Das Fotogramm - die frühen Anfänge


Hausarbeit, 2010
13 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte der Entstehung des Fotogramms

3 Funktionsweise des Fotogramms

4 Schadographie

5 Rayographie

6 Laszlo Moholy-Nagy

7 Fotogramme im Dadaismus und Surrealismus

8 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Ich möchte ich nachfolgenden Text den Begriff des Fotogramms näher erörtern. Was ist eigentlich ein Fotogramm und wie funktioniert es? Zunächst steht die Frage nach der Erfindung dieser kameralosen Fotografie im Raum. Es ist interessant den Weg nachzugehen, von den ersten Versuchen, die zu dokumentarischen Methoden dienten bis zur Etablierung als ein besondere Form der künstlerischen Fotografie. Dabei werden auch auf die Unterschiede zwichen den drei großen Pionieren des Fotogramms: Christan Schad, Man Ray und Laszlo Moholy-Nagy, eingegangen. Eine Frage ist was sie mit ihren Fotogrammen beabsichtigten. Daneben soll z.B. auch erwähnt werden, welche Materialien sie für ihre Arbeiten verwendeten. Ebenso soll ein kurzer Einblick in die surrealistischen Züge des Fotogramms gewährt und die wichtigsten Aussagen beim Thema Fotogramm erklärt werden.

2 Geschichte der Entstehung des Fotogramms

Zunächst muss erwähnt werden, dass ein Fotogramm ein nicht sehr bekannter Begriff ist. Einige Berühmtheit gelangte es durch Man Ray und Laszlo Moholy-Nagy in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Doch schon lange vor ihrer Zeit wusste man von der “Möglichkeit auf lichtempfindlichen Unterlagen Schattenbilder zu erzeugen, wenn gleich man die Ergebnisse damals nicht fixieren, also nicht erhalten konnte”.[1] Es lässt sich also nicht genau festlegen wann das Fotogramm auf kam. Auf jedem Fall ging die Erfindung der Fotografie dem Fotogramm voraus. Viele verschiedene Begriffe umschrieben das Fotogramm. “Das Wort >>Photogramm<< […] vermochte sich aber nicht durchsetzen, bis es von Moholy-Nagy für kameralose Lichtzeichnungen 1922 wieder eingeführt wurde”.[2]

Das Fotogramm ist ein zeitlich mit dem Aufkommen von Schattenriss und Scherenschnitt 18. Jahrhundert im einzuordnen. Johann Heinrich Schulze entdeckt 1725, dass Silbersalze lichtempfindlich sind und Gegenstände sich bei entsprechender Anordnung zur negativen Abbildung bringen lassen.[3] Der deutsche Mediziner experimentierte mit der Lichtempfindlichkeit von jodsilberhaltigen Kreideschlamm. Somit produzierte er erste kameralose Fotogramme. Er fand heraus, dass sich Silbersalze bei Lichtkontakt schwärzen. Damit schuf er die Voraussetzung für die Erfindung der Fotografie durch Nicéphore Niépce und Louis Jacques Marde Daguerre.

Etwa 1835 gelingen William Henry Fox Talbot seine „photogenic drawings“.[4] Der Erfinder des Negativ-Positiv-Verfahrens legte Pflanzen auf das präparierte Papier und belichtete es mit Sonnenlicht. In seinen Fotogrammen erkannte Talbot das Lichtparadox der Fotografie. Pflanzen, die er auf das lichtempfindlich gemachte Papier legte, wurden weiß abgebildet. In dem er diesen Prozess in sich noch einmal umkehrte, erfand er das Negativ-Positiv-Verfahren, auf das die heute gebräuchliche Fotografie zurück geht. Talbot ging es bei der Fotogrammarbeit mit Pflanzen um die Demonstration der Kopierbarkeit feinster Strukturen. Mit diesen Lichtzeichnungen, ohne Verwendung einer Kamera, veröffentlichte Talbot bereits 1844 das erste Fotobuch "Pencil of Nature". “Er plant 1839 zunächst eine Publikation mit Fotogrammen botanischer Objekte, bevor er von 1842 bis 1844 mit The Pencil of Nature das erste fotografisch illustrierte Buch herausgibt“.[5]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Fotogramm zu einem wichtigen Bereich der "Experimentellen Fotografie." Die erstmalige künstlerische Anwendung ist der Verdienst Schads. Analog zur Entwicklung der dadaistischen Collage fand er eine Möglichkeit, Materialbilder mit einem Schuss Zufall entstehen zu lassen. Berühmte Fotografen wie Man Ray, László Moholy-Nagy und viele andere schufen Fotogramme, die heute in bedeutenden Sammlungen sind und bei Auktionen hohe Preise erzielen. Auch heute arbeiten noch viele KünstlerInnen mit dieser Technik. Das Fotogramm bat sich zu dieser Zeit den Künstlern an, weil es bestimmte Bildwirkungen automatisch hervorbrachte. Da allein das Licht produktiv wurde und sich als reine Substanz materialisierte, schätzten es die Konstruktivisten. Den Surrealisten kam das Fotogramm dagegen entgegen, weil ihm andere Gesetze zugrunde liegen, als sie für das menschliche Sehen oder für das “Sehen” der Kamera gelten.

3 Funktionsweise des Fotogramms

Ein Fotogramm erzeugt man, indem man mehr oder weniger transparente Objekte zwischen einen lichtempfindlichen Film, Fotopapier oder einen elektronischen Sensor und eine Lichtquelle bringt und dann belichtet. Die räumliche Ausdehnung der Lichtquelle und der Abstand der Objekte vom Film bestimmen dabei die Konturierung des Schattens. Arbeitet man mit mehreren Lichtquellen oder bewegt diese sind weitere Effekte möglich.

Es ist eigentlich ganz plausibel, dass das Fotogramm vor der Fotografie erfunden worden ist. Denn es sind einfache Gründe: man benötigt nicht das Gehäuse einer Kamera und auch kein Objektiv, weder beschichtete Platten, sondern nicht mehr als ein lichtempfindlich gemachtes Papier.

“Darauf werden Blumen und Blätter, Halme und Gräser oder andere Dinge gelegt, und für eine gewisse Zeit wird das Arrangement dem Sonnenlicht ausgesetzt, worauf die Gegenstände ihren Abdruck hinterlassen. Die undurchsichtigen Partien bilden sich nicht ab, die transparenten führen zu Grauwerten, die unbedeckten Flächen des Papiers verfärben sich unter dem Einfluss des Lichts dunkel. Es entsteht ein Unikat mit negativer Darstellung”.[6]

Beim Negativ besteht zwischen dem Fotogramm und der Fotografie eine Gemeinsamkeit. Es ist ein physikalischer Vorgang, welcher das Fotogramm verdeutlicht oder auch verstärkt. Das Fotogramm ist damit sozusagen dem Foto unterzuordnen. Wenn man nun jedoch die Ansichten sowohl von Fotogramm, als auch von Fotografie so macht man eine Feststellung: Bei der Fotografie ist mehr als Schatten und Licht bzw. Helles und Dunkles zu sehen. Das rührt davon, dass bei der Fotografie eine Perspektive vorherrscht, die so beim Fotogramm nicht vorhanden ist. Durch die Linse kann man eine Verkleinerung oder Vergrößerung des Motivs einstellen. Ganz anders beim Fotogramm. Dort wird alles in einem Maßstab von 1 zu 1 abgebildet. Die Räumlichkeit, die sich bei einer Kamera einfangen lässt, ist bei einem Fotogramm nur noch die Fotopapierfläche.

“Trifft bei der fotografischen Aufnahme das Licht über die Linsen beziehungsweise die Öffnung der Lochkamera nur in bestimmten Winkeln auf Platte oder Film, fällt es beim Fotogramm von allen Seiten auf die lichtempfindliche Schicht. Auch bei nur einer einzigen künstlichen Lichtquelle erfolgen möglicherweise Reflexionen von den im Raum befindlichen Gegenständen auf das Fotopapier. Der ungleichmäßige Lichteinfall bewirkt unscharfe Ränder im Fotogramm bei jenen Teilen, die nicht vollkommen flach auf dem Fotopapier aufliegen. Dieserart Konstellationen sind aber die Regel und bewirken einmal mehr, dass sich das endgültige Aussehen des Fotogramms nicht vorhersehen lässt”.[7]

Zusammenfassend genügen für ein Fotogramm also Fotopapier, Entwickler, Fixierer und eine nach Bedarf ein- oder ausschaltbare Lichtquelle. Alles was man auf das lichtempfindliche Papier legt und was das Licht in irgendeiner Form beeinflusst, kennzeichnet sich nach der Entwicklung auf dem Fotogramm.

“Man lege eine Vogelfeder, einen Kamm, eine Spiralfeder oder ein Lochblech aufs Papier: Alle undurchlässigen Objekte übertragen sich mit absoluter Strenge als weiße Form. Halbtransparente Objekte wie Reiskörner, Zigarettenpapier und Gläser erzeugen Halbtöne. Ein Gegenstand wie ein Ei dagegen, das mit Schlagschatten und Halbschatten auf dem Papier liegt, ruft ein fremdartiges und beunruhigendes Gebilde hervor“.[8]

Erklärung anhand der Abbildung im Abbildungsverzeichnis:[9]

Die räumlich ausgedehnte Lichtquelle (1) beleuchtet Objekte (2 und 3) die direkt vor dem lichtempfindlichen Film platziert wurden. Je nach Entfernung der Objekte vom Film wird ihr Schatten härter (7) oder weicher (5) konturiert. Bereiche die völlig im Schatten liegen (6) werden nicht geschwärzt, Bereiche die voll belichtet werden (4) werden maximal geschwärzt.

[...]


[1] Moholy, L. 1972, 15.

[2] Gernsheim, H. 1983, 92.

[3] Vgl. Neusüss, F. 1990, 9.

[4] Vgl. Frankfurter Kunstverein. 1979, 110.

[5] Starl, T. 2008: Fotogramm, 2.

[6] Starl, T. 2008: Fotogramm, 2.

[7] Starl, T. 2008: Fotogramm, 3.

[8] Neusüss, F. 1990, 170.

[9] Abb. 1

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Fotogramm - die frühen Anfänge
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,8
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V171812
ISBN (eBook)
9783640914067
ISBN (Buch)
9783640912803
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fotogramm, anfänge
Arbeit zitieren
Aron Kraft (Autor), 2010, Das Fotogramm - die frühen Anfänge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171812

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