John Rawls - Der Vorrang des Rechten und die Ideen des Guten


Seminararbeit, 1998
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DIE WESTLICHE PHILOSOPHIE DES 20. JAHRHUNDERTS
2.1. Die Kantsche Pflichtethik
2.2. Die Utilitaristen
2.3. John Rawls' Synthese beider Philosophien

3. DIE ENTSTEHUNG DER GERECHTIGKEITSKONZEPTION VON JOHN RAWLS

4. DER VORRANG DES RECHTEN UND DIE IDEEN DES GUTEN
4.1. Die Grundlage: Rawls' Gesellschaftsbild
4.2. Die Idee des Guten als das Rationale
4.3. Die Idee der Grundgüter
4.4. Die Idee der zulässigen umfassenden politischen Konzeption des Guten
4.5. Die Idee der politischen Tugenden
4.6. Die Idee des Guten einer wohlgeordneten Gesellschaft

5. DER UTILITARISMUS UND DIE LEHRE KANTS IN GERECHTIGKEIT ALS FAIRNESS

6. SCHLUSSBEMERKUNG

Literaturverzeichnis:

Literaturnachweis:

1. EINLEITUNG

Was ist gut? Was ist gerecht? Zwei Fragen, auf die schon hunderte von Antworten gefunden wurden, die sich aber trotzdem beständig neu stellen. Bald schreiben wir das 21. Jahrhundert, und mit großen Schritten wird die Welt immer kleiner. Per Internet, Fax und E-Mail kann man von einer Sekunde zur nächsten Kontakte zum anderen Ende der Erde aufbauen. Flugzeuge legen in wenigen Stunden Strecken zurück, für die noch vor einigen Jahrhunderten das Leben riskiert wurde. Die Grenzen zwischen Ländern und Kulturen verschwimmen immer mehr. Sateliten lassen Asien, Afrika oder den Nordpol in unseren Wohnzimmern erscheinen. Je bunter und vielfältiger unsere Gesellschaften aber werden, um so schwerer scheint es dem Einzelnen zu fallen, Orientierung zu finden. Traditionen, die oft die Frage nach gut oder schlecht, gerecht oder ungerecht beantwortet haben, verlieren immer stärker an Bedeutung, und Begriffe wie Moral und Ethik scheinen leer in Anbetracht des Zerfalls der Sitten. Armut, Korruption und Gewalt flimmern nicht nur im Fernseher.

Aggressivität und Ellenbogenverhalten oder das Ausgrenzen anderer sind für viele schon Alltag geworden. Ethik und Moral müssen mit neuem Leben erfüllt werden, will man diesem Zusammenbruch zwischenmenschlicher Beziehungen entgegenwirken. Das Thema Gerechtigkeit tritt auch in unserer Wohlstandsgesellschaft - oder gerade hier - mehr in den Mittelpunkt. Seit dem Ende der 60-er, Anfang der 70-er Jahre stellen sich Philosophen wie Jürgen Habermas und John Rawls erneut dieser Frage. Aufgrund persönlicher Erfahrungen kamen sie zu der Erkenntnis, daß wir mit unserem Handeln dazu beitragen, daß sich die Armut auf der Welt immer weiterentwickelt. Aus der Pflicht heraus, nichtmehr an einer armutserzeugenden Gesellschaft teilnehmen zu dürfen, entwarfen sie neue Gerechtigkeitstheorien.

In meiner Arbeit möchte ich auf die Gerechtigkeitskonzeption eingehen, die der US-Amerikaner John Rawls 1975 in seinem Werk "Eine Theorie der Gerechtigkeit" veröffentlichte. In Kapitel 7 erläutert er den "Vorrang des Rechten und die Ideen des Guten" und zeichnet sein Gesellschaftsbild. Er verknüpft dabei die vorherrschende europäische philosophische Tradition, die eng mit Kant verbunden ist, mit der angelsächsischen Theorie des Utilitarismus. Ausgehend von einer kurzen Einleitung in diese beiden philosophischen Gedankenwelten, werde ich Rawls Gerechtigkeitskonzeption für eine liberale und pluralistische Gesellschaft vorstellen, wobei ich abschließend auf die Verknüpfung Kantscher Pflichtethik mit utilitaristischen Ideen eingehen werde. Dies wird mir allerdings nur ansatzweise möglich sein, da dieses Thema so umfangreich ist, daß es den Rahmen meiner Arbeit sprengen würde.

2. DIE WESTLICHE PHILOSOPHIE DES 20. JAHRHUNDERTS

Will man die philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts in Europa und den USA analysieren, so muß man wesentlich weiter, nämlich ins 18. und 19. Jahrhundert, zurückgreifen. Und man muß berücksichtigen, daß der angelsächsische Raum (Großbritannien, USA) und Kontinentaleuropa getrennte Wege gingen.

Die kontinentaleuropäische Philosophie war stark von dem Einfluß Kants geprägt. Alle Theorien, die auf seinen Tod im Jahre 1804 folgten (z.B. Marxismus, Existenzialismus), konnten nicht umhin, sich mit den Ideen Kants auseinanderzusetzen. Zu groß und umfassend war sein Werk. Im angelsächsischen Raum dagegen herrschte der Utilitarismus vor. Bis heute hat diese Strömung ihre Dominanz beibehalten.

Die Grundzüge sowohl der Ideen Kants als auch die des Utilitarismus werde ich im Hinblick auf Moral und Ethik in den kommenden zwei Kapiteln kurz erläutern, bilden sie doch, wie in der Einleitung schon erwähnt, die Grundlage zu Rawls' Werk.

2.1. Die Kantsche Pflichtethik

Immanuel Kant, 1724 in Königsberg, Preußen, geboren, ist wohl unbestreitbar der Philosoph, der im vergangenen und in diesem Jahrhundert den europäischen Raum am nachhaltigsten beeinflußt hat. Oder, wie Hans Joachim Störig es formulierte, "Niemand, der mit dem Anspruch auftritt, in der Philosophie etwas Neues und Selbständiges zu lehren, kann mit reinem intellektuellem Gewissen der Auseinandersetzung mit Kants kritischem Werk ausweichen" (H.J. Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Frankfurt am Main, 1996, S.435).

Kant entwarf eine vollkommen neue Philosophie von Ethik und Moral, eine au tonome, selbstbestimmte Ethik[1]. Er war der erste Philosoph, der Ethik und Moral nicht mehr von Gott herleitete, sondern sie in die Hände eines jeden einzelnen legte. Der Mensch, so sagte er, bestimmt sich selbst und somit auch die Grundsätze, nach denen er handelt. Seine Ethik ist eine Vernunfts- und Pflichtethik: der Verstand sagt dem Menschen, daß es seine Pflicht ist, gut zu handeln. Denn Glück muß man sich verdienen. Was aber ist gut? Woher nimmt der Mensch seine Maßstäbe? Er setzt sie sich selbst. Kant schlußfolgerte, daß nichts gut ist, außer dem guten Willen. Daraus leitet er sein Gebot für den Grundsatz einer jeden Handlung ab. Dieses Gebot, welches besagt, daß ein jeder immer so handeln soll, daß die Maxime seines Handelns ein allgemeines Gesetz werden kann, ist bekannt geworden unter dem Begriff des kategorischen Imperativs.

Die Philosophie Kants richtet sich also an jeden einzelnen. Niemand anders, also kein Gott, kein Herrscher, keine anderen Institutionen, können für eigenes Fehlverhalten verantwortlich gemacht werden. Selbst Kritiker Kants können nicht umhin, zuzugeben, daß Kant eine anstrebenswerte Ethik begründet hat. Allerdings ist der Mensch mit dem hohen Anspruch dieser Philosophie im allgemeinen überfordert. Deshalb entwickelte sich eine Art Gesinnungsethik, das heißt, jeder erkennt Kants Ideale als notwendig für seine persönliche Handlung an. Sich danach dann aber auch zu richten, ist eine ganz andere Frage. Das Problem der Motivation zur tatsächliche Umsetzung der Kantschen Maßstäbe konnte bisher nicht gelöst werden.

Trotzdem, Kants Theorie ist in ihren Grundfesten durch keine Kritik zu erschüttern. Seine Ethik hat auch nach 200 Jahren nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Sie lebte selbst in der Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Mit der Bildung zweier völlig entgegengesetzter Blöcke - dem kapitalistischen in Westeuropa und dem sozialistischen in Osteuropa - kam es auch zu einer Aufsplittung der philosophischen Denklinien. Kant aber behielt seinen Einfluß sowohl in Westeuropa, wo es augenscheinlicher war, als auch in Osteuropa, wo er zwar durch den Marxismus/Leninismus in den Hintergrund gedrängt, seine Lehre aber keineswegs verneint wurde. Diese nochmalige Aufteilung europäischen Gedankenguts spielt bei der Entwicklung von Rawls Konzeption der Gerechtigkeit keine unmittelbare Rolle, so daß ich sie in meiner Arbeit unberücksichtigt lassen werde.

2.2. Die Utilitaristen

Auch die utilitaristische Philosophie ist noch vor dem 20. Jahrhundert entstanden und bis heute in den angelsächsischen Ländern lebendig geblieben. Ihre zwei Hauptbegründer sind Jeremy Bentham (1748-1832) und John Stuart Mill (1806-1873)[2]. Auch diese Philosophie beschäftigt sich mit den Grundlagen für das menschliche Handeln. Sie ist ebenfalls eine rationale Philosophie, bietet aber ganz andere Ansätze auf die Fragen nach der Definition des Guten und den Maßstäben menschlichen Handelns. Eine Tat messen die Utilitaristen an ihren Folgen: "'Gut' ist die Handlung, die der größtmöglichen Zahl von Menschen den größtmöglichen Nutzen (oder Glück oder Lustgewinn) bringt" (H.J. Störig: Kleine Philosophie der Weltgeschichte. Frankfurt am Main, 1996, S.708).

[...]


[1] vergl. hierzu u.a.: Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft (1781); Kritik der praktischen Vernunft (1788); Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793)

[2] vergl. hierzu: u.a. John Stuart Mill: System der deduktiven und induktiven Logik

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
John Rawls - Der Vorrang des Rechten und die Ideen des Guten
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Veranstaltung
Ethik und Politik in der politischen Philosophie der Gegenwart
Note
1,7
Autor
Jahr
1998
Seiten
17
Katalognummer
V17180
ISBN (eBook)
9783638218153
ISBN (Buch)
9783638788069
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John, Rawls, Vorrang, Rechten, Ideen, Guten, Ethik, Politik, Philosophie, Gegenwart
Arbeit zitieren
Antje Krüger (Autor), 1998, John Rawls - Der Vorrang des Rechten und die Ideen des Guten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17180

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