu einer Kaserne und einem Militärhospital umfunktioniert5. Bibliotheksbestände, Gemälde, Interieur und andere Güter, die ehemals im Besitz der Kirche waren, werden beschlagnahmt und verkauft3,5. Die Passauer Kirchen sind dadurch nicht nur materiell geschädigt, sondern auch ein Teil der kulturellen Besonderheiten geht verloren3. Zwischen 1801 und 1809 verringert sich auch die Zahl der Wallfahrer nach Mariahilf erheblich3. Gläubiger, die dem Fürstbistum Darlehen gegeben haben, erhalten ihre Darlehen von Bayern vorerst nicht wieder zurück, da Bayern nicht bereit ist, den Anteil Österreichs als Nationalschuld zu übernehmen, obwohl Bayern nach dem Reichsdeputationshauptschluss dazu verpflichtet gewesen wäre3.

2.3 Das Bistum Passau nach 1803

Das angeschlagene Bistum Passau soll nach der Säkularisation erneuert werden. Jedoch erweist sich die Besetzung der Stellen als problematisch, da ab 1803 das Studium an der philosophischen Fakultät eingeschränkt worden ist6. Das Bistum Passau wird 1818 der Erzdiözese München-Freising unterstellt5. Im November 1821 wird ein neues Domkapitel gegründet und Karl Joseph Riccabona von König Ludwig I. zum Bischof ernannt6,7. Durch seine Arbeit gelingt es, die Diözese neu zu ordnen und Pfarreien, das Kloster Niedernburg und auch die Wallfahrt nach Mariahilf wieder zu beleben6. „Riccabona war der erste große Reformer des Bistums Passau nach der Säkularisation, der den Wiederaufbau der Ortskirche eingeleitet und der Ausbildung des Klerus neues Perspektiven gegeben hat.“ (F.X. Bauer, Das Bistum Passau unter Bischof Dr. Michael von Rampf (1889-1901), Seite 6).

3. Militärische Geschichte Passaus

3.1 Passau während der Kriege Napoleons

Während des 3. Koalitionskriegs steht Bayern an der Seite Frankreichs gegen England, Österreich und Russland3,5. 1805 wird die Stadt nach dem Rückzug der Österreicher an

[...]


1 Vgl. Adressbuch der Stadt Passau

2 Vgl. Encarta Enzyklopädie 2004

3 Vgl. Egon Boshof, Geschichte der Stadt Passau

4 Vgl. Ulrich Heltinger, Passau als Garnisonstadt im 19. Jahrhundert

3 Vgl. Egon Boshof, Geschichte der Stadt Passau

4 Vgl. Ulrich Hettinger, Passau als Garnisonstadt im 19. Jahrhundert

5 Vgl. M.W. Weithmann, Kleine Passauer Stadtgeschichte

3 Vgl. Egon Boshof, Geschichte der Stadt Passau

5 Vgl. M. W. Weithmann, Kleine Passauer Stadtgeschichte

6 Vgl. Prof. Dr. W. Schmid, Illustrierte Geschichte der Stadt Passau

7 Vgl. F. X. Bauer, Das Bistum Passau unter Bischof Dr. Michael von Rampf (1889-1901)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Passau im 19. Jahrhundert
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
Proseminar Einführung in die bayerische Landesgeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V171721
ISBN (eBook)
9783640913480
ISBN (Buch)
9783656834779
Dateigröße
7838 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
passau, jahrhundert
Arbeit zitieren
Kirstin P. (Autor), 2005, Passau im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171721

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